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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.07.2025

Flucht aus der DDR: Ein Drama nach wahren Begebenheiten

Der Tunnelbauer
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Das Buch "Der Tunnelbauer" von Maja Nielsen ist ein eindrucksvoller und bewegender Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert und die dramatische Zeit des Mauerbaus in Berlin 1961 lebendig werden lässt.
Im ...

Das Buch "Der Tunnelbauer" von Maja Nielsen ist ein eindrucksvoller und bewegender Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert und die dramatische Zeit des Mauerbaus in Berlin 1961 lebendig werden lässt.
Im Mittelpunkt steht Achim, ein junger Mann aus Ostberlin, der gerade am Beginn eines vielversprechenden Lebens steht, doch mit dem plötzlichen Bau der Berliner Mauer ändert sich alles. Die Freiheit, die er sich erhofft hatte, wird ihm genommen. Aus persönlicher Betroffenheit heraus trifft Achim eine mutige Entscheidung: Er flieht in den Westen, lässt alles hinter sich und beginnt von dort aus, anderen zur Freiheit zu verhelfen – mit bloßen Händen, unter Lebensgefahr, indem er Tunnel gräbt.
Was besonders heraussticht, ist die Perspektivenvielfalt: Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt, was den Leser noch tiefer in die inneren Konflikte, Hoffnungen und Ängste der Figuren hineinzieht. Die Charaktere wirken dadurch sehr real und greifbar. Nielsen schafft es, historische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen zu verbinden – emotional und gleichzeitig authentisch.
Der Roman ist durchgehend spannend erzählt, teilweise atemlos, weil man mit den Figuren mitfiebert, wenn wieder ein Tunnel gegraben oder eine Flucht geplant wird. Gleichzeitig bleibt genug Raum, um über die Themen Freiheit, Mut und Verlust nachzudenken. Besonders beeindruckend ist, wie viel Risiko Menschen auf sich genommen haben, um andere zu retten. Dieses wird in diesem Buch greifbar und nachvollziehbar geschildert.
Insgesamt ist "Der Tunnelbauer" ein fesselndes Zeitzeugnis und ein großartiges Buch für Jugendliche wie Erwachsene, das nicht nur informiert, sondern auch tief berührt. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Fesselnder historischer Roman

Das Pestmädchen und der Medicus
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Ich hatte die Gelegenheit, das Buch „Das Pestmädchen und der Medicus“ von Silvia Stolzenburg zu lesen, und bin begeistert von der packenden Geschichte. Es handelt sich um den zweiten Teil der Pestmädchen-Reihe, ...

Ich hatte die Gelegenheit, das Buch „Das Pestmädchen und der Medicus“ von Silvia Stolzenburg zu lesen, und bin begeistert von der packenden Geschichte. Es handelt sich um den zweiten Teil der Pestmädchen-Reihe, der gut eigenständig gelesen werden kann. Dennoch empfiehlt es sich, mit Band 1 zu beginnen, um die Handlung noch besser nachvollziehen zu können. In Augsburg anno 1462 erleben wir eine mitreißende Erzählung um Lina, die nach dem Tod ihres Gatten nur knapp dem Tod entkommt und bald erkennen muss, dass jemand nach ihrem Leben trachtet. Ihre große Liebe ist der Wundarzt Ulrich, doch aus Angst, ihn mit ins Unglück zu reißen, verbietet sie sich ihre Gefühle für ihn. Die Handlung ist spannend, gut recherchiert und besticht durch unvorhersehbare Wendungen, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm, flüssig und sehr bildhaft, was das historische Setting lebendig und glaubwürdig macht. Hervorzuheben sind die sorgfältig recherchierten historischen Fakten, die hervorragend in die Geschichte integriert wurden. Das Buch umfasst 480 Seiten, aufgeteilt in 93 kurze Kapitel, was das Lesen besonders spannend und angenehm macht.
Die Figuren sind vielschichtig gestaltet, und das Schicksal der Protagonistin ist sehr gut nachvollziehbar, wodurch beim Leser teilweise ein Gänsehautgefühl entsteht. Die Geschichte fesselt vom ersten bis zum letzten Satz und lässt einen kaum los – man möchte immer weiterlesen. Am Ende bleiben erstaunlich viele Fragen offen, was die Hoffnung auf eine Fortsetzung weckt.
Insgesamt ist dieses Buch eine großartige Wahl für alle, die historische Romane mit spannenden Handlungen schätzen. Silvia Stolzenburg konnte mich erneut von ihrem flüssigen Schreibstil und ihrer Fähigkeit überzeugen, lebendige Charaktere und eine glaubwürdige Atmosphäre zu schaffen.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Lesenswert

Pinguine fliegen nur im Wasser
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Henriette Krohns Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist ein einfühlsames und gleichzeitig humorvolles Buch über zwei Menschen, die sich zur richtigen Zeit begegnen – auch wenn es auf den ersten Blick ...

