Charmante Idee, schwache Umsetzung – und trotzdem neugierig auf mehr
Mirror: Schön wie RosenEndlich ist sie da die Fortsetzung der Spieglein, Spieglein Reihe von Lucia Herbst. Gut ein Jahr haben wir jetzt auf dieses Buch warten müssen und ich vermute, wir müssen auch wieder ein weiteres Jahr ...
Endlich ist sie da die Fortsetzung der Spieglein, Spieglein Reihe von Lucia Herbst. Gut ein Jahr haben wir jetzt auf dieses Buch warten müssen und ich vermute, wir müssen auch wieder ein weiteres Jahr auf den nächsten Teil warten. Denn so viel sei schon einmal verraten, die Geschichte ist noch nicht zu ende.
Diese Tatsache hat mich ehrlich gesagt ziemlich aus der Bahn geworfen, denn ich war der Meinung, dass es sich hierbei um eine Dilogie handelt, dies scheint aber offensichtlich nicht der Fall gewesen zu sein. Leider erfreut mich dieser Punkt nicht besonders.
Normalerweise bin ich immer sehr glücklich, wenn ich feststellen darf, dass ich mich nicht gleich wieder von meinen liebgewonnenen Charakteren verabschieden muss. In diesem Fall hätte ich aber wahrscheinlich die Finger von dem Buch gelassen, wenn ich davon gewusst hätte. Bereits der erste Teil hat mich nicht wirklich begeistert, da dem Buch ein wenig an Tiefe gefällt hat. Ähnlich ging es mir auch bei Teil zwei. Dennoch hat die Autorin Lucia Herbst es geschafft mich neugierig zu machen, wie sie manch offenen Handlungsstrang aus dem ersten Teil beenden wird. Daher habe ich mich dazu entschieden, auch den zweiten Teil zu lesen. Leider habe ich noch immer keine Antwort auf meine Fragen, da diese scheinbar erst im dritten Teil geliefert werden.
Das Schema des Buches ist ähnlich wie in „Mirror: Weiß wie Schnee“. Wieder darf eine Protagonistin der Märchenwelt mit einer Frau aus unserer Welt den Platz tauschen. Im Gegensatz zum ersten Teil beschränkt sich die Autorin aber darauf nur eine der beiden Geschichten zu erzählen. Im ersten Teil wurde ja sowohl die Geschichte aus der realen Welt als auch aus Sicht der Märchenwelt erzählt. So konnte man Luna und Lena auf ihrem Weg durch neue Welten und unbekannte Dinge begleiten.
Im ersten Augenblick war ich über den unterschiedlichen Aufbau des Buches ein wenig irritiert. Dann ist mir allerdings klargeworden, dass das Buch nur so Sinn ergibt. Hätte Lucia Herbst das gleiche Erzählschema wie im ersten Band angewandt, wäre es nur ein billiger Abklatsch gewesen. So hebt es sich doch vom ersten Teil ab und führt die Geschichte trotzdem weiter.
Wie bereits erwähnt fehlt es mir auch in diesem Teil wieder ein wenig an Tiefe und an Details. Mit ausufernden und detailreichen Beschreibungen geht die Autorin wieder äußerst sparsam um. Dies trägt einerseits zum raschen Fortschreiten der Geschichte bei, führt aber andererseits aber auch dazu, dass alles ein klein wenig flach bleibt.
Mein größtes Problem war aber die Hauptperson Rosalie, bis zum Schluss bin ich mit ihr nicht warm geworden und würde sie sogar als unsympathisch beschreiben. An manchen Stellen der Geschichte kann man zwar erkennen, dass sie das Herz am rechten Fleck hat, Großteils habe ich sie aber einfach nur als eingebildet und egoistisch empfunden.
Positiv hervorheben möchte ich das Einbinden von feministischen Themen. Damit habe ich in diesem Buch nicht wirklich gerechnet und die Art und Weise wie Lucia Herbst ihre Botschaften rüber bringt hat mir gut gefallen. Der Erzählstil der Autorin ist wie gewohnt leicht und locker und das Buch lässt sich gut nebenbei lesen.
Auch bei diesem Buch kann ich wieder sagen, dass ich ein paar vergnügliche Lesestunden hatte, aber auch nicht mehr. Den dritten und hoffentlich dann auch abschließenden Teil werde ich bestimmt auch noch lesen, weil ich erstens endlich eine Auflösung aller Handlungsfäden haben möchte und neugierig bin, welches Märchen als nächstes von Lucia Herbst über den Haufen geworfen und völlig umgekrempelt wird.