Authentisch und unterhaltsam
Die Abenteuer der Cluny BrownNach den heutigen Maßstäben klingt es absurd, dass eine Frau gegen die gesellschaftlichen Konventionen verstößt, nur weil sie allein im Ritz Tee getrunken hat. Doch genau das hat Clover, genannt Cluny, ...
Nach den heutigen Maßstäben klingt es absurd, dass eine Frau gegen die gesellschaftlichen Konventionen verstößt, nur weil sie allein im Ritz Tee getrunken hat. Doch genau das hat Clover, genannt Cluny, Brown getan. Sie hat allein im Ritz Tee getrunken und sich damit Ärger mit ihrem Onkel und gesetzlichen Vormund eingehandelt.
„Die Abenteuer der Cluny Brown“ ist eine charmante und wundervolle Wiederentdeckung des Eisele Verlages. Die Geschichte spielt in England Ende der 30iger Jahre und erschien erstmals 1944. Sowohl die behandelten Themen wie auch der Schreibstil erscheinen an manchen Stellen für unsere heutige Zeit zwar etwas altbacken und verstaubt, versprühen aber auf der anderen Seite einen ganz besonderen Charme.
Heutzutage wäre Cluny Brown wahrscheinlich ein normales, unauffälliges Mädchen. Zu ihrer Zeit aber war ihre Unangepasstheit und ihre Unbeschwertheit fast schon skandalös. Es klingt zwar schwer vorstellbar, doch trotz der unterschiedlichen Moralvorstellung der damaligen und heutigen Zeit, ist Cluny Brown eine Protagonistin, in die man sich gut hineinversetzen kann.
Obwohl Cluny Brown natürlich der unangefochtene Star des Buches ist, gibt es noch einen weiteren Erzählstrang, der sich erst nach und nach mit Clunys Geschichte verbindet. Die Geschichte rund um Andrew, der Sohn von Cluny Browns Arbeitgeber, und Mr. Belinski. Mit diesem Handlungsstrang hatte ich zwischendurch so meine Schwierigkeiten, da er im Vergleich eher düster, getragen und melancholisch daherkommt. Kein Wunder, denn hierbei geht es auch um den zweiten Weltkrieg bzw. die Angst das ein Krieg kommen wird. Faszinierend fand ich hier vor allem, dass obwohl die Vorboten sichtbar waren, viele der Protagonisten die Augen davor verschlossen haben und so etwas für unwahrscheinlich hielten.
Das Buch entsprach im Ganzen nicht ganz meinen Erwartungen, dennoch war es in Summe gesehen ein angenehmes Leseerlebnis. Das Buch und die darin vorkommenden Charaktere sind authentisch, teilweise skurril und überaus unterhaltsam. Ein wunderbarer Blick in eine Zeit, die wir sonst nur aus Geschichtsbüchern kennen.