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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2026

Genrebruch

Böser, böser Wolf
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Inhalt & Handlung:
Die gefeierte Krimiautorin Katie wird entführt und wird in der Abgeschiedenheit festgehalten, mit dem Auftrag eines irren Killers, für ihn frei nach den Gebrüdern Grimm Märchen zu schreiben, ...

Inhalt & Handlung:
Die gefeierte Krimiautorin Katie wird entführt und wird in der Abgeschiedenheit festgehalten, mit dem Auftrag eines irren Killers, für ihn frei nach den Gebrüdern Grimm Märchen zu schreiben, die allesamt allerdings einen tödlichen Ausgang haben, sollte sie sich weigern, würde sie selbst sterben. Katie gerät immer mehr in die Zwickmühle, als sie erkennt, dass ihre fiktiven Märchen alsbald in die Tat umgesetzt werden, und sie quasi zur Auftragsmörderin wird. Sie versucht, für den Täter unbemerkt, in ihren Geschichten Hinweise an die Polizei einzubauen, um diesen das Handwerk zu legen.
Detective Inspector Lyla Rondell wird mit der Mordserie betraut, da auch der Mörder an sie direkte Hinweise am zu den Taten hinterlässt. Sie erkennt einen Zusammenhang zum Verschwinden ihrer besten Freundin, die im Teenageralter unter mysteriösen Umständen verschwunden war.

Schreibstil:
Der Krimi beginnt sehr spannend, das Setting ist düster. Man wird gleich mitten ins Geschehen geworfen. Doch nach und nach fließen ab der Mitte des Buches immer mehr mystische und übernatürliche Elemente ein, und das Buch entfernt sich immer mehr vom eigentlichen Genre und wird in zunehmendem Maße verworrener.

Charaktere:
Man erfährt zwar recht viel über die Opfer, die einzelnen Opfer erscheinen trotzdem recht farblos, sodass man zu keiner Figur eine echte Bindung aufbaut. Ihre Hauptaufgabe scheint es, Opfer zu sein, hierbei erscheinen sie jedoch ziemlich austauschbar zu sein. Am ehesten konnte ich mich mit der ermittelnden Inspektorin Lyla anfreunden, die immer mehr begreift, wie manipuliert bzw konstruiert ihr eigenes Leben ist.

Cover:
Pluspunkt ist für mich sicherlich das Erscheinungsbild des Covers, es wirkt auf den ersten Blick wie ein Märchenbuch, auf den zweiten Blick erkennt man jedoch den Blutstropfen, welcher entlang der Buchstaben des Titels herunterrinnt und über den wahren Inhalt des Buches Aufschluss gibt.

Meinung/persönliche Kritik:
„Böser, böser Wolf“ von Alexandra Benedict hätte eigentlich alles, was ein guter Thriller braucht: ein düsteres Setting, eine Prise Märchenmystik und eine Hauptfigur mit Vergangenheit. Doch leider gelingt es dem Roman nur bedingt, diese Zutaten zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden.
Die Grundidee – eine Mordserie, die an Kinderreime erinnert – klingt spannend, verliert aber schnell an Reiz, weil die Handlung zu sehr auf Schockeffekte statt auf Spannung setzt. Viele Wendungen wirken konstruiert, als hätte die Autorin unbedingt überraschen wollen, anstatt der Geschichte ihren natürlichen Lauf zu lassen. Die Figuren bleiben dabei erstaunlich blass; man versteht selten, warum sie handeln, wie sie handeln. Dadurch fällt es schwer, wirklich mitzufiebern.
Auch der Stil – oft sehr bemüht dramatisch und mit gelegentlich unpassenden Metaphern – trägt nicht unbedingt zur Atmosphäre bei. Was als beklemmendes Psychospiel hätte funktionieren können, wird so eher zu einer überladenen Mischung aus Mystery und Slasher.

Fazit:
Unterm Strich ist „Böser, böser Wolf“ solide Unterhaltung für ein Wochenende, aber kein Roman, der lange nachhallt. Wer psychologische Tiefe oder feine Spannung sucht, wird hier eher enttäuscht.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Äußerst packend!

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Inhalt & Handlung:
Teil 7 der Fabian Risk Reihe beginnt mit einem Blackout in der Küstenregion Schweden, im Zuge dessen es zu zahlreichen kriminellen Handlungen kommt: ein Bankraub, bei der eine gewaltige ...

