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Veröffentlicht am 15.10.2023

Die Dunkelheit fernhalten

Diamantnächte
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"Was wir alles tun, wir alle, um die Dunkelheit fernzuhalten, die Unruhe."

Welche Dunkelheit lauert in Agnetes Vergangenheit, dass ihr Körper plötzlich mit Haarausfall reagiert? Sie ist fast fünfzig, ...

"Was wir alles tun, wir alle, um die Dunkelheit fernzuhalten, die Unruhe."

Welche Dunkelheit lauert in Agnetes Vergangenheit, dass ihr Körper plötzlich mit Haarausfall reagiert? Sie ist fast fünfzig, Mutter einer Tochter, zum zweiten Mal verheiratet, ihre Gegenwart scheint in Ordnung. In Gedanken kehrt die Norwegerin in ihre Studentenzeit in London zurück, als sie Mitstudentin Jenny kennenlernte und auch deren Vater...

Die Autorin erzählt episodenhaft, in kurzen Kapiteln, die manchmal nur noch einzelne Absätze sind, und weicht sich selbst ein ums andere Mal aus. Mittendrin springt sie sogar zurück, um die Ich-Perspektive zu verlassen und den handelnden Personen, sogar sich selbst, andere Namen zu geben. Das wirkt fast experimentell und so kaleidoskopartig wie das schöne Umschlagbild. Der Mittelteil hat mich allerdings ebenso auf Abstand gehalten wie Agnete sich selbst nicht begegnen will. Ansonsten hat mich der scharfe Blick der Autorin beeindruckt und berührt. Nach meinem Geschmack hätte sie durchaus noch mehr in die Tiefen der Protagonisten hinabsteigen können. Manches bleibt absichtlich im Ungefähren, selbst die Ursache für Agnetes Haarausfall.

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Veröffentlicht am 14.10.2023

Rückkehr ins Food Universe

Happy Meat – Der Geschmack der Liebe
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Mit den Göttererben des Food Universe hat Marie Grashoff wirklich originelle Urban Fantasy geschaffen. Dies ist nun der dritte Teil, der auch ohne Kenntnisse der anderen Bände funktionieren kann. Manche ...

Mit den Göttererben des Food Universe hat Marie Grashoff wirklich originelle Urban Fantasy geschaffen. Dies ist nun der dritte Teil, der auch ohne Kenntnisse der anderen Bände funktionieren kann. Manche Protagonisten der Vorgänger-Bände haben kurze Auftritte, die ich persönlich nicht unbedingt bräuchte.

Im Mittelpunkt steht die junge Cava. Ihre Eltern führen dass Familienunternehmen Happy Meat mit mafiaähnlichen Strukturen.und gnadenloser Härte selbst gegen die eigene Familie. Als Cava erfährt, dass ihr verstorbener Bruder Jacob gegen die Familie gearbeitet haben soll, wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die Cavas Welt auf den Kopf stellen könnte...

Die Story ist originell und einfallsreich. Besonders angesprochen hat mich die Frauenpower, die Cava verbreitet. Bei ihren Brüder und gegenüber Männern, die sich für sie interessieren, hat sie stets die Oberhand. Das war wirklich sehr überzeugend und wohltuend, wunderbar weit entfernt von Büchern, in denen sich Frauen für mich unerklärlich unterordnen.

Gleichzeitig konnten mich Cava ubd ihr love interest Colt als Protagonisten nicht 100 % überzeugen. Cava wurde schon in ihrer Jugend zu Taten gezwungen, zu denen kein normal strukturierten Mensch in der Lage wäre und die sie hätten komplett verrohen lassen müssen. Dennoch ist sie ein herzensguter Mensch, was eigentlich nicht zusammen passt. Ebenso ging es mir mit Colt, der zu gut geschildert wird, um wahr zu sein, aber an dem gewaltvolle Handlungen, die er später erstmals ausführen muss, anscheinend komplett spurlos vorüber gehen.

Das Ende wurde spannend und actiongeladen erdacht, mündete aber gleichzeitig ein wenig zu sehr in eitel Sonnenschein. Das Buch war sehr unterhaltsam zu lesen, hätte allerdings vor allem bei der Charakterdarstellung weiter in die Tiefe gehen können.

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Veröffentlicht am 08.10.2023

Birden leicht gemacht

Das NABU-Vogelbuch
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Eines vorab: Warum eine Jahresangabe von 0? Das Buch ist für ältere Kinder und Erwachsene prima, aber nichts für Kleinkinder. Ansonsten hat der NABU das Thema Vögel hier wunderbar dargestellt. Nicht nur ...

Eines vorab: Warum eine Jahresangabe von 0? Das Buch ist für ältere Kinder und Erwachsene prima, aber nichts für Kleinkinder. Ansonsten hat der NABU das Thema Vögel hier wunderbar dargestellt. Nicht nur dem Schutz der Vögel wird hier der Weg bereitet. Mit dem sog. Birden, dem Beobachten und Lauschen von Vögeln, tun man seiner Seele auch selbst etwas Gutes. Wie schön, dass das Buch auch einen Link bietet, um Vogelstimmen anhören zu können.

