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Veröffentlicht am 30.10.2019

Assads persönliche Hölle

Opfer 2117. Der achte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q
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„Opfer 2117“ ist der achte Fall für Carl Mørck und das Sonderdezernat Q. Oft versuchen Autoren mehr oder minder erfolgreich, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Bei Jussi Adler-Olsen ist es tatsächlich ...

„Opfer 2117“ ist der achte Fall für Carl Mørck und das Sonderdezernat Q. Oft versuchen Autoren mehr oder minder erfolgreich, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Bei Jussi Adler-Olsen ist es tatsächlich so, dass seine Bücher immer besser werden. Dieser Fall ist nicht nur ausgesprochen spannend, sondern der Wortwitz des Autors ist ebenfalls ein Vergnügen.
In „Opfer 2117“ erfahren wir viel über Assads Vergangenheit. Der Terrorist Galib, ein Feind aus Assads Vergangenheit, hält Assads Familie in seiner Gewalt und droht mit ihrer Ermordung. Allerdings ist sein größtes Anliegen, dass Assad Zeuge der Auslöschung seiner Familie ist, weshalb er Assad an den Schauplatz des geplanten Anschlags mitten in Berlin lockt. Die Schilderungen, welche Mittel der Terrorist ergreift, um sein Ziel zu erreichen, sind sehr realistisch und gehen unter die Haut.
Zeitgleich erhalten Rose und Gordon vom Sonderdezernat Q seltsame Telefonanrufe eines jungen Mannes, der damit droht, ein Massaker zu begehen, sobald er ein bestimmtes Level bei seinem Computerspiel erreicht. Angeblich war sein erstes Opfer sein Vater, doch weitere sollen bald folgen. Rose und Gordon versuchen fieberhaft, auf die Spur des Gamers zu kommen, bevor dieser seinen perfiden Plan in die Tat umsetzen kann.
Beide Handlungsstränge sind ausgesprochen spannend. Ich habe das Buch als Hörbuch, hervorragend gelesen von Wolfram Koch, gehört und trotz 18 Stunden Hörzeit war mir keine Minute langweilig. Im Gegenteil, am Ende des Hörbuchs fiel es mir schwer, mich von Carl Mørck, Rose und Assad zu verabschieden. Das Buch behandelt brandaktuelle Themen: Fanatismus und Terrorismus mit all seinen menschenverachtenden Auswüchsen, sowie Wohlstandsverwahrlosung, gepaart mit Spielsucht und Gewaltphantasien, um nur ein paar zu nennen.
Ich hoffe, dass es nicht allzu lange dauert, bis der 9. Fall für das Sonderdezernat Q erscheint. Ich kann dieses (Hör) Buch allen empfehlen, die auf der Suche nach aktueller und spannender Unterhaltung sind.

Veröffentlicht am 25.10.2019

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Wisting und der Tag der Vermissten
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Vor vierundzwanzig Jahren verschwand Katharina Haugen spurlos. Ein rätselhafter Fall, denn sie hinterließ einen gepackten Koffer und handschriftliche Notizen, aus denen die Polizei nicht schlau wurde. ...