Inhalt & Handlung:
Teil 7 der Fabian Risk Reihe beginnt mit einem Blackout in der Küstenregion Schweden, im Zuge dessen es zu zahlreichen kriminellen Handlungen kommt: ein Bankraub, bei der eine gewaltige Geldsumme erbeutet wird, eine Frau stirbt, wobei erst bei näherer Betrachtung ein Mord vermutet wird, und ein kleines Kind verschwindet spurlos. Obwohl es scheint, dass diese Fälle nichts miteinander zu tun haben, haben sie doch alle eine Gemeinsamkeit: etwaige Zeugen verhalten sich seltsam, plötzlich will keiner mehr etwas gesehen oder gehört haben. Was steckt dahinter?

Schreibstil:
Ein unglaublich spannender Krimi in gewohnter Ahnhem- Manier, der bereits nach den ersten Seiten zu einem echten Pageturner wird. Alles geht Schlag auf Schlag, wobei der Leser jedoch lange Zeit im Unklaren darüber gelassen wird, womit er es hier zu tun hat. Die kurzen Kapitel befassen sich jeweils mit einer anderen Begebenheit, wobei diese jedesmal abrupt abbrechen, und man dadurch quasi gezwungen ist, weiterzulesen. Die Storyline ist sehr geschickt aufgebaut. Obwohl der Roman ein Teil einer ganzen Serie ist, kann man diesen ohne Probleme auch für sich alleine lesen, da man die nötigen Hintergrund-Informationen ganz nebenbei erhält.

Charaktere:
Hauptcharakter ist zweifelsohne der Ermittler Fabian Risk, der in der Vergangenheit den Tod seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn zu verkraften hatte. Obwohl ihm mit Linn Hagman eine äußerst talentierte Kollegin zur Seite gestellt worden ist, erledigt er viel seiner Ermittlertätigkeit im Alleingang, ohne sie davon in Kenntnis zu setzen. Der Charakter der Linn wuchs mir bereits zu Beginn an sehr ans Herz: mit ihrer Hartnäckigkeit erreicht sie oft auf sehr amüsante Weise ihr Ziel.

Cover:
Das Coverbild ist sehr düster und mystisch gehalten, dieses Buch gibt also nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch einiges her!

Meinung:
Als Leser bekommt man die nötigen Informationen nur häppchenweise zugeworfen, sodass man anfangs ein wenig frustriert ist, weil man nicht vorhersehen kann, worauf dieser Roman hinausläuft und was einem hinter dieser Mauer des Schweigens der Zeugen wohl erwartet! Das Ende überrascht, hat aber einen sehr interessanten Bezug zur Gegenwart.

Persönliche Kritikpunkte:
Auch wenn das Buch es fast über die gesamte Länge schafft den Spannungsbogen zu halten lässt es knapp vor dem Ende doch ein wenig nach, um kurz darauf wieder volle Fahrt aufzunehmen und es zu einem spannenden Ende kommt. Was ich mich die ganze Zeit über jedoch gefragt habe ist, was es mit dem Titel des Buches auf sich hat, es ergibt sich bis zum Schluss keine schlüssige Erklärung dafür!

Fazit:
Ein Buch, das ich aus tiefster Überzeugung empfehlen würde, da es wirklich äußerst spannend aufgebaut ist!

Veröffentlicht am 09.01.2026

Der Widerspenstigen Zähmung

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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Inhalt & Handlung:
Die 25jährige Jude Hayward hat bereits vor vielen Jahren ihr beschauliches Heimatörtchen Whilby verlassen, weil sie sich von der Kleinstadtidylle zu sehr eingeengt gefühlt hatte, wo ...

Inhalt & Handlung:
Die 25jährige Jude Hayward hat bereits vor vielen Jahren ihr beschauliches Heimatörtchen Whilby verlassen, weil sie sich von der Kleinstadtidylle zu sehr eingeengt gefühlt hatte, wo jeder jeden kennt und sie immer schon als „enfant terrible“ gebrandmarkt war. ZU allem Überfluss hatte sie eine kleine Schwester, die in jeglicher Hinsicht perfekt zu sein schien. In den letzten Jahren hatte sie mal hier, mal da gelebt, einen in Insiderkreisen recht bekannten Musik-Podcast aufgezogen und sich mit allen möglichen Gelegenheitsjobs finanziell über Wasser gehalten. Bis zu jenem Tag, als sie die Hochzeitseinladung ihrer Schwester erhielt und nun für diese Hochzeit zwangsläufig doch in ihre verhasste Heimatstadt zurückkehren musste. Gleich zu Beginn macht sie die Bekanntschaft des gutaussehenden James Cartwright macht, den die aber recht ruppig abblitzen lässt. Als sich jedoch herausstellt, dass James der Sohn der Mitglieder der legendären Band „The Bellyaches“ ist, ändert sich ihre Einstellung zu ihm. Wild entschlossen, ihm bisher noch unbekanntes Informationsmaterial über seine Eltern zu entlocken, welches sie in einer Podcast-Folge zu verwerten gedenkt, greift sie zu hartnäckigen Flirtversuchen, um ihn zum Reden zu bringen. James, der der hübschen Jude grundsätzlich nicht abgeneigt ist, durchschaut ihr Unterfangen jedoch und blockt ab.
Als James aus der Not heraus gezwungen ist, Jude in seinem Café einzustellen, kommt, was kommen muss: die beiden kommen sich näher…

