Zusammenhalt, das Folgen der eigenen Bestimmung und jede Menge epische Drachen
Der junge Arion träumt von einem Leben, das ihm mehr zu bieten hat als der schlichte Alltag eines Landwirts. Er wird zunehmend rastlos, streift umher … und findet schließlich in einem Wald nahe seines ...
Der junge Arion träumt von einem Leben, das ihm mehr zu bieten hat als der schlichte Alltag eines Landwirts. Er wird zunehmend rastlos, streift umher … und findet schließlich in einem Wald nahe seines Heimatdorfs einen Tempel, der Unglaubliches birgt: einen schimmernden Kristall und den Jungdrachen Regulus. Der Drache ist der Beginn eines neuen Lebensabschnitts – einen, in den Arion mit weiteren jungen Menschen hineinstartet. Elea, Ida und Remi teilen seine Rastlosigkeit und sein Streben nach Höherem, ebenso wie sie ihre geschuppten Begleiter teilen. Mit von der Teampartie sind somit Eleas Drachendame Ilaria, Idas Drachin Ferania und Remis Drachenbulle Gyradon. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten, wachsen die vier zu einer Einheit zusammen, die nichts mehr so leicht trennen kann. Das müssen sie auch, denn das Schicksal hat sie nicht umsonst zusammengetrieben: Eine Bedrohung steigt auf, eine, die das gesamte Land Velyra vernichten könnte. Nun müssen Arion, Elea, Ida und Remi zeigen, was sie draufhaben und ob sie stark genug sind, um gegen Neptarion, den gigantischen, dreiköpfigen Bestiendrachen, zu bestehen. Andernfalls droht das gesamte Land in Verwüstung zu versinken …
„Die Drachen von Velyra“ ist der Auftakt einer High-Fantasy-Reihe. Freundschaft, Familie, Treue, Mut und natürlich Drachen – das sind die Themen, um die sich das Buch dreht. Mit dabei: eine großzügige Prise Heldenepos, unter anderem getragen durch die unglaublich präsente Atmosphäre, die dem Buch entströmt. Jeder Satz webt eine Stimmung, die geprägt ist von hellem Licht und dunklen Schatten, von schweren Entscheidungen, großen Überwindungen und vor allem dem bedingungslosen Zusammenhalt zwischen den Figuren. Die Landschaft wird derart detailreich geschildert, dass man meint, die entsprechenden Bilder vor Augen zu sehen. Dunkle, moosbewachsene Wälder, schroffe Gebirge, schneebedeckte Dörfer, unwirtliche Steppen und altehrwürdige Gemäuer machen die Energie von Velyra aus. Diese Welt zu betreten, kommt einem Sprung in ein anderes Universum gleich, das man am liebsten nicht mehr verlassen möchte.
Auch über fehlende Spannung kann der Leser sich nicht beklagen. Von Anfang an geht es rasant zu, bis die Spannung sich immer weiter hochschaukelt und sich schließlich in einem wahrlich epischen Finale entlädt. Dabei rührt die durchgehende Unterhaltsamkeit nicht nur von den Kämpfen her, sondern auch von den Drachen. Da sie bereits im Buchtitel erwähnt werden, hatte ich von Beginn an die Erwartung, dass sie eine sehr bedeutende Rolle spielen – was schließlich unbestritten der Fall war. Die Drachen zählen mit zu den Protagonisten und sind somit eng in jeden Handlungsschritt eingewebt. Ihre Beschreibung ist absolut anschaulich, sodass sie einem gestochen scharf vor Augen stehen. Überdies sind sie genau so, wie ich mir Drachen aus einem Epos vorstelle: groß, schön, nahezu furchtlos, unerschütterlich, hilfsbereit, treu und schlichtweg überwältigend.
Woran es mir ein wenig gemangelt hat, waren Überraschungen in den Wendungen. Es kommen durchaus Wendungen vor, jedoch sind diese häufig vorhersehbar oder wurden bereits im Vorhinein angekündigt, sodass der Leser bereits wusste, dass sie früher oder später folgen. Nichtsdestotrotz habe ich immer mit Neugierde auf die nächste Seite geblättert und mich immer wieder aufs Neue gefreut, wenn ich in das Buch eingetaucht bin. Es lädt optimal dazu ein, das gesamte Umfeld zu vergessen und einfach nur in Velyra zu verweilen.