Vor allem kann man mit dem Buch aber Vögel bestimmen. Die fotorealistischen Zeichnungen sind wirklich wunderschön und eindeutig. Sie bieten eine Fülle heimischer Vogelarten. Auch die kurze Einführung, etwa zum Thema Gefieder, Vogelzug, Gefährdungssituationen, Vögelfüttern und vogelfreundlicher Garten, hilft weiter und ist in ihrer zusammengefassten Art für den Einstieg vollkommen ausreichend.


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Veröffentlicht am 08.10.2023

Bücher haben ihre eigenen Stimmen

Das Buch Eva
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"Ich hingegen - oh, ich wünschte, die Menschen wären wie Bücher, die man einfach nur durchzublättern braucht, bis man gefunden hat, was man sucht."

Die junge Nonne Beatrice geht ganz in ihrer Stellung ...

"Ich hingegen - oh, ich wünschte, die Menschen wären wie Bücher, die man einfach nur durchzublättern braucht, bis man gefunden hat, was man sucht."

Die junge Nonne Beatrice geht ganz in ihrer Stellung als Bibliothekarin eines italienischen Klosters zur Zeit der Renaissance auf. Mit Büchern kann sie weit mehr anfangen als mit Menschen und sehnt sich dennoch manchmal nach dem Draußen. Einzig der Kontakt zu einem Buchhändler bringt ihr etwas Abwechslung. Bis eines Tages zwei Frauen ins Kloster flüchten und mit sich ein Buch bringen, wie Beatrice noch keines gesehen hat, voller geheimer Zeichen, einer Schrift, die so viel mehr zu sein als ein Buch...

Meg Clothier hat sich vom berühmten Voinich-Manuskript zu einem ganz besonderen Roman inspirieren lassen. Familiengeheimnisse, magischer Realismus, ein unbarmherziges christliches Patriarchat und ein paar starke Frauen,die erfahren, dass es mehr gibt, als sie sich haben träumen lassen - da verzeihe ich gern, dass die Geschichte zunächst mit einigen Längen klösterlichen Lebens startet. Beatrice ist eine interessante, sperrige Heldin und endlich einmal nicht die geheime Schöne, die viele Storys so austauchbar macht. Das Cover ist zudem so traumhaft-geheimnisvoll, dass man ihm unwillkürlich eine gebundene Ausgabe gewünscht hätte.

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Veröffentlicht am 01.10.2023

Schiffbrüchige Tage

Das Vogelmädchen von London
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"Jahre später noch spürte sie das Fehlen dieser Berührung; es war genau wie beim ersten Zahn, den sie verloren hatte. Die Zunge erkundete diesen jüngsten Verlust, ihr Körper war ein fremdes Land für sie ...

"Jahre später noch spürte sie das Fehlen dieser Berührung; es war genau wie beim ersten Zahn, den sie verloren hatte. Die Zunge erkundete diesen jüngsten Verlust, ihr Körper war ein fremdes Land für sie geworden."

Die junge Shay gehört zu den Aviscultariern, einem wandernden Volk, das Vögel als Götter verehrt. Nach dem Tod ihrer Mutter ist ihr nur dieser Kult und ihr blinder Vater geblieben. Neben Gelegenheitsarbeiten verbringt sie ihre Zeit damit, Vögel aus der Gefangenschaft zu befreien. Dabei trifft sie auf den geheimnisvollen Nonsuch, der sich als einer der Blackfriar Boys entpuppt, junge Männer einer Londoner Theatertruppe. Obwohl sich Shay bei den Boys zu Hause fühlt, verbirgt das Theater eine äußerst dunkle Seite. Shay und Nonsuch finden immer mehr Halt aneinander und entwickeln die Idee einer eigenen Theatertruppe...

Meisterlich webt Mat Osman diese Story im England Elisabeths I. Bei den Blackfriar Boys, die auch die Frauenrollen spielen, verschwimmen ebenso unmerklich die Geschlechter wie Osman Realität und Magie ineinander übergleiten lässt. Er kreiert eine unverwechselbare Geschichte, wie man sie noch nicht gelesen hat. Shay und Nonsuch sind Protagonisten, die in ihrer Plastizität förmlich aus den Seiten zu springen scheinen. Sprachlich findet der Autor selbst für Grausamkeiten beinahe poetische Worte, wenn etwa Blutergüsse Arme umranken. Wunderbar atmosphärisch dicht erzählt, bieten sich hier Lesestunden, in denen man herrlich abtauchen kann.

Sehr gern hätte ich noch erfahren, was hier historisch verbürgt ist und was reine Fiktion darstellt.

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