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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.09.2025

Zwischen Sehnsucht und Verpflichtung

Die Töchter von Usedom - Das Geheimnis in den Dünen
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Jessica Weber entführt auch dieses Mal wieder nach Swinemünde im Sommer des Jahres 1892. Als zweiter Teil ihrer Ostseefamilien-Saga knüpft dieses Buch wunderbar an die bereits bekannte Welt der ersten ...

Jessica Weber entführt auch dieses Mal wieder nach Swinemünde im Sommer des Jahres 1892. Als zweiter Teil ihrer Ostseefamilien-Saga knüpft dieses Buch wunderbar an die bereits bekannte Welt der ersten Geschichten an. Ich habe das Buch mit wachsender Spannung gelesen, weil ich sofort gemerkt habe, wie gut die Autorin die Charaktere versteht – ihre Sorgen und Gedanken fühlten sich beim Lesen realistisch an.
Besonders beeindruckt hat mich Lore, deren Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben als Modezeichnerin in Berlin die Schwierigkeit verdeutlicht, Familie und eigene Träume in Einklang zu bringen. Ihre inneren Kämpfe habe ich beim Lesen fast körperlich gespürt, und ich konnte nachvollziehen, wie schwer diese Entscheidung für sie ist. Paul, ihr jüngerer Bruder, bringt mit seinen Ideen für die Pension zusätzliche Spannung, besonders weil er selbst ein Geheimnis hütet, das den familiären Frieden bedroht.
Die junge Rosalie, die mit der reisenden Zirkustruppe in die Stadt kommt, bereichert die Geschichte auf besondere Weise. Ihre Vergangenheit auf der Straße und die Sehnsucht nach einem echten Zuhause verleihen der Handlung Tiefe. Ich fand es spannend zu sehen, wie die Wege der Figuren sich kreuzen und wie sie einander beeinflussen – alles wirkte dabei ganz natürlich.
Die familiären Spannungen und aufkommenden Geheimnisse habe ich beim Lesen intensiv wahrgenommen, während die salzige Meeresluft, die Sommerhitze und das Gewicht der Entscheidungen der Figuren förmlich spürbar wurden. Gleichzeitig webt die Autorin immer wieder Momente der Hoffnung, Zuneigung und leiser Freude ein, die das Herz erwärmen, ohne die Ernsthaftigkeit der Situationen zu verlieren.
Für mich war „Die Töchter von Usedom“ ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte. Es ist kein klassischer Krimi oder reißerischer Familienskandal, sondern eine sensible, mitreißende Geschichte über Entscheidungen, Verantwortung und das Streben nach Freiheit – eingebettet in die kleine, pulsierende Welt einer Pension am Meer. Als zweiter Teil der Ostseefamilien-Saga ergänzt es die Vorgeschichte perfekt, und ich freue mich schon sehr auf Band 3, der am 1. Dezember 2025 erscheinen soll. Ich habe die Figuren beim Wachsen begleitet und ihre Freuden und Sorgen miterlebt, was das Lesen zu einem echten Vergnügen gemacht hat.
Ich gebe dem Buch volle 5 Sterne, weil es mich von der ersten Seite an gefesselt hat und die Figuren so lebendig wirken.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Das Schelmenstück in Mayerhofen

Der große UFA-Bluff
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„Der große UFA-Bluff“ von Anton Leiss-Huber ist ein sorgfältig recherchierter Roman, der Fiktion und historische Realität überzeugend miteinander verbindet. Die Hauptfiguren Luis und Lisa sind fiktiv, ...

