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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2020

Ein ungewöhnliches Ermittlerteam

Die Toten von Marnow
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Lona Mendt und Frank Elling sind Kriminalkommissare in Rostock. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Elling wird als Spießer beschrieben, der mit Frau und Tochter ein Häuschen bewohnt und sich ...

Lona Mendt und Frank Elling sind Kriminalkommissare in Rostock. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Elling wird als Spießer beschrieben, der mit Frau und Tochter ein Häuschen bewohnt und sich gerade einen Swimmingpool bauen lässt, obwohl er sich den eigentlich gar nicht leisten kann. Lona Mendt ist noch nicht lange in Rostock. Über ihr Privatleben wissen die Kollegen nichts. Sie wohnt in einem Wohnmobil, mit dem sie immer mal wieder an einen Standort zieht.
Zu Beginn geschieht ein Mord. Seltsamerweise sieht es für die Kommissare so aus, als ob zwei verschiedene Personen in den Mord verwickelt sind. Zunächst deutet alles darauf hin, dass der Ermordete ein Kinderschänder war, doch bald stellt sich heraus, dass jemand versucht, die Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken. Außerdem gibt es Leute, denen viel daran gelegen ist, dass der Fall schnell ad acta gelegt wird.
Dann geschieht ein weiterer Mord und ein Pharmaunternehmen rückt in den Mittelpunkt der Ermittlungen.
Neben den beruflichen Herausforderungen müssen sich Mendt und Elling auch mit privaten Problemen auseinandersetzen. Ellings 18jährige Tochter hat ihren ersten Freund, sehr zum Leidwesen des Papas, und seine Frau hat Geheimnisse vor ihm. Lona bekommt Besuch aus der alten Heimat. In welchem Verhältnis steht er zu Lona?
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, hervorragend gelesen von David Nathan. Mir hat dieser Krimi, der sich ganz anders entwickelt als man anfangs erwartet, von der ersten bis zur letzten Minute Spaß gemacht. Ich hoffe auf eine Fortsetzung mit dem Ermittlerteam Mendt und Elling!

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Veröffentlicht am 23.04.2020

Wie Phoenix aus der Asche

Ein halbes Herz
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Da mir Sofia Lundbergs Debütroman „Das rote Adressbuch“ wirklich gut gefallen hat, war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman, der aber, um es gleich von vornherein zu sagen, nicht an ihr erstes Buch ...

Da mir Sofia Lundbergs Debütroman „Das rote Adressbuch“ wirklich gut gefallen hat, war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman, der aber, um es gleich von vornherein zu sagen, nicht an ihr erstes Buch herankommt.
Es geht um Elin, eine ziemlich unsympathische New Yorker Starfotografin, die mehr mit ihrem Beruf als mit ihrem Mann Sam verheiratet ist. Ihre Karriere ist ihr Lebensinhalt. Während sie arbeitet, ignoriert sie SMS-Mitteilungen und Anrufe und ist der Meinung, jeder müsse dies verstehen. Was sie selbst allerdings nicht versteht, ist, dass ihr Mann irgendwann genug von diesem Leben hat und sie verlässt. Plötzlich merkt sie, wie wichtig er und die gemeinsame Tochter Alice für sie sind.
In einem zweiten Handlungsstrang erleben wir Elin als junges Mädchen, das in großer Armut auf der schwedischen Insel Gotland aufwächst. Der Vater sitzt im Gefängnis, die Mutter ist verbittert und lässt ihren Frust an den Kindern aus. Zum Glück gibt es wohlmeinende Nachbarn und Freunde, die manches auffangen. Und natürlich Fredrik, ihren besten Freund. Es ist schlimm für Elin, als Fredrik mit seiner Mutter wegzieht und Elins Mutter eine neue Beziehung eingeht. Ihr neuer Mann nützt sie aus und auch Elin muss hart auf seinem Bauernhof arbeiten. Als er sie eines Tages schlägt, rennt Elin davon. An diesem Tag ändert sich ihr Leben von Grund auf...
Das Buch hat spannende Passagen, aber im Großen und Ganzen fand ich es sehr klischeehaft und langatmig. Erst in der zweiten Hälfte kam so etwas wie Spannung auf. Ich konnte mich in die erwachsene Elin überhaupt nicht einfühlen. Sie ist zickig und egoistisch, alle sollen nach ihrer Pfeife tanzen. Ihre Handlungen konnte ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Sie nimmt sich beispielsweise mitten in der Nacht ein Taxi, lässt sich von New York aufs Land kutschieren, was ein Vermögen kostet, und irrt dort ziellos durch die Gegend. Die Personen bleiben insgesamt sehr blass. Von Sam erfährt man so gut wie gar nichts. Für mich war die Lektüre eher enttäuschend.

