Charmanter Krimi mit Überraschung
Marchfield SquareIch mochte „Marchfield Square“ wirklich gern. Es spielt in einem geschlossenen Wohnkomplex im nebligen London und hat trotz des Mordfalls eine eher leichte, fast schon ruhige Atmosphäre. Die Geschichte ...
Ich mochte „Marchfield Square“ wirklich gern. Es spielt in einem geschlossenen Wohnkomplex im nebligen London und hat trotz des Mordfalls eine eher leichte, fast schon ruhige Atmosphäre. Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt: von Audrey, einer empathievollen Putzfrau, von Lewis, einem introvertierten Schriftsteller, und gelegentlich auch von Celeste, der älteren Vermieterin, die die beiden beauftragt. Besonders spannend fand ich, dass Lewis versucht, den Fall in seinem neuen Buch zu verarbeiten. Man bekommt immer wieder kleine Ausschnitte aus seinem Manuskript, die nochmal eine andere Sicht auf die Geschehnisse bieten.
Die Ermittlungen starten ab etwa Seite 100, davor lernt man die Figuren und das Umfeld kennen. Die Handlung ist stellenweise etwas langsamer, weil auch der Alltag der beiden eine Rolle spielt, aber für mich war es nie langweilig. Es bleibt immer eine unterschwellige Spannung da. Es gibt viele Verdächtige und nach und nach werden immer mehr Nachbarn und ihre Geheimnisse vorgestellt. Ich fand die Charaktere total vielfältig und gut ausgearbeitet. Jede Figur hatte etwas Eigenes, niemand wirkte flach oder nur wie ein Lückenfüller. Gerade diese Mischung aus verschiedenen Lebensrealitäten und Persönlichkeiten hat das Buch lebendig gemacht.
Was mich richtig überrascht hat, war der Plottwist am Ende. Ich hatte absolut keine Ahnung, wer hinter dem Mord steckt, und das kam für mich komplett unerwartet. Es hat alles plötzlich Sinn ergeben, aber ich wäre nie darauf gekommen. Solche Enden liebe ich, weil sie die Geschichte nochmal aufwerten und mich auch nach dem Lesen noch beschäftigen.
Der Schreibstil ist angenehm und leicht, die Kapitel sind kurz, teilweise gibt es Textnachrichten, was das Lesen nochmal erleichtert. Die Karte des Wohnkomplexes am Anfang und Ende des Buches war super hilfreich und schön gemacht. Auch wenn ein Teil der Handlung außerhalb spielt, hatte das Setting für mich etwas Besonderes und sehr Charmantes. Ich mochte die Dynamik zwischen Audrey und Lewis, wie sie sich annähern und als Team zusammenwachsen. Insgesamt war es für mich ein ruhiger, tiefgründiger und cleverer Krimi, der mich mit seinem Setting, seinen Charakteren und dem überraschenden Ende wirklich überzeugt hat.