Profilbild von Schaefche

Schaefche

Lesejury Profi
offline

Schaefche ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schaefche über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2017

spannend-amüsanter Krimi

Krabbenbrot und Seemannstod
0

Rosa ist Lehrerin und gerade erst nach Neuharlingersiel gezogen. Doch schon an ihrem ersten Wochenende fliegt ihr Vogel weg und als sie ihren wortkargen Nachbarn Henner endlich dazu überredet hat, ihn ...

Rosa ist Lehrerin und gerade erst nach Neuharlingersiel gezogen. Doch schon an ihrem ersten Wochenende fliegt ihr Vogel weg und als sie ihren wortkargen Nachbarn Henner endlich dazu überredet hat, ihn zu suchen, finden sie nicht nur das Vögelchen, sondern auch gleich noch eine Leiche im Hafenbecken von Neuharlingersiel. Der Tote ist der Chef der Krabbenschälfabrik, ein Verdächtiger ist auch schnell gefunden - aber irgendwie passt so manches nicht zusammen. Abgesehen davon, dass alle hoffen, dass es der frisch gebackene Papa Hauke Matthiesen nicht gewesen ist. Zusammen mit Dorfpolizist Rudi lassen die Beiden sich so einiges einfallen, um den Täter zu stellen.

Oliver Kalkofe liest das Hörbuch wie ich finde einfach grandios! Er verleiht jeder Figur eine etwas eigene Sprechart, beherrscht den Dialekt - und das so, dass man auch als nicht-Friese alles wunderbar versteht. Allein dadurch wird das Hörbuch schon zu einem Hörvergnügen für längere Autofahrten.

Die Handlung klingt zwar recht simpel, aber durch die Charaktere wird sie einfach nur klasse. Die motivierte, quirlige Lehrerin Rosa, die die ruhigen Friesen ziemlich aufmischt zwischen dem Postboten Henner, der zwar viele Schwestern hat, bei denen allerdings weiß, wie er seine Ruhe kriegt und dem Dorfpolizisten Rudi, der auch lieber seinen Tee in Ruhe trinkt, als sich dabei ausgiebig zu unterhalten - und die dennoch Rosa nicht abschütteln können, was sich auch bald als gut erweist. Zumal die Einwohner von Neuharlingersiel auch sehr unterschiedlich sind und somit auch Rosa wunderbar ins Bild passt.

Da ich schon öfter in Neuharlingersiel war, fand ich es schön, den dreien auf den Wegen durch den Ort folgen zu können, doch auch so kommt die gemütlich-gelassene Atmosphäre der Friesen gut rüber, die auf der einen Seite anpacken können, auf der anderen Seite den Blick für das wesentliche (Tee und beisammensein) ganz eindeutig haben.

Fazit: Ein Regionalkrimi, der mit Humor und durchaus auch Spannung aufwartet. Für Freunde des Genres und von Neuharlingersiel sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 29.03.2017

Prüfungsstress und Liebesturbulenzen

Miss Emergency, Band 4: Operation Glücksstern
0

Lena, Jenny und Isa haben ihre drei Praxistertiale in der St. Anna-Klinik erfolgreich absolviert, doch nun kommt der schlimmste Teil: Ihr Examen, für das sie noch mal ordentlich reinhauen müssen. Während ...

Lena, Jenny und Isa haben ihre drei Praxistertiale in der St. Anna-Klinik erfolgreich absolviert, doch nun kommt der schlimmste Teil: Ihr Examen, für das sie noch mal ordentlich reinhauen müssen. Während Lena und Isa sich sofort einen Lernplan machen und loslegen, macht Jenny erst mal Urlaub. Die beiden sind zwar neidisch, kommen aber mit dem Lernen gut voran und so hat Lena noch Zeit, sich neben dem Lernen mit Alex zu treffen, der sich bei ihr meldet und sie mit Liebesbekundungen überhäuft. Doch bei den Lerneinheiten in der Klinik begegnet sie auch Tobias immer wieder - der zwar an Romantik spart, ihr dafür aber klar macht, dass er für sie und ihr Examen nur das Beste will. Und das alles zwischen Isa, der das Lernen auf den Magen schlägt und Jenny, die ständig im Plan hinterher hängt...