Zu den Figuren. Arion, Elea, Ida und Remi. Alle vier sind unglaublich große Sympathieträger, deren Schicksal der Leser mit Atemlosigkeit verfolgt. Sie fügen allesamt über bewundernswerte Eigenschaften, wie Hilfsbereitschaft, Tapferkeit und die Bereitschaft, für diejenigen zu kämpfen, die sie lieben. Ja, sie sind absolute Helden, genauso, wie man sie sie sich ausmalt. An dieser Stelle liegt jedoch ein kleiner Kritikpunkt: Hin und wieder verhalten sie sich ein wenig zu heldenhaft. Heldentum ist schön und gut, allerdings nur, solange das Ganze nicht in Klischeehaftigkeit abdriftet. Dies war hier ab und an der Fall. Auch die Dialoge sind manchmal etwas unauthentisch, transportieren jedoch immer Gefühle und tragen dazu bei, die unglaubliche, getragene und aussagekräftige Stimmung zu kreieren. Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, war, die Wandlung der Figuren mitzuerleben. Sie alle wachsen im Laufe der Handlung und finden nicht nur zu sich selbst, sondern auch zueinander. Ebenso verhält es sich bei den Drachen. Sie reden nicht, nicht so, dass es für Menschen verständlich wäre, trotzdem sind ihre Gesinnungen, ihre Intentionen und in erster Linie ihre ureigenen Eigenschaften jederzeit deutlich wahrnehmbar. Sie sind gigantische Persönlichkeiten, die häufig genug die Bühne an sich reißen und die Geschehnisse zu ihrem eigenen Theaterstück machen. Auch sie stehen nicht still und erleben immer wieder eine Metamorphose, die sie jedes Mal noch gigantischer und epischer werden lässt. In kaum einem anderen Drachenbuch waren mir die Drachen so nah, und ihre Erscheinung so kristallklar. Man kann schlichtweg nicht anders, als sie ins Herz zu schließen.
Der Schreibstil ist wunderschön. Er ist eine Aneinanderreihung von Poesie und von zu hundert Prozent zutreffenden Vergleichen, die das Land und das Geschehen so detailreich beschreiben, dass man sich unwillkürlich daran beteiligt vorkommt. Alles ist getränkt von der Macht der Wörter, von ihrer Schönheit und ihrer Befähigung, sowohl Licht aufflackern als auch Dunkelheit kräuseln zu lassen. Der Schreibstil transportiert sowohl das Epische der Handlung, als auch Emotionen. Hin und wieder ist er ein wenig zu poetisch und die Vergleiche reihen sich aneinander wie Perlen auf einer Kette, was unter Umständen dazu führen kann, dass sich der wunderbare Effekt etwas abnutzt. Ansonsten steckt wirklich unglaublich viel Potenzial in ihm, der es bis hin zu absoluten Bestsellerromamen schaffen kann.
„Die Drachen von Velyra“ – eine Geschichte über Waghalsigkeit und Heldenmut, über das Folgen der eigenen Bestimmung und das Über-sich-Hinauswachsen. Das Buch ist ein High-Fantasy-Werk vom Feinsten, in dem Zusammenhalt und die Drachen im Fokus stehen. Das Augenmerk ist fast ausschließlich darauf gerichtet, weshalb es auch keine integrierte Liebesgeschichte gibt oder sonstige Elemente, die vom High-Fantasy-Genre abweichen. Reine, pure Fantasie, ohne Nebenthemen, und daher eine klare Empfehlung für Fantasy-Fans. Ich habe die Drachen geliebt, die Gegner, gegen die sich die Protagonisten behaupten müssen, die Geheimnisse, die unter der Oberfläche schwelen, den schönen Schreibstil und nicht zuletzt die einzigartige Atmosphäre. Das Lesen von „Die Drachen von Velyra“ ist in jedem Fall ein einprägsames Erlebnis.