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Veröffentlicht am 12.07.2022

Interessanter Familienroman

Gretas Erbe
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Als uneheliches Kind wächst Greta bei der sechsköpfigen Winzer-Familie Hellert in der Pfalz auf. Ihre Mutter Marie war dort Magd, als sie jung bei Gretas Geburt verstirbt. Der Vater ist unbekannt. Fast ...

Als uneheliches Kind wächst Greta bei der sechsköpfigen Winzer-Familie Hellert in der Pfalz auf. Ihre Mutter Marie war dort Magd, als sie jung bei Gretas Geburt verstirbt. Der Vater ist unbekannt. Fast täglich bekommt Greta zu spüren, dass sie nicht dazugehört und nur eine billige Arbeitskraft ist.

Doch Gretas ist stark, sie hat Erwartungen und Hoffnungen an ihr Leben. Sie ist intelligent, eine gute Schülerin und möchte Lehrerin werden. Besonders mit ihren Ziehbrüdern Robert und Mats versteht sich Greta gut. Als sie sich in Robert verliebt, wird das Leben auf dem Hof immer schwieriger für sie.

Das Autoren-Duo unter dem Pseudonym Nora Engel legt hier einen gut recherchierten, angenehm leicht lesbaren Familienroman über den Alltag auf einem Winzerhof vor. Der Leser erfährt viel Neues über den Weinanbau, die Lebensumstände auf dem Hof, die Rolle der Frau Anfang der 70er Jahre und taucht quasi in die Geschichte ein. Die Charaktere mit ihren Eigenheiten und Wissenszügen sind realistisch dargestellt. Vor allem mit Greta leidet und fiebert man als Leser sehr mit.

Der Pfälzer Dialekt schafft Identität und Lokalprägung. Durch den Prolog wird schnell klar, wer etwas vererben wird, es ist aber erst kurz vor dem Ende soweit. Das Cover ist leider etwas unscheinbar. Playlists scheinen in Büchern gerade in zu sein, ich persönlich bräuchte sie für den Lesegenuss nicht.

4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 07.07.2022

Freud und Leid auf der Insel

Himmel über dem Salzgarten
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Julia und Alvaro wohnen inzwischen glücklich vereint im Meson Flor de Sal. Die offizielle Eröffnungsfeier des liebevoll restaurierten Lokals steht an. Julia und ihre Freunde haben sich viel Mühe gegeben ...

Julia und Alvaro wohnen inzwischen glücklich vereint im Meson Flor de Sal. Die offizielle Eröffnungsfeier des liebevoll restaurierten Lokals steht an. Julia und ihre Freunde haben sich viel Mühe gegeben und ein opulentes Buffet aufgebaut. Es könnte alles so schön werden, würde nicht Jens plötzlich mit einem Bus voller Touristen die Feier stören und das Buffet stürmen. Da ist Streit vorprogrammiert. Doch das ist noch nicht alles: Julia und Alvaro erfahren, dass El Aleman, wie Jens abwertend genannt wird, in der Bucht unterhalb des Restaurants Felsen sprengen und eine Tauchstation errichten will. Damit würde nicht nur die Bucht mit ihrer einzigartigen Unterwasserwelt zerstört, auch der Salzgarten wäre bedroht. Können Julia und Alvaro die Dorfbewohner zur Gegenwehr mobilisieren?

Tabea Bach hat im zweiten Band der Salzgarten-Saga wieder alle Personen charakterlich gut skizziert. Manche der Protagonisten entwickeln sich im Laufe der Geschichte positiv, andere eher negativ. So wächst Tanja über sich hinaus, Julia ist großherzig wie immer, Emil ist hin und her gerissen zwischen seinem Vater und seiner Tante und den Freunden, Alvaro mutiert zeitweise zum Macho, Jens ist und bleibt ein Ekel und unbelehrbar.

Die tollen Landschaftsbeschreibungen, die Atmosphäre im Restaurant, in der Imkerei, der Töpferei, im Blumengarten und in der Bucht sind detailliert und anschaulich beschrieben und vermitteln ein schönes sommerliches Urlaubsgefühl.