Vor vierundzwanzig Jahren verschwand Katharina Haugen spurlos. Ein rätselhafter Fall, denn sie hinterließ einen gepackten Koffer und handschriftliche Notizen, aus denen die Polizei nicht schlau wurde. Einer der Ermittler in dem Fall, William Wisting, treibt der Fall noch heute um, weshalb er sich jedes Jahr am Jahrestag von Katharinas Verschwinden von Neuem der Akte widmet, in der Hoffnung auf etwas zu stoßen, das er bisher übersehen hatte.
Im Laufe der Jahre hat sich Wisting außerdem mit Katharinas Ehemann Martin angefreundet, den er jedes Jahr am Jahrestag ihres Verschwindens besucht. In diesem Jahr trifft er Martin erstmalig nicht an, obwohl dieser mit Sicherheit mit Wistings Besuch gerechnet hat.
Zur selben Zeit wird Wisting von Adrian Stiller, einem Cold Case Ermittler aus Oslo, kontaktiert und um Zusammenarbeit gebeten. Stiller hat in Zusammenhang mit einer alten Entführung Martin Haugens Fingerabdrücke auf Beweismitteln entdeckt. Sollte Martin Haugen etwa der Entführer der jungen Nadia Krogh gewesen sein? Da Stiller von Wistings Freundschaft zu Haugen weiß, schlägt er vor, dass Wisting das Wochenende mit Haugen verbringen soll, um diesen auszuhorchen.
Ohne Wistings Wissen bittet Stiller außerdem Wistings Tochter Line, die Journalistin ist, eine Artikelserie über den alten Entführungsfall zu schreiben. Line hat keine Ahnung, dass ihr Vater ebenfalls in diesem Fall ermittelt, und Wisting darf seine Tochter auch nicht darüber informieren, da er der Schweigepflicht unterworfen ist.
„Wisting und der Tag der Vermissten“ ist ein spannender und gut zu lesender Krimi, dessen Autor früher selbst als Ermittler gearbeitet hat. Insofern weiß er genau über Ermittlungsmethoden Bescheid und mir stellte sich die Frage, ob die Polizei wirklich so weit gehen würde, einen ihrer Ermittler als Lockvogel einzusetzen und ihn ein Wochenende mit einem potentiellen Mörder verbringen lassen würde.
Die Lektüre des Buchs war insgesamt kurzweilig, gegen Ende ließ die Spannung allerdings ein wenig nach, weshalb ich nur 4,5 von 5 Sternen vergebe.

Veröffentlicht am 17.10.2019

Ein Buch zum Lachen und Weinen

Es wird Zeit
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Judith wird demnächst fünfzig, Grund genug für sie, auf ihr bisheriges Leben zurückzublicken und ein Resümée zu ziehen. Eigentlich hat sie alles: einen Gatten, der Zahnarzt ist und gut verdient, ein schönes ...

Judith wird demnächst fünfzig, Grund genug für sie, auf ihr bisheriges Leben zurückzublicken und ein Resümée zu ziehen. Eigentlich hat sie alles: einen Gatten, der Zahnarzt ist und gut verdient, ein schönes Eigenheim vor den Toren Hamburgs, drei erwachsene Söhne. Sie ist gesund und es fehlt ihr an nichts. Doch eine richtige Aufgabe im Leben hat sie auch nicht.
Der Tod ihrer Mutter führt sie zurück in ihre Heimat im Rheinland. Eigentlich will sie nur so schnell wie möglich das Elternhaus verkaufen und ihre Mutter begraben, aber dann trifft sie Anne wieder, ihre beste Freundin aus Jugendtagen, zu der sie den Kontakt verloren hatte. Judith hat ein großes Geheimnis, deshalb ist sie Anne aus dem Weg gegangen. Doch nun steht sie vor ihr und Judith muss sich sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart stellen. Die Wahrheit ist, dass sie ihren Ehemann Joachim nur aus praktischen Gründen – sie war damals schwanger – geheiratet hat. Nun ist sie sich nicht sicher, ob sie in dieser nach praktischen Gesichtspunkten ausgerichteten Ehe weiterleben kann. Zu allem Überfluss tritt auch noch ihr Jugendschwarm wieder in ihr Leben. Judith glaubt, eine zweite Chance zu bekommen. Aber ist es wirklich eine gute Idee, ihren Ehemann zu verlassen oder ist es nur die Midlife Crisis, die ihr zusetzt?
Für mich war dies das erste Buch der Autorin und ich bin wirklich sehr positiv überrascht. Ich hatte mir eine locker-leichte Lektüre vorgestellt, und ein Stück weit ist es das auch, aber nicht nur. Ildiko von Kürthy nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit, als es noch keine Handys gab und man sich wünschte, das Telefonkabel wäre länger, um in Ruhe telefonieren zu können. Ich habe mich in so vielem wiedererkannt: die erste Liebe, das unbedingt gefallen wollen, der Drang, der engen Kleinstadt zu entkommen, wilde Nächte und der Kater am nächsten Tag...
„Es wird Zeit“ ist eines jener Bücher, von denen man sich wünscht, sie mögen nicht zu Ende gehen. Man begleitet die sympathischen Protagonisten ein Stück ihres Lebens und sie wachsen einem mit all ihren Macken und Eigenheiten ans Herz. Ich habe das Buch schweren Herzens beiseite gelegt und freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Die Vergangenheit ist nicht vergangen

Fliege fort, fliege fort
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Im idyllischen Furth am See geschehen seltsame Dinge. Ein alter Mann wird ins Krankenhaus eingeliefert. Er behauptet, vom Apfelbaum gefallen zu sein, doch seine Verletzungen sprechen eine andere Sprache. ...

