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Veröffentlicht am 22.10.2024

Historische Fantasy

Sisters in Blood - Der Schwur
3

"Das, erkannte sie, war Liebe... Eine Liebe wie ein Feuer, warm und hell und zerstörerisch zugleich. Und sie war nicht sicher, ob sie dieses Gefühl anfachen sollte. Sie musste keine Seherin sein, um zu ...

"Das, erkannte sie, war Liebe... Eine Liebe wie ein Feuer, warm und hell und zerstörerisch zugleich. Und sie war nicht sicher, ob sie dieses Gefühl anfachen sollte. Sie musste keine Seherin sein, um zu wissen, dass die Feuersbrunst, die dabei entstehen würde, eines Tages alles andere verzehren könnte."

Anknüpfend an eine alte isländischen Sage verwebt Genevieve Cornichev nordische Mythologie, wunderbar erzählte zauberische Fantasyelemente und äußerst moderne Ansichten.

Die jungen Norwegerinnen Gunnhild, Oddny und Signy leisten einander einen Blutschwur, der ihre Schicksale verknüpft. Als Signy von Wikingern entführt wird, sind sowohl ihre Schwester Oddny als auch Gunnhild entschlossen, Signy zu befreien, obwohl sich ihre Wege längst getrennt hatten. Denn aus Gunnhild ist in der Zwischenzeit eine zauberkundige Seherin geworden. Schon bald ist klar, dass bei Signys Raub mächtige Hexen ihre Hände im Spiel hatten.Auf der Suche nach Signy müssen Gunnhild und Oddny nicht nur über sich hinauswachsen, sondern auch entscheiden ob sie ihre Freundschaft über ihre Gefühle zu den Männern, die sie lieben, stellen...

Düstere Prophezeiungen, attraktive Wikinger, große Schicksale: Der Roman lässt längst vergangene Zeiten lebendig werden und würzt sie mit faszinierenden fantastischen Elementen. Allerdings muss man darauf gefasst sein, dass die Protagonisten so reflektierend agieren, als hätten sie einen Grundkurs in moderner Psychologie absolviert. Ebenfalls aus der Zeit gefallenen ist wohl der für vergangene Zeiten untypisch gelassene Umgang mit einer als Frau geborenen Figur, die sich als Mann identifiziert und nicht nur einen breiten Raum in der Erzählung einnimmt, sondern sogar in der Lage ist, mächtigste Kämpfer ohne Magie zu besiegen. Dass die Autorin hier ein ihr wichtiges Anliegen so ungwöhnlich ins Zentrum rückte, hat für mich den ansonsten sehr großen Lesespaß ein wenig getrübt.

Äuserst gelungen fand ich hingegen, dass gerade die historische Figur der Gunnhild so angelegt wurde, dass man sich durchaus an manchem Handlungen reiben kann und ihr Charakter Tiefe gewann. Ich bin daher sehr gespannt, ob die Autorin die Sage um Gunnhild weitererzählen wird, was mich freuen würde.

Optisch ist das Buch vor allem in der Farbschnittvariante ein wunderschönes Schmuckstück. Warum eine Schwalbe das Cover und auch die Kapitelanfänge schmückt, sollte man selbst herausfinden.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Seelenbuch

Liga Lexis – Nachtschwarze Worte
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Die junge Annie trägt, egal wohin sie geht, das Buch Silberkorn mit sich herum. Es ist einfach ihr Seelenbuch, zu dessen Geschichte sie eine ganz besondere Verbindung spürt. Als sie mit 16 Jahren erfährt, ...

Die junge Annie trägt, egal wohin sie geht, das Buch Silberkorn mit sich herum. Es ist einfach ihr Seelenbuch, zu dessen Geschichte sie eine ganz besondere Verbindung spürt. Als sie mit 16 Jahren erfährt, dass sie eine Migra, halb Mensch, halb Buchfigur ist, wird es Zeit für Annie, zur Akademie von Bockford Manor aufzubrechen und mehr über die geheimnisvolle Welt der Mugras zu erfahren.

