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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2025

Genialer Whodunnit

Tod zur Teestunde
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Obwohl ich bisher alle Romane aus Anthony Horowitz‘ Reihe über Susan Ryeland gelesen habe, bin ich immer dankbar, wenn der Autor die komplexen Ereignisse der letzten Bände zusammenfasst und in Erinnerung ...

Obwohl ich bisher alle Romane aus Anthony Horowitz‘ Reihe über Susan Ryeland gelesen habe, bin ich immer dankbar, wenn der Autor die komplexen Ereignisse der letzten Bände zusammenfasst und in Erinnerung ruft.
In gewohnter Manier ist auch „Tod zur Teestunde“ ein Buch im Buch. Zunächst erfahren wir, dass Susan Ryeland aus Kreta zurückgekehrt ist und wieder in London lebt. Dort soll sie den letzten Band der Atticus Pünd-Reihe lektorieren. Da der Autor der Reihe, Alan Conway, im letzten Band ums Leben kam, soll ein unbekannter Autor namens Eliot Crace das Buch im Stil von Conway weiterschreiben. Der Name Crace ist allerdings sehr bekannt, denn Eliots Großmutter schrieb eine höchst erfolgreiche Kinderbuchreihe namens „Little People“, in der herzensgute Menschen in einer heilen Welt leben. Im Gespräch mit Eliot erfährt Susan allerdings, dass Eliots Kindheit unter einem Dach mit der Großmutter alles andere als idyllisch war. Außerdem deutet er an, dass seine herrische Großmutter keines natürlichen Todes gestorben sei. In dem Buch, das er nun schreibt, finden sich viele Parallelen zu seinem eigenen Leben, viele Familienmitglieder kommen dabei nicht gut weg. Ihnen ist das Buch ein Dorn im Auge, in ihren Augen ist Eliot ein Nestbeschmutzer, der dem immer noch lukrativen Familienunternehmen schaden will. Als Eliot dann bei einem Unfall ums Leben kommt, gibt es eine ganze Reihe von Leuten, denen sein Tod gelegen kommt. Hauptverdächtige in den Augen der Polizei ist allerdings Susan Ryeland selbst.
Wie immer bei Horowitz‘ Büchern habe ich „Tod zur Teestunde“mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn ich dieses Mal das eine oder andere Detail nicht sehr glaubhaft fand und in der Mitte des Buchs ein paar Längen aufkamen. Insgesamt tat dies dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Die eingestreuten Anagramme sind wirklich clever. Ich bewundere Leute, die sich sowas ausdenken. Als treue Leserin freue ich mich schon auf den nächsten Band aus dieser unterhaltsamen Reihe, die im übrigen ganz hervorragend von Lutz-W. Wolff übersetzt wird!

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Wo ist Kandis?

Ein stilles Mädchen
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Die sechsjährige Kandis ist verschwunden. Ihr Vater hatte sie nach eigenen Angaben nur kurz zuhause allein gelassen. Seit Kandis‘ Mutter vor zwei Jahren gestorben ist, kümmert sich ihr Vater, der nach ...

Die sechsjährige Kandis ist verschwunden. Ihr Vater hatte sie nach eigenen Angaben nur kurz zuhause allein gelassen. Seit Kandis‘ Mutter vor zwei Jahren gestorben ist, kümmert sich ihr Vater, der nach einem selbst verschuldeten Unfall unter chronischen Schmerzen leidet, allein um das Kind.
Kommissar Eddie Feber und seine Kollegin übernehmen den Fall. Hatte der Vater womöglich Feinde? Gibt es aktenkundige Pädophile in der Gegend? Wer könnte etwas beobachtet haben?
Bei ihren Nachforschungen stoßen sie tatsächlich auf eine Spur, doch mittlerweile ist schon fast eine Woche vergangen und die Chance, dass das Kind noch lebt, scheint sehr gering.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und fand die Stimme des Sprechers sehr angenehm. Das Buch ist eher ein Roman als ein Krimi. Man erfährt viel über die persönlichen Hintergründe der einzelnen Personen. Oft fließen auch philosophische Gedanken ein. Als Leser/Hörer weiß man von Anfang an, in wessen Gewalt sich Kandis befindet, was allerdings sehr lange unklar bleibt, ist, wie Kandis und ihr Entführer sich getroffen haben. Obwohl die Geschichte manchmal etwas langatmig erzählt wird, fand ich sie durchaus spannend. Mein einziger Kritikpunkt ist das Verhalten der knapp sechsjährigen Kandis, die sich trotz der äußerst beängstigenden Situation mit ihrem Schicksal abfindet ohne auch nur einmal zu weinen oder Panik zu empfinden. Das fand ich äußerst unrealistisch. Auch dass die Kleine, die gerade erst in die Schule gekommen ist, schon Wörter entziffern kann, ist zumindest ungewöhnlich. Das Ende des Buchs ist überraschend und schockierend. Leider bleiben für mich einige Fragen ungeklärt, was mich etwas frustriert.
Insgesamt fand ich „Ein stilles Mädchen“ interessant, doch nicht so gut wie frühere Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Zweigeteilt