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Veröffentlicht am 19.04.2020

Islandkitsch

Das Versprechen der Islandschwestern
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Die Schwestern Margarete und Helga wollen nach dem Krieg für ein Jahr in Island arbeiten. Die Anfangszeit ist hart, sie können die Sprache nicht und alles ist fremd. Im Winter wird es kaum hell. Doch sie ...

Die Schwestern Margarete und Helga wollen nach dem Krieg für ein Jahr in Island arbeiten. Die Anfangszeit ist hart, sie können die Sprache nicht und alles ist fremd. Im Winter wird es kaum hell. Doch sie haben genug zu essen, werden freundlich empfangen und gewöhnen sich schnell ein. Natürlich lernen sie auch fesche Isländer kennen, die sehr angetan von den deutschen Fräuleins sind. Margarete findet vor allem Thor nett und kann sich ein Leben an seiner Seite gut vorstellen. Helga will eigentlich nach dem einen Jahr nach Deutschland zurückkehren, die Rückfahrt ist schon gebucht, doch dann kommt alles anders...
In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir Pia und ihre Tochter kennen, die zusammen mit der Oma im Jahr 2017 nach Island fahren, um Omas Schwester Helga zu besuchen. Die Schwestern hatten über Jahrzehnte hinweg keinen Kontakt. Helga ist diejenige, die in Island blieb, und Margarete kehrte nach Deutschland zurück. Was genau zwischen den Schwestern vorgefallen ist, weiß Pia nicht, doch auf Island erfährt sie dann die Geschichte.
Pia ist geschieden und hat keinerlei Absicht, sich auf eine neue Beziehung einzulassen, doch als sie auf der Fähre einen gutaussehenden Isländer anzickt, ist schon klar, was passiert... Ich habe selten einen Roman gelesen, bzw. in diesem Fall gehört, der dermaßen vorhersehbar war und mich so gelangweilt hat. Ich habe mich bis zum Schluss durchgequält, aber es war kein Vergnügen. Auch die Sprache ist haarsträubend und kitschig. Die Wangen der jungen Frauen sind rosig, die Beine wohlgeformt, und so weiter und so fort, eine Plattitüde reiht sich an die nächste.
Ich hatte mich für das Hörbuch entschieden, weil mich Island interessiert und ich gerne mal hinfahren möchte, doch von Lokalkolorit bekommt man nicht allzu viel mit. Als Sonntagabendfilm im ZDF könnte ich mir diesen Roman gut vorstellen, perfektes Herzkino, und dann hätte man wenigstens noch die schöne Landschaft, an der man sich erfreuen könnte. So war ich einfach nur froh, als das Hörbuch endlich zu Ende war. Aber offensichtlich gibt es ja einen Markt für solche Bücher, die meisten Rezensionen sind ja äußerst positiv. Ich werde jedenfalls einen weiten Bogen um eventuelle Fortsetzungen machen

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Veröffentlicht am 18.04.2020

Außerhalb der gesellschaftlichen Norm

Die Tanzenden
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Das Leben im Paris des 19. Jahrhunderts ist ein hartes, vor allem für Frauen. Wer sich außerhalb der gesellschaftlichen Norm bewegt, landet schnell im berüchtigten Irrenhaus für Frauen, der Salpêtrière. ...