Bücher über Bücher sind oft besonders zauberhaft, und das trifft auch auf Liga Lexis zu. Die Buchwelt, in die Annie eingeführt wird, ist faszinierend und fantasievoll erdacht. Besonders unterhaltsam wird es, als Annie beginnt, in Silberkorn einzutauchen und außerdem bekannten Buchfiguren zu begegnen.

An manchen Stellen der Geschichte habe ich mich gefragt, ob die Autorin aufgefordert wurde zu kürzen. So verpassen wir beispielsweise, wie Annie sich einlebt und ihre Freunde kennenlernt. Ausführlicher wird es dann zum Glück bei Annies Begegnung mit Caspian, attraktiv, arrogant und mit einer Famile, die Annie nicht traut. Aber als Caspian in Gefahr gerät, scheint Annie seine letzte Hoffnung zu sein...

Auch für die Liebesgeschichte hätte man sich ruhig mehr Zeit nehmen können. Insgesamt macht aber diese Büchereise so unglaublich viel Spaß, dass ich mich auf den nächsten Teil der Trilogie schon jetzt freue. Hoffentlich erhält dieser ebenfalls einen so magischen Farbschnitt.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

An das Unmögliche glauben

Die Unmöglichkeit des Lebens
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"Ich habe nie an Magie geglaubt und daran hat sich nichts geändert. Aber manchmal ist das, was wie Magie aussieht, einfach ein Teil des Lebens, den wir noch nicht verstehen."

Wieder einmal ist ...

"Ich habe nie an Magie geglaubt und daran hat sich nichts geändert. Aber manchmal ist das, was wie Magie aussieht, einfach ein Teil des Lebens, den wir noch nicht verstehen."

Wieder einmal ist Matt Haig ein Buch gelungen, das mich tief berührt hat. Seine eigenen psychischen Probleme verleihen seinen Geschichten eine Tiefe, die Verbundenheit herstellt.

Diesmal geht es um die pensionierte Mathematiklehrerin Grace, die der Verlust von Sohn und Mann gezeichnet hat. Vom Leben erwartet sie nichts mehr. Überraschend vererbt eine frühere Bekannte ausgerechnet ihr ein heruntergekommenes Haus auf Ibiza. Grace reist dorthin. Sowohl der Grund für das Erbe als auch der Tod der Bekannten erscheinen rätselhaft. Und bald zweifelt Grace nicht mehr am Leben, sondern traut ihren eigenen Augen nicht...

Für fantastische Elemente sollte man offen sein, um den vollen Lesespaß zu genießen, was bei mir absolut der Fall ist. Die zweite Hälfte des Buches wird daher unweigerlich polarisieren. Aber bereits die erste Hälfte ist so lebensklug und bewegend, dass sich manche Sätze als allgemeingültige Zitate über die schweren Aspekte des Lebens regelrecht einbrennen.

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Veröffentlicht am 03.10.2024

Ein Kuss, ein Wunsch

Nightbirds, Band 1 - Der Kuss der Nachtigall
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"Er küsste sie wieder und - Gott helfe ihr - sie ließ es zu. Die Magie floss bereitwillig und kraftvoll aus ihr heraus. Der Kuss nährte etwas in ihr - einen Hunger. Einen dumpfen Schmerz, den ...

"Er küsste sie wieder und - Gott helfe ihr - sie ließ es zu. Die Magie floss bereitwillig und kraftvoll aus ihr heraus. Der Kuss nährte etwas in ihr - einen Hunger. Einen dumpfen Schmerz, den sie noch immer nicht benennen kann, aber zu fürchten weiß."

