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Veröffentlicht am 24.03.2025

Unter dem Jutesack

Die Fletchers von Long Island
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"Sie waren sprachlos, sagten sie immer wieder, sprachlos!
Bei aller Sprachlosigkeit konnten sie nicht aufhören, darüber zu reden."

Das Ereignis, das 1980 in Long Island die Gemüter derartig erregt, ist ...

"Sie waren sprachlos, sagten sie immer wieder, sprachlos!
Bei aller Sprachlosigkeit konnten sie nicht aufhören, darüber zu reden."

Das Ereignis, das 1980 in Long Island die Gemüter derartig erregt, ist die Entführung des jüdischen Fabrikanten Carl Fletcher. Eine Woche später wird er gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes wieder freigelassen. Schnell verurteilt man Täter und die vermögenden Fletchers versuchen, zur Tagesordnung überzugehen. "Das ist nur deinem Körper passiert", ist die Parole von Carls Mutter.

Doch schon bald zeigt sich, dass nichts ist wie zuvor. Nicht nur bei Carl, sondern bei allen Familienmitgliedern hat die Entführung tiefe Spuren hinterlassen. Es scheint, als seien alle Fletchers in Geiselhaft genommen worden und steckten noch immer unter dem Jutesack, der Carl über den Kopf gestülpt worden war.

Mit nahezu chirurgischer Präzision seziert die Autorin die Abgründe ihrer Protagonisten und gibt jedem eine unverwechselbare Stimme. Da sind der beinahe fiebrige, drogeninduzierte Bewusstseinstrom von Carls jüngeren Sohn Beamer, die angstgetriebenen Gedanken seines älteren Bruders Nathans, der sich in Logik und Recht flüchtet, während die Erzählung mit der Perspektive der Tochter Jenny und deren Depression fast auf der Stelle zur treten scheint.

Und mittendrin immer wieder Sätze von kristalliner Klarheit, die die Lesenden durch ihre Zitierfähigkeit von den Seiten geradezu anzuspringen scheinen, gewürzt mit einem so überwältigend scharfsinnigen Humor, dass er aus Zähnen und Klauen zu bestehen scheint.

Die erste Generation baut das Haus, die zweite wohnt darin und die dritte brennt es nieder. Getreu diesem Motto erleben wir hautnah die Familiengeheimnisse der Fletchers. Hier von einem Lesesog zu sprechen, hieße zu untertreiben. Geraten bin ich vielmehr in einen Leserausch. Kein Wunder, dass der Roman schon jetzt als moderner Klassiker gehandelt wird!

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Alte Magie

Die Pferde aus Galdur - Das blaue Band
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"Tausendmal lieber Wind und Wolken, anstelle von Turnierluft."

Für Fenja sind die Islandpferde Familienmitglieder und jedes einzelne zählt. Aber nach dem großen Vulkanausbruch auf Island im letzten Teil ...

"Tausendmal lieber Wind und Wolken, anstelle von Turnierluft."

Für Fenja sind die Islandpferde Familienmitglieder und jedes einzelne zählt. Aber nach dem großen Vulkanausbruch auf Island im letzten Teil haben sich die Pferde auf der Insel zerstreut. Und da war Baldur, dieses eine Pferd, das nicht nur für Fenja even doch ganz besonders war. Baldur, das Pferd des Feuers, das gemeinsam mit dem Pferd des Eises Island gerettet hat, indem sie wieder zum Galdur, der alten Magie der Inel wurden.

Während die Suche nach den Pferden noch läuft, verbringt Fenja endlich auch wieder Zeit mit ihrer Freundin Ingi, die mit der Scheckstute Groa ehrgeizig für Turniere trainiert.Groa ist ungewöhnlich erfolgreich. Als auch Fenjas Huldufreundin Elva zu den Mädchen stößt, wird endgültig klar, das auch in Groa Magie schlummern muss. Doch das bringt nicht nur die Stute, sondern auch Island in Gefahr...

Die Pferderomane von Sabine Giebken sind so fantasievoll, authentisch und magisch, dass sie auch schon lange erwachsenen Pferdemädels großen Spaß machen. Vergessene Gänge, verborgenes Volk, dunkle Reiter und ein geheimnisvoller Jäger im überwältigend schönen isländischen Setting, dazu die sympathische Fenja, die erneut tief in die Geheimnisse der Islandpferde eintauchen muss. Denn alles beginnt und endet auf Island mit den Pferfen.

Das Buch ist Band 1 der zweiten Staffel um die Pferde aus Galdur. Ich empfehle, Staffel 1 zuerst zu lesen. Nicht nur, weil sie genauso gut erdacht ubd geschrieben ist, sondern auch weil man sonst wichtige Zusammenhänge nicht in Gänze erfassen kann.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Aristokraten sind bissig

Eleanor
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"Dunkelheit drang zusammen mit der Stimme in den Raum. Sie war Jahrhunderte vom Leben und Tageslicht entfernt und wurde nur mithilfe reiner Willensanstrengung durch tote Lungen und eine eisige Kehle angetrieben. ...

"Dunkelheit drang zusammen mit der Stimme in den Raum. Sie war Jahrhunderte vom Leben und Tageslicht entfernt und wurde nur mithilfe reiner Willensanstrengung durch tote Lungen und eine eisige Kehle angetrieben. Obwohl die Kerzen noch brannten, schien der Vampir in seinem eigenen Schatten zu stehen; seine Augen waren wie Rubinsplitter und seine Hände und sein Gesicht so weiß wie die Spitzenkrause an seinem Hals."

