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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2024

Im besten Sinne wahnsinnig

Mein Mann
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Die Protagonistin dieses Buches könnte so glücklich sein - sie hat ihre große Liebe geheiratet, ein tolles Haus, zwei Kinder, einen guten Job - und doch gibt es da ein kleines (oder größeres) Problem, ...

Die Protagonistin dieses Buches könnte so glücklich sein - sie hat ihre große Liebe geheiratet, ein tolles Haus, zwei Kinder, einen guten Job - und doch gibt es da ein kleines (oder größeres) Problem, das sie davon abhält, ihr Leben zu genießen. Sie ist in ihren Mann verliebt. Nicht nur ein bisschen, sondern wahnsinnig doll - die anfängliche Verliebtheit hat bei ihr nie nachgelassen, sondern sich immer weiter gesteigert, während die Liebe ihres Mannes mit der Zeit zur Normalheit geworden ist. Seine Frau weiß nicht wohin mit ihrer Liebe und so wird sie immer misstrauischer, beobachtet ihren Mann, spioniert ihm hinterher, inszeniert ihr Leben, nur um ihm zu gefallen.

Maud Venturas Geschichte hat mich wirklich umgehauen. Wir begleiten die Frau eine Woche lang durch ihr Leben. Dabei ist die Geschichte nicht zwingend gradlinig erzählt, sondern lebt von eingestreuten Erinnerungen - aber alles überhaupt nicht langweilig, sondern so fesselnd, wie nur sonst was. Ganz besonders hervorheben muss ich auf den Schreibstil der Autorin. Sie hat eine ganz eigene Stimme, schafft einfach nur tolle und wirklich atmosphärische Bilder und so eine großartige Stimmung. Aus ganz kleinen Alltäglichkeiten werden hier große Momente und es wird eine ganz eigentümliche, aber sehr sogartige Spannung entwickelt.

Sowohl die Frau als auch ihr Mann bleiben eigentümlich blutleer - sie ist die Liebende, er der Geliebte, darüber hinaus haben sie nicht viele Eigenschaften, aber was auf den ersten Blick abschreckend erscheinen mag, hat in diesem Buch perfekt funktioniert, weil wir so wirklich beim Kern der Sache bleiben - der Liebe, der Obsession. Und trotzdem ist man so sehr im Kopf der Protagonistin, dass man ihre Besessenheit förmlich atmet und mit ihr gemeinsam voller Spannung am Abend auf die Heimkehr ihre Mannes wartet.

"Mein Mann" kommt ohne einen direkten Plott aus, sondern lebt wirklich von der reinen Obsession der Frau, von ihren Gefühlen, ihrem Wahnsinn und das reicht auch völlig. Mehr braucht dieses großartige Buch nicht. Es ist bestimmt nicht für jeden etwas, aber jeder der morbide, leicht verstörende Geschichten mag, kann ich "Mein Mann" sehr ans Herz legen. Für mich ein absolutes Highlight!

Veröffentlicht am 16.08.2024

Wichtige Message, die aber die Story leider nicht trägt

A Beautiful Flaw
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Die Zwillinge Vic und Sam gleichen einander auf den ersten Eindruck wie ein Ei dem anderen, doch der Schein trückt - wärhrend Sam gefeierter Schauspielstar einer Regency-Serie ist, bleibt Vic dem Rampenlicht ...

Die Zwillinge Vic und Sam gleichen einander auf den ersten Eindruck wie ein Ei dem anderen, doch der Schein trückt - wärhrend Sam gefeierter Schauspielstar einer Regency-Serie ist, bleibt Vic dem Rampenlicht fern, ihre Leidenschaft sind Make-up Tutorials. Doch dann bekommt Vic ein Kooperationsangebot, das sie unter keinen Umständen ausschlagen kann - auch wenn dieses Angebot, sie ausgerechnet an das Serien-Set ihrer Schwester führt. Und dann trifft sie dort auch noch auf den gut aussehenden Lex, den männlichen Hauptdarsteller, zu dem sie sich hingezogen fühlt, der aber auch seine ganz eigenen dunklen Seiten hat ...

