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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2026

Charmant erzählt, aber ohne Tiefgang

The Ordeals
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Aufgrund der vielen positiven Meinungen zu dem Buch habe ich mich für die Lektüre entschieden. Leider kann ich den großen Hype um das Buch nicht nachvollziehen. Die Handlung, das Setting und die Charaktere ...

Aufgrund der vielen positiven Meinungen zu dem Buch habe ich mich für die Lektüre entschieden. Leider kann ich den großen Hype um das Buch nicht nachvollziehen. Die Handlung, das Setting und die Charaktere sind zwar nett, aber auf mich wirkt alles ein wenig unausgegoren.
Rachel Greenlaws Schreib- und Erzählstil hat mir von Beginn an zugesagt. Das Buch lies sich leicht lesen, ich konnte schnell in die Geschichte eintauchen und mich mehr oder weniger zurechtfinden. Allerdings ist mir bereits zu Beginn des Buches aufgefallen, dass die Autorin eher sparsam mit Beschreibungen der Welt, in der die Geschichte handelt, umgeht. Lange Zeit dachte ich, dass genauere Erklärungen bestimmt noch im weiteren Verlauf der Geschichte kommen werden. Dies war jedoch ein Irrtum und meiner Meinung nach sehr schade.

Ähnliches gilt übrigens auch für das, von Rachel Greenlaw erdachte, Magiesystem. Ich denke, dass ich es in Grundzügen verstanden habe und mir ist bewusst, dass es vier verschiedene Arten von Magie gibt. Wie genau diese Magie aber gewirkt wird und warum manche Personen im Bezug von der einen oder anderen Art Magie sind, ist nicht bis zu mir vorgedrungen.

Positiv hervorheben möchte ich die Prüfungen oder Ordeals wie sie in diesem Buch genannt werden. Diese fand ich interessant, wenn auch nicht alle davon wirklich einzig- oder neuartig waren. Prüfungen ähnlicher Art und Weise kennt man bereits aus anderen Werken. Spannend fand ich allerdings, dass diese Prüfungen der Aufnahme zu Studium dienen. Dies war für mich dann doch eine Neuheit.

Die Charaktere allen voran Sophia und Alden waren wie nicht anders zu erwarten gutaussehend, intelligent und mehr oder weniger sympathisch. Sophia hat mir gerade anfangs sehr gut gefallen, da sie, als starke und mehr oder weniger unabhängige junge Frau beschrieben wurde. Dies hat sich leider im Laufe des Buches ein wenig geändert, vor allem als die Liebesgeschichte immer weiter in den Vordergrund gerückt ist.

An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass ich das eine oder andere bereits aus anderen Büchern oder Filmen kenne. Ich möchte damit nicht sagen, dass die Autorin irgendetwas kopiert hat. Ich bin viel mehr der Meinung, dass sie Elemente, die in anderen Werken beliebt waren und gut funktioniert haben, in ihre Geschichte integriert hat.

Für meinen Geschmack hat Rachel Greenlaw in ihrem Auftaktroman zu viel Potential ungenutzt liegen gelassen. Ich hätte das Buch deutlich mehr genießen können, wenn sie etwas mehr Zeit und Mühe in die Ausarbeitung der Welt, des Magiesystems und auch der Charaktere gesteckt hätte. Dafür hätte man die eine oder andere Liebesszene oder Gesprächswiederholung gerne streichen können.
Das Buch hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen, wenn ich auch eigentlich mehr von der Geschichte erwartet hatte. Ich denke, dass das Buch für Neulinge im Dark Academia Bereich sicher interessant ist und auch für all jene die keine allzu großen Ansprüche an Worldbuilding haben.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Zwischen Seoul und der Seele – ein literarischer Ruheort

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Es gibt Bücher, die überzeugen einen durch eine besonders raffinierte Handlung, durch eine fantasievolle Welt oder durch Spannung und Nervenkitzel. Dieses Buch ist keines davon. Dennoch ist es ein Buch, ...

