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Veröffentlicht am 24.10.2025

Lebenslügen

Die Verlorene
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Für Laura kommt alles zusammen: sie stellt fest, dass sie schwanger ist und ihre Großmutter Änne stirbt kurz nachdem sie ein ominöses Bild aus ihrer alten Heimat Schlesien geschickt bekommen hat. Das Bild ...

Für Laura kommt alles zusammen: sie stellt fest, dass sie schwanger ist und ihre Großmutter Änne stirbt kurz nachdem sie ein ominöses Bild aus ihrer alten Heimat Schlesien geschickt bekommen hat. Das Bild zeigt eine junge Frau und ist mit Luise unterzeichnet. Weder Laura noch ihre Mutter Ellen haben jemals von ihr gehört. Laura beschließt spontan, nach Schlesien zu fahren mit der Absicht, den Gutshof zu finden, auf dem ihre Großmutter aufgewachsen ist.
„Die Verlorene“ spielt auf zwei Zeitebenen. Zum einen im Jahr 2019, zum anderen in den Jahren kurz vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Änne eine junge Frau war und nach Einmarsch der Russen mit ihrer Familie von ihrem Land vertrieben wurde. Miriam Georg versteht es hervorragend, Ännes Familiengeschichte vor dem Hintergrund der grausamen Geschehnisse zu erzählen und an die Schrecken des Kriegs zu erinnern.
Laura schafft es tatsächlich, den „Pappelhof“ ausfindig zu machen und mehr über ihre Wurzeln in Erfahrung zu bringen. Die Dinge, die sie dabei zutage fördert, lassen sie daran zweifeln, ihre Großmutter jemals richtig gekannt zu haben…
Den meisten Lesern dürfte bekannt sein, dass Schlesien früher zu Deutschland gehörte und heute zu Polen zählt. Auch von den Vertreibungen der Bevölkerung werden viele, zumindest aus der älteren Generation, noch wissen. Es ist jedoch etwas ganz anderes, von solchen Dingen im Geschichtsunterricht zu hören oder sie anhand des Schicksals einer Familie quasi hautnah mitzuerleben. Mich haben die Ereignisse jedenfalls sehr berührt. Ich bedaure sehr, dass ich eine mittlerweile schon lange verstorbene alte Frau, die ebenfalls in ihrer Jugend aus Schlesien flüchten musste, nie nach ihrer Lebensgeschichte gefragt habe.
Ich habe „Die Verlorene“ bis zur letzten Seite gerne gelesen, die Autorin versteht es, ihre Leser zu fesseln und die Spannung bis zuletzt aufrecht zu erhalten. Mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch ist das wenig ansprechende Cover, doch das Buch an sich kann ich uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Zieht sich wie Kaugummi

Dunkle Sühne
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Um es gleich vorwegzunehmen: für mich war dieses Buch eine einzige große Enttäuschung. Dabei war ich von der Leseprobe sehr angetan: Am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, verschwinden während ...

