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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2025

Geschichte, Schicksal und ein Hauch von Krimi

Die Psychoanalytikerin
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Ich habe schon einige Bücher von Melanie Metzenthin mit Begeisterung gelesen und war gespannt, was mich diesmal erwartet. Und auch dieses Buch hat mich wieder überzeugt.
Die Geschichte spielt im Hamburg ...

Ich habe schon einige Bücher von Melanie Metzenthin mit Begeisterung gelesen und war gespannt, was mich diesmal erwartet. Und auch dieses Buch hat mich wieder überzeugt.
Die Geschichte spielt im Hamburg der 1920er Jahre. Vera, eine junge Psychoanalytikerin, hat nach dem Tod ihres Mannes dessen Praxis übernommen und behandelt dort Menschen, die unter den seelischen Folgen des Krieges leiden. Als mehrere ihrer Patienten auf rätselhafte Weise sterben, wird Kommissar Bender auf sie aufmerksam und bittet sie um Hilfe.
Von Anfang an hat mich die Geschichte gepackt. Ich war schnell in dieser Zeit und konnte mir die Stadt und das Leben der Menschen lebhaft vorstellen: die Nachwirkungen des Krieges, die Unsicherheit und den Versuch, wieder nach vorn zu blicken. Melanie Metzenthin erzählt das alles eindringlich und glaubwürdig, ohne je zu übertreiben. Besonders stark fand ich, wie fein sie die Gefühle und Gedanken ihrer Figuren beschreibt, sodass man wirklich versteht, was sie antreibt.
Vera ist mir im Laufe des Buches sehr ans Herz gewachsen. Sie ist klug, mutig und bleibt auch dann ruhig, wenn andere längst den Mut verlieren würden. Ich habe großen Respekt davor, wie sie sich in einer Zeit behauptet, in der Frauen in ihrem Beruf noch wenig Anerkennung fanden. Auch Kommissar Bender ist eine sympathische Figur, bodenständig, loyal und mit Sinn für Gerechtigkeit. Die Zusammenarbeit der beiden wirkt natürlich und fügt sich stimmig in die Geschichte ein.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und bildhaft, die Sprache klar und ohne Schnörkel. Ich bin mühelos durch die Kapitel geflogen, weil Spannung, Emotion und historische Eindrücke sich wunderbar abwechseln. Es gibt keine Längen, und trotzdem wirkt alles ausgewogen, mit Momenten, die der Geschichte Tiefe verleihen, ohne aufgesetzt zu sein.
Was ich besonders schätze, ist, dass Melanie Metzenthin historische Themen so lebendig werden lässt. Sie verbindet Fakten, Atmosphäre und persönliche Schicksale so geschickt, dass man das Gefühl hat, direkt dabei zu sein. Man erfährt viel über die Nachkriegszeit, über die Arbeit der Polizei und über die seelischen Wunden, die der Krieg hinterlassen hat.
Für mich ist das Buch ein gelungener Mix aus historischem Roman und Kriminalgeschichte. Es ist spannend, bewegend und sehr menschlich erzählt. Ich habe es mit großem Interesse gelesen und das Buch am Ende mit einem zufriedenen Gefühl zugeschlagen.
Ein starkes Werk mit Atmosphäre, Herz und Tiefe. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.10.2025

Zwischen Glaube und Aberglaube

Mord auf der Klosterinsel
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Da ich schon mehrere Bücher von Heidrun Hurst mit Begeisterung gelesen habe, war ich besonders gespannt auf ihren ersten historischen Kriminalroman. Und auch diesmal konnte sie mich begeistern.
Die Geschichte ...

