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Veröffentlicht am 08.05.2020

Tolle Mischung aus Spannung und Humor!

Mitternachtsstunde 1: Emily und die geheime Nachtpost
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Inhalt & Handlung:
Emilys Mutter ist bekanntermaßen seltsam, doch als sie eines Nachts einen Brief erhält, in dem sie angeblich von ihrem Verwandten um Hilfe gebeten wird, verschwindet sie spurlos. Noch ...

Inhalt & Handlung:
Emilys Mutter ist bekanntermaßen seltsam, doch als sie eines Nachts einen Brief erhält, in dem sie angeblich von ihrem Verwandten um Hilfe gebeten wird, verschwindet sie spurlos. Noch mysteriöser wird die Sache, als einige Tage später auch Emilys Vater auf der Suche nach seiner Frau ebenfalls verschwindet. Noch dazu tauchen beim Haus der Familie zwielichtige Gestalten auf, sodass Emily sich zu Hause nicht mehr sicher fühlt. Zusammen mit ihrem entzückenden „Swinegel“, dem Igel Hoggins macht sie sich auf die Suche nach ihren Eltern und findet sich bald in einer seltsamen Parallelwelt wieder, in der es von Hexen, Dämonen, und Kobolden nur so wimmelt. Ist ihre Mutter vielleicht noch seltsamer als Emily es vermutet hatte? Die Frage, die Emily jedoch am meisten beschäftigt, ist: Vermag sie ihre Eltern retten?

Schreibstil:
Eine sehr originelle Geschichte, bei der der Spannungsbogen von der ersten Seite bis zum Schluss reicht. Sie ist flüssig zu lesen und bedient sich einer schönen Sprache, völlig frei von vermeintlich „hippen“ Jugendjargon.

Charaktere:
Die Protagonistin, die zwölfjährige Emily, hat man als Leser sofort in sein Herz geschlossen: sie ist ein fröhlicher Teenager, der es einfach nicht leicht hat mit seiner exzentrischen Mutter, mit der sie immer wieder in Streit gerät, weil diese sich in Emilys Augen oftmals viel zu peinlich verhält. Dies bringt Emily gleich zu Beginn der Geschichte einen langen Hausarrest ein. Emily ist nicht nur tierlieb, sie ist auch einfach ein Typ zum Pferdestehlen, was sie sehr sympathisch macht. Aus diesem Grund ist es nur naheliegend, dass man mit ihr mitfiebert, wenn sie dieses gefährliche Abenteuer zu bestehen hat.

Cover:
Dieses Cover finde ich sehr hübsch gestaltet, einerseits in recht düsteren Farben gehalten, da sich ja der Großteil der Geschichte in einer düsteren Parallelwelt abspielt, fixiert einen darauf mit wachsamen Augen Emily mit ihrem Igel Hoggins auf der Schulter. Das Beste an diesem Buch merkt man jedoch erst, wenn man abends zu Bett geht und das Licht ausschaltet: Die Titelschrift und die Laternen auf dem Cover beginnen im Dunkeln zu fluoreszieren, sodass ein Hauch Magie über dem Buch liegt!

Autoren:
Dies ist das erste Kinderbuch des Autorenduos Trindles & Read, die bereits auf eine längere gemeinsame Autorenzeit zurückblicken können. Während Benjamin sich um die Worte kümmert, zeigt sich Laura für die Illustrationen verantwortlich!

Meinung:
Ich hatte das Glück, einige sehr tolle Kinderbücher zu entdecken, dies ist definitiv ein Buch dieser Kategorie: es ist ein –nicht nur für Kinder - enorm spannender Fantasy-Roman, der noch dazu sehr geschickt aufgebaut ist, denn man wird lange Zeit darüber im Dunkeln gelassen, welches Geheimnis hinter der ohnehin schon recht schrägen Figur von Emilys Mutter steckt, und welche Bewandtnis es mit den seltsamen Gestalten hat, die plötzlich beim Haus der Familie auftauchen. Man weiß nicht, worauf diese Geschichte hinausläuft und wie sie sich entwickeln könnte, genau das macht sie so spannend! Aber auch der Humor kommt bei dieser Geschichte nicht zu kurz! Dieser erste Band einer hoffentlich längeren Reihe hat mich wirklich verzaubert, dementsprechend hoch ist meine Erwartungshaltung gegenüber den Folgebänden!

