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Veröffentlicht am 03.11.2018

Extrawurscht mit Extraspannung

Das Extrawurscht-Manöver
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Sven Schäfer, ein ehemaliger Polizist, der sich als Privatdetektiv selbständig gemacht hat, erhält den Auftrag, eine vermisste Frau, Iris Gulden, zu suchen. Seine attraktive Auftraggeberin ist die ehemalige ...

Sven Schäfer, ein ehemaliger Polizist, der sich als Privatdetektiv selbständig gemacht hat, erhält den Auftrag, eine vermisste Frau, Iris Gulden, zu suchen. Seine attraktive Auftraggeberin ist die ehemalige Chefin von Iris Gulden. Als Sven Schäfer schließlich die Gesuchte findet, ist sie tot. Der einzige Zeuge der Tat ist ein Mops. Sven Schäfer schmiedet mit seiner ehemaligen Kollegin Elsa Dorn den Plan, den Mops als Zeuge zu benennen, ohne näher anzugeben, ob der Zeuge ein Mensch oder ein Tier ist. Dadurch soll der Täter nervös gemacht werden. Nach einigen Irrungen und Wirrungen, die ab der Hälfte des Buches rasant an Fahrt gewinnen, löst sich dieser Fall voller Überraschungen und der einzige Zeuge, der Mops, besteht alle Abenteuer unbeschadet.

Was zuerst nach der Suche nach einer verschwunden Person begann, wird zu einem Krimi, in dem im eher beschaulichen Augsburg Vorgänge aufgedeckt werden, die mit Diamenten, mafiösen Strukturen und maliziösen Ränkespielen zu tun haben. Je weiter die Ermittlungen von Sven Schäfer und seiner Exkollegin von der Polizei, Elsa Dorn, voranschreiten, desto bedrohlicher werden die Situationen. Einige Szenen sind nichts für schwache Nerven: auch in Augsburg gibt es erbarmungslose Killer.

Das „Extrawurscht-Manöver“ ist ein Krimi mit einem harmlos klingenden Titel, je weiter ich jedoch im Buch kam, desto spannender, überraschender und rasanter wurde die Handlung und es war nichts mehr von einer beschaulichen Extrawurscht-Atmosphäre zu spüren. Von der ersten Seite an packten mich die anschaulichen Beschreibungen, die oft humorige Art der Schilderungen, je weiter ich las, desto packender und mitreißender wurde die Geschichte und als Überraschung auf Überraschung folgten, konnte ich den Krimi nicht mehr weglegen und legte eine atemlose Nacht-Leseschicht ein. Aufhören unmöglich! So phantasiereich der Plot ist, ist auch immer spürbar, dass der Autor ein Fachmann, ein Polizist ist, und weiß, wovon und worüber er schreibt.
Der Krimi, das „Extrawurscht-Manöver“ ist ein Buch, das den Alltag vergessen lässt, den Novemberblues vertreiben und Aufregung ohne Ende bringen kann. Mir fallen auf Anhieb viele krimiliebende Freunde ein, die über dieses ungewöhnliche Werk erfreut wären und ich weiß jetzt schon, was ich mehrfach zu Weihnachten und zu kommenden Geburtstagen verschenken werde, besonders diejenigen, die nicht mit 08/15 Titeln zufrieden sind, werden sich über diese „Extrawurscht“ freuen, dessen bin ich mir sicher.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Perfektes (nicht nur)Sommervergnügen: Mein (nicht ganz) perfektes Leben

Mein (nicht ganz) perfektes Leben
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Die 29-jährige Lila wurde von ihrem Freund, mit dem sie ein Leben in Luxus leben wollte, betrogen und verlassen. Als sie ihn mit einer anderen Frau sieht, fährt sie ihn fast um – aus Versehen, nicht mit ...

Die 29-jährige Lila wurde von ihrem Freund, mit dem sie ein Leben in Luxus leben wollte, betrogen und verlassen. Als sie ihn mit einer anderen Frau sieht, fährt sie ihn fast um – aus Versehen, nicht mit Absicht – obwohl sie ihn eine Strafe gegönnt hätte. Der Roman beginnt mit Lilas letzter Sitzung in einem Anti-Aggressionstraining, das ihr ihr Ex eingebrockt hat. Die Szene ist umwerfend komisch und Humor und Witz ziehen sich durch das ganze Buch hindurch. Lilas Lebensplan geht nun nicht mehr auf und sie muss sozusagen ganz von vorne beginnen in einer eigenen Wohnung ohne Möbel, Geschirr und in einer etwas heruntergekommenen Umgebung. Ihr neuer Wohnungsnachbar, der menschenscheue, introvertierte Fred, kann sich nicht gegen ihre entwaffnende, unbekümmerte und mitreißend optimistische Art wehren und nach und nach entwickelt sich der Kontakt zwischen ihnen, obwohl der etwas mürrische Fred sich zuerst dagegen wehrt.

