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Veröffentlicht am 29.03.2017

spannende Fortsetzung der Reihe

Die Schneelöwin (Ein Falck-Hedström-Krimi 9)
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Die verschwundene Victoria taucht wieder auf, aber leider nicht wohlbehalten, sondern schwer verletzt und im Wald, in der Nähe einer Straße. Eine Freundin, die gerade in dieser Gegend ausreitet, sieht ...

Die verschwundene Victoria taucht wieder auf, aber leider nicht wohlbehalten, sondern schwer verletzt und im Wald, in der Nähe einer Straße. Eine Freundin, die gerade in dieser Gegend ausreitet, sieht sie - und muss mit ansehen, wie Victoria von einem Auto erfasst wird. Im Krankenhaus erliegt sie ihren Verletzungen, so dass sie der Polizei leider keinen Hinweis mehr auf die Täter geben kann oder auf die anderen Mädchen, die im weiteren Umkreis von Fjällbacka verschwunden sind. Dadurch tappt die Polizei um Patrick Hedström ziemlich im Dunkeln.

Parallel dazu arbeitet Erica Falck an ihrem nächsten Buch. Dazu besucht sie Laila im Gefängnis, die vor Jahren ihren Mann ermordet haben und ihre Tochter im Keller gefangengehalten haben soll. Allerdings gestalten sich die Gespräche sehr zäh, da Laila nicht oder nur äußerst knapp auf Ericas Fragen antwortet.

Auch dieses Buch hat mich wieder von Anfang gefesselt. Camilla Läckberg versteht es einfach, einen Fall von Anfang bis Ende so zu gestalten, dass man lange nicht weiß, wer der Mörder ist und warum. Bei diesem Buch hat sie es sogar geschafft, dass ich bis über die Hälfte überhaupt keine Ahnung hatte, noch nicht mal einen Ansatz für eine Theorie. Sonst bieten sich ja schnell Anhaltspunkte, aber hier waren es höchstens minimale Bruchstücke, die mir auffällig erschienen, die aber auch nicht richtig für eine Theorie gereicht haben. Ähnlich geht es auch der Polizei, die lange in alle Richtungen ermittelt, ohne so richtig einen Anhaltspunkt zu haben. Diese Ermittlungen wirken aber nicht hilflos, zumal man merkt, dass alle Beteiligten mit den Ergebnissen unzufrieden sind. Gleichzeitig wird die Grundspannung aufrechterhalten, was beim Genre Krimi elementar ist. Von der Thematik geht es hier schon ziemlich zur Sache, was gerade für Menschen, die sich alles bildlich vorstellen, nicht immer einfach sein dürfte, zumal dabei auch so einige menschliche Abgründe aufgezeigt werden.

Das Buch liest sich sehr flüssig, dazu kommt, dass für mich diese Krimis inzwischen wie ein Nachhausekommen sind. Durch die Vorgängerbände ist mir Fjällbacka sehr vertraut (obwohl ich noch nie da war) und die Hauptfiguren sind mir sehr ans Herz gewachsen. Dazu hat vermutlich auch beigetragen, dass in den Vorgängerbänden ihre Schicksale sehr eng mit der Handlung (meist mit den Fällen der Polizei) verknüpft bis verwickelt waren. Das ist in diesem Band nicht wirklich der Fall, aber es wird oft darauf Bezug genommen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich dadurch inzwischen an den Büchern von Camilla Läckberg doch die Geister ein Stück weit scheiden, weil Menschen, die z.B. mit "Die Schneelöwin" in die Reihe einsteigen, die Vorgeschichten nicht kennen. Dann kann vermutlich auch der Eindruck entstehen, dass es sehr viel um privates geht, was aber erst mit diesem Band so wirklich privat geworden ist. Ich hoffe, ich konnte halbwegs verständlich machen, was ich meine. Mir geht es darum, dass die Figuren durch die bisher erschienen neun Bände zum Teil eine enorme Entwicklung durchgemacht haben, die hier deutlich wird, wie z.B. bei Gösta.

So sehr mich das Buch gefesselt hat, so fies fand ich aber auch das Ende. Der Fall ist zwar an sich gelöst, aber das Ende lässt für meinen Geschmack einige Fragen offen, so dass ich gerne jetzt den Nachfolgeband hätte (der nur leider noch nicht mal auf Schwedisch raus ist). Manches kann ich mir zwar denken, aber ich bin schon ein Freund davon, dass Krimis am Ende auch wirklich gelöst sind und ich die Lösung auch erfahre. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, weil ich sonst in Gefahr gerate, zu spoilern.