"A beautiful Flaw" wird aus drei Perspektiven erzählt - Vic, Sam und Lex - auch wenn Vics Geschichte eindeutig im Vordergrund steht. Vic an sich ist eine sympathische Protagonistin, die mit allerlei Unsicherheiten und Zweifeln zu kämpfen hat. Das steht ihr aber auch ziemlich im Weg, sie lässt sich von anderen Leuten viel zu viel gefallen und ist oft viel zu naiv - ich gestehe, das war nicht immer leicht auszuhalten und hat auch nicht soo viel Spaß beim Lesen gemacht. Lex ist kein typischer Bad Boy, sondern hat auch viele weiche Seiten und scheut sich nicht, diese zu zeigen, was ich sehr mochte. Mit Sam hingegen bin ich leider auch nicht richtig warm geworden, bzw. trotz ihrer Perspektive habe ich irgendwie keinen richtigen Zugang zu ihr gefunden. Vielleicht würde sich das ja in Band 2 ändern, in dem sie die Hauptrolle spielt.

Das Erzähltempo ist eher langsam, gerade am Anfang. An sich nicht schlimm, wenn es nicht oft schon fast an der Grenze zu langweilig schrappen würde. Tortz allem war da irgendetwas, was mich hat weiterlesen lassen, weil ich auf das Ende gespannt war - nur, um dann enttäuscht zu werden, weil der große Knall, die große Enthüllung irgendwie ausblieb. Ein bisschen als wäre da vorher etwas aufgebauscht worden, um künstlich Spannung zu erzeugen, was unbeachtet in sich zusammengefallen ist. Die behandelten Themen Schönheit, Minderwertigkeitskomplexe, Ängste, Streben nach Perfektion waren aber auf jeden Fall wichtig und sind auch gut zur Geltung gekommen, manchmal etwas zu Kosten einer spannenden Story.

Insgesamt ist "A beautiful Flaw" ein nettes Buch, an dem man manchmal Spaß hat, über das man sich öfter ärgern kann, kurz, das man lesen kann, aber nicht muss.

Veröffentlicht am 12.08.2024

Geschlossene Gesellschaft

Pineapple Street
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"Pineapple Street" ist kein Plot-getriebenes Buch - wer unbedingt einen klaren Handlungsstrang braucht, wird mit dieser Geschichte vermutlich nicht glücklich werden. "Pineapple Street" ist ein Buch, das ...

"Pineapple Street" ist kein Plot-getriebenes Buch - wer unbedingt einen klaren Handlungsstrang braucht, wird mit dieser Geschichte vermutlich nicht glücklich werden. "Pineapple Street" ist ein Buch, das von Personen lebt, von kleinen Alltäglichkeiten, die vielleicht nicht ganz so alltäglich sind. Es ist ein Blick in die Welt der Reichen und Schönen und ihrer ganz eigenen Probleme.

Erzählt wird die Geschichte aus drei verschiedenen, weiblichen Sichtweisen, die sich immer abwechseln. Zum einen haben wir da die Geschwister Darley und Georgiana, beide in Brooklyn Heights aufgewachsen und quasi mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Sie kennen keine wirklichen Probleme, zumindest keine, die Geld nicht regeln können, haben ihre Ferien in Camps verbracht, die besten Ausbildungen genossen und tragen Diamant-Ohrringe auch mal zur Kostümparty. Dann haben wir da noch Sasha als dritte im Bunde - auch wenn sie eigentlich gar kein Teil des Bundes ist. Sasha ist die Schwägerin der beiden Schwestern, stammt aus weniger betuchten Verhältnissen und sucht ihren Platz in der für sie so neuen Welt. Doch diese Welt spielt nach ihren ganz eigenen Regeln und ist ein bisschen wie eine schillernde Glaskugel, in die man zwar hineinsehen kann, aber wirklich hinein kommt man nicht. Wir begleiten die drei Frauen ein Stück durch ihre Leben, nehmen an ihren Freuden, aber auch an Tiefschlägen teil und schauen zu, wie sie sich mal mehr mal weniger durchbeißen und erfahren dabei natürlich immer wieder, dass Geld eben auch nicht alles ist.

Mir hat die Lektüre von "Pineapple Street" wirklich viel Spaß gemacht. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Tatsächlich kann ich gar nicht so genau sagen, was mich da so gefesselt hat, aber ich musste immer wieder an die Geschichte denken und habe mich schon immer sehr aufs Weiterlesen gefreut. Allen, für die eine Geschichte nicht nur über die Handlung funktionieren kann, sondern auch über die kleinen Dinge, über Personen, den Alltag, die kleinen Kämpfe, kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Es ist ein faszinierender Einblick in eine fremde und auch ein bisschen bizarre Welt.