Es gibt Bücher, die überzeugen einen durch eine besonders raffinierte Handlung, durch eine fantasievolle Welt oder durch Spannung und Nervenkitzel. Dieses Buch ist keines davon. Dennoch ist es ein Buch, dass einen von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann zieht und auch nach Beendigung nicht loslässt. Allerdings auch eine sehr feinfühlige, ruhige und gefühlvolle Art.
Beim Titel des Buches musste ich sofort an ein anderes Buch denken, welches ich 2025 gelesen habe. Dabei handelt es sich um den japanischen Roman „Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“. Interessanterweise wird genau dieses Buch auch in „Der Briefladen, in die die Zeit stillstand“ erwähnt. Allerdings durfte ich schnell feststellen, dass obwohl es gewisse Gemeinsamkeiten zwischen den Werken gibt, sie doch auch sehr verschieden sind. Wobei ich die Meinung vertrete, wer eines der Bücher geliebt hat, wird auch das andere lieben.

Einen sehr interessanten Fakt habe ich erst durch das Nachwort des Buches gelernt, nämlich, dass es sich bei den Briefen, die im Buch vorkommen, um echte Briefe handelt. Diese wurden in einem Letter Shop in Seoul abgegeben und der Veröffentlichung im Roman wurde natürlich zugestimmt. Diese Information macht das Buch noch um einiges wertvoller und auf jeden Fall auch authentischer.

Den Schreibstil von Beak Seungyeon würde ich als äußerst feinfühlig, gefühlvoll und auch poetisch beschreiben. Die Autorin legt viel Wert aufs Detail und beschreibt auch kleine Alltagsgegenstände mit einem hohen Maß an Wertschätzung. Das Handlung des Buches umfasst alle vier Jahreszeiten und besonders die Beschreibungen der Umwelt in den jeweiligen Jahreszeiten hat mir besonders gut gefallen.
Wer bis dato noch keine Berührungspunkte mit koreanischen Namen hatte, wird es zu Beginn vielleicht ein wenig schwer haben. Aber auch hier bekommt man von der Autorin eine Hilfestellung, denn am Anfang des Buches gibt es kurze Steckbriefe zu den vorkommenden Personen und dort ist auch die richtige Aussprache der Namen angegeben.

Die Handlung kann grob in zwei Stränge geteilt werden. Denn einerseits gibt es die Geschichte rund um Hyoyeong und andererseits gibt es die kurzen Episoden zu den Briefen. Die beiden Stränge greifen ineinander, beeinflussen einander und ergeben zusammen ein wunderschönes Ganzes.
Bevor ich zu meinem abschließenden Fazit komme, möchte ich noch kurz ein paar Worte zu Haptik und Optik des Buches verlieren. Optisch ist das Buch meiner Meinung nach sehr schön gestaltet und das Coverbild finde ich wirklich sehr gelungen und äußerst passend. Das Buch ist solide verarbeitet und die Haptik an sich auch sehr gut. Der einzige Punkt der mir hierbei negativ aufgefallen ist, ist der raue Buchschnitt, der eindeutig Geschmackssache ist.

Dieser gefühlvolle, inspirierende Roman ist wirklich ein Leseerlebnis der besonderen Art über Trauer, Liebe, Wünsche, Träume und Hoffnungen. Es ist eine Hommage an das Briefe schreiben, eine Einladung zum Innehalten und eine Auszeit vom Alltag. Dieser Roman ist perfekt für alle, die auch die leisen Töne zu schätzen wissen.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Einfühlsam und kindgerecht: Demenz erklärt mit Herz

Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank
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Es gibt Bücher, da würde man sich wünschen, dass sie überhaupt nicht existieren würden, so wie dieses Buch. Das liegt aber nicht an dem Buch an sich, sondern an dem Thema, dem sich das Buch widmet: Demenz. ...

Es gibt Bücher, da würde man sich wünschen, dass sie überhaupt nicht existieren würden, so wie dieses Buch. Das liegt aber nicht an dem Buch an sich, sondern an dem Thema, dem sich das Buch widmet: Demenz. Ich würde mir wünschen, dass niemand ein Kinderbuch über Demenz braucht, weil niemand seinen Kindern erklären muss, warum sich die Großeltern „plötzlich“ seltsam verhalten. Leider kommen aber immer wieder Eltern in diese Situation und daher bin ich froh, dass es dieses Buch gibt.

Paul und Anna Maar erzählen hier auf kindgerechte und sehr sensible Art und Weise die Geschichte von Opa Bär, welcher unter der „blöden Menz“ leidet, und seinem Enkel Benny. Auf medizinische Fachbegriffe wird hier bewusst verzichtet, was ich bei einem empfohlenen Lesealter von ab 5 Jahren auch durchaus gutheißen kann.