Fazit:
Eines steht fest: Wer bereit ist, sich mit Emily auf eine ungewöhnliche und fantastische Reise einzulassen, wird es mit Sicherheit nicht bereuen und dafür mit unglaublich spannenden Lesestunden belohnt werden!

Veröffentlicht am 01.05.2020

Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf?

Wolves – Die Jagd beginnt
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Inhalt & Handlung:
Der pensionierte Detective Sergeant Finlay Shaw ist tot, alles deutet auf einen Suizid hin, da er zuhause in einem von innen verschlossenen Raum aufgefunden wurde, darin sind sich alle ...

Inhalt & Handlung:
Der pensionierte Detective Sergeant Finlay Shaw ist tot, alles deutet auf einen Suizid hin, da er zuhause in einem von innen verschlossenen Raum aufgefunden wurde, darin sind sich alle einig. Einzig WIlliam „Wolf“ Fawkes, den Shaw seinerzeit ausgebildet hatte, und der Shaw seither immer als Mentor und väterlichen Freund angesehen hatte, kann dieser Theorie nichts abgewinnen. Obwohl er aufgrund eigener dienstlicher Verfehlungen bereits so gut wie sicher im Gefängnis sitzt, setzt er alles daran, den Tod seines Freundes restlos aufzuklären, denn er glaubt an Mord. Hat er tatsächlich den „richtigen Riecher“ und steht der Tod Shaws tatsächlich mit einem Drogenfall in Zusammenhang, der für Finlay Shaw vor Jahren der Auslöser für eine steile berufliche Karriere war?

Schreibstil:
Daniel Cole ist als Autor kein Unbekannter in seinem Metier: in gewohnter Manier liefert er auch hier ein sehr spannendes, toll zu lesendes Werk ab, das – für einen Thriller eher ungewöhnlich – viele amüsante Elemente enthält. Man fliegt förmlich über die Seiten, weil die Geschichte einen so mitzureißen vermag. Zudem schafft es Cole in brillanter Weise, den Leser durch geschickt gesetzte, überraschende Wendungen in die Irre zu führen. Die Geschichte wird in zwei Ebenen erzählt, sie spielt einerseits im Jahre 1979, welches das weitere Leben des Opfers in entscheidender Weise prägte, und andererseits in der Gegenwart, welche im Buch das Jahr 2016 ist.

Charaktere:
Die zentrale Figur in diesem Band ist Wolf Fawkes: er ist sehr umstritten, denn in den Vorgängerbänden bewegte er sich weit jenseits der Legalität, in diesem Band jedoch besticht er durch seine unglaubliche Loyalität gegenüber seinem verstorbenen Freund. Verbissen setzt er alles daran, die einhellige Meinung aller Lügen zu strafen und zu beweisen, dass sich Shaw nicht selbst getötet hat, was ihn unglaublich sympathisch macht.

Cover:
Das Cover mit der Detailansicht eines Wolfgesichtes ist ein echter Eye-Catcher, man wird durch den bohrenden Blick des Tieres regelrecht hypnotisiert!

Autor:
Daniel Cole wurde 1983 geboren. Bevor er mit dem Schreiben begann, hat er als Sanitäter, Tierschützer und Seeretter gearbeitet. Cole lebt in Bournemouth in Südengland. Seine Romane sind mittlerweile in 35 Ländern erschienen.

