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Veröffentlicht am 29.02.2020

Eine fesselnde Geschichte über eine außergewöhnlich mutige Frau

Die Spionin
1

Nancy Wake, eine unbekannte Heldin des Zweiten Weltkriegs.

Klappentext: Marseille, 1940: Nancy und Henri lieben sich und genießen ihr mondänes Leben - bis Frankreich von den Deutschen besetzt wird und ...

Nancy Wake, eine unbekannte Heldin des Zweiten Weltkriegs.

Klappentext: Marseille, 1940: Nancy und Henri lieben sich und genießen ihr mondänes Leben - bis Frankreich von den Deutschen besetzt wird und Nancy ihr Leben fortan für die Résistance riskiert. Ihre Schönheit und ihre glamouröse Erscheinung werden zu ihrer besten Tarnung - vermuten die Deutschen in dem als „Weiße Maus“ fieberhaft gesuchten Widerstandskämpfer doch stets einen Mann. Schließlich wird Henri verhaftet, und Nancy entkommt nach England, wo sie zur Geheimagentin ausgebildet wird. Per Fallschirm gelangt sie zurück in die Wälder der Auvergne und soll das Kommando über mehrere Tausend Partisanen übernehmen. An der Seite ihrer Männer kämpft Nancy blutige Schlachten gegen die Deutschen - der gefangene Henri gerät indes in immer größere Gefahr.

Meine Meinung: „Die Spionin“ konnte mich von Anfang an fesseln. Die Geschichte der Australierin Nancy Wake ist so mitreißend und spannend geschrieben wie ein Krimi mit einem ständig ansteigenden Spannungsbogen. Einiges ist an der Geschichte fiktiv, aber vieles hat sich wirklich so oder ähnlich zugetragen. Die Charaktere werden alle sehr lebendig und authentisch beschrieben. Nancy Wake war eine außergewöhnlich taffe und mutige Frau. Gut gefallen hat mir, dass deutlich wurde, wie schwer es ihr zu Anfang fiel, einen Menschen zu töten und wie sie im Laufe der Zeit ihre Hemmungen verlor. Doch sie tötete nie aus Grausamkeit, sondern um ihr Ziel, Frankreich von den Nazis zu befreien, zu erreichen. Dabei riskierte sie einige Jahre lang ihr Leben. Ihren Freund Denden mochte ich von Anfang an sehr gerne und durch seinen Humor lockerte er manche Situationen auf. Der deutsche Major Böhm, der Nancy unerbittlich jagt, dient als Beispiel für die Gestapobeamten, die grausame Verbrechen verübten.
Sehr informativ und wichtig finde ich auch das Nachwort des Autorenduos Imogen Robertson und Darby Kealy. Unbedingt lesen!

Fazit: Ein sehr fesselnder Roman über eine sehr mutige, gefährliche und faszinierende Frau.

Veröffentlicht am 12.02.2020

Erschreckend und berührend

Mehr als tausend Worte
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Inhalt: Berlin, November 1938: Für die gutsituierte jüdische Familie Landau wird die politische Lage in Deutschland immer gefährlicher, denn der Judenhass der Nazis nimmt immer extremere Formen an. Die ...

Inhalt: Berlin, November 1938: Für die gutsituierte jüdische Familie Landau wird die politische Lage in Deutschland immer gefährlicher, denn der Judenhass der Nazis nimmt immer extremere Formen an. Die Eltern weigern sich, das Land zu verlassen, doch für die knapp 17-jährige Tochter Aliza gibt es die Möglichkeit, sich mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit zu bringen. Aliza ist verzweifelt, denn sie ist in den 18-jährigen Fabian verliebt und will weder ihn, noch ihre Familie verlassen. Doch auch Fabian drängt Aliza zur Flucht und die beiden geben sich das Versprechen, nach ihrer Rückkehr sofort zu heiraten. Doch dann bricht der Krieg aus…