Die spannende Geschichte ist leicht und fließend zu lesen. Das harmonische Ende ist ein Muss! Gefallen haben mir auch die Namenszusammenstellung und die Bonus-Rezepte in den Buchklappen. Das Cover mit Julia und ihrem wehenden Schal auf dem Dach über dem Salzgarten hat einen hohen Wiedererkennungswert und ist sehr passend zum Roman. Mit Vorfreude warte ich auf die Folge-Bände!

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Veröffentlicht am 07.07.2022

So haben wir das schon immer gemacht

Der kleine Raubdrache (Bd. 1)
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Der kleine Drache ist entsetzt, als bei der Vorführstunde zum ordnungsgemäßen Raub von Prinzessinnen so einiges schief geht und der Drachenlehrer sogar von zu Hilfe eilenden Rittern verletzt wird. Was ...

Der kleine Drache ist entsetzt, als bei der Vorführstunde zum ordnungsgemäßen Raub von Prinzessinnen so einiges schief geht und der Drachenlehrer sogar von zu Hilfe eilenden Rittern verletzt wird. Was soll das denn? Nie im Leben wird er freiwillig eine Prinzessin rauben. Und dann taucht der Prinz, der die geraubte Prinzessin Poppy rauben soll noch nicht mal auf, um sie zu retten, weil er zu ängstlich ist. Was bleibt den Drachen übrig, als eine weitere Prinzessin zu rauben? Doch auch die ist so ganz anders. Ob es vielleicht Zeit ist, beim Raub von Prinzessinnen etwas zu ändern?

Das bunte Cover mit der so untypischen und mürrisch dreinblickenden Prinzessin hat meiner Enkelin sofort gefallen. Die bunten Illustrationen ziehen sich durch die komplette Geschichte. Auch die Seitenzahlen und -ränder sind ganz verspielt dekoriert. Wirklich süß gemacht! Zudem sind die Flüche und Ausrufe der verschiedenen Figuren im Text meist größer und in Farbe (jeder hat seine eigene) gedruckt. Und geflucht wird jede Menge, weil kaum etwas so klappt, wie es soll. Dabei haben die Drachen, Prinzessinnen und Prinzen das doch schon immer so gemacht.

Der Text ist leicht verständlich und vor allem als Vorlesegeschichte geeignet. Die Geschichte zeigt sehr schön, dass man auch Traditionen mal überdenken kann und sich Dinge automatisch verändern. Jede Prinzessin kann so sein, wie sie möchte. Und wenn sie keinen Prinzen möchte, ist das auch in Ordnung und ganz allein ihre Entscheidung. Eine schöne Botschaft. Wir hatten beim Lesen viel Spaß und freuen uns auf den zweiten Band.

5 Sterne

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Veröffentlicht am 07.07.2022

Packend bis zum Schluss

Die Hafenärztin. Ein Leben für das Glück der Kinder (Hafenärztin 2)
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Hamburg 1911: Die junge Ärztin Anne Fitzpatrick arbeitet weiterhin in ihrer eigenen Praxis für die Armen und Kranken und engagiert sich außerdem im Hamburger Auswandererhafen für die unter Quarantäne stehenden, ...

Hamburg 1911: Die junge Ärztin Anne Fitzpatrick arbeitet weiterhin in ihrer eigenen Praxis für die Armen und Kranken und engagiert sich außerdem im Hamburger Auswandererhafen für die unter Quarantäne stehenden, traumatisierten Familien. Besonders die Kinder liegen ihr dabei am Herzen. Ihre Freundin Helene Curtius besucht mittlerweile ein Lehrerinnenseminar und unterrichtet als Praktikantin die Auswandererkinder im Hafen.

Als es unter den Kindern mysteriöse Todesfälle gibt, ziehen die Beiden ihren Bekannten Kommissar Rheydt ins Vertrauen. Gemeinsam kämpfen sie gegen das Unrecht. Eine dramatische, spannende Jagd nach einem Giftmörder beginnt.

Das Cover ziert wieder die Hafenärztin vor einer Hamburger Kulisse. Besonders der edle Golddruck fällt sofort auf.