Meinung:
Nach „Ragdoll – Dein letzter Tag und „Hangman – Das Spiel des Mörders“ ist dies der dritte Band einer Thrillerreihe rund um William Fawkes, Emily Baxter, Christian Bellamy und Alex Edmunds. Man sollte sich tatsächlich die Mühe machen, beim Lesen der Bände chronologisch vorzugehen, denn obwohl die drei Bücher unterschiedliche Fälle zum Inhalt haben, bauen sie doch aufeinander auf und beziehen sich aufeinander. Obwohl ich die Vorgängerbücher gelesen hatte, konnte ich mich nur noch in groben Zügen an deren genauen Inhalt erinnern, was mir am Anfang dieses Buches echte Schwierigkeiten bereitete, den guten Einstieg in die Geschichte zu finden. Um dieses Buch wirklich zu 100% zu verstehen, wäre es nötig, die Vorgängerbände knapp aufeinanderfolgend zu lesen, andernfalls läuft man Gefahr, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen nicht zu verstehen, denn gerade dieser Band ist sehr vielschichtig aufgebaut. Ein weiterer Punkt, sich beim Lesen an die Reihenfolge zu halten ist der, dass in den Folgebänden viel über die Lösung der Vorgängerfälle verraten wird und somit den Lesegenuss schmälern wird, da sie diesen spoilern.

Persönliche Kritikpunkte:
Aufgrund meiner massiven anfänglichen Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden, habe ich davon abgesehen, für dieses Buch die Maximalpunkteanzahl zu vergeben.

Fazit:
Ein wirklich toller, spannender, zum Teil auch witziger Thriller, bei dem man auf alle Fälle Kenntnisse der Vorgängerbände haben muss.

Veröffentlicht am 26.04.2020

Jules Verne für die Jugend/Junggebliebene

Das Wolkenschiff
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Inhalt & Handlung:
Der bekannte Wissenschafter Ernest Brightstorm gilt seit seiner Expedition zur Entdeckung und Erforschung Südpolaris als verschollen. Diverse Anschuldigungen über seinen Verbleib lassen ...

Inhalt & Handlung:
Der bekannte Wissenschafter Ernest Brightstorm gilt seit seiner Expedition zur Entdeckung und Erforschung Südpolaris als verschollen. Diverse Anschuldigungen über seinen Verbleib lassen ihn bei der Geografischen Gesellschaft in Ungnade fallen. Um ihren Vater zu suchen, heuern seine beiden Kinder, die Zwillinge Marie und Arthur bei einer Expedition der Forscherin Harriet Culpfeffer an, die ebenfalls nach Südpolaris aufbricht. Eine sehr abenteuerliche Reise ins Fantastische steht ihnen bevor, die ihren ganzen Mut erfordert. Werden die Kinder dabei etwas über den Verbleib ihres geliebten Vaters herausfinden?

Schreibstil:
Der vorherrschende Schreibstil ist einfach, aber dennoch flüssig und spannend zu lesen. Der Leser wird auf diese Weise auf eine abenteuerliche Reise in eine nicht näher ausgeführte Zeit geschickt, und begegnet dort allerhand magischen Wesen. Detailliert werden hier Bilder beschrieben, die einen ins Reich der Fantasie entführen. Immer wieder bekommt die Handlung unvorhersehbare Wendungen, sodass die Geschichte stets sehr spannend bleibt.

Charaktere:
Hauptfiguren sind das Geschwisterpaar Brightstorm: die zwölfjährigen Zwillinge Marie und Arthur zeichnen sich durch unglaublichen Zusammenhalt aus, dabei ergänzen sie sich optimal, wobei die technikaffine Marie besonders auszeichnet: durch ihren Erfindergeist kreiert sie für ihren behinderten Bruder eine Eisenhand, nachdem dieser seine eigene Hand bei einem Unfall verloren hatte. Auch wenn das Schicksal es vorerst nicht allzu gut mit ihnen meint, verlieren sie nie ihren Mut, und sind wild entschlossen, ihren Vater zu finden und seine Ehre als rechtschaffener Forscher wiederherzustellen.

Cover:
Das nostalgische Cover ist mit viel Liebe zum Detail ist wunderschön anzusehen. Auch die grafische Darstellung der einzelnen Kapitelanfänge ist sehr edel ausgeführt.