„Der große UFA-Bluff“ von Anton Leiss-Huber ist ein sorgfältig recherchierter Roman, der Fiktion und historische Realität überzeugend miteinander verbindet. Die Hauptfiguren Luis und Lisa sind fiktiv, könnten jedoch genauso in der Filmwelt des Jahres 1945 existiert haben. Ihre Geschichten bieten einen plausiblen Einblick in die Karrieren und persönlichen Herausforderungen von Filmschaffenden am Ende des Zweiten Weltkriegs.
Der Roman beleuchtet die Strukturen der UFA, politische Einflüsse auf das Filmgeschäft und die wirtschaftlichen Zwänge jener Zeit. Die Handlung zeigt, wie Machtspiele und Intrigen hinter den Kulissen das Leben der Beteiligten bestimmten. Besonders interessant ist die Episode um das Schelmenstück in Mayerhofen, das exemplarisch die Herausforderungen und strategischen Manöver innerhalb der Filmindustrie dieser Epoche aufzeigt.
Luis’ und Lisas Figurenentwicklung ist nachvollziehbar gestaltet. Ihre Entscheidungen, Konflikte und Ambitionen wirken authentisch und spiegeln die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen von 1945 wider. Die Handlung ist klar strukturiert: Spannungsmomente entstehen nicht durch übertriebene Dramatik, sondern durch die realistische Darstellung von Chancen, Risiken und Machtverhältnissen in der Filmwelt jener Zeit.
Die Sprache des Romans ist sachlich, klar und zugleich atmosphärisch. Szenenbeschreibungen der Studios, Drehorte und gesellschaftlichen Zusammenhänge vermitteln ein plastisches Bild der Epoche, ohne den Lesefluss zu stören. Historische Hintergründe, wirtschaftliche Zwänge und gesellschaftliche Entwicklungen werden integriert, sodass ein realistisches Gesamtbild entsteht.
Insgesamt ist „Der große UFA-Bluff“ ein realistischer, gut erzählter Roman, der Geschichte, Fiktion und die Episode des Schelmenstücks in Mayerhofen in einer ausgewogenen Mischung präsentiert und ein eindrucksvolles Bild der Filmwelt in den letzten Monaten des Jahres 1945 vermittelt. 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Atmosphärisch dicht, aber mit Hürden beim Einstieg

Das Flüstern der Marsch
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Katja Keweritsch hat mit "Das Flüstern der Marsch" ein Buch geschrieben, das sehr stark von der Landschaft lebt. Diese weite, stille und etwas melancholische Marsch habe ich beim Lesen sofort vor Augen ...

Katja Keweritsch hat mit "Das Flüstern der Marsch" ein Buch geschrieben, das sehr stark von der Landschaft lebt. Diese weite, stille und etwas melancholische Marsch habe ich beim Lesen sofort vor Augen gehabt, fast wie eine eigene Figur. Die Stimmung ist von Anfang an bedrückend und zieht sich durch das ganze Buch.
Mit der Erzählweise bin ich allerdings nicht so richtig warm geworden. Es gibt verschiedene Stränge, und lange wusste ich nicht, wie das alles zusammenpassen soll. Besonders die ständigen Wechsel zwischen den Erzählerinnen haben mich aus dem Rhythmus gebracht. Janne und Freya habe ich dauernd verwechselt, und dann erzählt Mona noch in der Ich-Form, während die anderen in der dritten Person bleiben. Das hat mich eher auf Abstand gehalten.
Gerade am Anfang war das richtig verwirrend. Freyas Teile habe ich ewig nicht einordnen können und fühlte mich dadurch etwas verloren. Irgendwann kam dann doch ein kleiner Funke, weil ich ahnte, wohin das Ganze führen soll. Aber im Endeffekt hatte ich oft das Gefühl, dass mich die Geschichte absichtlich in die Irre führt. Einen Erzählstrang hätte man für mein Gefühl sogar komplett weglassen können, ohne dass etwas fehlen würde.
Mit keiner Figur bin ich wirklich vertraut geworden. Es war, als wäre ein Schleier zwischen mir und den Personen. Das passt zwar zur kühlen Grundstimmung des Romans, hat mir das Lesen aber schwer gemacht. Am Ende gab es ein paar sehr bewegende Szenen, die mich berührt haben, aber sie konnten den mühsamen Einstieg nicht mehr ganz wettmachen.
Gut gefallen hat mir dagegen, wie die Autorin Gedanken über das Leben von Frauen einbindet. Man merkt, wie sehr Frauen in verschiedenen Zeiten unter Abhängigkeiten und Belastungen gelitten haben. Und auch, wie diese Spuren über Generationen hinweg sichtbar bleiben. Gerade dieser Aspekt hat für mich dem Buch eine besondere Tiefe gegeben, auch wenn mich die Umsetzung insgesamt nicht ganz überzeugt hat. Deshalb gebe ich 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Eine Geschichte mit Tiefe und Atmosphäre

Der Wind von Yorkshire
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"Der Wind von Yorkshire" hat mich von Anfang an durch seine besondere Atmosphäre abgeholt. Lia Scott beschreibt das Leben im industriellen England mit vielen kleinen Details, die sofort ein Bild entstehen ...