Schreibstil:
Mit viel Liebe zum Detail wird hier eine Kleinstadt beschrieben, sodass man sich diese geradezu plastisch vorstellen kann, was durch eine Grafik am Inneneinband des Buchcovers noch leichter einzuprägen ist. Im Hinblick darauf, dass es sich bei„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ um den Opener einer Trilogie handelt, die gänzlich in dieser Stadt spielt, kann dies nur von Vorteil sein! Der Schreibstil ist flüssig, die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Jude und von James geschildert, was durchaus seinen Reiz hat, da man auf diese Weise Zugang zu der jeweiligen Gedankenwelt erhält und es amüsant zu erfahren ist, wie ein und dieselbe Handlung je nach Sichtweise eine andere Bedeutung erhält.

Charaktere:
Bei den Protagonisten handelt es ich um James und Jude, während James von der ersten Minute an sehr solide, geerdet und warmherzig erscheint, braucht man bei Jude etwas länger, um mit diesem Charakter warm zu werden, zu präpotent und nervend wird sie anfangs dargestellt, erst nach und nach Merkt man, dass auch sie das Herz am rechten Fleck hat, und letztlich nicht ganz so egozentrisch ist, wie sie in den ersten Kapiteln erscheint.

Cover:
Das Cover fällt alleine schon durch seine primär orange-rote Färbung auf, wobei die Farbgebung sicherlich bewusst so gewählt wurde, um den Titel auch optisch mit einem Kürbis in Zusammenhang zu bringen. Herbstliche Elemente unterstreichen dies zusätzlich.

Meinung:
Beim Lesen dieses Buches wähnt man sich unwillkürlich in einer Folge der Serie „Gilmore Girls“: . wobei man sich James genauso ruppig und sympathisch rüberkommt wie Luke in der Serie, nur Jude ist (zumindest anfangs) ein eher nervtötender Abklatsch einer Lorelei. Obwohl man ihre Motivation, Whilby möglichst rasch verlassen zu wollen, um die nötige Distanz von der Kleinbürgerlichkeit herzustellen, durchaus verstehen kann, kann man das Gehabe, das sie James gegenüber an den Tag legt, nicht so ganz nachvollziehen: diese Hartnäckigkeit aber auch Präpotenz, die sie an den Tag legt, um an Informationen über dessen Eltern heranzukommen, ist zum Teil fast schon abstoßend. Mag sein, dass dies insgeheim nur ein Vorwand ist, um sich den aufkeimenden Gefühlen für James nicht stellen zu müssen, aber nichtsdestotrotz wirkt Jude dadurch in höchstem Maße enervierend!

Persönliche Kritikpunkte:
Ich habe die ersten 15 oder 16 Kapitel sehr stark mit dem wirklich nervendem Gehabe der Jude gehadert und war nahe daran, das Buch abzubrechen, weil mich ihre präpotente Art, die an Egozentrik wohl kaum zu überbieten war, wirklich abgestoßen hat. Erst nach und nach wurde mir dieser Charakter sympathischer, und man konnte erkennen, dass sie selbst mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hatte, da sie Zeit ihres Lebens immer auf der Flucht davor war, echte Gefühle zuzulassen. Auch wenn Buch im ersten Abschnitt einige Längen zeigt, bin ich trotzdem neugierig geworden, womit wohl die Teile zwei und drei der Trilogie aufwarten werden!

Fazit:
Ein Buch, bei dem man letztlich belohnt wird, wenn man sich durch die ersten 15 Kapitel ein wenig durchquält!

Veröffentlicht am 02.10.2025

Obsessiv und verstörend

Das Beste sind die Augen
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In groben Zügen beschreibt dieses Buch den Alltag der asiatisch-stämmigen Studentin Ji-won, die mit ihrer Mutter und ihrer 15 jährigen Schwester Ji-hyun in einer kleinen Wohnung in den Vereinigten Staaten ...