Meine Meinung: Der Schreibstil von Lilli Beck ist wie immer leicht und flüssig zu lesen. Während sie in ihrer fiktiven Geschichte hauptsächlich von Aliza erzählt, gibt sie aber auch immer wieder sporadisch Einblicke in das Leben der in Berlin zurückgebliebenen Familie, die sich immer weiter einschränken muss und der immer mehr Rechte genommen werden. Diese Kapitel fand ich besonders erschreckend und berührend und ich hätte gerne noch mehr von den Landaus gelesen. Von Samuel und Rachel, Alizas Eltern und von ihrem Bruder Harald. Aliza hatte das Glück, mit ihren knapp 17 Jahren noch in einem Kindertransport mitfahren zu dürfen. Die Beschreibungen des Transportes fand ich sehr interessant. Wie schwer muss es für Eltern und Kinder gewesen sein, sich voneinander zu trennen. Die Engländer haben damit viele Kinder vor dem sicheren Tod in Deutschland bewahrt. Obwohl Aliza für ihren Unterhalt teilweise schwer arbeiten muss und von vielen Engländern während des Krieges als Nazi beschimpft wird, nur weil sie Deutsche ist, fühlt sie sich doch sicher in England und findet in Mizzie schnell eine gleichaltrige Freundin.
Sehr interessant fand ich die Erwähnung von einigen jüdischen Sprichwörtern, Sitten und Gebräuchen, die ich noch nicht kannte oder jüdische Ausdrücke, die auch in unserem Sprachgebrauch nicht unbekannt sind, z.B. meschugge.
Auch die Schilderungen vom völlig zerstörten Berlin und den beharrlichen Aufräumarbeiten der Berliner sind sehr gut gelungen. Die Liebesgeschichte fand ich ganz in Ordnung, wenn man bedenkt, wie jung Aliza und Fabian sind. Bei älteren Protagonisten wäre sie mir zu kitschig gewesen. Trotzdem nervte mich irgendwann etwas die häufige Wiederholung des Satzes „Ich liebe dich mehr, als tausend Worte sagen könnten" , auch wenn ein Teil dieses Satzes der Buchtitel ist.
Leider gibt es im letzten Drittel des Buches Wendungen, die mir nicht so gut gefallen haben und die auch eher unglaubwürdig wirken, sowie wichtige und emotionale Passagen, die zu schnell abgehandelt werden.

Fazit: Ich habe das Buch trotz einiger Kritikpunkte sehr gerne gelesen und bin derselben Meinung wie Lilli Beck: „Und obwohl Aliza und ihre Familie von mir erdacht wurden, so steht ihre Geschichte für all die Schicksale, die niemals vergessen werden dürfen.“ - Zitat aus dem Nachwort.

Veröffentlicht am 10.02.2020

Konnte meine Erwartungen nicht erfüllen

Die Frauen von Richmond Castle
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Inhalt: England in den 1920ern: Ishbel Christina Camberwell, genannt Blue, wächst wohlhabend und behütet im Townhouse ihrer Familie, in Richmond Castle, auf. Sie träumt von einem Leben als Schriftstellerin, ...

Inhalt: England in den 1920ern: Ishbel Christina Camberwell, genannt Blue, wächst wohlhabend und behütet im Townhouse ihrer Familie, in Richmond Castle, auf. Sie träumt von einem Leben als Schriftstellerin, doch ihre Familie hofft eher auf eine baldige Verlobung. Nach außen scheinen die Camberwells eine Familie ohne Sorgen zu sein, doch der Schein trügt.
Die junge Delphine kommt aus ärmlichen Verhältnissen und ist auf der Flucht vor ihrem Mann, als ihr Blue und deren ältere Schwester Merrigan nach einem kleinen Unfall zu Hilfe kommen. Blue nimmt Delphine kurzerhand mit nach Hause und die beiden Frauen freunden sich schnell an. Auch Blues Familie nimmt Delphine mit offenen Armen bei sich auf und kümmert sich um sie.