Meinung:
Bei dieser Geschichte im Stile des Steampunks fühlte ich mich unwillkürlich an Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ erinnert, mit dem kleinen Unterschied, dass diese Geschichte entstaubt ist und wesentlich mehr Pep hat, sodass sie die kleinen Entdecker und Forscher unter den Kindern begeistern wird. Auch wenn die Geschichte vom Inhalt her auch jüngere Leser begeistern könnte, sind einige der angesprochenen Themen wie etwa Intrigen oder Familienzwistigkeiten aus persönlicher Sicht doch eher für ältere Kinder (ab 12 Jahren) geeignet. Besonders positiv hervorheben möchte ich die vielen starken Mädchen- und Frauenfiguren, die in diesem Buch gezeichnet werden: die technikbegeisterte Marie oder die überaus mutige Harriet Culpfeffer, seien hier als Beispiel erwähnt.

Persönliche Kritikpunkte:
Mein Start in diese Geschichte war zugegebenermaßen ein wenig schwierig, denn ich empfand die schicksalhaften Veränderungen im Leben der beiden Zwillinge doch ein wenig zu dick aufgetragen und übertrieben dargestellt.

Fazit:
Ein Buch für junge und junggebliebene Forschergeister, die sich gerne auf eine fantastische Reise mit einer Unzahl an magischen Wesen einlassen wollen!

Veröffentlicht am 22.04.2020

Rocky, der Gangster-Schreck, kehrt zurück

Rocky, der Bankraub und ich oder wie mich ein stinkender Turnschuh reich machte (fast!) - Band 2
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Inhalt & Handlung:
Nachdem Schäferhund Rocky bereits in Band eins aus Altersgründen aus dem Polizeidienst eliminiert worden ist, möchte sich dieser - voll motiviert - ständig beweisen. Er sieht dazu seine ...

Inhalt & Handlung:
Nachdem Schäferhund Rocky bereits in Band eins aus Altersgründen aus dem Polizeidienst eliminiert worden ist, möchte sich dieser - voll motiviert - ständig beweisen. Er sieht dazu seine große Chance gekommen, als er in Begleitung seines Hundesitters, dem Jungen Felix, im Park eine im Gebüsch versteckte Pistole erschnüffelt. Schnell wird klar, dass die Pistole einem berüchtigten Serien-Bankräuber gehören muss, der in der letzten Zeit in der Stadt sein Unwesen treibt. Aber was tun, wenn plötzlich die Pistole verschwindet und einen die Polizei nicht ernst nimmt? Hier ist guter Rat teuer…

Schreibstil:
Die Geschichte wird in kurzen Abschnitten mal aus der Sicht des Jungen Felix, dann wieder aus der Sicht des Hundes erzählt. Wie man sich denken kann, ist die Einschätzung ein und derselben Situation oft ziemlich konträr, was zum Teil zu Missverständnissen zwischen Hund und Jungen führt. Das sorgt wiederum beim Leser immer wieder für Schmunzeln! Zudem ist die Geschichte flüssig zu lesen und bedient sich einer sehr kindgerechten Sprache, die jedoch gänzlich auf nervenden „pseudo-hipen“ Jugendjargon verzichtet, was ich beim Lesen als sehr angenehm empfand!

Charaktere:
Hauptprotagonisten sind einerseits der Polizeihund Rocky, andererseits Felix, der tageweise auf Rocky aufpassen darf, wenn dessen Herrchen, der Polizist Herr Bergmann, beruflich verhindert ist. Rocky war viele Jahre als Spürhund im Polizeidienst im Einsatz, wurde allerdings nach der letzten nicht bestandenen Spürhundprüfung von polizeilicher Seite in den Ruhestand versetzt, was der Hund jedoch nicht verstehen kann.
Felix hingegen ist ein ganz normaler Junge, der es hasst, wenn er irgendwo im Mittelpunkt steht, zudem ist er in der Schule nicht gerade gut, besonders Mathematik bereitet ihm große Schwierigkeiten. Dementsprechend groß sind dadurch auch die Probleme, die er mit seinem Mathe-Lehrer, Herrn Teufel, hat.

Cover:
Das Cover ähnelt dem des ersten Bandes, sodass man auf den ersten Blick erkennt, dass es sich bei diesen Büchern um eine zusammenhängende Serie handelt. Das Cover ist auch diesmal mit kindlichen Motiven auf sehr amüsante Weise illustriert. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass hier die gesamte Geschichte grafisch aufgearbeitet wird – was man allerdings erst nach dem Lesen des Buches realisiert, denn erst dann vermag man auch die kleinen Details richtig zu deuten.

