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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2023

Wirklich frei?

Endlich frei
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Den autobiografischen Roman von Betty Mahmoody „Nicht ohne meine Tochter“ fand ich vor vielen Jahren sehr spannend. Hier erzählt die Tochter Mahtob nun von ihrem Leben. Ich war gespannt, wie es ihr ergangen ...

Den autobiografischen Roman von Betty Mahmoody „Nicht ohne meine Tochter“ fand ich vor vielen Jahren sehr spannend. Hier erzählt die Tochter Mahtob nun von ihrem Leben. Ich war gespannt, wie es ihr ergangen ist, was aus ihr geworden ist und wie sie die schrecklichen Erlebnisse verarbeitet hat.

Sie erinnert sich an ihrer gemeinsame Familienzeit in den USA und die Reise nach Teheran, die ihr Leben so entscheidend veränderte. Das Leben dort war gänzlich anders, eine völlig andere Kultur, dazu die Bombenangriffe durch den Iran und die strengen Vorschriften, die durch die Islamische Revolution eingeführt und überwacht wurden. Für ein Kind auch ohne die drastische Veränderung des Vaters in einen gewalttätigen Despoten sicher traumatisch.

Nach der geglückten Flucht lebte sie einige Zeit unter einem anderen Namen, um einer befürchteten Entführung durch den Vater oder dessen Familie zu entgehen. Die Veröffentlichung des Buches der Mutter machte die Familie berühmt und sorgt auf diese Weise für einen gewissen öffentlichen Schutz. Sie wurde von der Mutter zu vielen offiziellen Veranstaltungen mitgenommen und führte ein privilegiertes Leben. Später erkrankte sie an Lupus, einer Autoimmunerkrankung, die sie in München behandeln ließ. Sie machte den Bachelor in Psychologie und interessierte sich hier besonders für Resilienz, weil sie diese bei sich auch sehr stark sieht.

Kontaktaufnahmen des Vaters hat sie stets verweigert, ihre persischen Wurzeln lebt sie aber nach eigenen Angaben mit typischen Festen.

Mathob ist tief gläubig, was sehr stark in dem Buch mitschwingt, ihr Glaube hat ihr stets Kraft gegeben.

Der erste Teil war aufgrund der Handlung spannend, obwohl dieser Teil bekannt war. Danach erzählt sie sehr selektiv, verschweigt Vieles, bzw. deutet nur an. Das Buch bekommt hier viele Längen, da sie sich sehr um sich selbst dreht, dabei beweihräuchert sie sich und ihre Mutter sehr.


Einiges erschien mir nicht glaubwürdig, u.a: Kinder erinnern i.d.R. nicht so genau so viele frühe Kindheitsbegebenheiten doch Mahtob schildert detaillierte Erlebnisse vor der Reise in den Iran. Dass sie als Fünfjährige, die von der Mutter isoliert und vom Vater bedroht wurde aus dem christlichen Glauben, den sie verheimlichen musste, so immense Kraft schöpfen konnte, erscheint wenig kindlich. Auch dass sie nach der Flucht in den USA soviel Interviews als Acht- und Neunjährige gab ohne von einer Bezugsperson begleitet zu werden, kam mir komisch vor. Sonst wurde sie überbehütet. Dass sie den vielen intensiven Nachfragen nach den Namen der Helfer nicht nachgab, ist wirklich ein Wunder.

Auf mich macht die Autorin keinen gefestigten sicheren Eindruck, sie scheint die Erlebnisse im Iran, aber auch die anschließenden in den USA nicht richtig verarbeitet zu haben. Sie scheint sich Vieles schön zu reden, kreist um sich selbst und ergötzt sich auch an ihrer eigenen Person. Andere Meinungen kann sie nicht gut akzeptieren. Einem Nennonkel, der ihre Situation und ihr Verhalten anders einschätzt und hinterfragt, schneidet sie jahrelang. Als sie ihre Meinung später ändert beschönigt sie wieder alles. Diese Superlative sind in der Wiederholung ohne Handlung am Ende etwas anstrengend.

