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Veröffentlicht am 11.12.2024

Flucht vor dem Holocaust

Suche liebevollen Menschen
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"Du sollst kein Täter sein, du sollst kein Opfer sein und niemals, unter keinen Umständen, ein Zuschauer." (Yehudi Bauer)

1938 versuchten viele jüdischer Eltern in Wien ihre Kinder vor den Nazis in Sicherheit ...

"Du sollst kein Täter sein, du sollst kein Opfer sein und niemals, unter keinen Umständen, ein Zuschauer." (Yehudi Bauer)

1938 versuchten viele jüdischer Eltern in Wien ihre Kinder vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Einige gaben im Manchester Guardian Kleinanzeigen auf, um ihre Kinder nach England zu vermitteln.

Wie grauenhaft muss es sein, sein eigenes Kind in einer Kleinanzeige wie ein Ware anzupreisen, in der Hoffnung, das jemand es retten wird. Wie belastend muss es im Gegenzug für die Kinder gewesen zu sein, zu wissen dass die Eltern den Anschluss ans Reich vermutlich nicht überleben werden.

Tatsächlich gab es Menschen, die Kindern so zur Rettung verholfen haben.

Diese einschneidenden Erlebnisse und Erfahrungen haben die Kinder lebenslang geprägt. Robert Borger (der Vater des Autors) hat seine Geschichte zu Lebzeiten nie erzählt, er war traumatisierte und litt lebenslang. Seine Qualen haben die Familie belastet, auch wenn sie den Grund nicht kannten. Nach seinem Selbstmord sagte seine englische Ziehmutter: "Robert war das letzte Opfer der Nazis, zum Schluss haben sie ihn doch noch gekriegt.". Die Last der Überlebenden, ihre Schicksale und auch die Verantwortung, die sie teils für ihre Familien übernahmen waren immens. Das Verständnis und die Fürsorge für Fliehende ist damals wir heute unzureichend.

Julian Borger stieß durch Zufall im Archiv auf die Annonce, mit der seine Großeltern ihr Kind nach England vermittelten. Dies gab den Anstoß für weitreichende Recherchen zur eigenen Familiengeschichte. In diesem Buch stellt er das Schicksal seines Vaters vor, aber auch das von weiteren Annoncenkindern. Seine Nachforschungen haben Erstaunliches zu Tage gebracht und er hat die Schicksale hier einfühlsam vorgestellt, aber auch viele historische Fakten gekonnt mit eingeflochten.

Eine bedrückende aber wichtige Lektüre. Aufgrund der Flüchtlingssituation in unserm Land leider auch sehr aktuell. Hier wird spürbar, dass die Versorgung mit Wohnung, Nahrung und Kleidung keinesfalls ausreichend für die Kinder und Jugendlichen ist, die hier alleine ankommen.

Ich wünsche diesem Buch sehr viele Leser und auch den Einsatz in Schulen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

über Freundschaft und Mut

Wie man einen Bammel auf Hosentaschengröße schrumpft
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Seit ungefähr immer sind Elli und Jaro schon beste Freunde. Praktischerweise wohnen sie in demselben Haus. Sie gehen auf eine Schule, besuchen aber unterschiedliche Klassen. Im Geheimversteck auf dem ...


Seit ungefähr immer sind Elli und Jaro schon beste Freunde. Praktischerweise wohnen sie in demselben Haus. Sie gehen auf eine Schule, besuchen aber unterschiedliche Klassen. Im Geheimversteck auf dem Dachboden schmieden sie gerne Pläne. Nun wollen sich beide ihren Ängsten stellen. Jaro hat Angst vor Hunden und Elli mag nicht ins tiefe Wasser gehen. Die Aktionen zur Bewältigung verlaufen nicht ganz glatt. Die Freundschaft der Beiden wird auf die Probe gestellt, als Tami im Haus einzieht.

Eine sehr warmherzige Geschichte, die Friedel Morgenstern sehr gut eingelesen hat. Die Probleme der Kinder sind nachvollziehbar und realistisch. Elli gibt die Richtung in dieser Freundschaft an. Jaro möchte das so nicht und Elli muss dies ersteinmal verstehen und anerkennen. Das Tami in diese Situation platzt ist, macht die Sache nicht einfacher und außerdem wird Elli bald große Schwester, denn ihre beiden Mütter bekommen ein Kind.

In dieser Geschichte finden viele Themen (Angst, Überwindung, Mut, Freundschaft, Verrat, Streit, Vertragen, Schwangerschaft, neue Geschwister, Familienkonstellationen, Umzug, Tiere, Neustart, Diversität) sehr selbstverständlich nebeneinander Platz und sie werden gut bearbeitet. Einiges taucht auch nur als Selbstverständlichkeit am Rande auf, was völlig i.O. ist, denn so sollte es auch sein. Der Verlauf der Geschichte ist nachvollziehbar und das Ende ist warmherzig und zeigt, welche Grenzen man gemeinsam, mit Freundschaft und gutem Willen überwinden kann.
Uns hat das Hörbuch sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Campingkrimi

Mord im Himmelreich
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Andreas Winkelmann startet mit diesem Buch in eine neue Krimireihe, die sich eher im cosy-crime ansiedelt und dessen Protagonist überzeugter Camper ist.