Autor:
Nach mehrjähriger Arbeit auf dem „Schulschiff Deutschland“ studierte Fritz Fassbinder Nachrichtentechnik, danach widmete er sich mehreren Projekten und Entwicklungstätigkeiten für eine Spacelab-Mission der ESA. Heute arbeitet er für das Innenministerium im Polizeiumfeld und ließ sich davon auch zu seinem ersten Kinderbuch mit Krimihandlung inspirieren.

Meinung:
Aufgrund des tollen ersten Bandes wurde die Erscheinung des zweiten von uns bereits mit Spannung erwartet, und gleich vorweg: wir wurden auch diesmal nicht enttäuscht! Auch hier handelt es sich um ein wirklich spannendes, toll geschriebenes Kinderbuch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte! Sehr gelungen finde ich auch den ständigen Perspektivenwechsel zwischen Hund und Jungen: Während Felix seine Sicht im Präteritum erzählt, erlebt der Hund alles in der Gegenwart, dadurch spiegelt sich dessen „Leben im Jetzt“ sehr schön wieder: Vergangenes und Zukünftiges sind ihm einerlei, für ihn zählt immer nur, sein Herrchen mit seinem Verhalten im Hier und Jetzt zufriedenzustellen und dafür eventuell auch das eine oder andere Leckerli abzusahnen.
Die Geschichte selbst beinhaltet alles, was ein gutes Kinderbuch ausmacht: Einerseits greift sie Themen auf, die Heranwachsenden aus dem eigenen Alltag nur allzu vertraut sind wie Mobbing, Schulprobleme, Probleme mit den Eltern, und der damit verbundenen oftmaligen Unsicherheit im Leben eines Teenagers. Andererseits hält sie aber auch Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt, und Hilfsbereitschaft hoch, auch die Liebe zum Tier und das gemeinsame Zusammenwirken zwischen Tier und Mensch haben hier große Bedeutung. Das Wichtigste jedoch ist, dass hier eine wirklich spannende und amüsante Detektivgeschichte erzählt wird!
Am Ende der Geschichte findet sich ein kurzes Nachwort, welches interessante Informationen über Hunde und Spürhunde im Speziellen beinhaltet. Dadurch werden Fragen, die man sich beim Lesen eventuell stellt (und deren Beantwortung innerhalb der Geschichte vielleicht fehl am Platz gewesen wäre und zudem oberlehrerhaft gewirkt hätte), letztlich doch noch profund beantwortet.

Fazit:
Ein wirklich entzückendes Kinderbuch, das zugleich witzig und spannend geschrieben ist, und durch das man auch ganz nebenbei sehr viel Wissenswertes über Hunde erfährt.

Veröffentlicht am 08.04.2020

Was ist „normal“?

Die Tanzenden
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Inhalt & Handlung:
Paris, gegen Ende des 19 Jahrhunderts. Die Aufgabe der Frau ist es, sich dem Mann unterzuordnen und nicht aufzufallen. Wer sich nicht an die Norm hält, läuft Gefahr, in die gefürchtete ...

Inhalt & Handlung:
Paris, gegen Ende des 19 Jahrhunderts. Die Aufgabe der Frau ist es, sich dem Mann unterzuordnen und nicht aufzufallen. Wer sich nicht an die Norm hält, läuft Gefahr, in die gefürchtete „Salpêtrière“, der Nervenheilanstalt von Paris, in der der renommierte Neurologe Jean-Martin Charcot wirkt. Hier landen viele Frauen, derer die Gesellschaft überdrüssig geworden ist: Prostituierte, Bettlerinnen, nach Vergewaltigungen schwer traumatisierte Frauen, oder aber auch jene Freigeister, deren Familien sich für ihr fortschrittliches Auftreten schämen. Hier in der Salpêtrière einmal mit der Diagnose „Hysterie“, „Epilepsie“, „Melancholie“ konfrontiert, sind diese Frauen als „verrückt“ gebrandmarkt und werden hier zumeist für ihr restliches Leben, vor der „gesunden“ Bevölkerung weggesperrt. So auch Eugénie, deren Vater sie eigenhändig einweisen lässt, weil sie angeblich die Fähigkeit hat, mit Toten zu sprechen. Um seinen guten Ruf in der Gesellschaft zu wahren, entledigt er sich ihrer auf diese Weise. Eugénie trifft hier auf die Krankenschwester Geneviève, die seit vielen Jahren ihren Dienst in der Salpêtrière versieht und sich einen guten Ruf als „Oberaufseherin“ der Abteilung gemacht hat.