Fazit: Für Fans der Reihe ein klares Muss. Die Reihe kann ich auch Fans von skandinavischen Krimis sehr empfehlen, aber ich würde schon dazu raten, die Reihenfolge einzuhalten.

Reihenfolge:

1. Die Eisprinzessin schläft

2. Der Prediger von Fjällbacka

3. Die Töchter der Kälte

4. Die Totgesagten

5. Engel aus Eis

6. Meerjungfrau

7. Der Leuchtturmwärter

8. Die Engelmacherin

9. Die Schneelöwin

Veröffentlicht am 29.03.2017

mörderischer Spreewald

Spreewaldgrab (Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner 1)
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Nach einem schweren Hörsturz lässt sich die Polizistin Klaudia Wagner vom Ruhrgebiet in den Spreewald versetzen. Sie hofft, dass es in Lübbenau ruhiger zugeht und sie sich insgesamt wieder erholen kann. ...

Nach einem schweren Hörsturz lässt sich die Polizistin Klaudia Wagner vom Ruhrgebiet in den Spreewald versetzen. Sie hofft, dass es in Lübbenau ruhiger zugeht und sie sich insgesamt wieder erholen kann. Dazu kommt, dass ihr Ex-Mann eine Affaire mit einer Jüngeren hat und sie so der Gefahr entgeht, die Beiden zusammen sehen zu müssen. Zumal sie und ihr Mann Kollegen waren. Doch dann geht es auch an der Spree ziemlich schnell ziemlich zur Sache: Ein Unternehmer wird tot aufgefunden, bei den Ermittlungen findet das Team ein schon älteres Skelett, das im Wald vergraben ist und außerdem bleibt die Sekretärin des Unternehmers verschwunden. Und es scheint, als würde es nicht allein bei diesen Funden und Ereignissen bleiben.

Das Debüt von Christiane Dieckerhoff liest sich sehr flüssig. Auch wenn zu Beginn so einige Personen eingeführt werden, war ich schnell in der Geschichte drin, zumal alles Schlag auf Schlag geht. Dabei muss ich sagen, dass mir die Charaktere erst mal nicht so wirklich sympathisch waren: Dass Klaudia ein ziemliches Paket mit sich rum trägt, erfährt man sehr schnell, aber die Kollegen auf der Wache in Lübbenau wirken fast alle eher verschlossen und eigenbrödlerisch. Man ahnt schon, dass da auch immer noch was eigenes hinter steckt, aber irgendwie wurde mir das schon fast zu viel, da die Hauptperson ja schon so viel mitbringt. Im Verlauf der Handlung verteilt sich das halbwegs, aber es sind schon recht hohe persönliche Anteile neben dem Fall, zumal es dann auch noch Beziehungsgeflechte gibt.

Der Fall läuft dafür allerdings sehr zügig weiter, es geht Schlag auf Schlag und ich glaube, das hat das Buch auch für mich spannend gehalten, dass die Handlung nicht im Zwischenmenschlichen und Privaten stehen bleibt, sondern das "Kerngeschäft" weitergeht. Und das muss man dem Revier lassen, gearbeitet wird in recht hohem Tempo (zumindest an dem aktuellen Fall). So ist es auch ein Zufall, dass die "alte" Leiche gefunden wird. Durch das Tempo, die vielen Personen und das Private habe ich allerdings ein- oder zweimal doch ziemlich den Überblick verloren. Das fand ich anstrengend, da ich so noch mal einiges nachlesen musste und bis dahin eigentlich nicht unaufmerksam gelesen hatte. Mir kam der Fall mitunter ziemlich verstrickt vor, dabei ist die Aufklärung am Ende plausibel und gar nicht so verworren. Zu dem Gefühl der Verstrickung führen aber eben auch die privaten Geschichten, die für einen ersten Band schon sehr viel sind. Ich glaube, man merkt meine Verwirrung auch der Rezi ein bisschen an...

Dafür, dass der Spreewald für mich krimimäßiges Neuland ist, hat Christiane Dieckerhoff meine Neugier geweckt, allerdings bin ich noch nicht sicher, ob ich an der Reihe dran bleiben werde.

Fazit: Für Fans von Krimis, in denen es nicht nur um den Fall an sich geht, sehr zu empfehlen.

Veröffentlicht am 29.03.2017

Das Leben geht weiter

Ein ganz neues Leben
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Louisa und Will waren für sechs Monate zusammen, ihre Geschichte hat in "Ein ganzes halbes Jahr" viele Menschen berührt. Dieses halbe Jahr hat auch die Beiden verändert, so dass Louisa erst mal aus ihrem ...

