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Veröffentlicht am 15.12.2024

Die Flamme der Magie

We hunt the Flame
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"Die Stimme des Herrschers von Arawiya war für ihn wie eine Schlange, die sich leise in seine Adern schlich, um sein Herz mit ihrem Gift zu durchsetzen."

Nasir ist nicht nur der Kronprinz von ...

"Die Stimme des Herrschers von Arawiya war für ihn wie eine Schlange, die sich leise in seine Adern schlich, um sein Herz mit ihrem Gift zu durchsetzen."

Nasir ist nicht nur der Kronprinz von Arawiya, sondern auch Mörder im Auftrag seines Vaters, der ihn zu diesen Taten erpresst.
Zafira lebt in einem Kalifat, in dem Frauen sehr wenig gelten. Insgeheim versorgt sie, als Jäger in Männerkleidung, ihre Landsleute mit Wild aus dem tückischen Wald Arz, aus dem niemand sonst je den Rückweg findet und der allmählich alles zu verschlingen droht. Von einer mächtigen Zauberin erhält sie den Auftrag, auf der geheimnisvollen Insel Sharr ein Buch zu finden. Dieses Buch soll die Kraft besitzen, Magie in die unter Schnee und den Bäumen des Arz versinkende Welt zurückzubringen. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Deen macht sich Zafira auf die Reise, ohne zu ahnen, dass Nasir beauftragt ist, ihr das mächtige Buch abzujagen....

Ich hoffe so sehr, dass es noch lange Bücher wie dieses geben wird. Die sich Zeit nehmen, ihre Protagonisten einzuführen und ihnen Leben einzuhauchen. In denen sich Nebenfiguren tummeln, die man so lieb gewinnt, dass man sich wünscht, sie mögen zur Hauptfigur werden. In denen man auf ein wunderbar komplexes Worlbuilding trifft, dass wohl die kurze Aufmerksamkeitsspanne mancher Lesenden überfordern könnte. Ich habe den äußerst geschliffenen, bildreichen Stil mit seiner atmosphärischen Dichte sehr genossen. Die Idee einer Welt, die unter einer Magiedürre leidet, fand ich faszinierend. Wie wunderbar, dass man der Geschichte nach den überraschenden Wendungen im letzten Teil des Buches in "We free the Stars" weiter folgen kann.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Wunder und Schrecken

The Hollow Places
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Nach ihrer Scheidung sucht Kara Zuflucht im Museum der Wunder ihres Onkels. Das Museum ist voller kurioser Sammlungsstücke und vermutlich eher gefälschter Artefakte, war für Kara aber immer eine Heimat. ...

Nach ihrer Scheidung sucht Kara Zuflucht im Museum der Wunder ihres Onkels. Das Museum ist voller kurioser Sammlungsstücke und vermutlich eher gefälschter Artefakte, war für Kara aber immer eine Heimat. Als sich plötzlich ein Loch in der Wand auftut, hätte sie niemals damit gerechnet, dass es in eine fremde Welt führen könnte. Gemeinsam mit dem Barista Simon von nebenan kann sie nicht widerstehen, hindurchzugehen. Woher stammt das Loch? Was verbirgt sich darin? Und wird es einen Weg zurück geben?

T. Kingfishers Geschichten zeichnen sich nicht nur durch Einzigartigkeit aus. Es ist auch sehr wohltuend, dass man es nicht mit blutjungen Protagonisten zu tun bekommt, sondern mit Menschen, die bereits mitten im Leben stehen und alles andere als stromlinienförmig sind. Karas Gedanken und ihre Dialoge mit Simon sind zudem voller Wortwitz und trockenem Humor, was die Story immer wieder auflockert.

Die Beschreibung der fremden Welt ist ein kleines atmosphärisches Meisterstück. Das Grauen sichert fast unmerklich in die Handlung und weist Anklänge an klassische Horrorstories auf, die Fans des Genres erkennen werden.

Wieder einmal freue ich mich auf die Übersetzung weiter ungewöhnlicher Romane von T. Kingfisher.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Eulen am Karmesinhof

Die Sonnenfeuer-Ballade 2: A Storm to Kill a Kiss
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Das Buch hat mich ziemlich zwiegespalten zurückgelassen. Schreibstil und Worldbuilding haben mir so gut gefallen wie schon beim ersten Teil der Sonnenfeuer-Ballade-Trilogie. Mit der Reise an ...

Das Buch hat mich ziemlich zwiegespalten zurückgelassen. Schreibstil und Worldbuilding haben mir so gut gefallen wie schon beim ersten Teil der Sonnenfeuer-Ballade-Trilogie. Mit der Reise an den Karmesinhof der Monarchin gab es auch mehr zu beschreiben und zu sehen als im durch Schneemassen abgeschlossenen Herbergen-Setting des ersten Bandes. Stand dort noch ein Mordfall im Mittelpunkt, gilt es für Sintha und Arez nun das Rätsel zu lösen, wer sich hinter der Stimne in den Schatten verbirgt, die Arez' Bruder in den Tod getrieben hat. Im Zentrum des Verdachts stehen schnell die sogenannten Eulen, vier mächtige Angehörige des Hofs.