In groben Zügen beschreibt dieses Buch den Alltag der asiatisch-stämmigen Studentin Ji-won, die mit ihrer Mutter und ihrer 15 jährigen Schwester Ji-hyun in einer kleinen Wohnung in den Vereinigten Staaten lebt. Der Vater hat seine Familie vor einem Jahr verlassen, was die Mutter komplett aus der Bahn geworfen hat. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden, die Mutter, welche selbst eine Kindheit voller Entbehrungen erlebt hatte, möchte sich und ihren Töchtern jedoch ein besseres Leben ermöglichen, und so geht sie eine Beziehung mit George ein, einem Amerikaner mit einem Hang zu asiatischen Frauen.

Die beiden Mädchen, die nach wie vor um den Verlust ihres Vaters trauern, sind von der neuen Liebe ihrer Mutter alles andere als angetan, zumal ihr Stiefvater keinen Hehl daraus macht, dass er sich auch von seinen Stieftöchtern angezogen fühlt. Ji-won hasst die dominante Art Georges, sie möchte ihn am liebsten tot sehen, und beginnt Halluzinationen zu entwickeln, in denen sie die Augäpfel ihres baldigen Stiefvaters aufisst. Die Vorstellung Augen zu essen, wird zur fixen Obsession, die sie schon bald auszuleben beginnt. So tauchen im Univiertel schon bald die ersten Todesopfer auf, denen die Augen herausgeschnitten wurden, man vermutet einen Zusammenhang zwischen den Opfern und sucht nach einem Serienmörder.

Auch Ji-won macht ihre Erfahrungen mit dominanten amerikanischen Männern, etwa ihrem Studienkollegen Geoffrey, der von der Idee besessen ist, sie als Lebensgefährtin zu gewinnen. Ji-won wehrt sich auf ihre Weise – es kommt zu einem dramatischen Show-Down.

Das Buch beginnt bereits mit einer recht verstörenden Szene, in denen die Mutter ihren Töchtern Fischaugen zum Probieren anbietet, da das Verspeisen von Fischaugen im asiatischen Raum Glück bringen soll. Anfänglich zeigt sich Ji-won davon abgestoßen, nachdem sie jedoch erstmals ein Fischauge gekostet hat, entwickelt sich daraus eine generelle Gier nach Augen. Gerade blaue Augen haben eine magische Anziehung auf die junge Asiatin, für sie sind sie ein Symbol für männliche Dominanz, die sie zu zerstören versucht. Dieses zunehmend obsessive Verhalten spiegelt sich auch in der Erzählweise der Autorin wieder, ist diese anfangs klar und realitätsbezogen, ändert sich dies im Laufe der Geschichte jedoch drastisch, man weiß oft nicht, ob sich die Protagonistin im Hier und Jetzt befindet, oder halluziniert bzw. träumt. Dabei werden diese Halluzinationen immer abartiger und morbider. Die Autorin lässt bei den Beschreibungen keine Grauslichkeit aus, um dem Leser alles sehr bildhaft vor Augen zu führen. Als Leser ist man einerseits komplett abgestoßen, andererseits möchte man trotzdem wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Hält man Ji-won und Ji-hyun aufgrund ihrer prägenden Erziehung anfangs für sehr angepasst und devot, merkt man bald, dass hinter dieser vermeintlich devoten Fassade ein äußerst emanzipierter und kritischer Geist steckt.
Ich tue mir schwer, dieses Buch zu bewerten, weil es so anders ist, es liest sich sehr flüssig, die kurzen Kapitel laden geradezu zum Weiterlesen ein. Trotzdem konnte ich mich mit kaum einer der Figuren identifizieren, auf ihre Weise hatte jede einzelne Figur ihre Schattenseiten. Besonders positiv möchte ich die wunderschöne Aufmachung des Bucheinbandes und der kolorierten Seiten hervorheben, sie sind definitiv ein echter Blickfang!

Fazit: Ein Buch, das man schwer aus der Hand legen kann, das einen zugleich fasziniert, aber auch massiv abstößt und verstört!

Veröffentlicht am 14.08.2024

Amour fou?

Komm schon, Baby!
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Inhalt & Handlung:
Juli, Hebamme aus Leidenschaft, geht voll und ganz in ihrem Beruf auf, für sie ist es nicht bloß ein Job, sondern echte Berufung, denn wo andere Feierabend machen, absolviert sie noch ...

