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Veröffentlicht am 21.05.2019

Toxisch

So schöne Lügen
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Dieser ungewöhnliche Roman hat sich für mich zum Überraschungshit entwickelt!

Die junge Louise schlägt sich in New York mit Nachhilfejobs und kellnern durch. Dabei sieht sie sich eigentlich als Schriftstellerin. ...

Dieser ungewöhnliche Roman hat sich für mich zum Überraschungshit entwickelt!

Die junge Louise schlägt sich in New York mit Nachhilfejobs und kellnern durch. Dabei sieht sie sich eigentlich als Schriftstellerin. Ihr Leben wandelt sich von Grund auf, als sie der Schwester der reichen, verwöhnten Lavinia Nachhilfe gibt. Lavinias scheinbar sorgenfreies Leben schlägt Louise sofort in ihren Bann und auch Lavinia lässt sich nur zu gern von Louise bewundern. Sie schleppt sie von Party zu Party und Louise entwickelt ein Gespür dafür, wie man es der neuen Freundin am besten Recht macht. Denn schnell begreift sie, dass Lavinias an der Oberfläche so funkelndes Leben Untiefen aufweist. Nur wer so funktioniert, wie sie es möchte, darf daran länger teilhaben.

Der Stil der Geschichte ist sehr wechselhaft. Mal überrascht die Autorin mit sehr einfachen, redundant konstruierten Sätzen, dann beweist sie Erzähltalent. Zwischendurch sagt die Erzählerstimme deutliche Mahnungen kommenden Unheils voraus. So viel sei verraten, in dieser Geschichte überlebt nicht jeder. Doch wer tot ist, muss noch lange nicht für die Welt gestorben sein. Hier rückt die Autorin die heutige Macht der sozialen Medien in den Fokus. Denn auf Facebook lässt sich auch eine Leiche zum Schein lange am Leben erhalten...

Tara Isabella Burton gelingt das seltene Kunststück, eigentlich unsympathische Charaktere zu erschaffen, die dennoch nicht kaltlassen, sondern sogartig faszinieren! Wer Geschichten über toxische Freundschaften mag, ist hier goldrichtig!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Spannung
  • Figuren
Veröffentlicht am 19.05.2019

Justinians Kriege

Die letzte Blüte Roms
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Äußerst fundiert schildert der Historiker Peter Heather, wie nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches das oströmische Reich im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian noch einmal zu einer letzten ...

Äußerst fundiert schildert der Historiker Peter Heather, wie nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches das oströmische Reich im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian noch einmal zu einer letzten Blüte gelangte und nach zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen zu einer territorialen Ausdehmumg fand, über die es seit Cäsar nicht mehr verfügt hatte.

Haether nimmt sich zunächst viel Zeit, zum Thema hinzuführen. Wer waren Justinians Vorgänger, wie kam sein Aufstieg vom Bauernsohn zum Kaiser, welche Rahmen Bedingungen und Ressourcen fand er vor? Dann geht es in medias res, und das bedeutet für den Autor die Schilderung aller kriegerischen Auseinandersetzungen Justinians. Wir treffen auf Goten und Vandalen, lernen den berühmten Feldherrrn Belisar näher kennen. Viel habe ich hier aus Felix Dahns berühmten "Ein Kampf um Rom" wiedererkannt, das allerdings in Romanform sehr lebendig aus Gotensicht geschrieben ist.

Heathers Sachbuch ist ein anschaulicher Geschichtsunterricht, der von einem wirklich beeindruckenden, umfangreichen Anhang gekrönt wird. Dass er sich fest vollkommen auf Justinians Kriegszüge beschränkt, war für mich allerdings ein kleines Manko. Gern hätte ich viel mehr über das tägliche Leben am Kaiserhof und der Römer Bürger erfahren. Auch die Schwarz-Weiß-Abbildungen hätten den Text noch häufiger auflockern können.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Tuschezeichnung

Die Lotosblüte
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Wegen des ähnlichen Themas konnte ich nicht umhin, den Roman mit Amy Tans Kurtisanenhaus zu vergleichen. Und dagegen fällt er leider deutlich ab. Während man mit Amy Tans Protagonistin mitfiebert, bleibt ...

Wegen des ähnlichen Themas konnte ich nicht umhin, den Roman mit Amy Tans Kurtisanenhaus zu vergleichen. Und dagegen fällt er leider deutlich ab. Während man mit Amy Tans Protagonistin mitfiebert, bleibt Chong, die im Laufe des Buches je nach Situation immer wieder einen neuen Namen bekommt, vage und fremd wie eine Tuschezeichnung.