Henriette Krohns Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist ein einfühlsames und gleichzeitig humorvolles Buch über zwei Menschen, die sich zur richtigen Zeit begegnen – auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht danach aussieht. Greta, lebensfroh, kreativ und voller Gefühle, trifft auf Vincent, der nach einem beruflichen und persönlichen Absturz völlig orientierungslos ist. Dass sich gerade diese beiden finden, ist das Herzstück der Geschichte – und funktioniert überraschend gut.
Die Autorin schafft es, eine Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefe zu halten. Die Geschichte beginnt fast wie eine typische Feelgood-Komödie, entwickelt sich aber rasch zu einem ernsthafteren Selbstfindungsroman. Themen wie Einsamkeit, Selbstzweifel und psychische Belastungen – insbesondere bei Vincent – werden behutsam und glaubwürdig behandelt, ohne das Buch zu beschweren.
Besonders gefallen hat mir die Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Sowohl Greta als auch Vincent sind keine glatten Romanhelden, sondern haben Ecken, Kanten und eine Vergangenheit, die sie geprägt hat. Ihre Annäherung ist zögerlich, ehrlich und realistisch beschrieben. Auch die Rückblenden fügen sich harmonisch in die Gegenwart ein und geben dem Leser Einblick in die Hintergründe und inneren Beweggründe der Figuren. Dabei wirken beide sehr nahbar – man kann mit ihnen fühlen, lachen und manchmal auch leiden.
Der Schreibstil von Henriette Krohn ist angenehm leicht, flüssig und gleichzeitig bildhaft. Besonders schön fand ich die liebevollen Beschreibungen der alten Villa und wie sie Raum für Neuanfang und Zusammenhalt schafft. Die Nebenfiguren sind ebenfalls lebendig gezeichnet – einige sind herzerwärmend, andere eher herausfordernd, aber alle fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein.
Was das Buch besonders macht, ist seine Authentizität: Es ist nicht nur eine romantische Geschichte, sondern ein Roman über den Mut zur Veränderung, über das Zulassen von Nähe und über das Finden des eigenen Platzes im Leben – mit einem feinen Gespür für Humor und Menschlichkeit.
Fazit:
„Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist weit mehr als ein romantischer Wohlfühlroman. Es ist eine Geschichte über das echte Leben, über Brüche, Heilung und darüber, wie zwei ganz unterschiedliche Menschen sich gegenseitig Halt geben können. Eine bewegende, charmante und kluge Lektüre mit Herz und Tiefe – lesenswert. 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Wenn das Leben einen Umweg nimmt

Das Versprechen eines neuen Morgens
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Mary Ellen Taylors Roman erzählt die bewegende Geschichte eines Paares, das nach einem schweren Schicksalsschlag vor den Trümmern seiner Ehe steht. Olympia kehrt zur Hochzeit ihrer Schwester zurück in ...