Um es gleich vorwegzunehmen: für mich war dieses Buch eine einzige große Enttäuschung. Dabei war ich von der Leseprobe sehr angetan: Am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, verschwinden während des Feuerwerks in der Kleinstadt North Falls zwei Teenager. Es werden ein ramponiertes Fahrrad und Blutspuren gefunden, weshalb von einer Entführung ausgegangen wird. Deputy Sheriff Emmy Clifton macht sich große Vorwürfe, weil eines der Mädchen, Madison, an dem Abend auf sie zugekommen war, sie sie aber auf später vertröstet hatte. Bis hierher ging die sehr spannende Leseprobe und ich war angefixt. Leider entwickelt sich die Geschichte danach äußerst schleppend. Es kommt viel zu viel Privates ins Spiel – wen interessiert es, dass Emmy äußerst nervige Cousinen hat und North Falls in Clifton County liegt und von Emmys Vorfahren gegründet wurde? Es ist nicht schlecht, etwas über das private Umfeld von Ermittlern zu wissen, aber hier war es definitiv übertrieben. Der Mittelteil dieses dicken Schmökers zieht sich wie Kaugummi. Ein weiteres Mädchen wird Jahre später entführt und der Fall der Mädchen Madison und Cheyenne wieder in allen grausamen Einzelheiten aufgerollt. Bei der Lektüre dieses Buchs habe ich mich gefragt, wer eigentlich die Zielgruppe dieses Krimis ist. Ich muss nicht in allen Details wissen, wie grausam die Mädchen gefoltert wurden, aber es scheint Leser zu geben, die sich daran ergötzen, nur so kann ich mir erklären, dass diese Dinge wieder und wieder genüsslich aufgelistet werden. Ich fand das regelrecht abstoßend.
Ich habe in der Vergangenheit schon Bücher der Autorin gelesen, die ich spannend fand. Aber dieses Buch war für mich reine Zeitverschwendung und ich werde nie wieder einen Karen Slaughter Krimi lesen. Was im Übrigen noch dazukam, war die schlechte Übersetzung. Als von Emmys dementer Mutter die Rede ist, lautet der deutsche Text: sie kann sich nicht mehr allein baden. Im Original hieß das wohl „she can’t go to the bathroom by herself anymore“, was so viel heißt wie „sie kann nicht mehr allein zur Toilette gehen“. Dies ist nur ein Beispiel von vielen.
Wohlwollende drei Sterne, weil der Anfang spannend war.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Ein Ort, zwei Welten

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Winter 1938: Mitten in den ausgedehnten nordschwedischen Wäldern arbeitet die siebzehnjährige Siv in einer Hütte als Köchin für eine Gruppe von Waldarbeitern. Zunächst ist sie unsicher und panisch angesichts ...

Winter 1938: Mitten in den ausgedehnten nordschwedischen Wäldern arbeitet die siebzehnjährige Siv in einer Hütte als Köchin für eine Gruppe von Waldarbeitern. Zunächst ist sie unsicher und panisch angesichts der beengten Wohnsituation, aber bald gewinnt sie an Selbstbewusstsein und genießt die Freiheit, die ihr dieses Leben ermöglicht. Als sie einen jungen Sami, Nila, kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn, doch beiden ist klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Zu spät merkt sie, dass ihre Liebe nicht ohne Folgen blieb.
Im Jahr 2022 macht sich Sivs Enkelin Eva auf den Weg ins Dorf ihrer Kindheit. Sie kommt im Auftrag eines forstwirtschaftlichen Unternehmens, das von einem Kunden mit der Abholzung eines alten Waldstücks beauftragt wurde. Als Beraterin ist ihre Aufgabe, zwischen dem Unternehmen und einer Gruppe von Aktivisten zu vermitteln, die vehement gegen die Zerstörung des alten Baumbestands protestiert. Dabei trifft sie auf Mattias, mit dem sie in ihrer Jugend eine kurze Affäre hatte. Dass Mattias‘ Tochter Fanny die Initiatorin der Protestbewegung ist, macht die Dinge nicht einfacher. Während des Aufenthalts in der alten Heimat sieht sich Eva nicht nur handfesten Bedrohungen ausgesetzt, sie findet auch Erstaunliches über ihre eigene Familiengeschichte heraus.
„Wo die Moltebeeren leuchten“ erzählt abwechselnd die Geschichte von Siv und Eva, wobei mich Sivs Geschichte mehr interessiert hat. Man erfährt, welcher Diskriminierung die ethnische Gruppe der Samen zu der damaligen Zeit ausgesetzt war. Ihr Land, das sie seit Jahrhunderten bewirtschafteten und auf dem ihre Rentierherden weideten, wurde von der Regierung an Siedler übergeben, sie wurden quasi enteignet. Das Buch zeigt den Spagat zwischen dem Bewahren von Naturschutzgebieten und den Erfordernissen der modernen Forstwirtschaft auf.
Evas Teil der Geschichte empfand ich als ein wenig zäh. Das Geheimnis, was mit ihrem Vater geschah, wurde nicht aufgelöst, sondern nur Andeutungen gemacht, es sei denn, ich habe etwas überlesen.
Die Lektüre war ganz okay, aber ich habe ziemlich lange dafür gebraucht, ein Zeichen, dass mich das Buch nicht wirklich fesseln konnte. Den angekündigten zweiten Teil werde ich wahrscheinlich nicht lesen.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Home is where the heart is

Das Haus mit der kleinen roten Tür
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Das kleine Mädchen Olivia lebt allein in einem großen Haus mit roter Tür. Im Garten steht ein alter Baum, in dem Maus es sich gemütlich gemacht hat und dort viele Zimmer bewohnt: sogar eine Bibliothek ...

