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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2021

Ein gelungenes Debüt

Der andere Sohn
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Endlich wieder einmal ein schwedischer Krimi. Ich habe mich sehr darauf gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. Das Autorenduo Mohlin & Nyström hat einen interessanten und schwer durchschaubaren Krimi ...

Endlich wieder einmal ein schwedischer Krimi. Ich habe mich sehr darauf gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. Das Autorenduo Mohlin & Nyström hat einen interessanten und schwer durchschaubaren Krimi geschrieben. Das Grundgerüst ist nicht neu, dass hat man schon hier und da zu lesen bekommen, aber der Ablauf, die kleinen Wendungen, die Charaktere sowie die Rückblicke waren etwas anders und gut durchdacht.

Was so typisch für die schwedischen Krimis ist, sind die etwas lädierten Hauptcharaktere. So auch John Adderley. Er ist anders. Er hardert mit seiner Vergangenheit und kämpft mit seiner Gegenwart. Schlimme Erlebnisse lähmen ihn und setzen ihn außer Gefecht und doch bleibt er sich treu und versucht der Wahrheit auf den Grund zu gehen. John Adderley und Mona Ejdewik arbeiten zusammen an einem alten Fall, in dem ein Teil seiner Familie verwickelt ist. Sie versuchen einen zehn Jahre alten Mord aufzuklären und alte Vorurteile gegenüber den ehemaligen Verdächtigen aufzubrechen.

Ich muss zugeben, dass mir der Charakter von Mona am besten gefallen hat. Sie ist eine erfahrene Ermittlerin, besonnen und hat einem scharfen Verstand. Sie ist empathisch und hat einen schönen Humor und sie lässt sich von dem Hauptcharakter nicht abdrängen.

Insgesamt war es ein gelungenes Debüt und ich hoffe, dass der kleine Cliffhanger zu einem weiteren Buch führen wird. Die Spannung könnte im neuen Buch etwas höher sein, aber gern wieder in diesem sehr gut zu lesenden Schreibstil verfasst werden.

Veröffentlicht am 15.02.2021

Enttäuschend

Ein Spiel und ein Zeitvertreib
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Ich habe aufgegeben. Nach 100 Seiten voller kurzer, abgehackter Sätze, sehr nüchternen Dialogen und wenig ansprechenden Inhalt gebe ich auf. Ich hatte über den Autor und seine Werke einiges gelesen und ...

Ich habe aufgegeben. Nach 100 Seiten voller kurzer, abgehackter Sätze, sehr nüchternen Dialogen und wenig ansprechenden Inhalt gebe ich auf. Ich hatte über den Autor und seine Werke einiges gelesen und meistens waren sie voller Lob, aber mich konnte weder der Schreibstil noch die Geschichte begeistern. Ich kam nicht in die Geschichte rein, mir blieben die Charaktere fern und fremd.

Auf dem Klapptext stand "Die Erotik dieses Romans überwältigt einen." Ich muss gestehen, dass ich selten Sexszenen so kalt und mechanisch beschrieben bekommen habe, wie bei James Salter. Diese Szenen müssen nicht rosarot und kitschig sein, aber man sollte schon Gefühle erahnen können, was bei diesen Szenen leider nicht vor kam.

Auch der Rest der Geschichte war für mich wirklich enttäuschend und ernüchternd und so lege ich das Buch unbeendet bei Seite. Schade.

Veröffentlicht am 07.02.2021

Berliner Kriminalgeschichte

Das Verschwinden des Dr. Mühe
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Oliver Hilmes kannte ich bisher nur als Autor von biografischen Roman. Nun also eine Kriminalgeschichte. Die Geschichte spielt in Berlin 1932 und streckt sich bis 1950. Ein erfolgreicher und geschätzter ...

Oliver Hilmes kannte ich bisher nur als Autor von biografischen Roman. Nun also eine Kriminalgeschichte. Die Geschichte spielt in Berlin 1932 und streckt sich bis 1950. Ein erfolgreicher und geschätzter Arzt verschwindet eines Nachts und niemand weiß, warum und wie. Auch die Mordkommission kann nur wenige aussagekräftige Anhaltspunkte finden.

Der Cold Case wurde in der Sammlung des legendären Berliner Ermittler Ernst Gennat gefunden und Oliver Hilmes hat daraus einen spannenden, sehr gut recherchierten und authentischen Roman gemacht. Die Charaktere und die Umgebungen werden so gut beschrieben, dass man sich mittendrin fühlt. Auch der Berliner Dialekt wurde wunderbar getroffen und sorgte für eine besondere Stimmung. Mir gefallen die Ermittlungen aus dieser Zeit - Block und Stift, einfache Fotografien und jede Menge Befragungen. Alles findet noch ohne digitale Medien und Hilfsmittel statt. Man entschleunigt beim Lesen. Der Kommissar versucht über Jahre diesen Fall, der immer mysteriöser wird, aufzuklären. Doch seine Bemühungen werden nicht belohnt und auch die Lesenden bekommen ein Ende präsentiert, welches man so vielleicht nicht erwartet hätte.

Mir hat der Fall gut gefallen. Die kurzen Abschnitte, die sehr authentische Geschichte und der gute Schreibstil haben mich überzeugt. Ich hoffe, der Autor wird sich noch einmal einem solchen Cold Case annehmen und als Kriminalgeschichte aufarbeiten.

