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Veröffentlicht am 16.11.2025

Beeindruckender Roman

Sündflut 1784
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Das Buch entführt uns ins Jahr 1784 nach Cöln, eine Zeit, in der die Stadt gerade die verheerende Eisflut überstanden hat. Die Menschen suchen verzweifelt nach einem Schuldigen für all das Leid – und finden ...

Das Buch entführt uns ins Jahr 1784 nach Cöln, eine Zeit, in der die Stadt gerade die verheerende Eisflut überstanden hat. Die Menschen suchen verzweifelt nach einem Schuldigen für all das Leid – und finden ihn in der Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt, die bald der Hexerei beschuldigt wird. Der Amtmann Henrik von Venray versucht, ihr Leben zu retten, doch die Frage bleibt: Wird sein Einsatz ausreichen, um sie vor der Inquisition zu bewahren?

Das Besondere an diesem Roman ist, dass er auf wahren Begebenheiten beruht. Die historische Eisflut von 1784 hat die Stadt Cöln tatsächlich schwer getroffen, und der Autor bleibt den geschichtlichen Fakten bemerkenswert treu. So lernt man beim Lesen nicht nur etwas über die Ereignisse jener Zeit, sondern bekommt auch ein eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen und rechtlichen Zustände im späten 18. Jahrhundert.

Besonders fesselnd fand ich die Darstellung der damaligen Gerichtsverfahren – willkürlich, grausam und erschreckend realistisch geschildert. Die Ermittlungen von Venray und seinen Helfern sind spannend und emotional, und man leidet Seite um Seite mit Anna-Maria mit, die unsägliche Qualen und Folter ertragen muss.

Zitat S. 207:

„Tatsächlich hätte sie am liebsten alles Mögliche gestanden, nur damit sie aufhörten, sie zu quälen. Erst war sie gefesselt worden. Die Hände auf den Rücken gebunden, wurde sie an einem Seil nach oben gezogen, bis Arme und Schultern überdreht waren. Trockener Zug wurde das genannt. Sie hatte nichts gestanden. Dann hatten sie sie mit Wasser gequält, bis sie beinahe erstickt wäre, und zwar daran, dass sie sich ständig verschluckt hatte. Schließlich hatten sie glühende Zangen angelegt und in empfindliche Stellen ihres Körpers gekniffen.“

Der Schreibstil ist gelungen sprachlich an die Zeit angepasst, ohne dabei schwer verständlich zu werden. Die Atmosphäre zieht einen sofort ins 18. Jahrhundert hinein. Man hört förmlich das Knirschen des Eises, spürt die Kälte sowie die angespannte Stimmung und die Angst, die über der Stadt und ihren Einwohnern liegt.

Das Ende ist schließlich fulminant – dramatisch, bewegend und doch mit einem zufriedenstellenden Happy End, das die Geschichte rund abschließt.

Fazit: Ein beeindruckender historischer Roman, der Geschichte lebendig macht, fesselt und berührt – und gleichzeitig daran erinnert, wie gefährlich Aberglaube und Machtmissbrauch sein können.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Düster, raffiniert, vielschichtig

Rauhnächte
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Schon die ersten Zeilen dieses Buches fühlen sich an wie ein langsamer Schritt im dichten Winternebel – und plötzlich packt jemanden eine unsichtbare Hand an der Schulter. Pia, aus deren Sicht wir die ...

Schon die ersten Zeilen dieses Buches fühlen sich an wie ein langsamer Schritt im dichten Winternebel – und plötzlich packt jemanden eine unsichtbare Hand an der Schulter. Pia, aus deren Sicht wir die Geschichte erleben, führt uns mitten hinein in den Countdown der Rauhnächte, jene unheimliche Zeit, in der die Grenze zwischen dem, was war, und dem, was besser verborgen geblieben wäre, dünner wird. Und genau in dieser Zwischenwelt muss sie erkennen, dass ihr Leben auf einem Satz gründet, der nie hätte ausgesprochen werden dürfen.

Pia ist eine Figur, mit der man mitfiebert, weil sie nicht loslassen kann – weder von ihren Fragen noch von dem Gefühl, dass etwas in ihrem Leben stets schief im Fundament stand. Als sie begreift, dass ihre Familie nicht die ist, die sie glaubte, versucht man fast automatisch, mit ihr zusammen in den Schatten vergangener Jahre zu spähen. Doch statt Antworten zu erhalten, stößt sie überall auf eine Mauer aus Stille, Misstrauen und eisiger Ablehnung. Und je weiter Pia in die schneebedeckten Gassen von Wasserburg vordringt, desto deutlicher scheint die Vergangenheit dort noch zu atmen – in den Gestalten alter Bräuche, in den Geschichten der Rauhnächte und in Menschen, die mehr wissen, als sie preisgeben.

