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Veröffentlicht am 19.07.2024

Wie man einen Stern umarmt

Komm, wir trösten den kleinen Stern
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Dieses Bilderbuch wirkt über seine reiche, farbenprächtige, wunderschöne Illustration. Die Bilder sind großflächig und es gibt immer wieder neue spannende Dinge zu entdecken, so dass das erneute Anschauen ...

Dieses Bilderbuch wirkt über seine reiche, farbenprächtige, wunderschöne Illustration. Die Bilder sind großflächig und es gibt immer wieder neue spannende Dinge zu entdecken, so dass das erneute Anschauen und Vorlesen nicht eintönig wird. Die Geschichte wird in Reimen erzählt, was uns gut gefiel.

Es geht um einen kleinen traurigen Stern, der sich eine Umarmung wünscht. Schnipsel und sein Hängebauchschwein Rolf wollen gerne helfen, aber das gestaltet sich natürlich nicht so einfach. Mutig versuchen sie Lösungen zu finden.

Die Geschichte zeigt Kindern wie wichtig Freundschaft und Zugewandheit ist. Es ist nicht schön, wenn jemand alleine ist. Offenheit und eine Umarmung sind ein Geschenk, das glücklich machen kann. Auch das Thema Diversität wird aufgegriffen, ohne viel Tamtam, sondern nebenbei, als etwas alltägliches.

Das Bilderbuch hat eine moderne Botschaft und ist wunderschön anzusehen. Uns gefällt es sehr und wir empfehlen es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 19.07.2024

Agathes Leidensgeschichte

Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens
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Gabriele Reuter schildert in "Aus guter Familie" den Lebensweg von Agathe Heidling. Sie ist eine Tochter aus guter Familie. Ende des 19. Jahrhd. ist der Lebensweg damit fest und in engen Bahnen vorbestimmt. ...

Gabriele Reuter schildert in "Aus guter Familie" den Lebensweg von Agathe Heidling. Sie ist eine Tochter aus guter Familie. Ende des 19. Jahrhd. ist der Lebensweg damit fest und in engen Bahnen vorbestimmt. Sie soll heiraten und Kinder bekommen, Bestimmen und Mitentscheiden ist unerwünscht. Die Geschichte beginnt mit Agathes Konfirmation. Das Fest wird detailliert beschrieben. Für mich war der Einstieg etwas schwer. Auf einen Klassiker mit der Ausdrucksweise seiner Zeit hatte ich mich eingestellt, aber an die rührseligen Gedanken und das devote Verhalten Agathes musste ich mich erst gewöhnen. Agathe versucht es allen recht zu machen und scheitert. Durch ihre Freundin Eugenie wird der erfolgreiche Part als Gegensatz zu Agathe sichtbar, wobei Eugenies "Erfolge" u.a. auch zu Lasten Agathes gehen, somit ist es eine fragwürdige Freundschaft. Die Hilfe, die Agathe in dieser Zeit zu Teil wurde, ist schwerlich als solche einzustufen. Tragisch.

Reuter schildert Agathes Lebensweg und es ist aus heutiger Sicht schwer zu ertragen, wie es ihr erging. Man erhält bei der Lektüre einen guten Einblick in die Zeit, die Anschauungen und Lebensumstände. Frauen hatten damals nichts zu melden, heute ist dies immer noch verbesserungswürdig, aber deutlich besser. Agathe zerbricht letztlich an den Umständen, das ist schmerzhaft. Obwohl sie mir nicht sympathisch war, habe ich gerne an ihrer Geschichte teilgenommen und mit ihr gehadert. Für die Zeit sicherlich kein untypisches Schicksal.

Der Reclam Verlag hat mit diesem Buch einen vergessenen Klassiker wiederbelebt. Das Buch erschien 1895 erstmals und machte die Autorin damals berühmt. Schön, dass sie nun wiederentdeckt werden kann.

Ein lesenswertes Zeitzeugnis, das die Rolle der Frau in der wilhelminischen Zeit gut darstellt.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

lebendige Begegnungen

Mit leuchtenden Augen
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Florian Vogt lässt 40 Frauen und Männer erzählen, wie es war, als sie Jesus begegnet sind. In chronologischer Reihenfolge hat der Autor diese Personen quasi zum Leben erweckt. Sie erzählen aus der Ich-Perspektive ...

