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Veröffentlicht am 15.01.2024

Buchdruck

Die Herrin der Lettern
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Vielen Dank an Frau Keßler für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!



Magdalena Morhart hat es nicht leicht: Eines Tages stirbt unerwartet ihr geliebter Ehemann, der bekannte Drucker. Was soll sie ...

Vielen Dank an Frau Keßler für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!



Magdalena Morhart hat es nicht leicht: Eines Tages stirbt unerwartet ihr geliebter Ehemann, der bekannte Drucker. Was soll sie tun? Den Kopf in den Sand stecken? Wieder heiraten, um abgesichert zu sein? Das Geschäft dem unfähigen und unflätigen Stiefsohn überlassen? In der Ecke sitzen und weinen? Nein, Magdalena ist nicht der Typ Frau, der den Kopf in den Sand steckt. Sie nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und schafft es, die Druckerei am Leben zu halten - doch dann intrigiert der erwähnte Stiefsohn gegen sie und ihre Produkte und zu allem Übel kommt die Pest nach Tübingen...



Als brave Buchwissenschaftlerin aus Mainz muss ich natürlich ein Buch über die erste deutsche Buchdruckerin lesen - und dann ist es noch als spannender historischer Roman aufbereitet! Wirklich eine faszinierende Persönlichkeit und ich finde es äußert bedauerlich, dass ich im Studium nichts von ihr erfahren habe. Es hat mich geradezu beruhigt und erfreut, mich wieder mit all den drucktechnischen Fachbegriffen zu beschäftigen und mit der altertümlichen Herangehensweise an Buchproduktion und -verkauf.

Gar nicht beruhigend war hingegen, wie ich feststellen musste, dass man bei einer historischen Persönlichkeit keinerlei Garantie auf ein zufriedenstellendes Ende oder gar Happy End hat. Das Leben spielt nicht fair, besonders nicht für Frauen in der Geschichte. Von daher war es ein wirklich spannender Stressfaktor, all die Probleme zu erlesen, die Magdalena in nur einem Jahr in den Weg geworfen werden.



Auch die Aufmachung des schlichten Taschenbuches hat mir gut gefallen: Das Cover passt perfekt, jedes Kapitel beginnt mit hängenden Fraktur-Initialen und am Ende gibt es eine ausführliche Erklärung der Autorin zu den historischen Begebenheiten sowie ein Glossar der Druckbegriffe.



Im Gutenberg Museum in Mainz, wo die Buchpremiere stattfand, kann man übrigens bei Führungen selbst eine der alten Druckerpressen bedienen - ich durfte mal an so einem Bengel ziehen und das war wirklich schwierig, auch wenn ich nicht das zarteste Persönchen bin. Doch heute hängt dafür in meiner Bibliothek ein antik-neuer Druck!

Veröffentlicht am 15.01.2024

Schottland

Talus
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Hey, es ist wieder Stichworte-Zeit! Müsst ihr dabei an mich denken?:

~ Hexen

~ Edinburgh

~ Halloween

~ magische Würfel

~ keltische Symbole

Ja? Ich auch!



Also, es geht um Erin (sterbliche Ghost-Tour-Führerin), ...

Hey, es ist wieder Stichworte-Zeit! Müsst ihr dabei an mich denken?:

~ Hexen

~ Edinburgh

~ Halloween

~ magische Würfel

~ keltische Symbole

Ja? Ich auch!



Also, es geht um Erin (sterbliche Ghost-Tour-Führerin), Lu (Hexe) und Noah (übernatürlicher Ermittler) sowie Leo (Kollege - alles andere wäre ein Spoiler). Das Buch ist aus der Perspektive der ersten drei geschrieben und zwar kapitelweise abwechselnd. Dadurch lernt man alle mal kennen und alle Seiten werden persönlich beleuchtet, allerdings sind die Kapitel auch relativ kurz und deshalb wird man ständig wieder rausgerissen. Außerdem ist es ziemlich spannend, dauernd passiert was, keiner der vier hat auch nur einen Moment Ruhe und deshalb nervt es zudem, wenn diese Spannung dann durch andere Perspektiven unterbrochen wird und man warten muss, bis es weitergeht.



Dieser erste Band (wäre nett gewesen, das irgendwo im Klappentext zu vermerken!) ist relativ kurz für einen Fantasy-Schinken, nur 350 Seiten - aber dafür endet er auch völlig offen, mit einem fiesen Cliffhanger, der mich so geärgert hat, dass ich fast keine Lust mehr auf die Fortsetzung hatte.

Etwas verwirrt hat mich das verwendete Gälisch. Ich mache jetzt seit 326 Tagen meinen Duolingo-Schottisch-Gälisch-Kurs und "radan / radain = Ratte/n" habe ich sogar noch hingekriegt. Die "Caradain" erschließen sich mir hingegen nicht, denn das Wort für Freund ist "caraid" (Plural caraidean). Ist das vielleicht irisches Gälisch? Vertippt? Einerseits hat es mich also ungemein gefreut, dass mein Gälisch soweit ist, dass ich das erkannt habe, andererseits dann das Rätseln um Dialekt oder Herkunft oder Fehlerhaftigkeit.