Das Leben im Paris des 19. Jahrhunderts ist ein hartes, vor allem für Frauen. Wer sich außerhalb der gesellschaftlichen Norm bewegt, landet schnell im berüchtigten Irrenhaus für Frauen, der Salpêtrière. Hysterikerinnen, Prostituierte, Vergewaltigungsopfer, sie alle werden hinter den Mauern dieser Anstalt verwahrt. Doch nicht nur Frauen und Mädchen aus der Unterschicht landen dort, auch Eugénie, die Tochter des angesehenen Notars Cléry wird von ihrer Familie eingeliefert, weil sie behauptet, mit Toten kommunizieren zu können. Darüber hinaus ist sie viel zu aufmüpfig und denkt gar nicht daran, sich mit einem Leben als Ehefrau zufrieden zu geben.
Es scheint eine Gesellschaft ohne Mitgefühl zu sein, die ihre Frauen solchermaßen entsorgt. Wenn man erst einmal hinter den Mauern der Salpêtrière verschwunden ist, scheint es fast unmöglich, die Anstalt jemals wieder zu verlassen. Und diejenigen, die entlassen werden sollen, leben schon so lange dort, dass sie Panik bei dem Gedanken verspüren, sich „draußen“ durchschlagen zu müssen.
Auch die Oberschwester Geneviève arbeitet schon so lange in der Klinik, dass ihr das Mitgefühl mit den Patientinnen abhanden gekommen ist. Doch die Begegnung mit Eugénie löst etwas in ihr aus und verändert ihr Leben.
Einmal im Jahr findet in der Salpêtrière ein großer Ball statt, vordergründig zur Zerstreuung der Patientinnen, doch eigentlich sind es die Pariser Bürger, die sich an diesem Abend amüsieren wollen und darauf hoffen, einen hysterischen Anfall oder ähnliches hautnah erleben zu dürfen. Ebenso voyeuristisch geht es bei den „Vorführungen“ der Patientinnen zu, bei denen es den Medizinstudenten großen Spaß bereitet, wenn Anfälle bewusst herbeigeführt werden und dann mittels fragwürdiger Methoden behandelt werden. Angeblich soll Druck auf die Eierstöcke einen solchen Anfall beenden.
Ich hätte mir gewünscht, dass diese Methoden nicht nur unkommentiert erwähnt werden, sondern in einem Anhang auf deren Sinn und Unsinn näher eingegangen worden wäre. Aber dies hätte vielleicht zu weit geführt.
„Die Tanzenden“ ist ein durchaus lesenswertes Buch, das einem die Grausamkeit der medizinischen Behandlungen und die Rolle der Frau vor nicht allzu langer Zeit eindrücklich vor Augen führt.

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Veröffentlicht am 13.04.2020

Klatsch und Tratsch

Das Gerücht
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Joanna zieht nach 15 Jahren in London in einen kleinen Küstenort. Ein Grund dafür ist, dass ihr sechsjähriger Sohn Alfie in seiner Klasse gemobbt wurde, ein anderer, dass ihre Mutter ebenfalls in Flinstead ...

Joanna zieht nach 15 Jahren in London in einen kleinen Küstenort. Ein Grund dafür ist, dass ihr sechsjähriger Sohn Alfie in seiner Klasse gemobbt wurde, ein anderer, dass ihre Mutter ebenfalls in Flinstead lebt.
Auch in seiner neuen Schule tut sich Alfie schwer damit, Anschluss zu finden. Um das Interesse der anderen Mütter auf sich zu ziehen, erzählt Joanna ein Gerücht weiter, das sie vor kurzem aufgeschnappt hat: angeblich soll eine Kindermörderin namens Sally McGowan unter falscher Identität im Ort leben. Die Gerüchteküche kocht, bald scheint jede Frau im richtigen Alter eine potentielle Kindsmörderin zu sein. Die Besitzerin eines kleinen Ladens wird schnell als Hauptverdächtige ausgemacht, hat ihr Name doch dieselben Initialen wie Sally McGowan, also ein klares Indiz! Auch die Initiatorin eines Lesekreises scheint verdächtig, immerhin hat sie Joanna nicht auf der Straße gegrüßt, sondern sie ignoriert. Die ganze Geschichte ist total abstrus und an den Haaren herbeigezogen. Würde ein kleiner Ort wirklich mit so großem Interesse auf einen Jahrzehnte zurückliegenden Kriminalfall reagieren? Ich wage es zu bezweifeln. Die Idee für dieses Buch ist gut, aber die Umsetzung nicht. Ich habe schon lange kein so in die Länge gezogenes Buch mehr gelesen. Von den „Schauern, die einem über den Rücken jagen“ (Zitat vom Umschlag) habe ich nichts gemerkt, mich hat das Ganze nur unendlich gelangweilt. Der Schluss ist zugegebenermaßen eine Überraschung, doch keine, für die es sich lohnt, sich durch 400 Seiten Banalitäten und Paranoia zu kämpfen.

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