Auch wenn ich mit der Miss-Emergency-Reihe jetzt ein bisschen länger pausiert habe, war ich sofort wieder in der Handlung drin. Natürlich ist zu Beginn dieses Bandes die Aufregung groß, da für das Hammer-Examen nur ca. drei Monate Zeit zum Lernen sind. Auf der einen Seite ist das viel Zeit, auf der anderen Seite gibts auch viel zu lernen und nebenher viel zu klären, z.B. was Männer angeht. Ich habe die drei Medizinerinnen wieder einmal bewundert, wie diszipliniert sie bei der Sache sind - aber das muss man bei diesem Lernfach wohl. Obwohl sich ganz viel ums Lernen und um Prüfungen dreht, wurde das Buch nicht langweilig. Im Gegenteil, es wurde deutlich, wie das Leben keine Rücksicht darauf nimmt, was man gerade eigentlich zu tun hat und wieviel man schafft, wenn man eigentlich gerade denkt, dass man dafür jetzt gar keinen Kopf hat.

Nur Jenny mit ihrem Leichtsinn hat mich zwischendurch ein bisschen genervt - aber naja, so war sie vorher auch schon. Abgesehen davon, dass ihre Freundinnen ihr immer mal wieder den Kopf zurechtrücken. Das haben sie zwar in den Vorgängerbänden auch durchaus mal gemacht, aber ich glaube, selten so deutlich wie hier.

Das Buch liest sich gewohnt flüssig, man ist direkt bei den Protagonistinnen dabei - auch wenn man ca. 5 Jahre älter und inzwischen auch aus Prüfungen raus ist =)

Fazit: Ein Jugendbuch, das auch Erwachsenen schöne Lesestunden beschert.

Reihenfolge:
1. Hilfe, ich bin Arzt!
2. Diagnose Herzklopfen
3. Liebe auf Rezept
4. Operation Glücksstern
5. Überdosis Schmetterlinge

Veröffentlicht am 29.03.2017

In der Falle

Die Falle
0

Linda Conrads ist eine äußerst erfolgreiche Schriftstellerin, die seit fast 12 Jahren allerdings ihre Villa am Starnberger See nicht mehr verlassen hat. Die Medien haben sich irgendwann eine mysteriöse ...

Linda Conrads ist eine äußerst erfolgreiche Schriftstellerin, die seit fast 12 Jahren allerdings ihre Villa am Starnberger See nicht mehr verlassen hat. Die Medien haben sich irgendwann eine mysteriöse Krankheit als Grund für ihre Abwesenheit ausgedacht, doch der wahre Grund ist ein ganz anderer: Kurz vor ihrem Verschwinden wurde Anna, die Schwester von Linda, ermordet - und Linda hat sie gefunden, sah den Täter noch fliehen. Geschockt zog sie sich in ihre Villa zurück, um mit alldem fertig zu werden. Doch dann, nach fast 12 Jahren, der Schock: Eines Abends sieht sie das Gesicht des Mörders im Fernsehen. Aus dem Schock wächst die Erkenntnis, dass es an der Zeit ist, zu handeln, um endlich wirklich mit allem abschließen zu können.

Das Buch liest sich äußerst flüssig, ich wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Leider musste ich eine größere Unterbrechung einlegen, weil ich vergessen hatte, das Buch mit in den Urlaub zu nehmen. Doch auch nach dieser Pause kam ich sofort wieder rein und konnte das Buch fertig verschlingen. Und es war wirklich ein "Verschlingen", da ich immer wissen wollte, wie es denn wirklich war. Es werden viele Irrwege gelegt, Kapitel enden mit Cliffhanger, Menschen wirken irgendwie eigenartig oder sagen Dinge, die andere in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen,... Beim Lesen bekommt man einen Eindruck davon, wie es Linda gehen muss, die mitten in alldem steckt und irgendwann selbst nicht mehr weiß, wem sie trauen kann - ob sie sich selbst noch trauen kann.