Veröffentlicht am 05.08.2024

Rasanter Lesespaß

Die Oaknight-Chroniken (Bd. 1)
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Als die Eltern von Scarlett und Scott Oaknight unter mysteriösen Umständen verschwinden, wird das Leben der Zwillinge auf den Kopf gestellt. Sie müssen feststellen, dass es Werwölfe gibt und dass ihre ...

Als die Eltern von Scarlett und Scott Oaknight unter mysteriösen Umständen verschwinden, wird das Leben der Zwillinge auf den Kopf gestellt. Sie müssen feststellen, dass es Werwölfe gibt und dass ihre Eltern Jäger waren und bei ihrem letzten Einsatz evtl. etwas schief gelaufen ist. Kurzerhand bildet der Buttler der Oaknights die Zwillinge selbst zu Werwolfjägern aus und dann geht es los auf die Jagd, um das Geheimnis ihrer verschwundenen Eltern zu lösen.

"Oaktnight Chroniken" ist ein rasantes Jugendbuch, sehr flott und unterhaltsam erzählt. Langeweile kommt hier garantiert nicht auf. Dafür sorgen schon die kurzen Kapitel und die abwechselnden Sichtweisen. Scott und Scarlett sind sehr eigenwillig und wirklich herzige Charaktere, die man schnell ins Herz schließt und sehr gerne auf ihrem Weg begleitet. Auch das Nebenpersonal, allen voran Buttler Hamish, sind wirklich gelungen.

Die Geschichte schafft es konsequent einen Spannungsbogen aufzubauen und gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse. Durch die wechselnden Perspektiven werden hier auch ziemlich effektive Cliffhange gesetzt, die einen das Buch nur schwer aus der Hand legen lassen. So spannend es auch ist, ein bisschen weniger Action und Kämpfe wären gegen Ende dann doch schön gewesen, weil sich sogar Action in hohen Dosen ziehen kann. Hier wäre weniger tatsächlich mehr gewesen.

Hervorzuheben ist auf jeden Fall die tolle Gestaltung des Buches - sowohl außen, mit dem tollen Cover und wirklich traumhaften Farbschnitt, als auch innen, die farbigen Vorsatzseiten und die Illustrationen und Vignetten. Das ist wirklich sehr gelungen und mach Freude anzuschauen.

Insgesamt ein spannendes und rasantes, vielleicht ein bisschen zu rasantes, Jugendbuch bei dem das Thema Werwölfe defintiv nicht zu kurz kommt.

Veröffentlicht am 29.07.2024

Zu Unrecht vergessen

Ex-Wife
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"Ex-Wife" von Ursula Parrott ist ein vergessener Klassiker - völlig zu Unrecht!! Welch ein Glück, dass das Buch mit dieser Neuausgabe jetzt die Chance bekommt, wiederentdeckt zu werden. Nicht nur thematisch ...

"Ex-Wife" von Ursula Parrott ist ein vergessener Klassiker - völlig zu Unrecht!! Welch ein Glück, dass das Buch mit dieser Neuausgabe jetzt die Chance bekommt, wiederentdeckt zu werden. Nicht nur thematisch ist das Buch heute (leider) immer noch relevant, aber auch - oder vor allem - sprachlich, ist das Buch wirklich ein Highlight.

Worum gehts? Die junge Patricia wird von ihrem Mann verlassen und steht plötzlich als "Ex-Wife" in den 1920er Jahren in New York da. Ihr erster Impuls ist, um ihren Mann zu kämpfen, aber hat das Zukunf? Dabei wird sie immer wieder mit der Rolle einer "Ex-Wife" konfrontiert, die gewisse Rollen erfüllen muss, um den Konventionen der Zeit zu entsprechen. Wir begeben und mit Pat auf Partys, erleben Affären und schauen zu, wie sie die Karriereleiter in einer Werbeagentur hochklettert.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Patricia erzählt und ist in einem Stil, der herrlich lakonisch, trocken, aber auch emotional und humorvoll ist - ein wirkliches Vergnügen! Man kann sagen, inhaltlich passiert nicht viel, zumindest keine wirkliche Action, aber gleichzeitig ist so viel los, dass es wirklich nie langweilig wird und hätte ich die Zeit gehabt, hätte ich das Buch auch in einem Rutsch durchlesen können.

Ich hoffe sehr, dass "Ex-Wife" das Come-Back erlebt, dass es verdient. Denn Ursula Parrott ist eine Autorin, die gelesen werden sollte - heute genauso wie damals.