Die Autorin versteht es meisterhaft, diese Atmosphäre einzufangen. Ihr Schreibstil ist flüssig, klar und gleichzeitig so durchdrungen von winterlicher Schwärze, dass es einem manchmal kalt den Rücken hinunterläuft. Es gibt Szenen, in denen das Rascheln der Geister fast hörbar wird, andere, in denen die Spannung nur ganz leise unter der Oberfläche grollt – und gerade das macht den Sog so stark. Ich fand es faszinierend, wie geschickt alte Traditionen und Aberglauben verwoben werden, ohne jemals belehrend zu wirken. Man lernt, staunt, fröstelt – und liest automatisch schneller.

Fazit: Die düstere Stimmung, die packenden Wendungen und ein Finale, das sich logisch und klug zusammenfügt, machen das Buch zu einem echten Winter-Pageturner.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Die blutigen Abgründe Londons

Killing Red Jack
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Wir schreiben das Jahr 1888, und der blutige Herbst im Londoner East End hat gerade erst begonnen. Basierend auf originalen Polizeiakten und modernsten Analysen, entführt uns Richter und Krimiautor Thorsten ...

Wir schreiben das Jahr 1888, und der blutige Herbst im Londoner East End hat gerade erst begonnen. Basierend auf originalen Polizeiakten und modernsten Analysen, entführt uns Richter und Krimiautor Thorsten Schleif in einen historischen Albtraum, der geschichtlich präzise und höchst unterhaltsam ist und eine enorme Sogwirkung entfaltet.

In abwechselnden Kapiteln streift ein Mann, erfüllt von Trauer und einem alles verzehrenden Hass, durch die Straßen und hinterlässt eine Spur in blutrot. Er verlor das Liebste, und nun gibt er jenen, die er die "Unglücklichen" nennt, die Schuld – den H*ren der hiesigen Stadt, die seiner Meinung nach Seuche und Sünde bringen. Wir begleiten ihn, wachsam und atemlos, pirschen uns an seine Opfer heran, als würde sein Hass auch unser sein. Pures Adrenalin!

Seine Motivation ist erschreckend klar, seine Gedanken sind ein Spiegelbild der Verzweiflung:

"Seitdem der gute Frederick Charrington im vergangenen Winter so viele ihrer verruchten Häuser hat schließen lassen, sind sie hervorgequollen wie Eiter aus einer lang gereiften Wunde. Er hätte ihre Häuser nicht schließen, sondern sie abbrennen sollen. Mitsamt diesen Töchtern der Sünde."

Doch in dieser Welt voller Laster und Gefahren erhebt sich eine ungewöhnliche Allianz: Irene Adams, selbst eine Begleitdame der feinen Gesellschaft, die zwei Opfer persönlich kannte, ist fest entschlossen, den Mörder auf eigene Faust zur Strecke zu bringen. Ihr zur Seite steht William Berger, ein schweigsamer Kriegsveteran und Leibwächter, der die brutalen Fähigkeiten besitzt, um Irenes blutiger Jagd zu folgen.

Der Roman lebt von lebendigem und authentischem Wordbuilding. Der Autor, der ein Jahr lang gegen Jack the Ripper ermittelt hat, schreibt, als wäre er selbst in jener Zeit geboren und aufgewachsen, und katapultiert uns ins 19. Jahrhundert. Wir werden zu heimlichen Beobachtern und stillen Mithörern, die die pikantesten Geheimnisse entdecken und dubiose Verbindungen entlarven.

Doch über allem schwebt Er, der Ripper, der weiß, dass seine Jagd bald ihr Ende finden wird:

"Sie verstecken sich. Verstecken sich vor mir. Aber das wird ihnen nicht helfen. Ich suche euch. Ich finde euch."

Gemeinsam kommen Irene und William dem dunklen Geheimnis immer näher. Und das Ende? Hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Ich war vollkommen gefesselt, aber auch traurig, weil die Geschichte für manche Figur anders endet, als man es sich gewünscht hätte.

Fazit: Ein True-Crime-Thriller, der dich in die Abgründe Londons zieht! Folge der blutroten Spur, tauche ein in die Faszination des Bösen. Denn Er wartet bereits auf dich.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Raffiniert geplottet

Die Tiefe: Versunken
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Bei einem Tauchgang stoßen Hobbytaucher auf ein gesunkenes Segelboot – an Bord die Leichen einer ganzen Familie. Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt übernimmt die Ermittlungen, und schon bald ist klar: ...

Bei einem Tauchgang stoßen Hobbytaucher auf ein gesunkenes Segelboot – an Bord die Leichen einer ganzen Familie. Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt übernimmt die Ermittlungen, und schon bald ist klar: Dies ist erst der Anfang einer unheilvollen Mordserie.