Da ich schon mehrere Bücher von Heidrun Hurst mit Begeisterung gelesen habe, war ich besonders gespannt auf ihren ersten historischen Kriminalroman. Und auch diesmal konnte sie mich begeistern.
Die Geschichte spielt auf der Klosterinsel Reichenau zur Zeit der Karolinger. Mehrere Menschen kommen dort auf grausame Weise ums Leben, und schnell machen Gerüchte über einen Werwolf die Runde. Besonders dieser Aberglaube, der damals fest im Denken der Menschen verankert war, wird von der Autorin sehr anschaulich beschrieben. Abt Walahfrid Strabo versucht, den Verstand über die Angst zu stellen und den wahren Täter zu finden – unterstützt von seiner Nichte Lindberga, die mit Mut und Klugheit handelt.
Ich fand es spannend zu lesen, wie sich die beiden in einem Netz aus Misstrauen, Machtinteressen und religiösem Fanatismus bewegen. Gleichzeitig zeigt das Buch sehr eindrucksvoll, wie schwer es war, in einer Zeit voller Zwänge und Hierarchien nach Gerechtigkeit zu suchen. Die Mischung aus historischem Hintergrund und Krimielementen ist der Autorin wirklich gut gelungen.
Besonders überzeugend ist, wie genau die politischen und kirchlichen Strukturen der Karolingerzeit eingefangen sind. Die Geschichte wirkt durchweg fundiert und sorgfältig recherchiert, ohne dass der historische Rahmen zu sehr in den Vordergrund rückt. Alles fügt sich stimmig in die Handlung ein und bleibt spannend bis zum Schluss.
Beim Lesen habe ich oft darüber nachgedacht, wie stark Angst und Glaube das Handeln der Menschen beeinflussen – damals wie heute. Diese Parallelen geben dem Buch Tiefe, ohne dass es belehrend wirkt.
Heidrun Hurst hat hier keinen lauten, bluttriefenden Krimi geschrieben, sondern eine kluge, fein gezeichnete Geschichte, die mit leisen Tönen wirkt. Sie bleibt ihrer Linie treu: historische Genauigkeit, spürbare Menschlichkeit und ein erzählerischer Stil, der mich immer wieder fesselt. Für mich ein starkes, stimmiges Buch, das lange nachwirkt. 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Die Wahrheit hinter der Legende

Wilde Wanda
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Selten hat mich ein Buch so widersprüchlich berührt. Es war kein einfaches Lesen, eher ein langsames Eintauchen in ein Leben, das sich kaum fassen lässt. Die Geschichte der Wilden Wanda (1947-2004) hat ...

Selten hat mich ein Buch so widersprüchlich berührt. Es war kein einfaches Lesen, eher ein langsames Eintauchen in ein Leben, das sich kaum fassen lässt. Die Geschichte der Wilden Wanda (1947-2004) hat mich nicht kaltgelassen – zu heftig, zu ehrlich, zu nah an einer Realität, die man sonst lieber verdrängt.
Clemens Marschall erzählt mit großem Respekt und einer Sprache, die nie sensationslüstern wirkt. Er zeigt Wanda nicht als Mythos, sondern als Mensch, der viel zu früh gelernt hat, sich mit Härte zu schützen. Man spürt, wie viel Recherche in diesem Buch steckt, und doch liest es sich fließend. Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr er die Atmosphäre des alten Wien einfängt – dieses raue, dunkle, manchmal fast magische Milieu zwischen Überleben und Untergang.
Ich habe beim Lesen oft kurz innegehalten, weil ich verstehen wollte, wie jemand so leben konnte – zwischen Stärke und Selbstzerstörung, Macht und Schmerz. Wanda bleibt schwer greifbar, und genau das macht die Geschichte so echt. Sie ist keine Heldin, keine Opferfigur, sondern jemand, der seinen eigenen Weg gegangen ist. Egal, wie sehr sie von außen verurteilt wurde.
Mich begleitete beim Lesen ein leises Staunen über ihr Leben. Über all das, was sie ertragen, entschieden und verloren hat. Ein Leben voller Brüche, und doch mit einer eigentümlichen Konsequenz.
Besonders eindrucksvoll ist, wie stark das Wien dieser Zeit spürbar wird. Dieses widersprüchliche Umfeld, in dem Wanda sich behaupten musste, ist fast eine eigene Figur in diesem Buch. Und gerade das macht den Reiz aus. Man sieht nicht nur Wanda, sondern auch das Milieu, das sie geprägt – und das sie selbst geprägt hat.
Am Ende bleibt weniger das Bild einer Unterweltgröße als das einer Frau, die nie wirklich ankommen durfte. Eine, die immer kämpfte – gegen andere, gegen sich selbst, gegen das Leben. Dieses Buch hat mir das Gefühl gegeben, sie wirklich kennenzulernen, ohne sie zu romantisieren, zu kritisieren oder zu verurteilen.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Ein leiser Nervenkitzel mit großer Wirkung

Das unheimliche Herrenhaus
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Ich habe das Buch mit wachsendem Interesse und leiser Neugier gelesen, denn schon früh spürte ich, dass hinter der glänzenden Fassade etwas Dunkles lauert. Die Geschichte beginnt damit, dass Beatrice Hyde-Clare ...