Der unsichtbare Elefant
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Thomas Siebenmorgen, Anwalt in einer renommierten Düsseldorfer Anwaltspraxis, stürzt im Atrium der Anwaltskanzlei in den Tod. Seine Kollegin Maria will ihm noch helfen, zurück über die Balustrade zu gelangen, ...

Thomas Siebenmorgen, Anwalt in einer renommierten Düsseldorfer Anwaltspraxis, stürzt im Atrium der Anwaltskanzlei in den Tod. Seine Kollegin Maria will ihm noch helfen, zurück über die Balustrade zu gelangen, doch sie kommt zu spät. Sie konnte Thomas gut leiden und hat ihm viel zu verdanken, deshalb will sie mehr über die Beweggründe erfahren, die Thomas zu diesem für sie völlig unerklärlichen Schritt geführt haben. Vonseiten der Kanzlei wird der junge Staranwalt Simon damit beauftragt, sich mit dem Fall zu befassen und mögliche Imageschäden von der Kanzlei fernzuhalten. Die dritte Person, die sich vorrangig um Thomas‘ Eltern kümmern soll, ist Victor, ein früherer Schulkamerad des Toten, der inzwischen in einem Kriseninterventionsteam arbeitet. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Perspektive dieser drei Personen geschildert.
Wir erfahren, dass Thomas‘ Elternhaus ausgesprochen spießig und ein wenig aus der Zeit gefallen ist, zumindest, was die Sprüche des Herrn Papa angeht. Wer sagt denn heute noch „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ oder „Persil bleibt Persil“? Thomas wurde wohl von seinen Eltern dazu gedrängt, etwas „Ordentliches“ zu lernen, denn Jura war nicht seine erste Wahl gewesen. Trotzdem war er auf seinem Fachgebiet sehr versiert. Vor allem einer der Partner der Kanzlei verließ sich voll und ganz auf Thomas‘ Recherchen, nur um dann selbst die Lorbeeren einzustreichen.
Bis etwa zur Hälfte des Buchs hat mich die Geschichte sehr gefesselt. Das Erste, was mich gestört hat, war die Art und Weise, wie Maria auf einen entscheidenden Hinweis stößt, was der Auslöser für Thomas‘ Selbstmord gewesen sein könnte. Das war vollkommen unrealistisch. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr geht der rote Faden verloren. Thomas‘ frühere Klassenkameraden veranstalten ein spontanes Klassentreffen, bei dem eine der Frauen einen Weinkrampf bekommt, als sie von ihrem lieblosen Elternhaus erzählt. Schön und gut, aber was hat das mit der Geschichte zu tun? Auch die Schilderung von Siebenmorgens teils problematischer Familiengeschichte nahm viel zu viel Platz ein, und die Andeutung, vererbte Traumata könnten zu Thomas‘ Suizid beigetragen haben, konnte mich nicht wirklich überzeugen.
Für mich ist dieses Buch regelrecht zweigeteilt: es beginnt mit einem Selbstmord und der spannenden Frage nach den Hintergründen und verliert sich dann in vielen einzelnen Handlungssträngen, die nur mäßig interessant sind.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine emanzipierte Frau

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia ...

Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia nicht als seine Tochter an. Da das Buch Ende des 19. Jahrhunderts spielt, sind Vaterschaftstests Zukunftsmusik.
Emilia wächst in San Francisco auf und entwickelt sich zu einer selbstbewussten jungen Frau. Ihre Leidenschaft ist das Schreiben. Sie beginnt, unter einem männlichen Pseudonym mit großem Erfolg Groschenromane zu verfassen, doch was sie wirklich möchte, ist, unter ihrem eigenen Namen zu schreiben. Sie stellt sich bei einer Tageszeitung vor, wo ihr der Chefredakteur zunächst skeptisch entgegentritt, dann aber von einem von ihr verfassten Bericht über einen ungeklärten Todesfall sehr angetan ist und sie einstellt. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Journalistin bekommt Emilia die Chance, gemeinsam mit einem männlichen Kollegen nach Chile zu reisen, um von dort aus über den bevorstehenden Bürgerkrieg zu berichten. Der Aufenthalt in Chile verändert Emilias Leben von Grund auf.
Ich habe dieses Buch vor ein paar Stunden beendet und bin immer noch ganz atemlos von den sich überschlagenden Ereignissen im Leben dieser für die damalige Zeit unglaublich emanzipierten jungen Frau. Seit ich vor langer Zeit das Buch „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque gelesen habe, ist mir kein Buch begegnet, in dem das grausame Kriegsgeschehen so eindrücklich geschildert wird. Als Leser hat man das Gefühl, an Emilias Seite vor Ort alles mitzuerleben. Die geschilderten Schlachten haben tatsächlich stattgefunden und auch die politischen Konstellationen entsprechen der geschichtlichen Realität, wodurch dieses Buch noch mehr unter die Haut geht, als wenn es sich um reine Fiktion handelte. Ich bin kein großer Fan von historischen Romanen, doch dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und ist eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.11.2025

Vererbte Traumata

Das Flüstern der Marsch
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Mona fährt zu ihren Großeltern in die Marsch, ihre alte Heimat, um den 80. Geburtstag ihres Opas Karl zu feiern, nur um festzustellen, dass ihre Großmutter Annemie verschwunden ist. Karl ist erstaunlich ...

Mona fährt zu ihren Großeltern in die Marsch, ihre alte Heimat, um den 80. Geburtstag ihres Opas Karl zu feiern, nur um festzustellen, dass ihre Großmutter Annemie verschwunden ist. Karl ist erstaunlich gelassen und geht davon aus, dass Annemie schon irgendwann wieder auftauchen wird. Mona macht sich Sorgen und spricht mit einer alten Freundin ihrer Oma, die Andeutungen macht, dass die Ehe der Großeltern vielleicht nicht ganz so harmonisch war wie angenommen. Außerdem findet Mona ein Babyfoto, das weder ihre Mutter, noch deren zwei Brüder zeigt. Welches Geheimnis hat Annemie gehütet?
Mona selbst hat ebenfalls Geheimnisse. Sie ist schwanger, der Vater des Kindes, den sie nicht liebt, ist gerade ins Ausland gezogen und sie weiß nicht, ob sie das Kind überhaupt bekommen will. Zum Glück trifft sie auf einen Freund aus ihrer Kindheit, mit dem sie sich immer noch gut versteht und über alles reden kann.
Diese Familiengeschichte wird in kurzen Kapiteln und aus wechselnden Perspektiven erzählt. Eigentlich mag ich Perspektivwechsel in Büchern ganz gern, hier waren die Kapitel aber so kurz, dass es den Lesefluss gehemmt hat. Immer, wenn ich Interesse für eine der erzählenden Personen entwickelt habe, kam schon die nächste wieder zu Wort. Lange weiß man nicht, wie Freya, eine der Erzählerinnen, in die Geschichte passt. Was mich auch ein wenig genervt hat, war die sehr norddeutsch geprägte Sprache. Ich weiß nicht, was die Wörter gienen, luschern und Bagalut bedeuten und ich finde es mühsam, in einem Buch, das in meiner Muttersprache geschrieben ist, Wörter nachzuschlagen.
Ich fand „Das Flüstern der Marsch“ nicht schlecht, aber ich habe bestimmt zwei Wochen fürs Lesen gebraucht, ein klarer Indikator, dass das Buch mich nicht sonderlich gefesselt hat.

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