Als Lila dann einen neuen reichen Traumprinzen kennenlernt, ist dies Fred auch nicht recht und Lila, die kurz vor ihrem 30. Geburtstag der Realisierung ihres Lebensplans, ein Leben an der Seite eines reichen kultivierten Mannes, nahe ist, entdeckt plötzlich tief verborgene Wünsche und Schichten in sich... Auch Fred wandelt sich durch die Freundschaft mit Lila und als sie nicht mehr seine Wohnungsnachbarin ist, entwickelt er neue Seiten.

Sandra Binder, eine Autorin aus Oberschwaben, ist begeisterte Autorin, die aus ihren Tagträumen ihren Beruf als Schriftstellerin gemacht hat; sie legt mit „Mein (nicht ganz) perfektes Leben“ ihren dritten Roman vor. Bisher hatte ich noch nichts von ihr gelesen, aber dieses vergnügliche Buch hat mir Lust auf Sandra Binders andere Titel gemacht. Ich freue mich auf weitere (nicht nur) sommerliche Lesevergnügen mit Sandra Binders Romanen.

In „Mein (nicht ganz) perfektes Leben lernen wir zuerst Lila kennen, die eine lebensbejahende, charmante und spontane Frau ist. Nach ihrer gescheiterten Beziehung mit einem reichen Erben beginnt sie aufs Neue an ihrem vierstufigen Lebensplan zu arbeiten, den sie sich bereits als Kind ausgedacht hatte: „Prinzen mit viel Geld suchen, in einem schönen Haus leben, nur noch tun, was glücklich macht und einen großen Hund kaufen.“ Sandra Binder versteht es, ein plastisches Bild von Lila zu entwerfen und der Leser oder die Leserin schließt Lila sofort ins Herz.

Als Lila ihre einfache Wohnung in einem etwas heruntergekommenen Viertel und Haus bezieht, ist Fred, ein introvertierter, brummiger Kunstmaler mit Malblockade, der als Gelegenheitsjobber arbeitet, ihr Wohnungsnachbar. Es gelingt ihr, ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken und er erlebt mit der unkonventionellen Lila eine neue Art der Freundschaft. Auch Fred ist so sympathisch dargestellt, dass man ihn gleich mögen muss. Sandra Binders (sommer)leichter Schreibstil macht es einfach, der Geschichte und den beiden liebevoll und detailliert gezeichneten Hauptpersonen zu folgen – ich konnte das Buch kaum weglegen und las abends bis mir die Augen zufielen...

„Mein (nicht ganz) perfektes Leben“ weckt bald eine Ahnung, dass Lila und Fred mehr verbindet als eine „normale“ Freundschaft und als Lila dann ihren reichen Märchenprinzen von der Wunschliste trifft und zu ihm zieht, habe ich mit Fred getrauert, aber auch Lila zu ihrem planmäßigen Erfolg gratuliert. Aber damit endet das Buch ja noch nicht. Es geschieht noch Einiges, Nebenpersonen rücken ins Blickfeld und erstaunliche Wendungen finden statt.

Fazit:
„Mein (nicht tanz) perfektes Leben ist ein Roman, den man schon nach den ersten Seiten nicht mehr weglegen möchte und der mit seinen humorvollen und letztendlich unkonventionellen Hauptpersonen unsere Herzen erobert und den Leser phantasievoll aus dem Alltag reißt. Der Roman bringt uns zum Lachen, lässt uns mitleiden und zeigt überzeugend die Wandlungen der Protagonisten. Ein Roman, der an heißen Sommertagen, grauen Regentagen oder auch an langen Winterabenden die Zeit vergessen lässt und uns auf eine amüsante innere Reise mitnimmt. Ich überlege schon, welchen Freunde und Freundinnen ich mit diesem Buch eine Lesefreude bereiten kann.