Ich habe das Buch mit wachsendem Interesse und leiser Neugier gelesen, denn schon früh spürte ich, dass hinter der glänzenden Fassade etwas Dunkles lauert. Die Geschichte beginnt damit, dass Beatrice Hyde-Clare glaubt, ihr Leben als Duchess of Kesgrave habe sich endlich gefügt – Hochzeit, Titel, Residenz. Doch statt Ruhe und Sicherheit findet sie Labyrinthe, geheime Räume, seltsame Blicke der Bediensteten und vor allem den Butler Mr. Marlow, dessen Abneigung kaum zu übersehen ist.
Der Fall im Nachbarhaus – der schreckliche Tod des französischen Kochs – zieht sie heraus aus dem Alltag, hinein in Ermittlungen und Fragen, die sich sonst niemand stellt. Beatrice ringt mit Unsicherheit, mit dem Gefühl, nicht dazuzugehören, mit der Angst, man könnte sie belächeln – und gleichzeitig mit dem Drang, Licht ins Dunkel zu bringen.
Was ich besonders mochte, war, wie das Buch Spannung aufbaut, ohne Blut oder Schockeffekte. Stattdessen sind es die leisen Geräusche, Schatten, ein Blick, ein Vorfall im Dunkeln, die mich öfter zusammenzucken ließen. Auch Beatrices innere Stimme zu verfolgen war spannend – wie sie sich selbst hinterfragt, wie sie zwischen Pflicht und Furcht schwankt.
Die Charaktere sind fein gezeichnet: Beatrice, verletzlich und zugleich mutig; Mr. Marlow, unangenehm präsent; der Duke, bemüht, aber gefangen in seinen eigenen Geschäften; und das Herrenhaus selbst – fast wie ein eigener Charakter, mit langen Gängen, dunklen Ecken und Türen, die man nicht sofort öffnen will.
Einige Wendungen haben mich überrascht, andere Hinweise waren geschickt versteckt, sodass ich oft kurz innehielt, um zurückzublicken, ob ich etwas übersehen hatte. Diese Momente, in denen ich hoffte, dass etwas nur Einbildung sei, mochte ich besonders.
Insgesamt hat mich das Buch innerlich oft mitgenommen. Ich spürte Spannung, manchmal Unbehagen, aber auch Sympathie für Beatrice – und eine leise Bewunderung dafür, wie sie sich nicht davon abhalten lässt, nach Wahrheit zu suchen. Der Stil liest sich angenehm flüssig, das Setting ist stilvoll und detailreich, ohne überladen zu wirken.
Mein Fazit: Dieses Buch hat mich mit seiner dichten Atmosphäre gepackt und bis zur letzten Seite nicht losgelassen. Es ist kein lauter Krimi, sondern einer, der leise unter die Haut geht – mit Schatten, Zweifeln und einer Heldin, die man einfach mögen muss. Für mich ein Fünf-Sterne-Erlebnis, das nachklingt.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Im Strudel der Zeit – Entscheidungen, die alles verändern

Sturmtage
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Ich habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen, weil mich die Geschichte um Johanna und ihren Bruder Karl-Georg sofort gepackt hat. Der politische Druck in Berlin und schließlich ihre Flucht nach Norwegen ...

Ich habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen, weil mich die Geschichte um Johanna und ihren Bruder Karl-Georg sofort gepackt hat. Der politische Druck in Berlin und schließlich ihre Flucht nach Norwegen zeigen eindrucksvoll, wie sehr Mut und Angst in dieser Zeit dicht beieinanderlagen. Ich merkte, dass die Autorin sich von einem wahren Schicksal inspirieren ließ, und gerade das verleiht der Handlung Glaubwürdigkeit und Tiefe.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung der historischen Ereignisse. Sie wirken authentisch, sind geschickt mit dem persönlichen Schicksal der Figuren verwoben und lassen die damalige Atmosphäre lebendig werden. Dadurch hatte ich stets das Gefühl, mitten in dieser bewegten Zeit zu stehen, ohne dass es sich nach einem trockenen Geschichtsbuch anfühlte.
Etwas gefehlt hat mir allerdings die zwischenmenschliche Nähe. Zwar konnte ich den Weg der Protagonisten nachvollziehen und auch Johannas innere Zerrissenheit verstehen, doch an Emotionen und feinen Zwischentönen hätte ich mir mehr gewünscht. Gerade bei ihrer Beziehung zu Sven blieb für mich eine gewisse Distanz, die mich daran hinderte, noch tiefer mitzufühlen.
Trotzdem hat mich das Buch gefesselt und bewegt zurückgelassen. Es zeigt, wie schwer es sein musste, unter solchen Bedingungen Entscheidungen zu treffen und ein neues Leben in einem fremden Land zu wagen. Dieser Gedanke ist bei mir geblieben, auch nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte.
Für mich ist es eine historisch eindrucksvolle Geschichte mit viel Authentizität, die ich mit vier Sternen bewerte – spannend, bewegend, aber in den Gefühlen etwas zurückhaltend.

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