Louisa und Will waren für sechs Monate zusammen, ihre Geschichte hat in "Ein ganzes halbes Jahr" viele Menschen berührt. Dieses halbe Jahr hat auch die Beiden verändert, so dass Louisa erst mal aus ihrem Leben fliehen musste, nachdem Will tot war. Sie reiste viel, kaufte eine Wohnung in London, hatte aber immer noch einen Job, den sie nicht mochte und kaum ein Sozialleben - also bei nicht wirklich das Leben, das Will sich für sie gewünscht hätte. So kommt sie auch aus ihrer Trauer nicht heraus, bis es eines Tages an ihrer Tür klingelt und sich damit so einiges verändert.

Ich muss sagen, dass ich sehr überrascht und gleichzeitig skeptisch war, als die Fortsetzung auf den Markt kam. "Ein ganzes halbes Jahr" hat nach meinem Empfinden enorm vorgelegt was die Beschäftigung mit dem Thema "Assistierter Suizid" anging, dass ich mir kaum vorstellen konnte, wie ein Nachfolger da heranreichen sollte. Ich kann auch schlecht beurteilen, inwieweit das gelungen ist, weil "Ein ganz neues Leben" dieses Thema nicht mehr als solches anschneidet bzw. nur durch den Verweis darauf, dass Wills Vorgehen in der Presse behandelt wurde und es aus der Bevölkerung einige Reaktionen gab, die oft von wenig Verständnis zeugten.

"Ein ganz neues Leben" behandelt stattdessen das Thema "Trauer und Weiterleben", also wie vor allem Louisa mit dem Verlust umgeht. Ungefähr das erste Drittel des Buches befasst sich damit, wobei dieser Teil des Buches dadurch recht zäh wird. Louisa lebt ihr Leben, das aber in erster Linie aus Arbeit besteht, mit der sie nicht glücklich ist und ansonsten damit, dass sie in ihrer Trauer feststeckt. Sie geht zwar in eine Trauergruppe, aber so richtig helfen tut ihr das auch nicht. Erst, als ihr Leben ziemlich auf den Kopf gestellt wird, kommt die Handlung in Fahrt und damit wird auch das Buch zu dem Pageturner, wie auch "Ein ganzes halbes Jahr" es war.

Was ich sehr interessant fand, ist, dass sich das Leben aller Beteiligten nach Wills Tod geändert hat, zum Teil sehr (wie bei seinen Eltern). Auch ihre Trauer wird dargestellt, allerdings sehr kurz, was ich zum Teil schade fand. In Louisas Familie gibt es auch Veränderungen, aber ziemlich kleine. Wie zu erwarten dreht sich hier alles um Louisa, die in diesem Buch nun mal die alleinige Hauptperson ist.

Wie gesagt liest sich das Buch im ersten Drittel eher zäh. Das heißt nicht, dass man nicht mit Louisa lebt und leidet - ich zumindest konnte ihre Trauer sehr gut nachvollziehen und habe mit ihr gelitten, aber auch um sie getrauert, die sie nun ein eher ätzendes Leben ohne Will führt. Gleichzeitig gab es einige Momente, in denen ich ihr gerne in den Hintern getreten hätte. Umgekehrt hatte ich auch einige Situationen, in denen ich nur noch den Kopf schütteln konnte über ihr Verhalten. Dabei war die Handlung allerdings nie so absurd, dass ich das Buch abgebrochen hätte, zumal sie ab einem bestimmten Punkt ziemlich Fahrt aufnahm, so dass das Buch sich deutlich flüssiger las und ich einfach nur noch wissen wollte, wie es weitergeht.

Für mich hat "Ein ganz neues Leben" nie an den Tränenkanälen gerührt, stattdessen war es für mich im ganzen betrachtet ein sehr lebensbejahendes Buch. Zu Beginn denkt man das vielleicht noch nicht, aber mit den Wendungen, die kommen, zeigt es, wie viel von seinem Lebensglück man selbst in der Hand hat. Gerade das Ende fand ich ein Stück weit überraschend (auch wenn ich gehofft hatte, dass es so kommt) und einfach gelungen.

Fazit: Anders als der Vorgänger, auf auf jeden Fall lesens- und empfehlenswert!

Veröffentlicht am 29.03.2017

amüsanter Blick auf die bescheuerte Republik

Alle doof bis auf ich
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Dietmar Wischmeyer kennt man z.B. aus der Heute-Show (ZDF), wo er mit seinem "Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten" immer wieder seine Sicht auf die aktuelle politische Lage und die darin involvierten ...

