Bildgewaltiger Schreibstil, tolles Setting, originelle Idee - ich liebe es!
Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1)Ein schrecklicher Unfall verändert Wandas Leben für immer. Sie verliert nicht nur ihre Freunde, sondern auch ihre Inspiration fürs Malen. Eines Tages jedoch überkommt sie das Bedürfnis, nach ihren Kunstutensilien ...
Ein schrecklicher Unfall verändert Wandas Leben für immer. Sie verliert nicht nur ihre Freunde, sondern auch ihre Inspiration fürs Malen. Eines Tages jedoch überkommt sie das Bedürfnis, nach ihren Kunstutensilien zu greifen … und die Inspiration kehrt zu ihr zurück, auf einen Schlag. Doch kaum hat sie das Bild vollendet, sitzt auf einmal ein fremder Mann in ihrem Wohnzimmer: Neo, der sich als ihre Muse vorstellt. Eigentlich dürfte sie ihn gar nicht sehen, und das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit, die sich jäh einstellt. Plötzlich herrscht eine unerklärliche Verbindung zwischen ihnen, die ihnen nicht erlaubt, sich mehr als ein paar Meter voneinander zu entfernen. Die beiden sind gezwungen, auf die Suche nach Antworten zu gehen, sowohl in Neos göttergleichen Welt der Unsterblichen als auch in Dimensionen aus Farben und Kunstwerken, die Wanda sich zuvor nicht einmal erträumen konnte. Zwischen der Leidenschaft, die zwischen Wanda und Neo entflammt, geraten nach und nach Geheimnisse und Intrigen an die Oberfläche, mit denen keiner rechnen konnte. Plötzlich dreht sich alles um die Frage, wer von ihren Vertrauten noch ein ehrliches Spiel spielt … und wer längst an einer ungeheuerlichen Verschwörung beteiligt ist.
„Musenrausch“ ist der Auftakt einer Trilogie (Band 2: „Nymphentraum“ erscheint im April 2026, Band 3: „Sirenenklang“ im November desselben Jahres). Die Bestandteile dieses Buches in Worte zu fassen, ist nicht ganz einfach. Es setzt sich auf mehreren Fantasieelementen zusammen, wie die Existenz von Nymphen, Sirenen, Zentauren, Magiern und weiteren magischen Wesen, zusätzlich sind auch Göttergestalten nicht rar gesät. Schauplätze der griechischen Sagen, wie zum Beispiel die Unterwelt, kommen ebenfalls vor. „Musenrausch“ ist ein Tanz aus Mythologie, Fantasie und der allumfassenden Kunst – Bilder, Gesänge, Geschichten, Tanz und Theater.
Für gewöhnlich bin ich kein großer Fan von Göttergeschichten – doch dieses Buch hat mich durch und durch verzaubert. Alles existiert in perfekter Harmonie zueinander: die Spannung, die Wendungen, die Schauplätze, die einzigartigen Charaktere und die poetische Sprache.
Es gibt keine lange Einleitung, kein ausgedehntes Heranführen an die Geschichte – der Leser ist sogleich mitten im Geschehen, ohne dass es überfordernd auf ihn wirkt. In die zu Beginn realistische Handlung mischen sich nach und nach die Fantasy-Elemente und bauen stetig aufeinander auf. Eine gewisse Spannung ist durchgehend vorhanden – keine, die auf übermäßigem Blutvergießen, Mord und Totschlag beruht, sondern die sich in einer Explosion der künstlerischen Schaffenskraft äußert und die die Grenzen der eigenen Fantasie ausdehnt. Die Wendungen sind überwiegend unvorhersehbar, dabei aber niemals aus der Luft gegriffen, sondern sich perfekt an das vorbereitete Gefüge anschmiegend.
