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Veröffentlicht am 26.01.2023

Detailliert, spannend, uff!

Stigma (Milosevic und Frey ermitteln 1)
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Manchmal fände ich Selbstjustiz gerechtfertigt, da unser Rechtssystem häufig versagt. Einige Prozesse dauern so unheimlich lang und sind dann beinahe schon wieder verjährt, weil die Gerichte zum Beispiel ...

Manchmal fände ich Selbstjustiz gerechtfertigt, da unser Rechtssystem häufig versagt. Einige Prozesse dauern so unheimlich lang und sind dann beinahe schon wieder verjährt, weil die Gerichte zum Beispiel keinen Termin frei haben.

Das, was der Mörder hier in diesem Buch tut, würde ich Selbstjustiz nennen. Er tötet die, die Dreck am Stecken haben. Nicht ein „Opfer“ ist unbescholten, keiner von ihnen wurde je zur Rechenschaft gezogen. Alle sind sie mit den Verbrechen an Frauen davongekommen.

Das Buch beginnt direkt heftig mit einer sehr detailgetreuen Vergewaltigung einer jungen Frau. Die Details und die genauen Beschreibungen ziehen sich durchs ganze Buch, sodass ich nicht nur einmal schlucken musste. Ich kann froh sein, dass ich so etwas selbst noch nicht erleben musste, und habe Mitleid mit all den Frauen innerhalb und außerhalb des Buches. So etwas würde ich meiner ärgsten Feindin niemals wünschen.

Der Schreibstil ist sehr gut, flüssig und locker. Das Autorinnenduo kann gut beschreiben und geht detailliert auf vieles ein, wie eben schon erwähnt.

Hauptsächlich wird aus der Sicht von Milo, der weiblichen Polizistin, berichtet. Dadurch lernen wir sie und ihren Charakter besser kennen. Milo ist Serbin, bereits früh nach Deutschland gekommen und hat sich gut integriert. Besser als ihre Familie zumindest. Sie ist aus dem härtesten Viertel Hamburgs entkommen und hat es weit gebracht bisher. Milo ist allgemein sehr verschlossen, auch gegenüber ihren Kollegen. Sie taut nur langsam auf und wirkt daher häufig ein wenig forsch und unfreundlich.

Vince ist der Partner von Milo und eigentlich das totale Gegenteil. Deswegen vertraut er ihr mehr als sie ihm. Vince ist ein Sonnenschein, bei allen beliebt und allgemein ein sehr offener Mensch. Er trägt das Herz auf der Zunge und weiß genau, wie er was angehen muss. Daher ergänzen sie sich als Partner eigentlich sehr gut.

Die Charaktere sind sehr vielfältig gestaltet worden, es gibt viele ethnische Unterschiede, ein jeder ist anders und auch besonders. Manchmal war mir das zu viel, doch Hamburg ist eben multikulturell. Es wirkte häufig gezwungen, so als wolle das Autorinnenduo diese Vielfalt in den Fokus rücken. Es kommt dann nicht mehr authentisch rüber und wirkt klischeebehaftet.

Die Geschichte fand ich total spannend. Sie hat mich bis zum Ende fesseln können. Ich habe meine Vermutungen immer wieder durcheinanderwerfen müssen, bis kurz vorm Schluss nur wage Vermutungen gehabt und wurde dann mit der Auflösung überrascht.

Fazit: Authentische Charaktere und eine spannende Story, in denen ausnahmsweise mal die Männer das Opfer waren, über deren Ausgang man sicherlich streiten könnte. Ich empfehle das Buch gern Thriller-Fans weiter.

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Veröffentlicht am 18.01.2023

Mir ging ordentlich die Muffe!

Zu wenig Zeit zum Sterben
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Mit diesem Fall hat sich Cavanagh selbst übertroffen. Denn niemand geringeres als die Russen-Mafia hat Eddie Flynn am Wickel. So soll er eine Bombe ins Gericht schmuggeln, um damit einen Zeugen auszuschalten. ...

Mit diesem Fall hat sich Cavanagh selbst übertroffen. Denn niemand geringeres als die Russen-Mafia hat Eddie Flynn am Wickel. So soll er eine Bombe ins Gericht schmuggeln, um damit einen Zeugen auszuschalten. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, haben die Russen auch noch Eddies Tochter Amy in ihrer Gewalt. Für Eddie beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, wobei für ihn nur eins zählt: das Leben seiner Tochter zu retten, egal was mit ihm passiert...

Also mir ging ordentlich die Muffe! Von Anfang bis Ende habe ich gefühlt den Atem angehalten, weil ich so unter Adrenalin stand. Allein die Vorstellung, wie Eddie sich gefühlt haben muss, mit einer Bombe an seinem Körper vor Gericht zu stehen, war schon harter Tobak. So oft dachte ich: "Das ist dein Ende, Eddie!" und wurde eines Besseren belehrt. Was für ein faszinierender Charakter - und definitiv auch (mein) Held!