Das Buch konzentriert sich vor allem auf gängige Symptome der Demenz, wie zum Beispiel das Verlegen von Dingen und das Verwechseln von Wörtern. In Ansätzen werden auch Dinge wie Aggressionen und Vergessen angesprochen. Eventuell hätte man gerade letzteres noch ein wenig stärker in die Geschichte einbinden können. Allerdings befürchte ich, dass das Buch dadurch vor allem für sensible Kinder zu emotional belastend werden hätte, können. Andererseits entspricht es aber der Realität.
Demenz ist eine sehr komplexe Krankheit mit verschiedenen Stufen und Ausprägungsformen. Alle Facetten der Krankheit werden in diesem Buch natürlich nicht dargestellt. Dennoch finde ich, dass das Buch die wichtigsten Punkte erläutert und den Kindern vermittelt, was es heißt, dement zu sein.

Die Illustrationen von Hannes Maar runden das ganze Buch ab. Sie passen perfekt zu der sehr feinfühligen Art der Erzählung und unterstreichen den gefühlvollen Charakter des Buches. Besonders gut haben dem kleinen Leser und mir die Mischung aus groß- und kleinformatigen Zeichnungen gefallen. Auf grelle und schreiende Farben wurde in diesem Buch verzichtet, trotzdem sind die Illustrationen bunt und detailreich.

Wie nicht anders zu erwarten bei deinem Buch über Demenz ist der Grundton des Buches ein wenig melancholisch und traurig. Paul und Anna Maar haben es aber dennoch geschafft ein paar sehr lustige Szenen einzubauen, so dass man zwischendurch auch mal, was zum Lachen hat. Auch wenn einem als Erwachsener das Lachen manchmal fast im Hals stecken bleibt.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch wirklich eine gute Möglichkeit und Hilfestellung, um Kindern von betroffenen Familien das Thema Demenz näher zu bringen. Daher möchte ich für dieses Buch auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein Bilderabenteuer für kleine Entdecker

National Geographic Kids - Die tollsten Tierbabys aus aller Welt
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National Geographic ist wohl sehr vielen Menschen ein Begriff und die meisten denken wahrscheinlich vor allem an spektakuläre Dokumentationen für Erwachsene und eindrucksvolle Bilder. Deutlich weniger ...

National Geographic ist wohl sehr vielen Menschen ein Begriff und die meisten denken wahrscheinlich vor allem an spektakuläre Dokumentationen für Erwachsene und eindrucksvolle Bilder. Deutlich weniger Menschen wissen wahrscheinlich, dass es auch eine Kinderbuch-Reihe von National Geographic gibt, und diese steht in ihrer Wirkung den Erwachsenen Bildbänden in nichts nach.

Der erste Eindruck des Buches war bereits positiv. Das Format hat eine angenehme Größe und der Einband des Buches ist robust gestaltet. Sowohl die Haptik als auch die Optik waren äußerst ansprechend. Der kleine Leser, mit dem ich das Buch zusammengelesen habe, ist mit knapp drei Jahren noch ein wenig jünger als die Altersempfehlung des Ravensburger Verlages. Dieser gibt eine Empfehlung von ab vier Jahren.

Die Seiten sind im Vergleich zu anderen Kinderbüchern ein wenig dünner, bei kleineren Kindern, die noch keine ausgeprägte Feinmotorik haben, könnte dies zu Problemen und zerstörten Seiten führen. Für den kleinen Leser stellten die Seiten aber kein Problem dar und er begann bereits selbstständig durch die Seiten zu blättern.

Das Hauptaugenmerk des Buches liegt, wie bei einem National Geographic Buch nicht anders zu erwarten, bei den Fotografien. Die großflächigen, gestochen scharfen und eindrucksvollen Bilder sind auf jeden Fall ein absolutes Highlight. Der kleine Leser hatte bereits viel Freude mit dem Buch, indem er sich nur die Bilder angesehen hat, die kurzen informativen Texte waren dann aber noch ein zusätzlicher Pluspunkt.