Die Protagonisten sind alle nur bedingt durchschaubar. Wenn man meint, halbwegs einen Eindruck von jemandem zu haben, passiert wieder etwas oder er/sie sagt etwas, das den bisherigen Eindruck ins Wanken bringt. Einige wirken erst sehr sympathisch, andere erst mal eigenartig, man weiß lange nicht, wem man trauen kann bzw. wem Linda trauen kann. Von der Frage, ob ihre Falle funktionieren kann, ganz zu schweigen.

Gut fand ich, dass ca. jedes zweite Kapitel ein Kapitel aus Lindas Buch ist. So bekommt man einige Eindrücke von ihr und ihrem Schaffen, ihren Gedanken. In den Momenten, in denen man nicht mehr weiß, wer welche Rolle spielt, geben diese Kapitel ein Gefühl von Klarheit - auch wenn man natürlich nicht weiß, ob man mit dem Gefühl dann richtig liegt.

Fazit: Ein Roman/Thriller, der es in sich hat, der mit vielen Wendungen aufwartet - sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 29.03.2017

besser als gedacht

Was weg ist , ist weg
0

Da ich schon einige Bücher im Stile von "Bestatter berichten von ihren merkwürdigsten Beerdigungen" gelesen habe und diese oft zwar witzig, aber oft nicht mehr, fand, hat mich dieses Buch überrascht. Die ...

Da ich schon einige Bücher im Stile von "Bestatter berichten von ihren merkwürdigsten Beerdigungen" gelesen habe und diese oft zwar witzig, aber oft nicht mehr, fand, hat mich dieses Buch überrascht. Die Erzählungen stammen von Bestattern, Pfarrern und Besuchern von Beerdigungen, so dass sich eine Vielfalt von Perspektiven ergibt. Natürlich ist die Sicht eines Bestatters spannend, aber die Wahrnehmung ist je nach "Rolle" bei einer Beerdigung ja doch eine andere. Dazu kommt, dass hier nicht nur amüsante Begebenheiten erzählt werden, sondern dazwischen auch immer wieder Texte und Zitate von berühmten Menschen zum Thema "Tod und Trauer" eingestreut sind. So bekommt das Buch auch eine praktische Seite, da man die Zitate auch gut für Kondolenzkarten verwenden kann, bei denen einem ja oft die Worte fehlen. Geeignet sind dafür allerdings nicht alle Sprüche, manche sind auch zum Schmunzeln, wie z.B. "Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein." (Mark Twain).

Bei den Erzählungen werden die verschiedenen Typen von Humor angesprochen. Es gibt die Erzählung von dem Pfarrer und der Pfarrerin, die noch Details zu einem Vorbereitungstreffen später am Tag klären müssen, was sie angeht, indem sie quer über den Friedhof ruft "Nachher zu dir oder zu mir?". Daneben gibt es aber auch kleine Geschichten zum Schmunzeln wie die von der Witwe, deren Hut bei der Beerdigung ihres Mannes ins Grab geweht wird und die die dadurch aufgekommene Unsicherheit mit den Worten "Was weg ist, ist weg" in Heiterkeit verwandelt. Daneben erfährt man auch, warum man jemandem rote Pepperonie ins Grab werfen könnte und welche Tücken das Dasein als Organist auf einem Friedhof hat.

Fazit: Ein Buch, das ich vermutlich noch das eine oder andere Mal verschenken werde, weil ich es einfach gut gemacht und eine gute Mischung aus lustigen und nachdenklichen Texten finde.

Veröffentlicht am 29.03.2017

glorreiche, aber auch verworrene Zeiten

Glorreiche Zeiten
0

Das Buch erzählt das Leben Teddy Todd, der 1914 geboren wird und 2012 stirbt. Dazwischen liegen seine Kindheit, in der er schon mit 3 seine spätere Frau Nancy kennenlernt und sich ansonsten mit seiner ...

Das Buch erzählt das Leben Teddy Todd, der 1914 geboren wird und 2012 stirbt. Dazwischen liegen seine Kindheit, in der er schon mit 3 seine spätere Frau Nancy kennenlernt und sich ansonsten mit seiner Tante Izzy und seinen Geschwistern (vor allem seinen Schwestern) rumschlagen muss. Zu seinem Leben gehört aber auch seine Zeit im 2. Weltkrieg als Pilot der Royal Air Force, die Zeit davor, in der er Europa, vor allem Frankreich für sich entdeckt. Die Zeit nach dem Krieg, als er mit der Geburt von Viola erst Vater und dann Jahre später Großvater wird. Es ist fast ein Jahrhundert, das man mit Teddy erlebt und es sind bewegte Zeiten, politisch wie privat.