Zitat:
"Als ich mit geschlossenen Augen in der Limousine saß, während wir auf das Gericht zurasten, wusste ich, dass ich den richtigen Schritt gemacht hatte. Die Russen zu erledigen war der einzige Weg, die Sicherheit meiner Familie zu gewährleisten.“

Eddie gibt in diesem Teil einiges aus seinem Leben preis. Er erzählt über seine Kindheit, wie er sich seinen Lebensunterhalt verdienen musste und wie er seinen Freund und Richter Harry Ford kennenlernte. Dieser spielt auch in diesem Buch wieder eine entscheidende Rolle und beweist erneut, wie wichtig ihm seine Freundschaft zu Eddie ist.

Zitat:
„Harry hatte mich an jenem Tag gerettet, als er mir einen Job anbot. Er hatte mein Schicksal in der Hand gehalten und mein Leben verändert.“

Cavanaghs Schreibstil überzeugt in diesem Teil wieder mit Eloquenz und Spannung. Seine eingebauten Cliffhanger sorgen beim Leser definitiv für Schnappatmung und den perfekten Lesespaß!

Fazit: Eins ist sicher: Wenn ich Mal einen Anwalt brauchen sollte, werde ich definitiv Eddie Flynn engagieren. Wer die Reihe noch nicht begonnen hat, sollte spätestens jetzt einsteigen - und am besten alle Bände hintereinander durchsuchten.

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Veröffentlicht am 12.01.2023

Keine runde Sache

Wehrlos
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Wenn Kindesentführung und Darknet in einem Atemzug genannt werden, schrillen nicht nur alle Alarmglocken, da entstehen im Kopf die wildesten Theorien - eine schlimmer als die andere. So erging es mir, ...

Wenn Kindesentführung und Darknet in einem Atemzug genannt werden, schrillen nicht nur alle Alarmglocken, da entstehen im Kopf die wildesten Theorien - eine schlimmer als die andere. So erging es mir, als ich den Klappentext von Nora Benraths neuem Thriller „Wehrlos“ gelesen habe.

Der Titel ist in doppelter Hinsicht gut gewählt. Wer könnte wehrloser sein als unschuldige Kinder? Aber was, wenn gerade Kinder zu Mittätern werden? Sind sie dann trotzdem noch wehrlos? Und wer bitte kommt schon auf die Idee, dass eines von zwei spielenden Kindern das andere entführt? Eigentlich ein perfider, perfekter Plan, oder?

Nora Benrath erzählt die Story um die verschwundene Nele aus verschiedenen Perspektiven. Das hat den Vorteil, dass relativ schnell klar wird, was gerade parallel passiert. Dabei lässt sie der Fantasie ihrer Leserinnen sehr viel Freiraum. Auch wenn sich die expliziten Gewaltszenen gegenüber Kindern in Grenzen halten, sollten gerade Leserinnen, die bei den Themen Pädophilie und Menschenhandel dankend Bücher ablehnen, auch hier vorsichtig sein. Denn wie gesagt, der Fantasie sind dank der geschickten Zurückhaltung der Autorin keine Grenzen gesetzt.

Ansonsten kann ich leider nicht so viel Gutes sagen. Nachdem sich der Thriller ziemlich gut anlies, wurde es für mich genau so schnell sehr zäh. Benrath greift zwar eine gute Grundidee auf, spinnt diese für meinen Geschmack aber nicht weit genug. Immer wieder fehlte mir das letzte Fünkchen, um Spannung aufzubauen und diese voranzutreiben. Einzig die Entführungsszenen boten immer wieder etwas Feuer. Und auch hier muss ich sagen, dass mich gerade das Ende überhaupt nicht überzeugen konnte.

Ja, zugegeben, diese Auflösung war für mich so nicht vorhersehbar. Grundsätzlich nicht schlecht, tatsächlich war sie mir dann aber doch zu weit hergeholt. Außerdem machten die letzten 40 Seiten auf mich den Eindruck, als müsste nun gerade am Schluss irgendwoher noch Action kommen. Nee, das war keine Runde Sache. Schade!

Fazit: Für mich war „Wehrlos“ ein eher langatmiger Thriller, dessen Potenzial nicht gänzlich ausgeschöpft wurde. Dem Plot mangelte es an Pepp und der Autorin insgesamt an Ideen, obwohl die Grundthematik ziemlich bedrückend und glaubwürdig erscheint. Werft einen Blick in die Leseprobe und macht euch ein eigenes Bild. Vielleicht findet ihr mehr Gefallen an der Story, denn Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

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Veröffentlicht am 12.01.2023

Pageturner-Reihe!

Der Erstgeborene
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Cyrus Haven ist zurück! Der charmante Psychologe und sein Mündel Evie haben ihr Leben gerade wieder auf die Reihe bekommen, als ihn plötzlich die Vergangenheit einholt. Cyrus' Bruder Elias, der vor 20 ...