Weiter geht es im zweiten Teil von Genevieve Cogmans Reihe um die Französische Revolution, den Geheimorden Scarlet Pimpernel, Vampire und Magier.

Zurück in England, ist Scarlet ehemals Dienstmagd in Vampirdiensten, nun tatsächlich ein Mitglied des Ordens Scarlet Pimpernel. Aber so richtig gleichberechtigt kommt sie nicht zum Einsatz. Adlig wie andere Ordensangehörige ist sie nicht und zu dem noch eine Frau. Dass sie die Seele einer alten Magierin beherbergt und über große Kräfte verfügt, weiß nur Eleanor selbst. Als der bekannte französische Staatsmann Talleyrand verschwindet, kommt die Liga Scarlet Pimpernel einer weitaus größeren Verschwörung auf die Spur...

Endlich bekommen wir mehr von den Vampiren zu sehen. Die Idee, Adlige als Vampire zu präsentieren finde ich sehr gelungen. Nur von den Magiern, die mit den Vampiren in einen Krieg verwickelt waren, erfahren wir weiterhin zu wenig.

Eleanors beeindruckende Entwicklung setzt sich fort und es stellt sich die Frage, ob es für sie und Charles trotz des Standesunterschieds eine Zukunft geben könnte.

Der Mont St. Michel, zu dem es die Liga verschlägt, bietet ein wunderbares Setting und auch die Rolle des gruseligen Prinzen von Paris hat mich fasziniert, so dass ich auf ein Wiedersehen im dritten Teil hoffe.

Bei aller Sympathie für Eleanor fehlen mir noch immer die Protagonisten von Cogmans Reihe um die unsichtbare Bibliothek, die einfach einen einzigartigen Charme hatten.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Ändere den Blick in den Spiegel

Gefühle verstehen, Probleme bewältigen
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"Es muss sich also nicht dein Spiegelbild ändern, sondern dein Blick in den Spiegel."

Dieser psychologische Ratgeber ist voll solcher verblüffend einfacher und dennoch sehr durchgreifender Sätze, die ...

"Es muss sich also nicht dein Spiegelbild ändern, sondern dein Blick in den Spiegel."

Dieser psychologische Ratgeber ist voll solcher verblüffend einfacher und dennoch sehr durchgreifender Sätze, die unmittelbar einleuchten. Es gilt, die Fähigkeit zu nutzen, die eigenen Gefühle mit den Gedanken zu steuern, anstatt sich sowohl Gedanken als auch Gefühlen hilflos ausgeliefert zu fühlen.

Was einfach klingt, ist natürlich eine hohe Kunst, bei der es gilt, lebenslang zu üben. So ist das Buch, das in komplett neu überarbeiteter Neuauflage erschienen ist, nicht nur ein Klassiker der Selbsthilfeliteratur, sondern wird auch für mich ein persönlicher Klassiker werden.

Dr. Doris Wolf und Dr. Robert Merkle bieten als Psychologen und Psychotherspeuten eine Fülle von Ansätzen, etwa bei Ängsten, geringer Selbstachtung, Depressionen, Kränkungen, Eifersucht usw. Der Text ist komprimiert, hier sitzt wirklich jeder Satz, trifft ins Schwarze und dürfte als Strategie der kognitiven Verhaltenstherapie vielfach erprobt sein.

Mir hat bisher jedes Buch des Autorenduos weitergeholfen. Ich kann die Bücher aus dem PAL-Verlag sehr empfehlen, ebenso wie dessen Lebensfreude-Newsletter, der selbst schon eine kleine Auszeit bietet.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Kollision

Ein ungezähmtes Tier
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"Doch diese Begegnung war in Wahrheit eine Kollision. Ein Frontalzusammenstoß. Ein Unfall, dessen Ausmaß niemand ahnen konnte."

Eigentlich bin ich keine Freundin nicht-linearen Erzählens, aber ...

"Doch diese Begegnung war in Wahrheit eine Kollision. Ein Frontalzusammenstoß. Ein Unfall, dessen Ausmaß niemand ahnen konnte."

Eigentlich bin ich keine Freundin nicht-linearen Erzählens, aber diese Story ist von Dicker wirklich virtuos konstruiert. Die Abgründe und Wendungen, die sich nach und nach offenbaren, entfalten einen fast unheimlichen Lesesog. Ich musste das Buch in nur zwei Tagen beenden.

Arpad und Sophie sind ein goldenes Paar, das alle Blicke auf sich zieht. Mit ihren Kinder logieren sie in einer Genfer Villa, fahren mit ihren Sportwagen oder in den Traumurlaub nach Mauritius.

Greg und Karine hingegen bewohnen ein Reihenhaus in der "Warze", einer Siedlung, für die sich das Villenviertel absurderweise schämt. Eigentlich sind auch sie in vieler Hinsicht privilegiert, fühlen sich aber nur wie ein blasser Schatten des anderen Paares. Während Karine um Sophies Freundschaft buhlt, entwickelt Greg für Sophie eine regelrechte Besessenheit. Doch bei näherer Betrachtung zeigt die Fassade des Traumpaars erste Risse und beim Blick in die Vergangenheit wirken diese klaftertief...

Vordergründig geht es in diesem Roman um einen Juwelenraub in Genf, aber in der Tat um so viel mehr. Geheimnisse der Vergangenheit und menschliche Obsessionen werden hier brillant in Szene gesetzt. Eigentlich gibt es keine echten Sympathieträger, was dem Mitfiebern aber keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil. Ein Pageturner der Spitzenklasse!

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