Das kleine Mädchen Olivia lebt allein in einem großen Haus mit roter Tür. Im Garten steht ein alter Baum, in dem Maus es sich gemütlich gemacht hat und dort viele Zimmer bewohnt: sogar eine Bibliothek mit gemütlichem Ohrensessel ist dabei! Doch dann geschieht das Unglück: in einem Wintersturm fällt der alte Baum um und die arme Maus hat kein Zuhause mehr! Olivia versucht, eine Lösung zu finden. Vielleicht könnte Maus in die Kuckucksuhr ziehen? Doch da ist es viel zu laut. Oder in einen alten Stiefel? Nein, denn der müffelt zu sehr. Der Blumentopf ist eine passable Lösung, doch Maus fühlt sich dort einsam. Und auch Olivia in ihrem großen Haus hätte gern jemanden zum Reden. So kommt es, dass Maus bei Olivia einzieht und ein neues Zuhause im Küchenschrank findet.
Schon als ich das Cover von „Das Haus mit der roten Tür“ gesehen habe, wusste ich, dieses Buch muss ich haben, denn ich liebe Bücher mit Klapptürchen genauso sehr wie mein vierjähriger Enkel. Gibt es etwas Schöneres, als zu entdecken, was sich hinter all den Türchen verbirgt? In diesem Buch gibt es besonders viel zu entdecken. Wenn man beispielsweise das Türchen am alten Baum wegklappt, in dem sich Maus ihr Haus eingerichtet hat, findet man sage und schreibe zwanzig Zimmerchen vor, in denen es unzählige liebevolle Details zu entdecken gibt. Doch nicht nur die Illustrationen sind herzerwärmend, auch die Botschaft des Buchs berührt: wir brauchen einander, gemeinsam geht man besser durchs Leben. Im Englischen gibt es den Spruch „Home is where the heart is“, Zuhause ist dort, wo sich das Herz wohlfühlt, was durch dieses liebevoll gestaltete, zauberhafte Buch bestens illustriert wird.
Wer noch nach einem (Weihnachts-)Geschenk für ein drei -bis vierjähriges Kind sucht: hier ist es!

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Auszeit im Sarg

Das glückliche Leben
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Érics Leben ist ziemlich ereignislos. Seit Jahren arbeitet er im selben Konzern. Er ist geschieden und hat kaum soziale Kontakte. Er ist sehr erstaunt, als eine alte Schulkameradin ihn online kontaktiert ...

Érics Leben ist ziemlich ereignislos. Seit Jahren arbeitet er im selben Konzern. Er ist geschieden und hat kaum soziale Kontakte. Er ist sehr erstaunt, als eine alte Schulkameradin ihn online kontaktiert und ihm vorschlägt, für sie zu arbeiten. Amélie ist eine Karrierefrau, die für die Regierung Lobbyarbeit macht, indem sie ausländische Unternehmen dazu bewegt, Niederlassungen in Frankreich zu eröffnen. Éric beschließt, dass es Zeit für etwas Neues ist und nimmt ihr Jobangebot an. Auf einer Auslandsreise nach Seoul lernt er das Ritual von Fake-Beerdigungen kennen und sein Leben verändert sich von Grund auf.
Mir hat David Foenkinos‘ Schreibstil gut gefallen. Er ist ein kluger Beobachter, der die Dinge auf den Punkt bringt. Allerdings blieben mir sowohl Amélie als auch Éric fremd. Am spannendsten fand ich den ersten Teil des Buchs, danach plätschert die Geschichte so dahin. Bei Éric läuft alles wie am Schnürchen, für meine Begriffe ein wenig zu glatt. Die Auszeit im Sarg lässt ihn sein Leben überdenken und in neue Bahnen lenken.
Ich habe dieses Buch gern gelesen, doch ist es kein Buch, das bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

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