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Veröffentlicht am 09.02.2025

Gartenliebe

Das große Buch der Stauden und Sommerblumen
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Ich habe meinen Garten "second hand" erhalten. D.h.einige Pflanzen und Bäume sind noch von meinem Vorgänger. Unter anderen habe ich eine Reihe (5 Stück) an Buchsbäumen im Vorgarten stehen. Ich wollte sie ...

Ich habe meinen Garten "second hand" erhalten. D.h.einige Pflanzen und Bäume sind noch von meinem Vorgänger. Unter anderen habe ich eine Reihe (5 Stück) an Buchsbäumen im Vorgarten stehen. Ich wollte sie nicht ohne Grund (obwohl ich sie nicht schön fand) entfernen, aber ich war im letzten Jahr auch nicht tieftraurig als der Buchsbaumzünsler die Buchsbäume vernichtet hatte. Nun wird endlich Platz geschaffen für wunderbare insektenfreundliche und in allen Farben blühende Stauden. Ein Staudenbeet war schon immer ein Traum von mir und mit dem Buch von Joachim Mayer konnte ich mich sehr gut in das Thema einlesen.

Spoiler: Mein Beet ist zu klein für alle Stauden, die ich gern einpflanzen würde.

Das Buch teilt sich in Stauden und Sommerblumen. Schon der Start mit der Klappbroschur zeigt, was für eine Vielfalt auf den Gartenfreund zukommt. Der Autor hat eine Übersicht nach Farben erstellt. D.h. eine Aufstellung von Pflanzen, die gelb, rot-orange, weiß, balu-violett und rosa-pink blühen. Jeweils 22 Pflanzen, die alle in diesem Buch näher beschrieben werden. Da fällt die Entscheidung noch schwerer.

Der Autor zeigt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten auf. Die Bilder sind entweder gezeichnet oder Fotos. Beide Varianten machen Lust auf mehr Farbe im Garten. Er schlägt Pflanzenkombinationen inkl. Platzierungstipps im Beet an und geht dabei auf Farbkombinationen und Standortorte (schattig, halbschattig...) ein. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass mir die Entscheidung sehr schwer fällt, da mein Beet leider kleiner ausfällt als die angegebenen Beetgrößen. Aber er bietet auch Ideen und Tipps für Kübel und kleine Bereiche an (nur passen da nicht alle "Haben-Wollen-Pflanzen" darauf).

Die Pflanzenbeschreibungen sind toll, da viele Punkte, wie Standort, Bodenbeschaffenheit und Vermehrung angesprochen werden. Für mich hätten es gern ausführlichere Informationen zur Insektenfreundlichkeit, d.h. welche Pflanzen bieten den meisten Mehrwert für Bienen, Schmetterlinge, Käfer und Co geben können.

Für Gartenliebhaber mit Kindern oder Tieren hat der Autor eine kleine Liste mit giftigen Pflanzen erstellt. Ich mag die Narzisse und die Christrose sehr gern, wusste aber nicht, dass sie sehr giftig sind.

Insgesamt ist es ein sehr schönes, interessantes Buch, welches große Lust auf den Frühling macht, damit ich endlich starten und mein erstes eigenes Staudenbeet anlegen kann.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Verzwickter Fall

Grenzverkehr
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Der zweite Band rund um die deutsch-österreichischen Kommissare Vilsmayr und Golob hat es in sich. Was recht unterhaltsam begann, wurde im Laufe der Geschichte immer verzwickter und spannender, aber auch ...

Der zweite Band rund um die deutsch-österreichischen Kommissare Vilsmayr und Golob hat es in sich. Was recht unterhaltsam begann, wurde im Laufe der Geschichte immer verzwickter und spannender, aber auch bedrückender.

Vilsmayr wurde von seinem Vorgesetzten "kaltgestellt" und darf nur noch vom Rand aus zuschauen. Er hat jedoch schnell Ersatz für seinen Polizeidienst gefunden. Seine Luitgard ist einem Betrüger auf dem Leim gegangen und nun gilt es für Recht zu sorgen und natürlich will Vilsmayr auch das Geld zurück. Das Ehepaar Vilsmayr begleitet den Lesenden durch das ganze Buch und es ist unterhaltsam, wie sich das Ehepaar als Ermittlerduo verhält.

