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Veröffentlicht am 15.09.2023

Digitaler Widerstand in der DDR

Hashtag #DDR
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Die Mauer ist nie gefallen, Deutschland im Jahr 2023 weiterhin geteilt. Auch die DDR versucht mit der fortschreitenden Digitalisierung mitzuhalten. Schon allein die Vorstellung, was dieser Staat mithilfe ...

Die Mauer ist nie gefallen, Deutschland im Jahr 2023 weiterhin geteilt. Auch die DDR versucht mit der fortschreitenden Digitalisierung mitzuhalten. Schon allein die Vorstellung, was dieser Staat mithilfe des Internets über seine Bürger erfahren könnte, ist beängstigend.

Die Geschichte ist inspiriert von einem bekannten Youtuber, der mit seiner Darstellung einer Partei für großes Aufsehen gesorgt hat. So ist es auch hier. Der westdeutsche Youtuber Lonzo erhält Unterlagen aus der DDR und veröffentlicht diese auf seinem Kanal als "Die Zerstörung der DDR". Aber auch die DDR versucht ihre Bürger mehr oder minder erfolgreich über das Internet zu beeinflussen. Weniger angetan vom Politbüro ist der Online-Aktivist Perry, der wegen seiner
kritischen Videos im Gefängnis Hohenschönhausen inhaftiert ist.

Die Idee gefällt mir richtig gut, ich wollte das Buch unbedingt lesen. Leider hat sich das erwartete bedrückende Gefühl für mich beim Lesen nicht eingestellt. Die Geschichte plätschert vielmehr so vor sich hin. Einzige Ausnahme davon waren die Verhörszenen in Hohenschönhausen. Auch die Charaktere hätten aus meiner Sicht mehr individuelle Persönlichkeit vertragen können. Gerade der Konflikt in Perrys Familie wirkte mir zu flach und schnell erzählt. Auch die Kritik von Sponsoring bei Influencern war mir zu umfangreich.

Insgesamt eher seichte Unterhaltung, die man lesen kann, aber nicht muss. Vielen Dank an den Solibro Verlag, der mir in Kooperation mit Vorablesen ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Veröffentlicht am 13.08.2023

Junge Frauen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Träumen

Die Davenports – Liebe und andere Vorfälle
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Chicago im Jahr 1910: Die Davenports zählen zu den wenigen schwarzen Familien, die aus Armut und Sklaverei stammend zu Ansehen in der Gesellschaft aufgestiegen sind. Für ihre Töchter Olivia und Helen wünschen ...

Chicago im Jahr 1910: Die Davenports zählen zu den wenigen schwarzen Familien, die aus Armut und Sklaverei stammend zu Ansehen in der Gesellschaft aufgestiegen sind. Für ihre Töchter Olivia und Helen wünschen sie sich das gleiche Glück und natürlich einen Ehemann. Doch die beiden Schwestern habe eigene Pläne, genau wie Olivias beste Freundin Ruby und das Dienstmädchen Amy-Rose.

Das Cover erinnert stark an eine beliebte Netflix-Serie und auch hier geht es vordergründig um die gleichen Probleme. Wie findet eine Dame von Stand einen geeigneten, natürlich vermögenden, Ehemann ohne Skandale in der Gesellschaft auszulösen? Abseits davon werden hier aber auch die Träume der Frauen aufgezeigt, die von den Erwartungen der Eltern sowie der Gesellschaft
abweichen. Was passiert, wenn eine privilegierte junge Frau über ihren Tellerrand hinausblicken und sich der Bürgerrechtsbewegung anschließen möchte? Kann eine Frau handwerklich talentierter als Männer sein und eine Ausbildung in einer Werkstatt beginnen wollen? Kann ein unverheiratetes schwarzes Dienstmädchen allein ein Geschäft eröffnen?

Der leichte Schreibstil der Autorin erleichtert das Lesen der Handlung, die aus wechselnden Perspektiven beschrieben wird. Die kurzen Kapitel helfen dabei ebenfalls. Die Liebesgeschichten sind nicht sonderlich schwer zu erraten, die Männer verhalten sich recht klischeehaft. Dabei
ging es hier aus meiner Sicht aber auch nicht. Die Entwicklung der Frauen stand für mich im Vordergrund und diese wurde gut beschrieben.

Die Geschichte der jungen entschlossenen Frauen zu lesen hat mir wirklich gut gefallen. Ich bin schon jetzt auf den zweiten Teil gespannt. Vielen Dank an den dtv Verlag, der mir in Kooperation mit Vorablesen ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Veröffentlicht am 16.07.2023

Anna und Fritz ermitteln wieder

Fräulein Anna, Gerichtsmedizin (Die Gerichtsärztin 2)
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Auch im zweiten Teil haben die bürgerliche Anna und der charmante Adlige Fritz wieder einen spannenden Kriminalfall zu lösen. Aber nicht nur die Arbeit in der Gerichtsmedizin hält Anna auf Trab, auch privat ...

Auch im zweiten Teil haben die bürgerliche Anna und der charmante Adlige Fritz wieder einen spannenden Kriminalfall zu lösen. Aber nicht nur die Arbeit in der Gerichtsmedizin hält Anna auf Trab, auch privat hat sie mit ihrer Schwester Franziska allerlei um die Ohren. Natürlich kommt die erfrischende Beziehung zwischen Anna und Fritz auch nicht zu kurz.

Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der mich in die Zeit zurückversetzte. Der Erste Weltkrieg lastet schwer auf München. Familien, Freunde und Arbeitskollegen werden auseinander gerissen, die Stimmung ist selbst im sonst so lebhaften Künstlerviertel bedrückt. Aicher schafft es den Wandel von der herrschenden Kriegseuphorie zur Niedergeschlagenheit zu beschreiben.
Eine Empfehlung für alle Krimifans, die gern Fälle vor historischer Kulisse lösen.

Vielen Dank an den Ullstein Verlag, der mir in Kooperation mit Vorablesen ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Veröffentlicht am 09.07.2023

Die vergessenen Geschichten der Heldinnen von Troja

A Thousand Ships – Die Heldinnen von Troja
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"Es war nie die Geschichte von einer Frau oder von zweien. Es war die Geschichte von ihnen allen. Ein Krieg ignoriert nicht die Hälfte der Menschen, deren Leben er berührt. Warum also tun wir das?"

Für ...

"Es war nie die Geschichte von einer Frau oder von zweien. Es war die Geschichte von ihnen allen. Ein Krieg ignoriert nicht die Hälfte der Menschen, deren Leben er berührt. Warum also tun wir das?"

Für mich eine durchaus berechtigte Frage. Warum gibt es so viele Geschichten über die Helden des Krieger, selbstverständlich - von den Amazonen abgesehen - ausschließlich Männer. Warum können die Frauen keine Heldinnen sein? Weil sie nicht auf dem Schlachtfeld gekämpft haben? Die Autorin gibt endlich den Frauen eine Stimme. Sie zeigen das Leid, die Verzweiflung und Ungerechtigkeit eines Krieges, ausgelöst durch die kindischen Zankereien der Götter.

Haynes beschreibt viele unterschiedliche Protagonistinnen, weshalb Vorwissen über die Verwandtschaftsverhältnisse durchaus von Vorteil sind. Für alle Anderen gibt es eine Übersicht am Beginn des Buches. Trotz der häufig wechselnden Perspektiven konnte ich den Geschichten gut folgen und habe in den kurzen Kapiteln nicht die emotionale Bindung verloren. Vielleicht gerade wegen der nüchternen Schreibweise habe ich mit den Frauen mitgefühlt. Haynes beschreibt Erniedrigungen, Tod, Vergewaltigung. Sie beschönigt nichts.
Besonders gut gefallen hat mir die Sicht von Penelope, die ihrem Mann Odysseus in Briefen ihre Gefühle mitteilt. Herrlich zynisch beschreibt sie seine lange Reise auf dem Weg zurück nach Ithaka.

Ein absolutes Muss für alle Fans von griechischer Mythologie. Vielen Dank an den dtv Verlag, der mir in Kooperation mit Lovelybooks ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Veröffentlicht am 27.06.2023

Wer ist hier wirklich das Monster?

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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"Ich sehe dich. Ich sehe all jene, die von den Menschen Monster genannt werden."

Ich habe bereits Bücher über die griechische Mythologie gelesen und wusste daher, was mich so ungefähr erwarten wird. ...

"Ich sehe dich. Ich sehe all jene, die von den Menschen Monster genannt werden."

Ich habe bereits Bücher über die griechische Mythologie gelesen und wusste daher, was mich so ungefähr erwarten wird. Vorkenntnisse über die wichtigsten Personen sind hier auf jeden Fall von Vorteil. Es gibt am Ende des Romans aber auch eine kurze Aufstellung. Auch in diesem Roman sind die Götter nicht unbedingt das, was die Menschen sich von ihnen erhoffen. Sie sind nicht weise, großmütig und hilfsbereit. Vielmehr sind sie eigensinnig, streitlustig und gelangweilt in ihrer Unsterblichkeit. Und wie vertreibt man sich die Langeweile? Natürlich mit Intrigen untereinander und Krieg auf Kosten der Menschen.

Die Autorin erzählt die Geschichte von Medusa aus einer anderen Perspektive und zeigt wer dieses Mädchen war, bevor auch sie ein Opfer einer Göttin wurde. Einer Göttin, die zwar in diesem Roman außerordentlich unterhaltsam dargestellt wird, aber am Ende für ihre Rachsucht auch eine durchaus passende Strafe erhält. Perseus, sonst der große Held, bekommt hier einen völlig anderen Charakter. Allein für diese unfassbar anstrengende Reise und seine nervigen Kommentare lohnt sich das Lesen schon.

Der Schreibstil von Haynes ist sehr humorvoll und abwechslungsreich. Die Autorin schafft es, zahlreiche Handlungsstränge und Geschichten so vieler Figuren wieder miteinander zu verknüpfen, ohne an Spannung zu verlieren. In einigen Kapiteln wird der Leser direkt angesprochen, was mir gut gefallen hat.

Aus meiner Sicht eine ganz große Leseempfehlung an Fans griechischer Mythologie, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Medusa mehr Stimme bekommt.
Vielen Dank an den dtv Verlag, der mir in Kooperation mit Lovelybooks ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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