Florian Vogt lässt 40 Frauen und Männer erzählen, wie es war, als sie Jesus begegnet sind. In chronologischer Reihenfolge hat der Autor diese Personen quasi zum Leben erweckt. Sie erzählen aus der Ich-Perspektive authentisch, lebendig, direkt in einer modernen Sprache, wie sie ihre Begegnung erlebt haben. Sie lassen uns an ihren Gefühlen und Erkenntnissen teilhaben. Diese Geschichten sind relativ kurz, man kann sie als Andacht für sich alleine lesen, aber auch in der Gruppe verwenden. Jede Geschichte endet mit einem grauen Kasten "zum Weiterdenken" in dem sich Fragen und Impulse zum Weiterdenken befinden. Am Ende des Buches finden sich noch einige Anregungen, wie die Texte in Gruppen verwendet werden können. Sehr schön fand ich hier die Ermutigung von sich selbst zu reden, anstatt von allgemeingütigen Wahrheiten. "Was berührt mich an der Geschichte?" ist wesentlicher als "Wie ist das zu verstehen".

Durch die Perspektive und moderne Sprache sind die einzelnen Geschichten sehr ansprechend, wirken authentisch und berührend. Sie lassen sich schnell lesen, laden aber auch zum Innehalten und Überlegen ein. Viele Berichte fand ich sehr ansprechend. Die Syrophönizierin brachte Jesus zum Umdenken, er wuchs durch diese Begegnung ebenfalls, das war schon etwas besonders. So hatte ich diese Geschichte noch nie betrachtet. Ein Freund fand durch die Petrus Erzählung Bestätigung. "Glauben ist immer Risiko. Immer! Ist immer ein Loslassen von Sicherheiten. Ist immer ein Einlassen auf etwas ganz Anderes, auf etwas, das ich nicht im Griff habe - denn wenn ich es im Griff hätte, dann müsste ich ja nicht glauben." Ein neuer Blickwinkel auf Vertrauen und auch auf das Zweifeln tat sich auf.

Mir haben die Texte ausnahmslos gut gefallen. Ein sehr schönes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

toll

Am Himmel die Flüsse
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Das neue Buch von Elif Shafak habe ich sehnsüchtig erwartet, nach dem sie mich mit "Das Flüstern der Feigenbäume" so begeistern konnte. Mühelos hat sie mich wieder auf eine spannende Reise mitgenommen. ...

Das neue Buch von Elif Shafak habe ich sehnsüchtig erwartet, nach dem sie mich mit "Das Flüstern der Feigenbäume" so begeistern konnte. Mühelos hat sie mich wieder auf eine spannende Reise mitgenommen.
Diesmal verbindet sie Schicksale aus unterschiedlichen Jahrhunderten über das Thema Mesopotamien, Jesiden und Wasser. Mit den Jesiden und dem Wasser bringt die Autorin eine schmerzhafte Aktualität in die Handlung.

Arthur, ein armer Junge aus dem London des 18 Jahrhunderts, erlebt aufgrund seiner Begabung einen besonderen Werdegang, der Narin, ein jesidisches Mädchen 2014 am Tigris streifen wird. 2018 erlebt die Wasserforscherin Zaleekhah ein familiäres Desaster in London und muss ihr Leben neu ordnen.
Und dann ist da noch das Wasser selbst, das sich in einem steten Kreislauf befindet und immer wieder auf die Erde zurückfindet.
Shafak erzählt ruhig und sprachlich schön eine berührende Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln und Zeiten, die sich zu einem beeindruckenden Ganzen verbinden, die Themen Genozid, Vorurteile, Klima, Menschlichkeit und Familie werden gekonnt mir eingearbeitet.
Mir hat das Buch ausgezeichnet gefallen.

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Veröffentlicht am 09.07.2024

Kampf gegen Nazis

Wir waren nur Mädchen
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Es handelt sich hier um einen historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht.
1940 studiert Hannie Schaft Jura in Amsterdam. Der Krieg verursacht immer stärkere Einschnitte, das Leben gestaltet ...

Es handelt sich hier um einen historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht.
1940 studiert Hannie Schaft Jura in Amsterdam. Der Krieg verursacht immer stärkere Einschnitte, das Leben gestaltet sich zunehmend schwieriger. Hannie lernt während einer Feier ihre späteren guten Freundinnen kennen. Die Jüdinnen Philine und Sonia werden zu wichtigen Bezugspersonen für sie und als der Terror der Nazis zunimmt, versucht sie ihnen zu helfen. Dies gestaltet sich schwieriger, als zunächst gedacht und fordert von allen Beteiligten Opferbereitschaft und Disziplin. Hannie stolpert durch diese Hilfe und ihre Haltung eher zufällig in die Widerstandsbewegung, in der sie später eine wichtige Rolle übernimmt und zur Galionsfigur wird. Dieser Weg hat auch Einfluss auf ihre Familie.
Die Autorin erzählt aus Hannie Sicht, so dass man sich alles gut vorstellen kann und Emotionen geweckt werden. Dies lässt im mittleren Teil des Buches etwas nach, hier gibt es kleine verschmerzbare Längen und die Entwicklung Hannie ist nicht ganz nachvollziehbar. Gegen Ende dreht sich das aber noch einmal und es wird bewegend. Ein informatives Nachwort rundet das Buch gekonnt ab. Lesenswert

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