Auf der anderen Seite wird Golob zweimal mit dem Tod konfrontiert. Sein bester Freund hat nicht mehr lang zu leben und während sie gemeinsam Zeit verbringen, entdecken sie einen Toten. Und schon dreht sich auch für Golob wieder das Ermittlungsrad.

Die Handlungsstränge laufen eine ganze Weile parallel bis ein entscheidendes Puzzleteil gefunden wird und die Kommissare wieder aufeinander treffen.

Die Autorin packt in diesem Fall einige schwere Themen an. Mal mehr, mal weniger in die Tiefe gehend, werden sie in der Geschichte verarbeitet. Alle Themen sind jedoch aktuell und ließen mich nachdenklich zurück. Die wenigen Momente zum Schmunzeln (meistens das Ehepaar Vilsmayr) waren wie kleine Atempausen.

Der zweite Fall ließ sich (aus meiner Sicht) leichter lesen als der erste Band "Grenzfälle". Der Dialekt wurde nicht mehr ganz so stark eingesetzt, so dass man leichter durch die Geschichte kam. Immer wieder blitzten trotzdem die bayrischen, berlinerischen, oder wienerischen Dialekte auf. Doch diesmal empfand ich sie als Abwechslung und zur Lockerung ganz gut.

Veröffentlicht am 03.01.2025

Bayrisch-österreichische Ermittlungen

Grenzfälle
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Bayrisch-österreichische Polizeiarbeit kann manchmal für den Lesenden richtig anstrengend werden. Es sind weniger die Leichenfunde, die überbordende Bürokratie oder die Frage nach dem "Wer ist zuständig?", ...

Bayrisch-österreichische Polizeiarbeit kann manchmal für den Lesenden richtig anstrengend werden. Es sind weniger die Leichenfunde, die überbordende Bürokratie oder die Frage nach dem "Wer ist zuständig?", sondern es ist der Dialekt. Auf beiden Seiten.

Wer kein Bayer oder Österreicher ist, wird immer wieder gegen die Zeilen laufen. Anfangs ist es noch witzig, aber im Laufe des Krimis wird es immer ermüdender, da man kaum vorankommt und das Auge immer wieder über die Dialoge stolpert. Der Lesefluss wird ausgebremst und je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr habe ich mich auf die dialogfreien Passagen gefreut.

Die Geschichte an sich, war gut und man konnte sich, dank des angenehmen Schreibstils der Autorin, auch die Charaktere gut vorstellen. Die Eigenarten der verschiedenen Ermittler:innen waren gut herausgearbeitet und so entstand ein feines Kopfkino. Obwohl der Serienmörder sein Unwesen trieb, war der Krimi nicht zu düster, da die Autorin alles mit einer Prise Klischee und Humor vermischte.

Ingesamt ist es ein solider Krimi, der die bayrischen und die österreichischen Eigenarten etwas überspitzt darstellt.

Veröffentlicht am 03.01.2025

Wenn die Mutter bei dir einzieht, ist nichts mehr wie vorher.

Wenn ich dir jetzt recht gebe, liegen wir beide falsch
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Wenn die Mutter bei dir einzieht, ist nichts mehr wie vorher.

Wohnung sauber, alles verräumt und ordentlich, das Abendessen pünktlich auf dem Tisch und die Wäsche gebügelt. Tag für Tag. Nun könnte man ...

Wenn die Mutter bei dir einzieht, ist nichts mehr wie vorher.

Wohnung sauber, alles verräumt und ordentlich, das Abendessen pünktlich auf dem Tisch und die Wäsche gebügelt. Tag für Tag. Nun könnte man meinen es gibt schlimmeres, aber Zofias Mutter bringt sie an ihre Grenzen.