Das klingt jetzt alles ziemlich negativ und der erste Geschmack nach dem Zuschlagen war, wie gesagt, ein schaler. Aber: Es beginnt mit Erin in einem magischen Antiquariat, es geht um eine mystische Unterwelt, um die Edinburgher Vaults, um Hoffnung und Liebe (und zwar ausnahmsweise nicht die kitschige zwischen Teenies) und Geister(geschichten) - perfekt also für alle Edinburgh-, Buch- und Halloweenliebhaber. Die Welt ist ziemlich ausgereift und es würde mich nicht wundern, wenn der
die eine oder andere künftig in Edinburgh besonders scharf in dunkle Gassen lugt, ob sich dort nicht eine Hexenbar befindet. Insgesamt also ideal für einen verregneten Oktobertag - und auf das fiese Ende seid ihr ja jetzt schonend vorbereitet.



"Ein regennasses Mädchen mit Fantasie und Angst im Herzen, das in einem nach Büchern und Tinte riechenden Antiquariat stand und sich hilflos umsah. Das waren die Zutaten, die eine große Abenteuergeschichte brauchte."

Veröffentlicht am 15.01.2024

Schottland

Outlander – Feuer und Stein
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Claire Beauchamp reist, nachdem sie im Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester gedient hat, mit ihrem Mann in die Highlands, um ihre Flitterwochen nachzuholen. Dort stürzt er sich in Ahnenforschungen und ...

Claire Beauchamp reist, nachdem sie im Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester gedient hat, mit ihrem Mann in die Highlands, um ihre Flitterwochen nachzuholen. Dort stürzt er sich in Ahnenforschungen und sie... sich durch ein Zeitloch in einem Steinkreis (der Craigh na Dun ist übrigens fiktiv). Claire landet in den Highlands kurz vor Bonnie Prince Charlies Revolution (Mitte 18. Jhdt.) und muss sich dort ohne Antibiotika und "moderne" Annehmlichkeiten herumschlagen. Natürlich will sie nichts mehr, als zurück in ihre Zeit zu kommen und ihr Leben fortzuführen, doch dann begegnet sie dem unnahbaren Jamie. Als wäre ihre Situation nicht schon kompliziert genug, wird es durch die aufkeimenden Gefühle noch erheblich chaotischer...

Ein wunderschönes Cover ziert diese neue Ausgabe der Outlander-Saga: die Schnalle glitzert silbern und überall auf dem Cover sind geprägte Disteln mit Triquetra verschlungen. In den Klappen ist ein bunter historischer Ablauf des 18. Jahrhunderts.

Auch der Inhalt ist neu: die alte Ausgabe bei Random House war stark gekürzt und dies ist eine vollständige Neuübersetzung, ungekürzt (und das heißt bei diesem Band 1130 Seiten - in der alten Ausgabe 800), inklusive 30 Seiten Bonusmaterial (Interviews, Hintergründe, Kurzgeschichte).


Die Zusammenarbeit von Droemer und Diana Gabaldon hat sich gelohnt: als Schottlandfan bin ich völlig hin und weg. Obwohl es nur wenige Landschaftsbeschreibungen gibt, wird man durch die Einstreuung von spezifischen Kleidungsbeschreibungen, gälischen Koseworten oder historischen Bezügen ständig daran erinnert, in welcher besonderen Gegend dieser Band spielt.

Die Handlung ist ein Pageturner - Claire ist einer dieser Charaktere, die wissen, wie man sich konstant in Schwierigkeiten bringt. Etwas lästig, weil man ihr gerne gegen den Kopf hauen will, aber dafür bleibt es immer spannend.

Die Liebesgeschichte ist etwas zwiespältig. Nachdem Claire gegenüber Jamie etwas auftaut, wandelt sich die Handlung zeitweise von "Abenteuer in den Highlands" zu "50 Shades of Schottland". Dafür enthält es aber auch die lustigste Sexszene, die ich je gelesen habe.

Die schottischen Traditionen und Bräuche werden lebhaft und anschaulich dargestellt und dem modernen Leser eindringlich nahegebracht. Beim Blut-/Hochzeitseid im Anhang hatte ich doch etwas im Auge...