"Der Wind von Yorkshire" hat mich von Anfang an durch seine besondere Atmosphäre abgeholt. Lia Scott beschreibt das Leben im industriellen England mit vielen kleinen Details, die sofort ein Bild entstehen lassen. Der Kontrast zwischen den Craven Dales und dem trüben Alltag in der Stadt kommt gut heraus und macht die Handlung greifbar.
Im Mittelpunkt stehen June und Franky, zwei Figuren, die kaum unterschiedlicher sein könnten. June wirkt ernst, verantwortungsbewusst und zugleich unsicher, während Franky mit seiner Sensibilität überrascht. Ihre Begegnungen sind still, aber eindringlich. Gerade das Unausgesprochene sorgt dafür, dass man als Leserin aufmerksam bleibt.
Ein wichtiger Aspekt ist Junes Verhältnis zu ihren beiden Schwestern und ihrer Tante. Junes Verbundenheit und ihr Pflichtbewusstsein machen nachvollziehbar, warum sie bereit ist, nach Bradford zu gehen, um in einer Spinnerei Arbeit zu finden. Der Schwerpunkt der Handlung liegt jedoch in den Craven Dales, wodurch die Atmosphäre stark geprägt wird. Die kurzen Passagen in Bradford sind bewusst knapp gehalten und dienen als neugierig machender Ausblick auf den Folgeband, was die Erwartung auf die Fortsetzung steigert.
Besonders auffällig ist, dass die Figuren keine Übertreibungen brauchen, um glaubwürdig zu wirken. June übernimmt Verantwortung, während Franky durch seine Sensibilität einen Gegenpol bildet. Die Autorin schafft es, beide so darzustellen, dass ihr inneres Ringen klar wird.
Insgesamt ist es ein ruhiges, intensives Leseerlebnis. Es gibt keine großen Überraschungen, aber die durchgehende Stimmung trägt die Geschichte. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik in den Dialogen gewünscht. Deshalb vergebe ich gute, überzeugte vier Sterne sowie eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Eine Familiengeschichte, die tief ins Herz geht

Wer wir geworden sind
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„Wer wir geworden sind“ von Gabi Kreslehner ist eine Familiengeschichte, die sich langsam, aber eindringlich entfaltet. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, ganz nah bei den Figuren zu sein. ...

„Wer wir geworden sind“ von Gabi Kreslehner ist eine Familiengeschichte, die sich langsam, aber eindringlich entfaltet. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, ganz nah bei den Figuren zu sein. Ihr Leben, geprägt von Hoffnungen, Verlusten und Neubeginnen, hat mich berührt, ohne dass die Autorin jemals ins Pathetische verfällt.
Die Handlung beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts, als Juli und August auf dem Berg leben und sich nach einem Kind sehnen. Später wird ihre Tochter Anna geboren, die wiederum ihren Weg gehen muss – mit all den Hoffnungen, Verlusten und Entscheidungen, die ein Leben prägen. Über drei Generationen hinweg zieht sich dieser Roman weiter, bis hin zu Annas Tochter Joanna, die kurz vor der Jahrtausendwende in Amerika ein Foto entdeckt, das alte Fragen neu aufwirft.
Gerade dieses Weiterspinnen von Schicksalen über Jahrzehnte hinweg hat mich tief beeindruckt. Es macht deutlich, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verflochten sind und wie Erinnerungen und Geheimnisse nicht nur eine Familie, sondern auch einzelne Lebenswege prägen.
Ich habe beim Lesen gespürt, wie stark die Themen Familie, Zusammenhalt und das Ringen um ein gutes Leben im Mittelpunkt stehen. Es geht nicht darum, große Dramen laut auszuspielen, sondern um die leisen Töne, die sich ins Herz schleichen. Manche Szenen sind so still, dass sie gerade deshalb nachhallen.
Besonders eindrucksvoll fand ich, wie die Autorin das Weitergeben von Erinnerungen einfängt – das Suchen nach Antworten, das Schweigen über Vergangenes und den Mut, irgendwann doch zu erzählen. Das Foto des kleinen Jungen, das Joanna findet, wirkt wie ein Schlüssel: Es öffnet Türen zu Geschichten, die lange verborgen waren.
Für mich war dieses Buch eine bewegende und tief ins Herz gehende Lektüre. Es hat mich nachdenklich zurückgelassen und mich noch lange beschäftigt. 5 klare Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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