Die Geschichte hatte immer dann ihre Stärken, wenn die Handlung weiter auf der Spur der Rätsel voranschritt. Auch Sinthas Herkuft als letzte Onyde rückte erneut ins Zentrum und sorgte fürs spannende Momente.

Gar nicht gefallen hat mir aber über weite Strecke die Beziehung zwischen Sintha und Arez, die dafür sorgte, dass mir Arez regelrecht unsympathisch wurde. Lange Zeit steigert er sich in Vorwürfe an Sintha wegen des Todes seines Bruders starrköpfig hinein, um dann plötzlich umzuschwenken, Sintha aber weiter zu bevormunden und alle paar Seiten über seine Schulter zu werfen oder einzusperren. Ich hätte mir echt gewünscht, dass Sintha mit dem Minnesänger oder dem süßen Irrlicht durchbrennt.

Dennoch gab es einige interessante Wendungen, die mich neugierig auf den Fortgang der insgesamt guten Geschichten gemacht haben.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Nachtgestirn

Das Haus der Bücher und Schatten
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"Er war dort gewesen, während er all das aufgeschrieben hatte. Nicht körperlich, aber in Gedanken so nah an all den Gräueltaten, wie man es nur sein konnte. Für einen Schriftsteller mochte der ...

"Er war dort gewesen, während er all das aufgeschrieben hatte. Nicht körperlich, aber in Gedanken so nah an all den Gräueltaten, wie man es nur sein konnte. Für einen Schriftsteller mochte der Unterschied zwischen Vorstellung und Wirklichkeit maginal sein, weil er die Luft schmeckte, den Wind spürte, das Blut roch, das er vergoß."

Kai Meyer ist ein Schriftsteller, der es versteht, auch die Lesenden wie oben beschrieben in den Sog der Geschichte aufzunehmen. Mit diesem Roman kehrt er zum dritten Mal zurück ins Leipziger Viertel und verwebt die Figuren der drei Geschichten sehr fein und gleichzeitig so, dass sie völlig unabhängig voneinander sind.

Auf verschiedenen Zeitebenen so zu schreiben, dass beide tiefgründig und gleichermaßen interessant werden, gelingt nur wenigen. In diesem Fall fesseln sowohl die Ermittlungen von Kommissar Cornelius Frey im Jahr 1933 ebenso wie die Reise ins Baltikum von Lektorin Paula und ihrem Verlobten Jonathan zum Schriftsteller Aschenbrand 20 Jahre zuvor.

Die Handlung ist vielschichtig und verschlungen. Cornelius bekommt es mit Morden, Okkultismus und den aufstrebenden Nationalsozialisten zu tun, Paula mit literarischen Rätseln und Geheimnissen ihres eigenen Lebens. Vor allem das eingeschneite Herrenhaus Hundsheide im Baltikum ist ein Meisterwerk literarischer Dichte, das direkt einer Gothic Novel entsprungen zu sein scheint. Selbst Namen sind düster raunend wie etwa Rauhreif oder Aschenbrand und sein neues Werk Nachtgestirn.

"Die Schatten wirkten hier tiefer, als verpuppte sich etwas darin, was beim nächsten Vollmond schlüpfen würde."

Was für ein zauberhaftes, ungewöhnliches Lesevergnügen. Ich hoffe sehr auf eine weitere Rückkehr ins Graphische Viertel.

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Veröffentlicht am 17.11.2024

Sicher, heil und geborgen

So findest du innere Stabilität
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Innere Stabilität finden und nie wieder verlieren - dieser Ratgeber legt die Messlatte wirklich sehr hoch.

Maja Günther und weitere psychologisch bewanderte Expertinnen bieten eine Fülle an Übungen und ...

Innere Stabilität finden und nie wieder verlieren - dieser Ratgeber legt die Messlatte wirklich sehr hoch.

Maja Günther und weitere psychologisch bewanderte Expertinnen bieten eine Fülle an Übungen und Themen, wie man seiner inneren Mitte wieder näherkommt. Besonders hilfreich war für mich persönlich die Erkenntnis, dass es für uns unvorstellbar geworden ist, sich trotz eigener Fehler und Schwächen gut zu fühlen.

Wieviel man aus diesem Buch mitnehmen kann, hängt meiner Meinung nach entscheidend davon ab, wie tief dieser Stachel durch die individuelle Biografie jeweils sitzt. Wenn es wirklich nur darum geht, wie im Buch beschrieben in einer Warteschlange umzuschalten von Zeitverschwendung und Druck auf Gelassenheit und Atempause, bietet das Buch wirklich gute Anregungen. Zu hochgegriffen erscheint mir aber, dass die Tipps wie angekündigt ausreichen, wenn Stress anhält, Lebensfreude geschwungen ist und ständige Erschöpfung vorherrscht oder gar keine akute Krisen. Mit den vorgestellten naheliegenden Klassikern wie Bewegung, Naturerlebnissen und gesünderen Gewohnheiten kann man sich eine Zeit lang über Wasser halten, aber nicht allein aus einem Sumpf ziehen. Das Buch eignet sich aus meiner Sicht vor allem für das bessere Bewältigen von Alltagsproblemen.

Die verschiedenen Expertinnen bieten vielfältige Anregungen. Dadurch entsteht eher eine Rezeptsammlung als ein aufeinander aufbauender Handlungsleitfaden.

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