Veröffentlicht am 03.02.2021

Gute Idee, schönes schnelles Tempo, aber ein anstrengender Kommissar.

Der Malik
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Es ist ein kurzweiliger und schneller Krimi, der mit einem guten Tempo durch die Ermittlungen huscht und dabei versucht ein ganzes Kartell zu sprengen. Die Kommissare sind kluge und charismatische Charaktere. ...

Es ist ein kurzweiliger und schneller Krimi, der mit einem guten Tempo durch die Ermittlungen huscht und dabei versucht ein ganzes Kartell zu sprengen. Die Kommissare sind kluge und charismatische Charaktere. Der Humor ist teilweise recht schwarz und scharfzüngig, aber gut und unterhaltsam.

Die Verwicklungen und Verstrickungen waren gut durchdacht und sorgten immer wieder für kleine Überraschungsmomente. Die Mailk war genauso, wie man sich einen älteren Patriarchen vorstellt. Unfelxibel, traditionsbewusst und machtbesessen. Er hält an den alten Traditionen und Vorgängen fest und besteht auf seine alleinige Machtposition, die jedoch immer mehr wackelt und von mehreren Seiten angegriffen wird. Das kluge Netzwerk aus Firmen und Unterfirmen, die kaum einer auseinanderhalten kann, fand ich interessant und gut beschrieben.

Jedoch der philosophierende und altkluge Michael Lenhart hatte mich recht schnell am Nerv gepackt und ordentlich daran gezogen. Dieser Charakter kam mir bekannt vor. Die skandinavischen Ermittler und auch Maarten S. Sneijder von Andreas Gruber weisen ebenfalls diesen Charakterzug auf. Ab und an ist es auch ganz interessant und es fördert das Denken um die Ecke, aber hier nahm es leider etwas Überhand. Seine Partnerin Sabine Preiss hat ihn, Gott sei Dank, immer mal gebremst und die Geschichte weiter vorangetrieben. Das hohe Tempo fand ich gut, aber leider bekam man gelegentlich protokollartige Dialoge, die mich etwas aus dem Lesefluss rissen.

Es war für mich noch kein Krimi, der mir den Atem beim Lesen raubt oder mich mitfiebern lässt. Aber die Idee war gelungen, der Anton hat mir gefallen (vielleicht bekommt er einen größeren Part im nächsten Fall?) und die Querelen innerhalb der Polizeihackordnung waren amüsant zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2021

Das Beste kommt zum Schluss

Alles in Ordnung? – Warum wir vor lauter Aufräumen unser Leben verpassen
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In den letzten Jahren sind die Themen Minimalismus, Ausmisten und Aufräumen immer mehr in den medialen Fokus gerückt. Immer mehr Menschen sortieren sich neu, werfen ihren Ballast über Bord und hoffen ...

In den letzten Jahren sind die Themen Minimalismus, Ausmisten und Aufräumen immer mehr in den medialen Fokus gerückt. Immer mehr Menschen sortieren sich neu, werfen ihren Ballast über Bord und hoffen so auf ein freieres Leben. Manche machen es, weil es hipp ist, andere Menschen versuchen wirklich ihren Lebensstil zu hinterfragen.

Maria Wiesner schaut kritisch auf diese Entwicklung und zweifelt an dem Sinn der ganzen Aufräumaktionen. Sie zeigt die Probleme des Wegwerfens auf, schaut hinter die Fassade von Marie Kondo und versucht außerdem den Secondhandtrend zu hinterfragen.

Alles Themen, die mich interessieren und so bin ich mit einigen Erwartungen an das Buch herangegangen. Sie wurden nur bedingt erfüllt. Es gibt viele nette Ansätze, aber keiner wird wirklich bis zum Schluß ausgeführt. Es ist eher ein schnelles Zusammenfügen von Zahlen und Fakten, die man schon in einigen Artikeln gelesen hat. Teilweise werden die Gegenargumente nur sehr oberflächlich behandelt, um dann auf das nächste Thema übergehen zu können.

Die Kritik an Marie Kondo ist bekannt, ebenso, dass diese Frau eine unglaublich gute Geschäftsfrau ist. Sie räumt auf und mistet aus und verkauft nebenbei jede Menge Krimskrams, die für teures Geld wieder in die Räume kommen. Allerdings sagt Marie Kondo auch, dass sie keine Minimalistin ist, sondern eine Frau, die Ordnung schafft und nur noch schöne und liebgewonnene Dinge im Haus haben will. Ich finde die Vorgehensweise von Frau Kondo auch eher befremdlich, aber scheinbar hat sie den Zeitnerv getroffen.

Wer wirklich in seinem Leben aufräumen möchte, wird wahrscheinlich nicht nach Marie Kondo vorgehen. Wer für die Umwelt etwas nachhaltiges schaffen möchte, wird nicht alles sinnfrei wegwerfen, sondern aufbrauchen und so lange nutzen, wie es geht und nur dann etwas neu oder secondhand erwerben, wenn die Sache nicht mehr reparierbar und/oder substituierbar ist.

Das Beste am Buch findet man am Ende. Die Auflistung der Quellen und Verweise für weitere Impulse und zum Nachlesen von Zahlen, Fakten und Ideen.