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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2018

Spannendes Verwirrspiel

Der Abgrund in dir
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Im Moment sind ja Storys sehr in, in denen sich der Ehepartner als jemand ganz anderes entpuppt, als man dachte. Auch in „Der Abgund in dir“ geht es um einen solchen Fall.
Das Leben der Journalistin Rachel ...

Im Moment sind ja Storys sehr in, in denen sich der Ehepartner als jemand ganz anderes entpuppt, als man dachte. Auch in „Der Abgund in dir“ geht es um einen solchen Fall.
Das Leben der Journalistin Rachel Childs ist nach einem traumatischen Arbeitsaufenthalt auf Haiti von Angstattacken geprägt. Ihr Ehemann hat Verständnis für ihre Situation und ist ihr eine große Stütze. Leider muss er beruflich bedingt viel ins Ausland reisen. Eines Tages bekommt Rachel Zweifel an diesen Auslandsaufenthalten und sie folgt ihm. Von diesem Tag an ist nichts mehr wie es war...
Das Buch ist unglaublich spannend geschrieben und voller überraschender Wendungen, ein echter Pageturner. Die ersten zwei Drittel sind auch sehr realistisch, alles hätte sich tatsächlich so zutragen können und ich konnte mich gut in Rachel hineinversetzen. Im letzten Drittel hatte ich allerdings das Gefühl, nicht mehr über Rachel Childs, sondern über Superwoman zu lesen. Die eben noch von Angstattacken geplagte Rachel, die nicht in der Lage war, die Wohnung zu verlassen, entwickelt plötzlich die Fähigkeiten einer Superspionin. Die Handlung ist ausgesprochen packend, aber es fehlte mir am Schluss doch ein wenig der Realitätsbezug. Trotzdem habe ich die Lektüre genossen und kann sie Krimifans empfehlen.

Veröffentlicht am 04.09.2018

Gegensätzliche Kulturen

Als die Tage nach Zimt schmeckten
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Die achtzehnjährige Noor und ihr Bruder werden vom verwitweten Vater zum Studium in die USA geschickt, weil er für sie in ihrem Heimatland Iran keine Zukunft sieht. Obwohl es am Anfang sehr schwer für ...

Die achtzehnjährige Noor und ihr Bruder werden vom verwitweten Vater zum Studium in die USA geschickt, weil er für sie in ihrem Heimatland Iran keine Zukunft sieht. Obwohl es am Anfang sehr schwer für sie ist, lebt Noor sich gut ein, heiratet und bekommt eine Tochter. Jahre später findet Noor ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag heraus, dass ihr Mann sie betrügt. Daraufhin beschließt sie, mit ihrer Tochter Lily, inzwischen ein Teenager, für einen Besuch nach Teheran zurückzukehren, wo ihr Vater Zod immer noch ein Restaurant, das Café Leila, betreibt.
Lily ist alles andere als begeistert von dem Gedanken, Kalifornien für den Sommer zu verlassen und will zunächst nichts von der fremden Kultur und den ihr unbekannten Menschen wissen. Für Noor tauchen Kindheitserinnerungen auf, schöne und weniger schöne. In diesem zweiten Teil des Romans schwelgt die Autorin seitenweise in Rezepten, Gewürzen und Gerüchen und manche des Szenen gleiten ein wenig ins Kitschige ab. Hier wäre definitiv weniger mehr gewesen. Ich habe mich durch diese Seiten gequält und war kurz davor, das Buch wegzulegen.
Doch dann wird die Handlung wieder interessanter. Wir erfahren die schlimmen Umstände von Noors Mutters Tod und dass es um die Gesundheit des Vaters nicht zum Besten steht. Zum Ende des Romans nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Alles in allem ein Roman, den man lesen kann, aber nicht unbedingt lesen muss. Ich hatte mir jedenfalls mehr davon versprochen.

Veröffentlicht am 28.08.2018

Was geschah in jenem Sommer?

Summer
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Benjamin Wassner ist vierzehn, als seine neunzehnjährige Schwester Summer eines Tages spurlos vom Ufer des Genfer Sees verschwindet. Für Familie Wassner, einer glamouröse Familie, deren Partys legendär ...

Benjamin Wassner ist vierzehn, als seine neunzehnjährige Schwester Summer eines Tages spurlos vom Ufer des Genfer Sees verschwindet. Für Familie Wassner, einer glamouröse Familie, deren Partys legendär sind, ist fortan nichts mehr wie zuvor. Die Freunde ziehen sich zurück als ob das Unglück ansteckend wäre. Am härtesten trifft es Benjamin, dessen Leben völlig aus den Fugen gerät.
Auch 24 Jahre später scheint das Verschwinden der Schwester, von der es nach wie vor keine Spur gibt, immer noch das beherrschende Thema in seinem Leben zu sein. Er hat Albträume, in denen ihm Summer erscheint und Wasser eine große Rolle spielt, er riecht unangenehme Gerüche und ist nicht mehr in der Lage zu arbeiten.
Endlich stellt er sich der Vergangenheit und beginnt auf eigene Faust herauszufinden, wer Summer war und was mit ihr geschah. Viel zu lange hat er die Augen verschlossen vor Dingen, die sich vor seinen Augen abspielten. Dabei muss er feststellen, dass seine Eltern ihm vieles verschwiegen haben. Das Bild des heilen Familienlebens vor Summers Verschwinden bekommt Risse.
Monica Sabolo versteht es sehr gut, atmosphärisch dichte Stimmungen zu beschreiben. Was mich allerdings kolossal gestört hat, sind die unzähligen ungewöhnlichen, teilweise absurden Metaphern und Vergleiche, mit denen der Roman regelrecht überfrachtet ist. Es kommt mir vor, als wollte die Autorin um jeden Preis originell sein. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Das Ende des Romans kam für mich überraschend, doch konnte ich die Auflösung, was mit Summer wirklich geschah, nicht wirklich nachvollziehen.