Mit „Die Tiefe – Versunken“ startet Karen Sander die dritte Trilogie ihrer fesselnden und komplexen Krimireihe rund um Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt und die Kryptologin Mascha Krieger. Nach „Der Strand“ und „Der Sturm“ ist dies nun der Auftakt zu „Die Tiefe“ – und er beginnt genauso spannend wie bei den Vorgängern. Für ein umfassendes Verständnis der Hintergründe und vor allem der persönlichen Entwicklung von Mascha und Tom empfiehlt es sich, die Reihe unbedingt in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Viele Verbindungen, Konflikte und Entwicklungen entfalten ihre Wirkung erst durch den Gesamtzusammenhang.

Auch in diesem Band startet die Handlung mit einem Mordfall, den Tom gemeinsam mit seinem Team untersucht. Mascha hingegen wird ausgerechnet dem Team ihres ungeliebten Stiefbruders zugeteilt und arbeitet so an einem ganz anderen Fall. Schnell wird klar: Die Mordserie ist noch nicht beendet. Während nur einer der Fälle tatsächlich aufgeklärt werden kann, bleibt vieles andere offen – und genau darin liegt der Reiz. Sander versteht es meisterhaft, die Leser mit Andeutungen, falschen Fährten und einem nervenaufreibenden Cliffhanger gebannt zurückzulassen.

Die Mischung aus spannenden Ermittlungen, vielschichtigen Charakteren und einem raffiniert aufgebauten Handlungsbogen macht auch diesen siebten Band zu einem echten Pageturner. Wer Krimis mit Tiefgang, sympathischen Protagonisten und clever konstruierten Rätseln liebt, kommt an dieser Reihe nicht vorbei.

Fazit: Ein packender Auftakt zur neuen Trilogie, der große Lust auf mehr macht. Unbedingt lesen – am besten von Beginn an!

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Spannend, clever konstruiert, coole Atmosphäre

Knochenkälte
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Eigentlich ist Dr. Hunter beruflich nach Carlisle unterwegs, verfährt sich aber in einem Unwettter so stark, dass er in dem kleinen, abgelegenen Örtchen Edendale landet. Nach einem sehr unerfreulichen ...

Eigentlich ist Dr. Hunter beruflich nach Carlisle unterwegs, verfährt sich aber in einem Unwettter so stark, dass er in dem kleinen, abgelegenen Örtchen Edendale landet. Nach einem sehr unerfreulichen Empfang findet er zumindest für die Nacht Unterschlupf. Doch auch am nächsten Tag ist keine Weiterfahrt möglich. Die einzige Zufahrtsstraße ist dem Unwetter zum Opfer gefallen und hat direkt Strom und Internet mit zerstört. Auf der Suche nach Handynetz stößt Hunter auf ein Skelett und bringt damit eine über 20 Jahre alte Geschichte wieder ins Rollen.

Zitat S. 97:
"Und für Sie ist es noch viel schlimmer. Sie können nicht mal Bescheid sagen, dass Sie hier feststecken, oder? Was ist mit der Polizeiermittlung in Carlisle, an der Sie teilnehmen sollen?»
«Die müssen wahrscheinlich ohne mich anfangen», sagte ich mit einer Unbekümmertheit, die ich nicht fühlte. Zuerst würde man auf mein Nichterscheinen verärgert reagieren. Vielleicht würde man versuchen, mich zu erreichen, oder ungehaltene E-Mails schreiben, um herauszufinden, wo ich steckte, aber so schnell würde man keinen Suchtrupp losschicken. Und selbst wenn, ich war meilenweit vom Weg abgekommen. Hier würde mich niemand vermuten.

Ich hatte so lange auf dieses Buch gewartet und wurde nicht enttäuscht. Von der ersten Seite an zieht Beckett einen in die Story. Man hat das Gefühl, selbst auf dem Beifahrersitz von Dr. Hunter zu sitzen. Ich habe ohnehin ein Faible für Geschichten an abgelegenen Orten, und die düstere und bedrohliche Atmosphäre dieses Ortes hier wurde sehr gut vermittelt.

Die Figuren wurden interessant beschrieben und die umliegenden Berge und dunklen Fichtenwälder trugen dazu bei, dass einem Gänsehaut den Nacken hochkrabbelte.

Die persönliche Geschichte von Hunter wurde ebenfalls angerissen, aber nicht zu sehr vertieft, was ich als eher angenehm empfand. Der Fokus lag hier klar auf der Story an sich. Es gab einige spannende Szenen und letztlich auch gute Wendungen.

Jetzt bin ich traurig, bereits mit dem Buch fertig zu sein, und hoffe, dass wir nicht wieder so lange auf den nächsten Teil warten müssen.

Fazit: Langersehnte Fortsetzung mit spannender Story - perfekt für den gemütlichen Feierabend.

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