Cyrus Haven ist zurück! Der charmante Psychologe und sein Mündel Evie haben ihr Leben gerade wieder auf die Reihe bekommen, als ihn plötzlich die Vergangenheit einholt. Cyrus' Bruder Elias, der vor 20 Jahren die ganze Familie ausgelöscht hat, soll entlassen werden. Für Cyrus eine schwere Situation, denn er weiß nicht, ob er seinem Bruder die Tat verziehen hat. Hat Elias sich tatsächlich geändert? Kann er Evie diese Situation überhaupt zumuten? Und vor allem, wie nahe will er seinen mörderischen Bruder an sich selbst heranlassen?

Cyrus zeigt in diesem Teil allerhand Emotionen. Sei es seine Beziehung zu Evie oder aber die Gewissensbisse, die er seines Bruders wegen hat. Man spürt einfach, wie er hin- und hergerissen ist und will eigentlich nichts anderes tun, als ihm zu helfen. Auch die Ermittlungen in seinem aktuellen Fall zerren an seinen Nerven und bringen ihn nicht nur um schlaflose Nächte, sondern auch Evie in große Gefahr…

Evie ist für mich ein ganz spezieller und besonderer Charakter. Ich habe sie in Band 1 super schnell ins Herz geschlossen, weil sie genau das braucht. Menschen, die sie akzeptieren, wie sie ist. Mit Cyrus hat sie so einen Menschen gefunden und bringt dies auch herzzerreißend zum Ausdruck:

„Dann habe ich Cyrus getroffen und erkannt, dass ich nicht allein bin. Ich habe nicht bloß meinen Schmerz gespürt, sondern auch seinen. Seine Gedanken. Seine Gefühle. Seine Erfahrungen. Ich war nicht mehr das einzige bewusst empfindende Wesen im Universum – wir waren zu zweit.“ (Zitat)

Der Schreibstil von Robotham begeistert mich einfach immer wieder. Er peitscht seine süchtigen Leser durch die Seiten und gibt ihnen genau den Stoff, den sie haben wollen und brauchen. Ob es die Beziehung zwischen Cyrus und Evie ist oder diesmal auch der zurückgekehrte Bruder: Robotham verleiht einfach jeder Geschichte die perfekte Atmosphäre und sorgt zudem für die richtige Portion Spannung!

Fazit: Wer die Reihe noch nicht kennt, der sollte tatsächlich jetzt einsteigen. Tolle Charaktere, turbulente Ermittlungen und einzigartige Kriminalfälle sorgen hier für echten Nervenkitzel. Ich wäre dann bereit für Teil 4!!!

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Veröffentlicht am 04.01.2023

Witziger, unterhaltsamer Whodunnit

Die Dreitagemordgesellschaft
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Agatha Christies Haushälterin ermittelt. Wumms! Das allein hat mich schon angefixt, sodass ich mir das Buch näher angesehen hab.

Das Anwesen passt für mich perfekt zu einem Krimi-Plot: ein Anwesen in ...

Agatha Christies Haushälterin ermittelt. Wumms! Das allein hat mich schon angefixt, sodass ich mir das Buch näher angesehen hab.

Das Anwesen passt für mich perfekt zu einem Krimi-Plot: ein Anwesen in den Hügeln von Devonshire. Das ausgerechnet der berühmten Schriftstellerin Agatha Christie gehört. Wer möchte da nicht einmal Tee trinken, in Unterlagen schnüffeln und Telefongesprächen lauschen? Von der hauseigenen Bibliothek ganz zu schweigen! Und in dieser findet Phyllida einen fremden Toten. Um nicht unnötig Aufsehen zu erregen, beschließt die Haushälterin, in die Fußstapfen des einzig wahren Hercule Poirot zu treten. Mein Herz hat Luftsprünge gemacht vor Freude. Was für ein genialer Plot!

Dieser Roman ist viel mehr als ein simpler Landhauskrimi. Hier werden ganz klassische Whodunnit-Elemente mit viel Humor und Charme verknüpft, sodass daraus eine Story wird, die man einfach wegsuchtet. Dabei ist mir Phyllida sehr ans Herz gewachsen. Ich mag ihre etwas schrullige, unkonventionelle, aber gütige Art, ihre unbeholfenen Versuche, eine neue Agatha Christie zu sein. Ihre Figur wurde authentisch, modern und dennoch klassisch entworfen. Insbesondere die Dialoge mit dem Butler Mr. Dobble haben mich mehrmals zum Schmunzeln gebracht.

Auch der Fall an sich ist ziemlich unterhaltsam. Schließlich wurde der Fremde mit einem Füllfederhalter erstochen. Da gibt es mit Sicherheit weniger spektakuläre Mordwaffen. In all dem Trubel ist es nun an der Haushälterin, herauszufinden, wer der Mörder oder die Mörderin ist. Bei mehreren Verdächtigen kein leichtes Unterfangen. Ich hab ganz solidarisch mit Phyllida meine grauen Zellen angestrengt, mich aber dann doch von der Autorin in die Irre führen lassen. Am Ende wartet noch eine überraschende Wendung auf den Leser. I luv it!
Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.

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