Björn Kupernikus lernt die Künstlerin Annabelle ...

Andreas Winkelmann startet mit diesem Buch in eine neue Krimireihe, die sich eher im cosy-crime ansiedelt und dessen Protagonist überzeugter Camper ist.

Björn Kupernikus lernt die Künstlerin Annabelle Schäfer auf dem Campingplatz Himmelreich kennen, als sie ihn um Hilfe bittet. Er soll einem Hund helfen, der auf einem SUB im Wasser treibt. Unter dem SUB entdecken sie einen Toten. Die herbeigerufene Polizei bleibt eher blass und mit einigen Macken im Hintergrund. Kupernikus, ein ehemaliger Schauspieler, der immer davon geträumt hat einen Tatortkommissar zu spielen, übernimmt mit Annabelle Schäfer den Fall.
Die Ermittlungen laufen nicht besonders zielgerichtet ab, aber Kupernikus zieht schlussendlich die richtigen Folgerungen.

Die Figuren sind schon ein wenig schräg. Die Zuckungen des Kommissars, die überspannte Künstlerin und der behäbige Exschauspieler werden ausführlich vorgestellt, für einen Reihenstart nicht ungewöhnlich, aber dadurch sind einige Längen entstanden.
Charles Rettinghaus, hat das Hörbuch routiniert eingelesen, er spielt ebenfalls eine größere Nebenrolle.
Mir ging die überkandidelte Annabel, für die der Sprecher eine extra Stimme bereit hielt, nach einiger Zeit auf die Nerven. Ansonsten kann man diesen Fall gut nebenbei hören. Der einfache Humor und die Atmosphäre waren leicht und unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Facettenreich

Lupus
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Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, dem angekündigten Themenmix konnte ich nicht widerstehen.
Das Buch liest sich gut und wartet mit zahlreichen Themen auf, die die Handlung aber leicht überfrachten. ...

Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, dem angekündigten Themenmix konnte ich nicht widerstehen.
Das Buch liest sich gut und wartet mit zahlreichen Themen auf, die die Handlung aber leicht überfrachten.

Ein Jäger verschwindet spurlos, ein anderer wird tot unter einem Hochsitz aufgefunden. Wölfe werden immer aggressiver, ein Staatsanwalt und eine Amtstierärztin sind in die aktuellen Fälle verwickelt. Ihre Familien sind zudem in vertuschte Vorkommnisse der Vergangenheit verstrickt, die in die Nazizeit zurück reichen, sich in der DDR fortsetzen und nun ans Tageslicht drängen. Die tragischen Geschichten aus der Vergangenheit konnten nicht ganz begraben werden. Eine Liebesgeschichte als Topping gibt es auch noch.

Durch die kurzen Kapitel und den Schreibstil kann man das Buch flott lesen. Rückblenden sorgen für die nötige Neugierde, aber auch Erkenntnisse. Durch die vielen Themen: Jäger, Wölfe, KI, Nazi-Zeit mit ihren Rückzüchtungsversuchen, DDR, aktuelle Wolfsproblematik, Tierschutz, Familiengeschichten, Liebesbeziehung war es etwas überfrachtet, aber letztendlich rutschte alles an den rechten Fleck. Nicht alles erschien mir ganz nachvollziehbar, aber das tat der Spannung bis auf ein paar kleine Längen eigentlich keinen Abbruch. Das Thema KI fand ich sehr gelungen umgesetzt, die Probleme in der Firma und den Umgang damit fand ich realistisch.

Die ungewöhnliche Geschichte hat mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Klassiker als Graphic Novel

Agatha Christie Classics: Hercule Poirots Weihnachten
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Die Vorlage zu diesem Graphic Novel ist der 24. Kriminalroman von Agatha Christie, der unter demselben Titel veröffentlicht wurde.
Diese Umsetzung ist sehr gut gelungen.

1937 feiert Simeon Lee mit seiner ...

Die Vorlage zu diesem Graphic Novel ist der 24. Kriminalroman von Agatha Christie, der unter demselben Titel veröffentlicht wurde.
Diese Umsetzung ist sehr gut gelungen.

1937 feiert Simeon Lee mit seiner Familie und Gästen in Gorston Hall Weihnachten. Für den garstigen Alten endet dieses Fest tödlich. Hercule Poirot ist in der Nähe, da er einen Freund besucht. Er bietet seine Hilfe an und ermittelt in gewohnter Weise drauf los. An Verdächtigen mangelt es nicht. Simeon hat sich zu Lebzeiten viele Feinde gemacht.

Die Bilder geben die Zeit und die unterschiedlichen Personen mit ihren Emotionen gekonnt wieder, kleine Eigenheiten sind prägnant herausgearbeitet und der Wiedererkennungseffekt hilft bei der Vielzahl der Personen.
Der Graphic Novel beschränkt sich auf das Wesentliche und ist sehr unterhaltsam und spannend zu lesen und anzuschauen. Die winterliche Atmosphäre und der Tatzeitpunkt passen super in die Vorweihnachtszeit.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen.

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