Inhalt & Handlung:
Juli, Hebamme aus Leidenschaft, geht voll und ganz in ihrem Beruf auf, für sie ist es nicht bloß ein Job, sondern echte Berufung, denn wo andere Feierabend machen, absolviert sie noch Hausbesuche bei ihren Klientinnen, oder ist zumindest gedanklich bei ihnen. Klar, dass ein Privatleben sehr darunter leidet beziehungsweise fast nicht existiert, auch beziehungstechnisch herrscht in ihrem Leben Flaute. Als ein Konzertbesuch doch einmal in einem One-Night-Stand endet, stellt sie ein paar Wochen später mit Entsetzen fest, dass sie schwanger ist. Der Super-Gau folgt jedoch, als sich herausstellt, dass der Vater ihres ungeborenen Kindes auch gleichzeitig der Mann einer ihrer Klientinnen ist, und ausgerechnet Juli in einigen Monaten deren Kind auf die Welt bringen soll. Hier ist nun guter Rat teuer, wie soll Juli aus diesem Schlamassel herauskommen und wo soll sie nun auf die Schnelle einen Lebensgefährten aus dem Hut zaubern, den sie ihrem Umfeld als Vater ihres Kindes präsentieren kann?

Schreibstil:
In gewohnt lustiger Weise erzählt Ellen Berg die Geschichte der Hebamme Juli, deren Leben sich peu á peu in das reinste Chaos verwandelt. Wenn man anfangs glaubt, es geht nicht mehr schlimmer, setzt Ellen Berg noch eins drauf und überrascht den Leser abermals mit einer drastischen Wendung, sodass einem Juli in ihrer scheinbar ausweglosen Situation einfach nur noch leid tut. Zusätzlich lässt die Autorin ihr gut recherchiertes Wissen über Hebammen einfließen, und weist fast schon nebenbei auf die Problematik des derzeit vorherrschenden massiven Hebammenmangels hin. Der Roman ist auf diese Weise informativ (ohne dabei auch nur ansatzweise oberlehrerhaft belehrend zu sein) und zugleich ungeheuer lustig. Immer wieder kommt es zu Wendungen, die der Geschichte zusätzlichen Kick verleihen, sodass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen will.

Charaktere:
Die Protagonistin Juli ist Hebamme durch und durch, ist kompetent und stellt die Bedürfnisse ihrer Klientinnen zum Großteil über ihre eigenen. Als sie feststellt, dass sie in den Vater ihres Kindes, der zu allem Überfluss auch noch der werdende Vater einer Klientin ist, verliebt hat, steht für sie von Anfang an fest, dass sie diese Beziehung nicht sabotieren kann und beschließt ihre eigenen Gefühle zum Kindesvater zu unterdrücken, was ihr jedoch nicht gelingen will, da auch der Kindesvater für sie Gefühle empfindet. Auch wenn ich das Verhalten des Kindesvaters nicht nachvollziehen konnte, der in meinen Augen wie ein Waschlappen agierte, der nicht zu seinen Gefühlen stehen konnte oder wollte. Wer mir aus diesem Roman noch in bester Erinnerung geblieben ist, ist Julis reizende Großmutter, die sich rührend um das Wohlergehen ihrer Enkelin sorgt.

Cover:
Gewohnt lustig gestaltet, erkennt man am Cover sofort den Ellen Berg-Roman, wobei man zwar die Richtung des Inhalts erkennen kann, die genaue Bedeutung des Covers wird einem erst nach der Lektüre des Buches bewusst, weil man erst nach und nach einige Einzelheiten erkennt, die im Text erwähnt werden.

Meinung:
Ein herzerwärmender Roman, der mich bestens unterhalten hat, das Chaos löst sich Stück für Stück, in manchmal unerwarteter Weise, wie ein komplett verworrener Bindfaden, bei dem man auf magische Weise entwirren kann. Ansonsten kann man ihn durchaus als „Wohlfühlroman plus“ bezeichnen, der mit vielen interessanten Informationen aus dem Alltag einer Hebamme aufwartet.

Persönliche Kritikpunkte:
Mit der Figur des Vaters von Julis ungeborenem Kind wurde ich nicht so recht warm, für mich war er übertrieben pathetisch gezeichnet, der aus Pflichtgefühl in einer lieblosen Beziehung zu seiner Lebensgefährtin bleiben will. Auf mich wirkte dieses Ansinnen jedoch sehr passiv, er wirkte wie eine Marionette in einem Leben, das von außen gesteuert wurde.

Fazit:
Ich kann dieses Buch nur empfehlen, die verhältnismäßig kurzen Kapitel laden förmlich zum Weiterlesen ein, und ehe man es sich versieht, ist man am Ende des Buches angekommen, zumal es ungeheuer kurzweilig geschrieben ist!