Meine Meinung: „Die Frauen von Richmond Castle" ist mein erster Roman der Autorin und konnte meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllen, auch wenn der Schreibstil mir gut gefällt.
Tracy Rees erzählt die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven von Blue, Delphine und Midge, Blues Stiefmutter. Das fand ich ganz gut gelungen, es bringt Abwechslung in die Geschichte und man kann die Gedanken der jeweiligen Frauen besser nachvollziehen. Aber vor allem Blues Handlungsstrang fand ich leider sehr oft langgezogen und auch langweilig. Ihre Treffen mit verschiedenen Männern und ihre Gedanken dazu, haben mich überhaupt nicht interessiert. Einige Seiten habe ich deshalb nur überflogen.
Fast alle Charaktere sind absolut sympathisch und liebenswert. Vielleicht ein wenig zu sehr! Die Familie lebt scheinbar in absoluter Harmonie zusammen und nimmt ohne zu zögern eine völlig fremde Frau aus der Arbeiterklasse bei sich auf, und Kenneth, Blues Vater, bietet ihr schon nach kurzer Bekanntschaft Geld an, um ein neues Leben zu beginnen. Auch für eine unkonventionelle und aufgeschlossene Familie halte ich das für vollkommen unrealistisch. Vor allem in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Das Familiengeheimnis hat mich geschockt und ich glaube nicht, dass ich persönlich diese Handlung so schnell verzeihen könnte wie die Camberwells.

Fazit: Eine nette Geschichte, die aber leider viele Längen hat. Ich habe den Roman ganz gerne gelesen, aber im Gedächtnis wird er nicht lange bleiben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2020

Wo ist Gloria?

Die Wälder
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Inhalt: Als die junge Ärztin Nina die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres besten und langjährigen Freundes Tim erhält, ist sie völlig erschüttert, vor allem, weil sie auf Tims mehrmalige Versuche sie telefonisch ...

Inhalt: Als die junge Ärztin Nina die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres besten und langjährigen Freundes Tim erhält, ist sie völlig erschüttert, vor allem, weil sie auf Tims mehrmalige Versuche sie telefonisch zu erreichen, nicht reagiert hat. Warum hat sie sich nicht die Zeit genommen, zurückzurufen? In ihrer Post findet sie dann einen Brief von Tim, in dem er sie bittet, jetzt endlich, nach zwanzig Jahren, das Verschwinden seiner Schwester Gloria aufzuklären. Auch David, ein anderer Freund aus Kindheitstagen, hat einen ähnlichen Brief erhalten. In Nina, sowie auch in David, sträubt sich alles gegen Tims letzten Wunsch. Beide wollen nicht in das kleine Dorf und die dunklen Wälder ihrer Kindheit zurückkehren. Dann stirbt Tims Mutter unerwartet…

Meine Meinung: Melanie Raabe erzählt die Geschichte auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen. Der Handlungsstrang in der Vergangenheit spielt zu der Zeit als Gloria plötzlich spurlos verschwindet. Eine Gruppe von vier Kindern versucht auf eigene Faust ihr Verschwinden aufzuklären und gerät dabei in gefährliche Situationen, bis sie von ihren Eltern gestoppt werden. Diese Kinder, ihren Zusammenhalt und ihren Mut fand ich toll und diese Geschichte hat mir am besten gefallen. Während der ersten Kapitel war ich noch etwas verwirrt und suchte den Zusammenhang, doch man ihn schon bald erahnen.
Die Geschichte in der Gegenwart fand ich zwar unrealistisch, aber trotzdem spannend. Nicht alle Charaktere konnte ich sofort richtig einschätzen.
Schon der Prolog „Vollmond“ vermittelt die düstere Atmosphäre, die in den Wäldern herrscht. Genau meins! Die Sprache ist einfach und die Kapitel sind kurz, dadurch lässt sich das Buch sehr schnell lesen. Auch die vielen Cliffhanger am Ende der Kapitel ließen mich immer weiter lesen, so dass ich das Buch in kürzester Zeit beendet hatte.
Gut gefallen haben mir auch die vielen Wendungen und Überraschungen gegen Ende des Buches. Das Gespräch mit „dem Engel" fand ich allerdings total albern.