Besonders fasziniert hat mich auch das Setting. Die Handlung startet in der wirklichen Welt, sodass der Leser die fremden Figuren mit dem ihm vertrauten Land verknüpfen kann und sich dadurch sogleich in der Energie des Buches wohlfühlt. Weiter geht es, wie erwähnt, mit dem Aufkeimen der ersten Fantasy-Elemente, die sich anschließend zu weiteren Parallelwelten formen. Diese Welten sind erfüllt von Kunst, von dem Einssein mit der Natur, von Licht und von Schatten. Der Autorin ist es gelungen, wunderbare Schauplätze zu weben, die unglaublich atmosphärisch sind. Hier gleich der nächste Punkt, den ich an „Musenrausch“ liebe: die Atmosphäre. Es ist eine absolute Wohlfühlstimmung, die weich und zugleich furchterregend ist, die mit lieblichen Klängen lockt und zugleich listige Fallen und Unerwartetes bereithält. Die Stimmung hat mich auf jeden Fall sofort in ihren Bann gezogen.
Auch von den Figuren geht eine ganz eigene Art von Anziehung aus. Die Protagonisten Wanda und Neo kriechen einem sofort unter die Haut und lassen den Leser bis in die letzte Faser mitfiebern. Ich wurde sogleich eingenommen von den beiden. Sie punkten durch verschiedene Eigenschaften: Wanda ist eher etwas zurückgezogen und vernünftig, Neo steckt voller Schalk und der Lust auf Waghalsigkeit. Die zwei sind ein fantastisches Duo, und auch die Beziehung zwischen ihnen ist authentisch. Sie entwickelt sich nach und nach, ganz gemächlich, und doch sind schon am Anfang die fliegenden Funken zwischen ihnen zu spüren sowie die Hingabe, die sie für den jeweils anderen übrighaben. Sehr gefallen und für eine gute Übersicht gesorgt, hat, dass aus den Sichtweisen der beiden erzählt wird. So erhält man einen Einblick in ihre beiden Heimaten, die doch sehr unterschiedlich sind, und ihre jeweiligen Gedankengänge. Die anderen Figuren sind ebenfalls individuell und sehr authentisch. Es gibt einige Nebenrollen, die für das Runde an der Geschichte sorgen, anstatt Verwirrung zu stiften – wie es oftmals der Fall ist, wenn viele Charaktere zum Einsatz kommen. Sollte man doch einmal irritiert sein, gibt es am Ende des Buches ein Personenverzeichnis, das für den optimalen Durchblick sorgt. Allerdings gebe ich gerne zu, dass ich es nicht ein einziges Mal benötigt habe.
Der Schreibstil: Einfach nur zauberhaft. Er ist sehr poetisch, ohne den Leser mit überladener Poesie zu erdrücken. Er ist bildgewaltig, sodass man die Eindrücke förmlich mit den eigenen Sinnen zu spüren meint. Er ist samtig, wie eine Umarmung, und obendrein unglaublich flüssig. Er versteht sich darauf, die Umgebung detailreich zu beschreiben, ebenso wie Emotionen zu transportieren und Zwiespalte deutlich zu machen. Er vermittelt Spannung und trägt den Leser die gesamte Zeit über wie auf Händen. Es hat mir unfassbar viel Freude bereitet, dem Schreibstil zu folgen und stets auf weitere schöne Metaphern zu stoßen, die dem Ganzen noch mehr Farbe einhauchen. Er ist nicht “speziell“ in dem Sinne, manchmal sogar relativ schlicht, aber er hat dieses gewisse, funkelnde Etwas, das ihn von anderen Schreibstilen unterscheidet – in bester Weise.
Abschließend bleibt mir zu sagen, dass mich das Buch positiv überrascht hat und ich es sehr rasch als ein neues Lieblingsbuch auserkoren habe. Die Art und Weise, wie die Kunst beschrieben wird, inspiriert den Leser dazu, selbst Kunst zu wirken – zu Papier und Pinsel zu greifen, zu singen oder sich ein Instrument zu schnappen. Nach jedem Aufschlagen des Buches war ich tief in der Geschichte drin und bin nur unwillig wiederaufgetaucht. Die Idee ist sehr originell und beruht nicht im Geringsten auf Klischees. Momentan behandeln sehr viele Romane die gleichen Themen, doch „Musenrausch“ weicht absolut von der Mainstream-Schiene ab. Das Buch ist wie eine Perle, wie ein Schmuckstück, das sich darauf versteht, einen einzunehmen und zu verzaubern.