Drei Nightbirds: Goldfink, Schleiereule und Nachtigall. Drei junge Frauen, Mathilde, Sayer und AEsa, mit erebter Magiebegabung. Ein Kuss von einer der Frauen verleiht dem Empfänger ganz spezielle Fähigkeiten und wird nur im Verborgenen weitergegeben. Wer sich hinter den geheimnisvollen Vogelmasken verbirgt, wissen nur wenige. Denn in Simta herrscht Prohibition. Und das verbotene Gut ist in diesem Fall die Magie...

Bei der Optik des Buches ist dem Ravensburger Verlag ein Schmuckstück gelungen. Umso schöner, dass der Imhalt hier locker mithalten kann. Kate J. Armstrong erzählt atmosphärisch und fantasievoll. Ihre Story glänzt mit einem originellen Magiesystem und stimmigen Worldbuilding. Die drei Nightbirds sind sehr unterschiedlich und plastisch geschildert. Wie sie gezwungen sind, aus ihrem goldenen Käfig auszubrechen, um herauszufinden, wer sie vernichten will, und für sich selbst einzustehen, hat mich durchweg gefesselt. In die Perspektiven der Nightbirds sind immer wieder Einschübe eingestreut, etwa aus gegnerischer Sicht oder sogar ein Zaubertrank-Rezept, was dem vielschichtigen Roman noch mehr Tiefe verleiht. Die Handlung hat mit Rätseln, love interests, überraschenden Wendungen und so viel Magie keine Wünsche übrig gelassen. Ich freue mich daher sehr auf die Feyrebirds, den zweiten Teil dieser Dilogie.

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Veröffentlicht am 01.10.2024

Kalter Wind, der Regen mit sich trägt

Intermezzo
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"Und was, wenn das Leben nur eine Ansammlung von im Grunde unzusammenhängenden Erfahrungen ist? Warum muss sich eines aus dem anderen bedeutungsvoll ergeben?"

Das Leben des 32jährigen Peter, ...

"Und was, wenn das Leben nur eine Ansammlung von im Grunde unzusammenhängenden Erfahrungen ist? Warum muss sich eines aus dem anderen bedeutungsvoll ergeben?"

Das Leben des 32jährigen Peter, Anwalt in Dublin, scheint nach außen erfolgreich. Sein zehn Jahre jüngerer Bruder Ivan kann dagegen an seine frühen Triumphe als Schachgenie nicht mehr anknüpfen, seit der Vater an Krebs erkrankte. Nach dem Tod des Vaters rutschen die ungleichen Brüder in das titelgebende Intermezzo, in dem es gilt, neue Orientierung zu finden. Im Schach bedeutet Intermezzo einen Zwischenzug, wenn ein Spieler den Gegner durch einen unerwarteten Zug in Bedrängnis bringt. Alte Konflikte zwischen den Brüder brechen auf, als sich die Rollen zu verkehren scheinen. Während der bisher zurückgezogen lebende Ivan mit der etwas älteren Margaret eine Liebesbeziehung eingeht, taumelt Peter, haltlos betäubt von Tabletten, zwischen seiner Exfreundin und einer jüngeren Studentin, die er aushält.

Liebe und Trauer bestimmen den Roman und bilden einen stimmigen Gegensatz, mehr als Liebe und Hass. Sally Rooney hat einen messerscharfen Blick für Menschen, ihre Beziehungen und das Leben, das manchmal zwischen Höllenqual und Bedeutungslosigkeit zu mäandern scheint.

Rooney findet hier ihre einzigartige Erzählstimme. In einem Stream of Consciousness fließen Ivans und Peters Gedanken und Leben jeweils absatzlos und unverwechselbar ineinander. Wörtliche Rede verliert ihre Anführungszeichen, Sätze verirren sich im Nirgendwo und sind doch unmissverständlich, von unvergesslicher Wucht. Was mich auf den ersten Seiten kurzfristig irritierte, wurde zu einem einzigartigen Leseerlebnis voller unvergesslicher Sentenzen und tiefer berührender Einblicke.

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