Die Autorin Henrike Engel erzählt wiederum sehr flüssig, detailliert und bildhaft über die Zustände im Hamburger Hafen. Nicht nur die Giftmorde, sondern auch die Frauenbewegung, Zwangsprostitution und Menschenhandel spielen eine Rolle. Die historische Handlung ist äußerst spannend und packend beschrieben, auch die Schicksale bewegen. Ich war mittendrin und es war schwer das Buch zwischendurch wegzulegen. Die Reihe der Hafenärztin ist so zu meiner Lieblingsserie avanciert.

Ich freue mich auf Band 3, der im November 2022 erscheinen soll.

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Veröffentlicht am 07.07.2022

Wenn Schuld das Leben bestimmt

Der Markisenmann
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Kim ist fünfzehn und lebt mit ihrer Mutter, ihrem Halbbruder Geoffrey und ihrem ehrgeizigen Stiefvater Heiko zusammen. Vor allem zu letzterem hat sie keine gute Beziehung, da sie glaubt, ihr Vater wäre ...

Kim ist fünfzehn und lebt mit ihrer Mutter, ihrem Halbbruder Geoffrey und ihrem ehrgeizigen Stiefvater Heiko zusammen. Vor allem zu letzterem hat sie keine gute Beziehung, da sie glaubt, ihr Vater wäre seinetwegen weg, als sie zwei war. An ihn hat sie keinerlei Erinnerung, kennt ihn nur von einer verblichenen Fotografie. Obwohl Kim alles hat, geht es ihr in der Familie nicht gut, sie findet einfach keine Beachtung und in einem Moment, in dem sie die Kontrolle verliert, passiert etwas Schreckliches. So findet sie sich nach einem kurzen Klinikaufenthalt am Bahnhof Duisburg wieder, wo ihr Vater sie abholen soll, damit sie bei ihm die Sommerferien verbringt. Total enttäuscht von seinem ersten Eindruck, denkt sie an Flucht, doch erpicht auf Antworten begleitet sie den erfolgreichen Vertreter bei seinen Touren und merkt, dass sie doch ein ganz gutes Team sind.

Das Cover ist sehr gewöhnungsbedürftig und strahlt zu hundert Prozent den Charme der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts aus. In ähnlichem Design gab es in unserem Haus eine Tapete. Man verbindet diese optische Entgleisung mit den Markisen. Auch das Vorsatzpapier im Inneren des Buches zeigt ein eigenwilliges Design. Später erfährt man dann, dass dies tatsächlich die Markisen im Angebot des Vertreters und Vaters Papen sind.

Die Geschichte gefiel mir zunächst ganz gut. Bis auf die Katastrophe am Anfang verläuft sie sehr ruhig, aber nicht langweilig. Kim ist ein verwöhntes, aber auch einsames Mädchen, das unter den Familienverhältnissen leidet. Allerdings scheint sie auch nicht die schlaueste zu sein. Für ihr Leben hat sie keinerlei Pläne. Die braucht sie auch nicht, denn Geld ist im Überfluss vorhanden. So wirkt die Protagonistin leider etwas arrogant.

Ihr leiblicher Vater Papen hingegen kommt sehr weltfremd rüber. Seit Jahren versucht er vergeblich, rollenweise Markisen aus den 70ern im Ruhrgebiet zu verkaufen. Er wohnt und arbeitet in derselben Lagerhalle und hat keine großen Ansprüche, was ihn dann schon wieder sympathisch macht. Bei Kim und ihrem Vater prallen Welten aufeinander und es ist ganz witzig zu verfolgen, wie sie sich dennoch näher kommen. Zudem spielen ein paar kauzige Typen aus dem Umfeld eine Rolle.

Soweit ist das Buch eigentlich ganz nett gemacht, man erschwindelt sich nach und nach unerhört viele Kaufverträge und alles scheint gut zu sein. Dann versucht der Autor aber unnötigerweise durch eine Schuld, die in der ehemaligen DDR entstand, seinem Buch mehr Anspruch und Tiefe zu verleihen und macht für mich damit mehr kaputt, als er gewinnt. Und vor allem an Ende ist mir das Ganze dann einfach zu überzogen. Ein glaubwürdiger Abschluss hätte mir besser gefallen.

Wegen des unnachahmlichen Ruhrpott-Sommerflairs, gebe ich dem Buch dennoch 4 Sterne.

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