Veröffentlicht am 25.08.2018

Virtuos erzählte Geschichte

Königskinder
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„Königskinder“ erzählt eine Geschichte innerhalb der Geschichte. In der Rahmenhandlung beschließen Max und Tina, ein Schweizer Ehepaar, die landschaftlich schönere, aber gesperrte Route über einen Alpenpass ...

„Königskinder“ erzählt eine Geschichte innerhalb der Geschichte. In der Rahmenhandlung beschließen Max und Tina, ein Schweizer Ehepaar, die landschaftlich schönere, aber gesperrte Route über einen Alpenpass zu befahren. Aufgrund eines plötzlichen Wintereinbruchs bleiben sie im Schnee stecken und müssen die Nacht im Auto verbringen. Um die Zeit zu verkürzen, beginnt Max, eine Geschichte zu erzählen. Sie handelt vom armen Waisenjungen Jakob, der sich in der Schweiz des 18. Jahrhunderts in die Bauerntochter Marie verliebt. Da Jakob kein standesgemäßer Bewerber ist, versteht es Maries Vater zunächst, die beiden zu trennen, doch das Schicksal führt sie nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder zusammen.
Jakob arbeitet mittlerweile als Kuhhirte in der Nähe von Versailles, wo sich die Schwester des französischen Königs einen idyllischen Bauernhof hat bauen lassen. Da die bisherigen Kuhhirten mit den Schweizer Kühen nicht zurecht kamen, fordert sie Jakob an. Doch Jakob kann seine Marie nicht vergessen und würde lieber heute als morgen in die Heimat zurückkehren.
Interessant an diesem Erzählstrang sind die geschichtlichen Bezüge. So erfährt man von dem Ausbruch des Vulkans Laki auf Island im Jahr 1783, in dessen Folge Europa eine Eiszeit erlebte, vom Flug der ersten Montgolfiere sowie den Anfängen der französischen Revolution. Die Sprache dieser Geschichte von Jakob und Marie erinnert an ein Märchen, ist opulent und ausschweifend und manchmal ein wenig kitschig, wie Tina ganz richtig anmerkt. Stellenweise gerät die Erzählung auch ein wenig langatmig. Nichtsdestotrotz empfinde ich „Königskinder“ als intelligenten, unterhaltsamen und virtuos erzählten Roman.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Kampf gegen die Zeit

Todeskäfig (Ein Sayer-Altair-Thriller 1)
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Sayer Altair ist eine außergewöhnliche Frau: sie ist nicht nur Neurowissenschaftlerin, sondern auch FBI-Agentin. Den Tod ihres Verlobten im Einsatz verdrängt sie durch Arbeiten bis zum Umfallen. Ihr neuester ...

Sayer Altair ist eine außergewöhnliche Frau: sie ist nicht nur Neurowissenschaftlerin, sondern auch FBI-Agentin. Den Tod ihres Verlobten im Einsatz verdrängt sie durch Arbeiten bis zum Umfallen. Ihr neuester Fall lässt ihr allerdings auch keine Zeit für Verschnaufpausen. In einem leerstehenden Haus wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, das in einem Käfig gefangengehalten wurde und jämmerlich verdurstete. Da es sich um die verschwundene Tochter eines Politikers handelt, stehen Sayer und ihr Team unter besonderem Druck, den Fall schnellstmöglich aufzuklären. Dann wird bekannt, dass der Mörder ein weiteres Mädchen in seiner Gewalt hat. Die Uhr tickt. Kann das Mädchen noch rechtzeitig gefunden und gerettet werden?
Bald finden die Ermittler heraus, dass der Killer besessen von Zwillingen ist und seine Opfer unter bewusstseinserweiternde Drogen setzt. Außerdem scheint er viel von Medizin zu verstehen. Als DNA-Spuren gefunden werden, scheint der Fall klar...
„Der Todeskäfig“ ist ein ausgesprochen spannendes (Hör-)Buch, das im Übrigen hervorragend von Peter Lontzek gesprochen wird.
Ellison Cooper schafft es, die Spannung bis zuletzt auf einem hohen Niveau zu halten und sorgt immer wieder für überraschende Wendungen. Nur gegen Ende wurde es mir dann ein wenig zu viel: Sayer Altair isst und schläft nicht, wird angeschossen und schafft es trotzdem, praktisch einhändig den Täter zur Strecke zu bringen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Bezug zur Realität gewünscht. Trotzdem gute Unterhaltung für Krimifans.