Dietmar Wischmeyer kennt man z.B. aus der Heute-Show (ZDF), wo er mit seinem "Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten" immer wieder seine Sicht auf die aktuelle politische Lage und die darin involvierten Personen kundtut. In diese Richtung passt auch sein Buch "Alle doof bis auf ich. Die bescheuerte Republik", in dem er in vielen kurzen (2-3 Seiten) Kapiteln die verschiedenen alltäglichen Situationen oder Gegenstände unter die Lupe nimmt.

Dabei reichen seine Betrachtungen von Themen wie "Work Life Balance" über "Smoothies" zu "Der Tod". Mindestens mit einem Augenzwinkern, manchmal ziemlich böse, meistens mit einem ordentlichen Schuss Sarkasmus analysiert Wischmeyer die Vorgeschichte, den aktuellen Zustand und wohin das ganze in seinen Augen führen könnte. Dabei geizt er auch nicht mit Schimpfworten, wo es mir mitunter auch ein bisschen viel wurde. Da er auch oft dieselben Kraftausdrücke gebraucht, haben diese mit der Zeit gewisse Abnutzungserscheinungen. Klar gehört das zu seinem Stil, davon lebt auch sein Vortrag z.B. in der Heute-Show, aber bei einem Buch kann das auch schon mal übers Ziel hinausgehen.

Dabei teile ich grundsätzlich viele seiner Feststellungen, z.B., dass der Mensch dem Menschen oft die Butter auf dem Brot nicht gönnt und sich gerne auf bestimmten Fernsehsendern vorführen lässt, wie es auch schlimmer geht. Dass wir irgendwann die Saurier von morgen sein werden und es fraglich ist, ob und wer unsere Knochen finden wird. Dass die Sache mit dem Biosprit leider nicht bis zum Ende durchdacht wurde. Die Liste ließe sich hier noch lange fortsetzen. Wischmeyer analysiert pointiert, bitterböse, aber leider oft mit einem sehr wahren Kern. Amüsant sind seine Feststellungen außerdem noch, auch wenn ich eher schmunzeln als laut lachen musste.

Ich habe immer mal kleine Häppchen des Buches gelesen - wenn ich mehr am Stück gelesen habe, gingen die einzelnen Kapitel sehr ineinander über und das war mir dann doch zu schade drum.

Fazit: Für Fans von Heute-Show und Co sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 29.03.2017

spannende und interessante Einblicke

Der Adolf in mir
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Serdar Somunçu beschreibt in seinem Buch "Der Adolf in mir" wie seine Karriere begonnen hat: Mit der Idee, das eigentlich Undenkbare zu tun, nämlich, aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" zu lesen und damit auf ...

Serdar Somunçu beschreibt in seinem Buch "Der Adolf in mir" wie seine Karriere begonnen hat: Mit der Idee, das eigentlich Undenkbare zu tun, nämlich, aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" zu lesen und damit auf Tournee zu gehen. Was als Idee begann, entwickelte sich zu 1.500 Auftritten in sechs Jahren, bei denen von Auftritten vor begeistertem vollem Haus, gelangweilten Schülern, Bombendrohungen und Lesungen in ehemaligen KZs alles dabei war. Davon, was diese Lesungen mit Serdar Somunçu gemacht haben, mal ganz abgesehen.

In diesem Buch wird erklärt, wie die Idee entstand, wie Serdar Somunçu sich lange als Künstler durchschlagen musste und welche Erfahrungen er später dann auch mit privaten Fernsehsendern und ihren Comedyformaten gemacht hat. Interessant ist auch, welche Rolle Erlebnisse aus seiner Kindheit dabei spielen. Es ist eine faszinierende Entwicklung, die ja mit Adolf Hitler und später der Sportpalastrede zwar eine klare Richtung hat, sich aber auch weiter entwickelt bis hin zum Hassprediger "Hassias", als der Somunçu aktuell immer wieder auf Tour ist.

Das Buch liest sich sehr flüssig, manchmal amüsant, oft regt es auch zum Nachdenken an. Es sind spannende Einblicke in das Leben eines Kabarettisten, der seinen Platz in der Arbeitswelt finden muss, ihn sich erkämpft und dabei aber kaum absehen kann, wohin in das letztendlich bringen wird bzw. was das zwischendurch mit ihm machen wird. Somunçu beschreibt die Auswirkungen mitunter mit einem Augenzwinkern, bei seinen Alpträumen aber auch ganz nüchtern.

Fazit: Klare Empfehlung an alle, die Serdar Somunçu aus der Heute-Show und von seinen Auftritten her kennen und sich für den Menschen dahinter und seine Geschichte interessieren.