Fesselnder Roman auf drei Zeitebenen
Spiegelland1999: Nach Jahren voller Angst flieht Cato in einer regnerischen Nacht, zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kira, vor ihrem gewalttätigen Ehemann Sven. Sie hat von ihrer Großmutter ein altes Haus ...
1999: Nach Jahren voller Angst flieht Cato in einer regnerischen Nacht, zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kira, vor ihrem gewalttätigen Ehemann Sven. Sie hat von ihrer Großmutter ein altes Haus im Moor geerbt, von dem Sven nichts weiß und findet dort Zuflucht. Doch ist sie dort wirklich sicher vor ihrem Ehemann?
2025: Viele Jahre später versteckt sich der vierzehnjährige Elias bei seiner Großmutter im Moor, nachdem er großen Mist gebaut hat. Er braucht Zeit um nachzudenken.
Im Jahr 1756 begleiten wir die junge Aletta, die in einen heftigen Streit zwischen den Bewohnern der Dörfer Breddorf und Heudorf im Moorland gerät. Das Leben im Moor war geprägt von harter Arbeit, Armut und katastrophaler Lebensbedingungen.
Aletta hätte dieses Leben in Kauf genommen und als Tante (unverheiratete Angehörige) bei ihrem Bruder und seiner Frau gelebt, doch ein Mann sah das anders …
Meine Meinung: Der Schreibstil von Rebekka Frank ist flüssig, lebendig, bildhaft und atmosphärisch. Das Setting, das „Teufelsmoor“ in der Nähe von Bremen, hat mir richtig gut gefallen. Es ist düster und geheimnisvoll und ganz nebenbei erfahren wir noch eine Menge über die Natur dort.
Durch die nicht allzu langen Kapitel, sowie die häufigen Cliffhanger am Ender der Kapitel, entwickelt der Roman eine Sogwirkung und man rast nur so durch die Seiten. Außerdem versteht es die Autorin, sehr geschickt Verbindungen und Parallelen zwischen den einzelnen Zeit- und Handlungssträngen herzustellen. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.
Die Geschichte, die in „Spiegelland“ den größten Raum einnimmt, ist die von Cato im Jahr 1999 und hat mir persönlich auch am besten gefallen. Nach der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann - ohne Geld, ohne Auto und ohne Handy - nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand und arbeitet als freie Journalistin, was zu der Zeit als Frau nicht ohne Hürden ist. Doch sie nimmt Rückschläge in Kauf, um für sich und ihre Tochter ein neues Leben aufzubauen - in ständiger Angst vor Sven.
Auch Aletta ist eine starke Frau, die sich gegen den von Männern bestimmten Weg wehrt. Ihre Geschichte ist durch die Schilderungen des Lebens im 18. Jahrhunderts im Moor sehr interessant und ihr persönliches Schicksal sehr dramatisch.
Etwas schwächer dagegen und ohne viel Mehrwert für den ganzen Roman, fand ich Elias Geschichte im Jahr 2025, aber da die Kapitel kürzer gehalten sind, störten sie mich auch nicht.
Übergreifendes Thema aller Zeitebenen ist das seit Urzeiten herrschende Patriarchat vieler Männer, sowie Gewalt und Aggression gegen Frauen. Glücklicherweise gibt es aber in diesem Roman auch einige sehr nette Männer :). Insgesamt war es mir etwas zu viel, da es fast in jeder Generation der Familie einen gewalttätigen Mann gibt. Das ist auch ein Grund dafür, dass ich Elias Geschichte nicht mehr gebraucht hätte. Ein Epilog in dem erzählt wird, was in den folgenden Jahren passiert ist, hätte mir gereicht.
Fazit: Spiegelland ist ein über mehrere Zeitebenen erzählter Familienroman über starke Frauen, die sich gegen gewalttätige Männer zur Wehr setzen. Eine Triggerwarnung zu Beginn des Buches wäre vorteilhaft gewesen.