Das Buch gibt sehr umfassende Einblicke in die jeweiligen Zeiten, wobei es leider nicht chronologisch vorgeht. Durch die Überschriften bekommt man zwar mitgeteilt, in welcher Zeit man sich befindet, aber oft erzählt sich dann eine Episode quasi von selbst weiter, indem also der Erzähler weiter erzählt, wie Teddy diese Episode irgendwann mal erzählt (oder auch nicht), was einer seiner Nachfahren dazu denkt,... Die ersten Male hat das dazu geführt, dass ich die Episode noch einmal lesen musste, weil ich nicht sicher war, ob ich alles verstanden hatte bzw. dadurch, dass der Erzähler dann wieder zur Ursprungserzählung zurückkehrt, nicht immer sicher war, ob ich irgendwo den Anschluss verpasst habe. Dazu kommt, dass gerade am Anfang Teddys recht große Familie eingeführt wird, wo ich erst mal den Überblick gewinnen musste und gleichzeitig dann schon Figuren der Zukunft (aus der aktuellen Perspektive zumindest) eine Rolle spielten, die ich kaum einordnen konnte. All das hat dazu geführt, dass die ersten ca. 100 Seiten für mich sehr mühsam waren und ich kaum voran kam. Leider kam so auch kaum Lesevergnügen auf, so dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Da ich das aber nur ungern tue, habe ich am Wochenende beschlossen, dem Buch noch eine Chance zu geben und es dann in einem Rutsch gelesen. So konnte ich gut in das Buch reinfinden und musste mich nicht jedes Mal neu orientieren.

Eine andere Sache, die mir allerdings nur am Rande aufgefallen ist, ist, dass einige Personen und mit ihnen zusammenhängende Begebenheiten oft mehrfach erzählt werden, nämlich einmal ausführlich und irgendwann dann in Kurzform, wobei die Kurzform sich oft liest, als könne der Leser gar nicht wissen, was da passiert sei und als sei das eher eine Randnotiz, die verdeutlichen soll, was Teddy erlebt und wen er wie verloren hat. An sich fand ich die Kurzfassungen nicht schlechter als die ausführlichen Fassungen, nur wenn dann z.B. bei der Kurzfassung der Name der Person nicht genannt wird, obwohl in der langen Fassung ca. 150 Seiten vorher die Person ausführlich vorgestellt und das Ereignis beschrieben wurde, habe ich mich schon gefragt, ob das ein Stilmittel sein soll bzw. was die Autorin damit bezweckt. Natürlich kann es sein, dass man sich nicht jeden Namen merken kann, aber bei bestimmten Personen reicht dann ein weiteres Stichwort und man weiß wieder, wer gemeint ist.

Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kanten, manche auch ausgeprägte Macken. Allerdings gibt es bei so ziemlich allen auch eine plausible Erklärung, warum sie sind, wie sie sind. So wurden mir manche auch mit der Zeit sympathisch, nur bei Viola war das selbst gegen Ende nur bedingt der Fall. Auch wenn es gerade bei ihr gute Gründe hat, warum sie ist, wie sie ist, kreist sie nur um sich selbst und behandelt selbst ihre Kinder ganz furchtbar.

Das Ende des Buches ist auf eine gewisse Weise abzusehen, allerdings fand ich die Umsetzung wieder sehr schwierig zu lesen. Laß sich das Buch bis dahin recht flüssig, habe ich zum letzten Kapitel keinen Zugang entwickelt, obwohl ich es inzwischen schon 4x gelesen habe. Das hinterlässt leider einen Beigeschmack, wobei auch ich den ein bisschen auch schon durch meine Startschwierigkeiten hatte. Dabei ist das Buch an sich ein spannender Eindruck von Zeitgeschichte, die Deutschland wie England betrifft und das darüber hinaus noch einiges bietet.

Fazit: Kein einfaches Buch, aber eines, das auf jeden Fall einen Versuch lohnt.