Mary Ellen Taylors Roman erzählt die bewegende Geschichte eines Paares, das nach einem schweren Schicksalsschlag vor den Trümmern seiner Ehe steht. Olympia kehrt zur Hochzeit ihrer Schwester zurück in ihre Heimatstadt Virginia – ein Ort voller Erinnerungen, nicht zuletzt an ihre gemeinsame Zeit mit Spencer, ihrem Noch-Ehemann. Beide haben ihre kleine Tochter verloren, ein Verlust, der sie tief erschüttert und voneinander entfremdet hat. Doch inmitten von familiären Verpflichtungen, alten Wunden und neuen Geheimnissen beginnt langsam ein Prozess der Annäherung.
Die Autorin wählt eine ruhige, oft nüchterne Sprache, die anfangs emotional etwas distanziert wirkt. Doch genau dieser Stil lässt die inneren Kämpfe und das allmähliche Wiederfinden der Figuren besonders authentisch erscheinen. Die wechselnden Perspektiven, ergänzt durch Blogbeiträge und Rückblenden, fordern anfangs Aufmerksamkeit, tragen aber dazu bei, ein vielschichtiges Bild der Figuren zu zeichnen.
Olympia ist eine starke, nachdenkliche Frau, die trotz Schmerz und Unsicherheit versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Spencer stammt aus ganz anderen Verhältnissen, doch auch er trägt Verantwortung – nicht nur für seine Eltern, sondern auch für das, was zwischen ihm und Olympia noch immer besteht.
Das Buch thematisiert tiefgreifende Fragen: Wie geht man mit Trauer um? Wann ist es Zeit, loszulassen – und wann lohnt es sich, zu kämpfen? Die Geschichte zeigt, dass es keinen einfachen Weg durch den Schmerz gibt, aber dass Hoffnung selbst in den dunkelsten Momenten entstehen kann.
„Das Versprechen eines neuen Morgens“ ist ein leiser, aber kraftvoller Roman über Verlust, Liebe und zweite Chancen. Er berührt, ohne kitschig zu sein, und hinterlässt den Gedanken, dass das Leben weitergeht, vielleicht nicht wie geplant, aber vielleicht doch mit einem neuen Morgen.
Fazit: Eine gefühlvolle und tiefgründige Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Sehr lesenswert – gerade für Leserinnen und Leser, die emotionale Familien- und Beziehungsgeschichten mögen. 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Zwischen Aufstieg und Absturz

Hier oben sind wir unendlich
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Gemma Tizzards Roman „Hier oben sind wir unendlich“ entführt den Leser in das New York der 1930er-Jahre, mitten hinein in die Zeit der Großen Depression. Im Zentrum der Geschichte steht die junge Tänzerin ...

Gemma Tizzards Roman „Hier oben sind wir unendlich“ entführt den Leser in das New York der 1930er-Jahre, mitten hinein in die Zeit der Großen Depression. Im Zentrum der Geschichte steht die junge Tänzerin Grace, die für ihre Familie alles riskiert. Als ihr Bruder Patrick sich verletzt und seine Arbeit auf der Baustelle des Empire State Buildings verliert, trifft Grace eine mutige Entscheidung: Sie tauscht ihre Tanzkarriere gegen den gefährlichen Job als Stahlarbeiter – verkleidet als Mann.
Was zunächst wie ein abenteuerlicher Plan klingt, entwickelt sich zu einer bewegenden Geschichte über Zusammenhalt, Mut und Selbstaufopferung. Graces Verkleidung bringt sie täglich in Lebensgefahr, nicht nur wegen der Höhe, sondern auch, weil jederzeit alles auffliegen könnte. Besonders heikel wird es, als sie sich in einen ihrer Kollegen verliebt. Eine Liebe, die sie nicht leben darf, ohne ihre Tarnung zu gefährden.
Der Autorin gelingt es eindrucksvoll, die harten Lebensumstände dieser Zeit greifbar zu machen: die Angst vor Armut, das ständige Ringen um Medikamente für die kranke Schwester, die fehlende soziale Absicherung. All das wirkt erschütternd authentisch. Dabei erzählt die Autorin nicht nur von Not und Verzicht, sondern auch von Stärke, Hoffnung und der unerschütterlichen Liebe innerhalb einer Familie.
Besonders hervorzuheben ist, wie gut der historische Hintergrund in die Handlung eingewoben ist. Der Bau des Empire State Buildings, die Perspektive der Arbeiter – oft Einwanderer, die ihr Leben für einen kargen Lohn riskierten – wird ebenso lebendig beschrieben wie das Alltagsleben der Familien in den Hinterhöfen der Großstadt. Grace als weibliche Hauptfigur ist glaubhaft und berührend gezeichnet. Ihre Entschlossenheit, ihr Mut und ihre Zerrissenheit machen sie zu einer Figur, die lange nachwirkt.
Ein großes Lob gilt auch der feinfühligen Sprache der Autorin. Sie schafft es, Emotionen ohne Kitsch zu transportieren, und lässt den Leser die Höhenangst, die Kälte des Stahls und die Wärme familiärer Nähe gleichermaßen spüren.
Mein Fazit:
„Hier oben sind wir unendlich“ ist ein eindrucksvoller, spannender und zugleich tief berührender Roman, der nicht nur eine starke Frauenfigur ins Zentrum stellt, sondern auch einen bewegenden Blick auf eine der prägendsten Phasen der US-amerikanischen Geschichte wirft. Ein Lesetipp für alle, die historische Romane mit emotionaler Tiefe schätzen. 5 Sterne.

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