Fazit: Die Meinungen zu „Die Wälder“ gehen stark auseinander, aber mir hat das Buch gut gefallen. Die Spannung ist nicht nervenzerfetzend, aber sie ist da und hat mich an das Buch gefesselt.
Einen Punkt Abzug gebe ich wegen der doch etwas unrealistischen Geschichte in der Gegenwart.

Veröffentlicht am 28.01.2020

Ein Roman mit Höhen und Tiefen

Der Schokoladensalon
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Inhalt: York, 1915: Die junge Alexandra, genannt Alex, würde gerne ein selbstbestimmtes Leben führen und in der nahen Schokoladenfabrik arbeiten. Als einziges Kind ihrer vermögenden Eltern und somit einmal ...

Inhalt: York, 1915: Die junge Alexandra, genannt Alex, würde gerne ein selbstbestimmtes Leben führen und in der nahen Schokoladenfabrik arbeiten. Als einziges Kind ihrer vermögenden Eltern und somit einmal Erbin von Tilsden Hall, drängt aber vor allem ihre Mutter auf eine baldige Heirat. Als der charmante und gesellschaftlich passende Matthew Britten-Jones ihr bereits am zweiten Tag ihrer Bekanntschaft einen Heiratsantrag macht und ihr versichert, sie dürfe während ihrer Ehe ihre eigenen Entscheidungen treffen und er würde keine Ansprüche an sie stellen, willigt sie kurzentschlossen ein.
Frankreich, 1918: Captain Harry Blake beteiligt sich an einer Aktion seines Regiments, gefallene Soldaten zu identifizieren und abzutransportieren. Dabei stößt er in einem Schützengraben auf einen toten Soldaten, der ihn an das Schicksal seines Bruders erinnert. Aus Respekt möchte er der Mutter des Soldaten persönlich die Nachricht seines Todes überbringen. Gleichzeitig sucht er nach der Verfasserin einer liebevollen handschriftlichen Botschaft, die er in der Schokoladendose des Toten gefunden hat. Bei seinen Nachforschungen in der Schokoladenfabrik trifft er Alex, in die er sich sofort verliebt.

Meine Meinung: Leider habe ich mich mit dem Buch sehr schwer getan. Obwohl der Schreibstil leicht zu lesen ist, so ist er doch teilweise sehr ausschweifend. Auch die Dialoge der Charaktere fand ich fast immer zu langgezogen und uninteressant. Mehr Fahrt nimmt die Geschichte erst auf, als Alex Harry kennenlernt. Aber so richtig fesseln konnte mich die Geschichte auch dann noch nicht, was aber keinesfalls an den Charakteren liegt, denn die haben mir eigentlich ganz gut gefallen. Alex, die zunächst ziemlich naiv in ihre Ehe geht, zeigt nach einigen Jahren deutlich, dass sie sich weiterentwickelt hat und noch selbstbewusster geworden ist. Und auch Harry mochte ich ganz gern. Die Liebesgeschichte der beiden ist mir allerdings etwas zu kitschig beschrieben und der Weg zum Happy End wird etwas zu schnell und zu tragisch auf Kosten anderer gelöst.
Auch den Titel „Der Schokoladensalon“ finde ich unpassend, denn der Schokoladensalon kommt nur auf wenigen Seiten vor. Den Orginaltitel, der übersetzt: „Die Schokoladendose“ heißt, finde ich etwas passender.

Fazit: Für mich hatte das Buch Höhen und Tiefen. Fesselnde und langweilige Passagen. Insgesamt empfand ich die Handlung aber zu langgezogen.

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