Schreibstil:
In ihrem Erstlingswerk besticht die junge Französin Victoria Mas mit einer sehr leichten, fast schon melodiösen Schreibweise, die im krassen Gegensatz zu dem oft sehr deprimierenden Inhalt steht. Schonungslos werden hier die für die damalige Zeit gängigen Methoden in der Nervenheilanstalt beschrieben, und die Ungerechtigkeiten, die sämtlichen Insassinnen widerfahren.
Interessant der plötzliche Perspektivenwechsel: ab dem Zeitpunkt, ab welchem bei einer Frau „Hysterie“ oder Ähnliches als Diagnose im Raum stand, wurde diese nur noch als Geisteskranke oder Irre bezeichnet!

Charaktere:
Man trifft hier auf etliche sehr unterschiedliche Charaktere, hier seien zum einen Eugénie erwähnt, eine für diese Zeit unglaublich fortschrittlich denkende junge Frau, die ihr persönliches Glück nicht darin sieht, als Ehefrau in einem Haushalt zu verkümmern, sondern die für ihr künftiges Leben weitaus höhere Ziele gesteckt hat. Der Schock, von ihrer eigenen Familie verraten, in der Salpêtrière zu landen sitzt tief, und sie droht daran zu zerbrechen.
Zum anderen trifft man auf Geneviève, ihres Zeichens langjährige, treue Mitarbeiterin in der Pariser Nervenheilanstalt. Als sie auf Eugénie trifft, gerät ihr Weltbild plötzlich ins Wanken, und sie beginnt vieles zu hinterfragen.

Cover:
Die Farbgebung des Covers beschränkt sich auf drei Farben, mit denen schemenhaft das Bild einer Tänzerin gezeichnet wird, ein Bild das symbolhaft für das verblassende Leben der Frauen in der Salpêtrière steht.

Autorin:
Die gebürtige Französin Victoria Mas hat jahrelang in den USA gelebt, wo sie als Script Supervisor, Standfotografin und Übersetzerin beim Film gearbeitet hat, ist dann aber zu einem Studium an die Sorbonne nach Frankreich zurückgekehrt, wo sie heute als freie Journalistin tätig ist.

Meinung:
Dies ist eines jener Bücher, die sich leicht und locker lesen lassen, die einen aber letztlich im Mark erschüttern, weil sie so viel Ungerechtigkeiten zum Inhalt haben, die einen aus heutiger Sicht einfach nur sprachlos machen: Frauen, die der Gesellschaft lästig oder unbequem waren, wurden aufgrund von fragwürdigen Diagnosen einfach weggesperrt, um mit ihnen menschenverachtende Forschung zu betreiben. Dass diese Frauen aber aus heutiger Sicht gesund, allerdings aufgrund von Gewalt und Misshandlungen schwer traumatisiert waren und einfach nur einer Therapie bedurft hätten, war damals undenkbar - es wurde alles auf „Hysterie“ zurückgeführt. Beim Lesen stellte ich mir mehr als nur einmal die Frage, ob es sich bei den Verrückten tatsächlich um die Insassinnen handelte, oder ob die wahren Verrückten vielmehr jenseits der Anstaltsmauern oder unter den behandelnden Ärzten, den Göttern in Weiß, zu suchen waren, die die Frauen wie Tiere im Zoo vorführten.

Fazit:
Ein Buch, das aufrührt und einen nachhaltig prägt, eine echte Leseempfehlung!