Zofia, Kinga und Mama lieben und streiten sich. Beides auch gern parallel und oft und jedes Mal mit viel Leidenschaft. Die Mama würde gern weiterhin alles in und für die Familie kontrollieren und steuern, den passenden Mann für Zofia finden und täglich die fleischlastige Mahlzeit kochen. Doch ihre Töchter sind schon lange erwachsen und stehen auf ihren eigenen Beinen. Die polnischen Gene und die Erziehung dringen aber auch bei ihnen durch und so landet man direkt in einer Dreierkonstellation, bei der es etwas lauter und temperamentvoller zugeht.

Die Autorin erzählt ihre Geschichte in einem schönen schnellen Tempo. Gefühlt passiert auf jeder Seite etwas. Die Familienmitglieder ziehen sich an und stoßen sich aber auch bei zu viel Nähe wieder ab - wie bei Magneten. Bissig, ironisch und mit einem Augenzwinkern wird der Alltag der drei Frauen erzählt. Oft musste ich lachen und schmunzeln, weil die Autorin mit ihren teilweise überspitzten Dialogen für ein wunderbares Kopfkino sorgte.

Kurzweilige und unterhaltsame Geschichte über drei Frauen, die zwischen zwei Kulturen, Tradition und Moderne ihren Alltag bestreiten.

Veröffentlicht am 30.12.2024

Wenn der Kapitalismus ins Dorf einzieht

Die Käserei in der Vehfreude
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"Die Käserei in der Vehfreude" wurde 1850 von Jeremias Gotthelf geschrieben. Jeremias Gotthelf war ein schweizerischer Schriftsteller und Pfarrer, der erst mit 40 Jahren angefangen hatte, Romane zu schreiben.

Die ...

"Die Käserei in der Vehfreude" wurde 1850 von Jeremias Gotthelf geschrieben. Jeremias Gotthelf war ein schweizerischer Schriftsteller und Pfarrer, der erst mit 40 Jahren angefangen hatte, Romane zu schreiben.

Die Käserei von Vehfreude befindet sich im Emmental. Fast jedes Dorf in der näheren Umgebung hatte bereits eine Käserei nur in Vehfreude gab es noch keine. Um das Dorf voranzubringen, entschieden sich die Dorfbewohner gegen ein neues Schulhaus und für eine Käserei. Doch diese Käserei sorgte für Unruhe, Streit und Diskussionen, aber auch für vollere Kassen und die Gier nach mehr. Doch die Gier bekam weder dem Menschen noch dem Tier oder der Natur. Es wurde betrogen und gelogen bis der Betrug aufgedeckt wurde. Nur langsam kamen die Bauern wieder zu sich und orientieren sich neu.

Es durfte natürlich eine Liebesgeschichte nicht fehlen. Sie verlief jedoch ganz anders als in der heutigen Zeit. Es wurde die halbe Familie mit eingebunden, viele schüchterne Gespräche geführt und viele Missverständnisse beiseite geräumt. Neben der Liebe spielte in der damaligen Zeit auch der Status eine große Rolle.

Bereits 1850 schrieb Jeremias Gotthelf über die Umwelt und Natur und wie sie unter der Viehwirtschaft leidet. Zu viele Tiere, die hier noch auf den Hängen grasen duften, und zu wenige Weideflächen, die unter der Trockenheit litten. Die Probleme ausreichend Futter zu beschaffen, damit die Milchproduktion gesteigert werden kann, denn mehr Milch bedeutete auch mehr Käse und mehr Wohlstand.

Der Berner Dialekt wird in den Dialogen beibehalten, so dass man immer wieder über Wörter stolpert, die man nicht kennt. Der Verlag hat jedoch ein gutes Glossar mit den wichtigsten Wörtern zusammengestellt. Ebenso findet sich am Ende des Buches eine Übersicht über die Bernischen Maße und Gewichte. Sehr hilfreich, denn wer zahlt heute noch mit Batzen?

Es ist eine gute und interessante Geschichte, die jedoch vom Lesenden etwas mehr Geduld abverlangt.