Dennoch fand ich das Buch im Nachgang schon interessant, es zeigt wie es von einem Elternteil entführten Kindern geht und was sie für Ängste mit sich tragen bzw, verarbeiten müssen. Dass der Glaube eine Stütze und Hilfe sein kann, glaube ich, aber hier schlug es mir sehr ins Extreme um.
Die Einblicke in das Leben im Iran im Krieg aus der Sicht eines Kindes aber auch die Jugendzeit in den USA wurden gut geschildert. Insgesamt dreht sich die Autorin aber zu viel um sich selbst und verrennt sich oft, da sie nach eigenen Angaben Wissenschaftlerin ist, passt dies nicht richtig zueinander.

Aufgrund der genannten Kritikpunkte gibt es von mir nur drei Sterne

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Veröffentlicht am 25.10.2023

Viele Blickwinkel fließen zusammen

Das ist Alise
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Eine alte Frau, Signe, lebt in einem einsam gelegenen alten Holzhaus an einem norwegischen Fjord. Sie liegt auf der Bank und erinnert sich an ihren geliebten Mann Asle, der vor vielen Jahren losging, um ...

Eine alte Frau, Signe, lebt in einem einsam gelegenen alten Holzhaus an einem norwegischen Fjord. Sie liegt auf der Bank und erinnert sich an ihren geliebten Mann Asle, der vor vielen Jahren losging, um nach seinem Boot zu sehen und dann nie wiederkam. Ihre Trauer, ihre Sehnsucht aber auch eine leise Hoffnung werden deutlich. Sie sinniert, ob er sie verlassen hat oder mit dem Boot verunglückte. Während man dies erfährt wechselt immer wieder die Perspektive: die Frau sieht sich am Fenster stehen und hinausschauen, Feuerholz nachlegen, draußen etc. Dabei ist sie teilweise jünger. Sie sieht Menschen, die vor ihr in dem Haus gelebt haben, die Vorfahren ihres Mannes, die auch Verluste hinnehmen mussten und anders damit umgingen. Während sie dies alles beobachtet, gibt es auch die Stimme ihres Mannes, der teilweise ebenfalls in der Vergangenheit unterwegs ist, sowie die einiger Vorfahren.

Es passiert nicht viel in dieser Geschichte und doch erfährt man Vieles über eine ganze Familienlinie. Alle erlebten drastische Verluste in dieser kargen Gegend und sie gingen unterschiedlich damit um.
An den Erzählstil musste ich mich gewöhnen, konnte mich erst im zweiten Anlauf darauf einlassen. Die monotonen Wiederholungen und abrupten Wechsel hätte mein Deutschlehrer mir angekreidet, sie lesen sich nicht „gefällig“, aber sie wirken sehr intensiv. Das sprachliche Unvermögen der Menschen wird deutlich, das übereinander nachdenken, aber nicht miteinander reden bis es zu spät ist. Durch die vielen Wechsel fließt alles ineinander und spiegelt damit auch die Gegend wieder, in der die Geschichte angesiedelt ist.

Für alle, die exzessive Sprachschleifen aushalten und mit den spröden Emotionen der Figuren umgehen mögen.

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Veröffentlicht am 17.10.2023

Spannend

Tief im Schatten
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Eine toller zweiter Fall für Hanna Ahlander und Daniel Lindskog oben am Polarkreis in Schweden, nahe der norwegischen Grenze. Die Geschichte spielt im Februar und die eisige Kälte dort ist wieder gelungen ...

Eine toller zweiter Fall für Hanna Ahlander und Daniel Lindskog oben am Polarkreis in Schweden, nahe der norwegischen Grenze. Die Geschichte spielt im Februar und die eisige Kälte dort ist wieder gelungen in die Handlung eingebettet und übernimmt eine wichtige Rolle.
Der Krimi kann auch ohne Kenntnis des ersten Teils gelesen werden.

Hinter jeder Fassade kann sich etwas völlig anderes verbergen, als die Oberfläche und der erste Blick vermuten lässt.

Die beiden Ermittler schlagen sich mit rätselhaften Fällen herum: die entstellte Leiche eines Mannes wird gefunden und dann verschwindet die schwangere Frau des Pastors, die auf Medikamente angewiesen ist.

Das Privatleben der beiden Ermittler ist nicht ganz einfach, diese Teile sind auch interessant und nehmen einigen Raum ein.