Der Aufbau des Buches ist sehr strukturiert und geordnet. So stellt jedes Kapitel Tierbabys eines gewissen Lebensraumes dar: Grasland, Wasser, Berge und Wüste, Wald und Polargebiete. Jedem Tier bzw. Tierbaby ist mindestens eine Doppelseite gewidmet. Auch hier ist der Aufbau immer derselbe. Neben den eindrucksvollen Fotos gibt es einen kurzen informativen Text, ein Faktenkästchen mit den wichtigsten Informationen und ein Feld mit Zusatzinformationen.
Besonders gut haben mir die verschiedenen interaktiven Fragen gefallen, mit Hilfe derer man das Kind aktiver in den Vorleseprozess einbauen kann. Die Fragen greifen dabei immer einen Aspekt des gerade vorgestellten Tierbabys auf und verbinden es mit dem Menschenkind, welches das Buch ansieht. Beim Känguru lautet die Frage zum Beispiel: „Was trägst du gerne in deinen Taschen?“.

Für den kleinen Leser und mich war es das erste National Geographic Kids Buch, aber es wird definitiv nicht das letzte Bleiben. Die Mischung aus fantastischen, berührenden und einzigartigen Bildern in Kombination mit kurzen, informativen Texten hat sowohl dem kleinen Leser als auch mir sehr gut gefallen. Dieses Buch ist perfekt für alle kleinen und größeren Entdecker, die in die Welt der Tierbabys eintauchen wollen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Zwischen Intensität und Überfrachtung

Hazel sagt Nein
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Autorin Jessica Berger Gross hat sich für ihren Debütroman ein alles andere als leichtes Thema ausgesucht und ich war sehr gespannt auf die Umsetzung des Ganzen. Leider muss ich sagen, dass mich das Buch ...

Autorin Jessica Berger Gross hat sich für ihren Debütroman ein alles andere als leichtes Thema ausgesucht und ich war sehr gespannt auf die Umsetzung des Ganzen. Leider muss ich sagen, dass mich das Buch nicht vollständig überzeugen konnte und ich das Gefühl habe, dass die Autorin hier zu viel wollte.

Dabei hat eigentlich alles sehr gut angefangen. Der erste Teil des Buches konnte mich restlos überzeugen und ich wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Protagonisten waren interessant, die Geschichte stimmig und packend und ich konnte ab der ersten Seite in die Geschichte eintauchen. Besonders gut gefallen hat mir, dass sie das Buch nicht nur auf Hazel konzentriert, sondern ihre ganze Familie. So wird die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Hazel, ihrem Bruder Wolf und auch ihren Eltern Claire und Gus erzählt. Die Wechsel waren klar strukturiert und sehr eindeutig und auch wenn ich meine Lieblingsperson hatte, haben mir alle Perspektiven sehr gut gefallen.

Der packende Schreibstil, die interessanten Charaktere und die berührend-schockierende Handlung haben bei mir das Gefühl ausgelöst, dass es sich hierbei bereits um eines der Lesehighlights des Jahres handeln könnte. Leider kam dann der Umschwung und es ging meiner Meinung nach stark bergab, auch wenn ich sagen muss, dass die Autorin am Ende das Steuer noch ein klein wenig herumgerissen hat.

Zu Beginn des Buches hat sich Jessica Gross Berger vor allem auf das Thema se*ueller Missbrauch konzentriert. Dies hatte ich nach dem Lesen des Klappentextes auch so erwartet. Leider kamen dann von Seite zu Seite mehr Themen hinzu. Einige davon wie die #MeToo Bewegung waren zu erwarten, genauso wie das Feminismus Thema. Beides passt hervorragend zur Ausgangssituation. Allerdings macht die Autorin hier noch nicht Halt, sondern fügt auch noch Antisemitismus, Misogynie, Depressionen, ADHS und die Cancel Culture hinzu.
Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass die Autorin eine Liste an Themen zum Abhaken vor sich hatte. Dieses Gefühl wurde vor allem dadurch unterstrichen, dass die meisten Dinge angesprochen wurden, man war kurz entrüstet und dann wurde kein Wort mehr darüber verloren. Zu viel verpufft hier einfach als Nebensächlichkeit.

Mein größter Kritikpunkt an dem Buch ist allerdings, dass es zu wenig mit der Realität zu tun hat. Da ich nicht spoilern möchte, kann ich den Punkt nur sehr vage ausführen. Daher nur so viel, die Handlung driftet sehr stark in eine stark konstruierte und märchenhafte Richtung ab und spiegelt kaum mehr die Realität von Missbrauchsopfern dar.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass dieses Buch sehr gute Ansätze hat und viele wichtige Themen aufwirft. Es ist eine berührende Geschichte, in der meiner Meinung nach aber mehr Potential gewesen wäre. Kann man lesen, muss man aber nicht.

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