Zwar wird beschrieben, wie sie, als junges Mädchen als Zweitfrau an einen Greis von Korea nach China verkauft, immer wieder versucht, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und sich sogar noch um verwaiste Kinder zu kümmern. Beinahe genüsslich sorgt der Autor aber immer wieder dafür, dass Chong, die Lotusblüte, stets aufs Neue in Gefangenschaft gerät und ihren Lebensunterhalt mit ihrem Körper verdienen muss. Während man die Gefühle der Protagonistin wenigstens vage zu erahnen versucht, sind die Sexschilderungen so explizit und drastisch, dass ich eigentlich gern weniger erfahren hätte. Dies geht so lange, bis der älter gewordenen Chong selbst auch nichts mehr einfällt, als ein Geishahaus zu eröffnen, in dem nun andere Frauen dienen. Mich hätten stattdessen noch viel mehr die geschichtlichen Hintergründe wie der Opiumkrieg interessiert.

Der Buchumschlag kommt im Vergleich zum Inhalt verträumt und wunderschön, regelrecht idyllisch daher.

Veröffentlicht am 14.05.2019

Nichts gewonnen

All das zu verlieren
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Leider hat mich dieser kurze Roman nicht erreicht und ich habe durch die Lektüre nichts gewonnen.

Eher fassungslos bin ich den Erlebnissen Adèles gefolgt. Sie ist eine Frau, der es nach eigenem Bekunden ...

Leider hat mich dieser kurze Roman nicht erreicht und ich habe durch die Lektüre nichts gewonnen.

Eher fassungslos bin ich den Erlebnissen Adèles gefolgt. Sie ist eine Frau, der es nach eigenem Bekunden gefallen würde, sich den ganzen Tag für ihren Mann zu schmücken und ihn zu erwarten. Schon das fand ich seltsam. Warum sie aber einen Arzt geheiratet hat, den sie nicht liebt, einen Sohn geboren hat, ohne Kinder zu wollen, wahllos mit jedem Mann ins Bett geht, obwohl sie diese Männer eigentlich abstoßend findet, hat sich mir nur wenig erschlossen. Es hat mir auch keine große Lesefreude bereitet. Eine schlimme Kindheit wird angedeutet, wieder einmal, wie in so vielen Büchern, die dieses Elend wohl erklären soll.

Abschließend lässt die Autorin ihre Leserinnen und Leser mit einem offenen Ende allein. 218 Seiten Ratlosigkeit. Für 22 € schon ein anspruchvolles Preisleistungsverhältnis!

Veröffentlicht am 12.05.2019

Niemals oder für immer

Niemalswelt
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Bekanntlich ist es ein erfolgreiches Konzept, zwei erfolgreiche Ideen zu einer neuen zu verquicken. Hier trifft "Täglich grüßt das Murmeltier" auf "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast". Und trotzdem ...

Bekanntlich ist es ein erfolgreiches Konzept, zwei erfolgreiche Ideen zu einer neuen zu verquicken. Hier trifft "Täglich grüßt das Murmeltier" auf "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast". Und trotzdem ist etwas gänzlich Neues entstanden. Die Geschichte hat mich so gefesselt, dass ich sie fast hintereinander weg gelesen habe!

Beatrice geht ihrer früheren Schulclique eine Weile aus dem Weg, nachdem ihr Freund Jim ums Leben gekommen ist. Als sie schließlich doch zu einem Treffen auf dem Anwesen Wincroft fährt, kommt es zu einem folgenschweren Autounfall, den die Fünf zunächst zu überleben scheinen. Doch plötzlich steht ein geheimnisvoller Fremder vor der Tür, der ihnen verkündet, dass sie so lange in der Niemalswelt immer wieder den gleichen Tag erleben werden, bis sie einstimmig entscheiden, wer von ihnen die Zeitschleife verlassen und als einziger überleben darf. Die Reaktionen reichen von Unglauben, Hysterie, Überdruss bis Hedonismus. Bald heißt es jeder gegen jeden, bis alle begreifen, dass sie nur vorankommen, wenn sie sich dem stellen, was sie bisher vermieden haben: Jims Tod. Was ist damals geschehen?

Der Einfallsreichtum der Autorin hat mich wirklich begeistert und förmlich an den Seiten kleben lassen. Schnell habe ich begriffen, dass man hier auch als Leser keinem trauen kann, vielleicht nicht einmal der Ich-Erzählerin Beatrice?

Eine innovative Pageturner-Geschichte geschmückt mit einem wunderschönen, passendem Buchumschlag, auf dem der Regen wie in der Story förmlich herunterzuperlen scheint: Was will man mehr?