Durch den packenden Erzählstil kommt man flott durch das Buch. Der Krimi hat mir gut gefallen, es gab einen Spannungsbogen, der sich zum Ende noch deutlich steigerte. Die Wendungen und Perspektivwechsel unterstützten Spannung und Tempo. Ich hoffe nun auf eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 13.10.2023

Durchwachsen

Helle Tage, dunkle Schuld
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Eva Völlers neuer Roman ist ein Genremix aus historischem Roman, Liebesgeschichte und Krimi. Wie immer erzählt die Autorin ihre Geschichte unterhaltsam, wobei sie die Zeit der Handlung lebendig und authentisch ...

Eva Völlers neuer Roman ist ein Genremix aus historischem Roman, Liebesgeschichte und Krimi. Wie immer erzählt die Autorin ihre Geschichte unterhaltsam, wobei sie die Zeit der Handlung lebendig und authentisch darstellt. Die Nachkriegsjahre in Essen sind schwer für den Großteil der Bevölkerung, zerbombte Häuser, Kälte im Winter und Hunger sind schwer zu ertragen. Der Schwarzmarkt blüht, obwohl er auch viele Gefahren birgt.

Der Inspektor Carl Bruns soll den Tod einer alten Frau aufklären, die vermutlich nicht von allein aus dem Fenster fiel. Im Zuge der Ermittlungsarbeiten trifft er seine erste große Liebe wieder, die schnell wieder auflebt. Anne sorgt sich um ihre Schwestern und den kleinen Neffen, ein Geheimnis belastet die aufkeimende Beziehung zu Carl. Es geschehen weitere Morde und ein Verbrechen der Nazis an einer Gruppe Polen scheint auch eine wichtige Rolle zu spielen.
Der Fall mit seinen Verstrickungen und Wendungen hätte spannend sein können, wenn er nicht aufgrund der anderen zahlreichen Handlungsstränge immer wieder in den Hintergrund getreten wäre. Echte Polizeiarbeit habe ich hier leider vermisst. Carl konnte sich die Zusammenhänge teils denken oder erahnen und diese haben sich letztlich bestätigt.
Die Liebesgeschichte zwischen Carl und Anne, aber auch die der Schwestern haben unnötige Längen geschaffen, ebenso wie die Freundschaft zu seiner Exfrau und einem Nachbarsmädchen.
Besonders gut fand ich die Darstellung der Nachkriegszeit, die Nöte der Menschen wurden greifbar.
Der moralische Konflikt Carls hätte noch deutlicher herausgearbeitet werden können. Aufgrund seiner Vergangenheit lehnt er Naziseilschaften ab, die den falschen Männern den Weg in Amt und Würden ebnen. Für ihn gibt es hier keine Grauzonen, in anderer Hinsicht fälscht er aber Beweise, wie es ihm zupass kommt.
Für mich war dieser Roman einfach zu überladen, es gab zu viel Stränge, so dass die Spannung auf der Strecke blieb. Schade, denn die Person Carl Bruns war interessant und empathisch.

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Veröffentlicht am 13.10.2023

Tödlich

Mord im Christmas Express
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Das Cover und der Klappentext haben mich auf dieses Bauch aufmerksam gemacht. Das Versprechen „Ein Weihnachtskrimi, wie Agatha Christie ihn schreiben würde: spannend, skurril und absolut zeitgemäß. …“ ...

Das Cover und der Klappentext haben mich auf dieses Bauch aufmerksam gemacht. Das Versprechen „Ein Weihnachtskrimi, wie Agatha Christie ihn schreiben würde: spannend, skurril und absolut zeitgemäß. …“ lockte mich.

Leider wurden meine so geweckten Erwartungen schwer enttäuscht.
Das weihnachtliche Flair fehlt hier, dass der Zug durch einen Schneesturm fährt und es in der Geschichte gerade Weihnachten ist, reicht nicht aus.

Die im Zug versammelten Menschen sind sehr unterschiedlich, das an sich war gut, da hätte man etwas draus machen können, aber jeder hatte ein Päckchen ungeahnten Ausmaßes zu tragen, was breit ausgewalzt wurde. So entstanden Längen, die das Weiterlesen hinderten. Viele der Entscheidungen konnte ich nicht nachvollziehen. Einige Szenen, u.a. die die sexuellen Missbrauch schildern, sind recht heftig, das hätte ich in einem Weihnachtskrimi so nicht erwartet.
Die Aufklärung des Falls trat zeitweilig sehr in den Hintergrund und war dann unglaubwürdig. Sehr schade, von mir gibt es hierzu leider keine Empfehlung, da lese ich lieber einen Agatha Christie Krimi und werde gut unterhalten.

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