Wem der Wälzer zu dick ist, dem kann ich die Abkürzung über die Serie empfehlen: sie ist sehr nah dran an der Vorlage, bis hin zu wörtlichen Zitaten. Außerdem gibt es jetzt einen Soundtrack, der einen mit Sehnsucht erfüllt. Ich werde also meine nächsten Jahre mit dem Aufholen dieser Serie verbringen und sehr glücklich dabei sein. Meine Empfehlung wäre aber, beides gleichzeitig zu bearbeiten, dann hat man einen kostenlosen Gälisch-Kurs ;)


Informationen zur Serie auf der VOX-Seite, Infos zur Buchreihe in der alten Ausgabe bei Random House, in der Neuausgabe bei Droemer. Droemer wird in den nächsten Jahren alle alten Bände plus die Bände 9, 10 und eine bisher unveröffentlichte Vorgeschichte herausbringen! [Quelle: Buchreport]

"In der gesamten Bibliothek herrschte ein gedämpftes Hochgefühl, als sängen die geschätzten Bände zwischen den Buchdeckeln lautlos vor sich hin."


"Denn wo alle Liebe ist, sind keine Worte notwendig. Sie ist alles. Sie ist unsterblich. Und sie ist genug."

Veröffentlicht am 15.01.2024

Bücher

Meine vielseitigen Geliebten
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Jacques Bonnet ist ein Mann nach meinem Geschmack: er ist Büchersammler und kann daher einiges zum Thema beitragen - was er in diesem dünnen Bändchen auch tut. Erstmals 2009 erschienen legt der Verlag ...

Jacques Bonnet ist ein Mann nach meinem Geschmack: er ist Büchersammler und kann daher einiges zum Thema beitragen - was er in diesem dünnen Bändchen auch tut. Erstmals 2009 erschienen legt der Verlag den Band dieses Jahr als Taschenbuch erneut auf.

Unterteilt sind die Gedankenströme in... ach, schaut doch oben in der Leseprobe nach. Die Einleitung "Pessoa als Bibliothekar" hat sich mir überhaupt nicht erschlossen, ebenso wenig wie Kapitel 6 und 9.

Die ersten 5 Kapitel haben mir sehr zugesagt, ich fand sie inspirierend, habe gelacht und viel genickt, mich und meine mickrigen 600 Bücher (im Gegensatz zu seiner 5-stelligen Bände umfassenden Bibliothek) wiedergefunden. Dies war in der zweiten Hälfte nicht mehr ganz so häufig und ich fand, der Autor redet etwas wirr und am Thema vorbei.

Wer Inspirationen sucht, was er als nächstes lesen soll oder wie er seine Bibliothek (oder CD-Regal) ordnen soll oder einfach gerne Texte über Bücher liest, ist in diesem kurzweiligen Büchlein bestens aufgehoben. Ich habe einige Seiten mit Pagemarkern gezeichnet, was immer ein gutes Zeichen ist und freue mich darauf, in einigen Jahren zu diesem Werk zurückzukehren und vielleicht über eine Neuordnung meiner Bibliothek nachzudenken.



"Gleich nach der Lust, Bücher zu besitzen, kommt das Vergnügen, über sie zu reden. (Charles Nodier)"

Veröffentlicht am 15.01.2024

Abenteuer

Die Elfe vom Veitner Moor
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Es beginnt wie eine klassische Krimifolge: Junge spaziert durch Sumpf, entdeckt was Seltsames und schreit los. Abblende.



Dann werden wir mit Hauptfrau Ayla bekannt gemacht, die ihr gemütliches Leben ...

Es beginnt wie eine klassische Krimifolge: Junge spaziert durch Sumpf, entdeckt was Seltsames und schreit los. Abblende.



Dann werden wir mit Hauptfrau Ayla bekannt gemacht, die ihr gemütliches Leben in der Stadtwache aufgeben und sich mit der Ursache des Schreis befassen muss. Doch wie das bei Abenteuern so ist, geht es hier nicht nur um eine Leiche, denn die Hauptfrau und ihre Gefährtin, die Elfe Saliniome, decken gleich eine riesige Verschwörung auf - die sie dann natürlich auch noch aufhalten müssen. Ganz schön viel Stoff für 300 Seiten!



Ich hatte durchaus schon Kontakt zu DSA, habe aber in der Welt noch nicht gespielt und kenne mich dort nicht aus. Daher kann ich euch hiermit urteilsfrei sagen: Man kann dieses Buch auch völlig ohne Vorkenntnisse dieser Welt lesen! Als Hilfestellung gibt es vorne eine Karte sowie hinten ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen, das habe ich aber nicht benutzen müssen, weil das meiste durch den Kontext klar wird.



Besonders begeistert hat mich der bisexuelle Hauptcharakter und dass die zwei Damen in der Mitte des Lebens stehen (und keine weltrettenden Dreiecks-Drama-Teenies sind). Auch der Krimi-Aspekt ist gut gelungen und ich habe gern bei der Auflösung zugelesen. Wer der Übeltäter war, habe ich schon relativ früh vermutet, aber das Motiv und der Verlauf waren weiterhin unklar. Dadurch ging von der Spannung nichts verloren.



Insgesamt ein wirklich kurzweiliges, abwechslungsreiches und spannendes Abenteuer; den Charakteren würde ich auch noch bei weiteren Fällen zusehen.