Im idyllischen Furth am See geschehen seltsame Dinge. Ein alter Mann wird ins Krankenhaus eingeliefert. Er behauptet, vom Apfelbaum gefallen zu sein, doch seine Verletzungen sprechen eine andere Sprache. Einer alten Nonne wurde gewaltsam etwas eingeflößt, woran sie beinahe erstickt wäre, doch auch sie behauptet, dass ihr keine Gewalt angetan wurde. Warum lügen die beiden? Und schließlich wird ein kleines Mädchen entführt. Hängen die Fälle zusammen, und wenn ja, wie?
Der Psychiater Horn und Kommissar Kovacs sind beide mit den Fällen befasst. Beides sind ungewöhnliche Zeitgenossen. So passiert es Horn immer wieder, dass er Dinge vermeintlich denkt, sie aber in Wirklichkeit laut ausspricht, was zu äußerst amüsanten Situationen führt. Kovacs hadert ein wenig mit dem Alter und seiner nachlassenden Gesundheit.
„Fliege fort, fliege fort“ ist wahrhaftig kein Buch, das sich nebenher lesen lässt. Es wimmelt nur so von unterschiedlichen Geschehnissen und Personen und oftmals ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Hier wäre ein beigefügtes Personenverzeichnis hilfreich gewesen. Außerdem gibt es Handlungsstränge, bei denen mir auch nach der Lektüre noch nicht klar ist, wozu diese gedient haben. Es ist ein Roman, der einige Fragen offen lässt, und das empfinde ich als etwas frustrierend. Eigentlich müsste ich das Buch ein zweites Mal lesen, um - hoffentlich – alles zu verstehen, und das empfinde ich als Manko. Nichtsdestotrotz hat mir die Lektüre sehr gut gefallen. Die geistreichen Dialoge, der Wortwitz, vieles wird nur angedeutet. Allerdings verlangt Hochgatterer von seinen Lesern äußerste Konzentration, sonst ist man verloren.

Veröffentlicht am 10.10.2019

Vom Idyll zum Albtraum

Nachtwild
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Joan besucht mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln den Zoo. Auf dem Rückweg zum Haupteingang hört sie Schüsse und sieht Leichen auf dem Boden liegen. Bevor sie richtig kapiert, was los ist, übernimmt ihr ...

Joan besucht mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln den Zoo. Auf dem Rückweg zum Haupteingang hört sie Schüsse und sieht Leichen auf dem Boden liegen. Bevor sie richtig kapiert, was los ist, übernimmt ihr Instinkt und sie versteckt sich mit Lincoln in einem leerstehenden Gehege.
Es ist keine einfache Aufgabe, den kleinen Jungen ruhig zu halten, und doch hängt ihrer beider Leben davon ab, dass die jugendlichen Täter, die bald schon in ihre Nähe kommen, sie nicht finden.
Einerseits hat Joan panische Angst, andererseits funktioniert sie und ihr Überlebenswille ist übermächtig. Während der langen Zeit des Versteckens erfährt der Leser viel über Joans Kindheit und Vergangenheit. Diese Rückblenden sind einerseits interessant - ihr Elternhaus war alles andere als liebevoll -andererseits waren es Einschnitte in einer Geschichte, deren Verlauf ich gerne zügig hören wollte. Wird Joan es schaffen, den Tätern zu entkommen? hat mich mehr interessiert als die Kakerlaken in ihrem Elternhaus. Alles in allem fand ich die Geschichte gut, wenngleich ich den Roman nicht als Thriller bezeichnen würde. Leider empfand ich das Geschehen auch als durchaus realistisch, es gibt genügend durchgeknallte Amokläufer, die nach Aufmerksamkeit gieren.
Ein großes Lob an die Hörbuchsprecher, die alle ganz hervorragend gelesen haben.