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Veröffentlicht am 25.03.2024

Wenn alle Stricke reißen, kommt die Last Line of Defense

Last Line of Defense, Band 1 - Der Angriff
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„Last Line of Defense – Der Angriff“ ist der actiongeladene Auftakt der neuen Trilogie von Andreas Gruber. Atemberaubende Spannung, rasant wechselnde Szenarien und tolle Protagonisten inklusive.

Um was ...

„Last Line of Defense – Der Angriff“ ist der actiongeladene Auftakt der neuen Trilogie von Andreas Gruber. Atemberaubende Spannung, rasant wechselnde Szenarien und tolle Protagonisten inklusive.

Um was geht es?
Sofia, junge Investigativ-Journalistin ist in Buenos Aires auf der Flucht. Denn sie hat dem High-Tech-Konzern Futurotec brisante Daten gestohlen. Gerade noch schafft sie es in die britische Botschaft und beantragt Asyl. Der junge Jayden, Angestellter der Postabteilung in der Botschaft, soll sich um sie kümmern, bis sie nach England gebracht werden kann. Doch kurz vor der Fahrt zum Flughafen wird die Botschaft angegriffen. Was für Daten hat Sofia, die so einen hochkarätigen Angriff rechtfertigen? Und warum ist Jayden so ein ausgezeichneter Kämpfer? Gemeinsam begeben sie sich auf eine atemberaubende Flucht durch Argentinien.

Das Buch ist in zwei Handlungsstränge unterteilt. Die Haupthandlung findet in Argentinien mit den beiden Protagonisten Sofia und Jayden statt. Sofia ist eine zielstrebige, junge Journalistin, die sich manchmal mit mehr Glück als Verstand, aber auch einer großen Portion Cleverness aus schwierigen Situationen befreit. Jayden, der mit ihr nach dem Anschlag aus der Botschaft flieht, ist zunächst weniger durchschaubar. Doch in einem zweiten Handlungsstrang erfahren wir seine Geschichte. Waise, clever, bringt sich gerne selbst in Schwierigkeiten, hat nicht den besten Umgang, guter Kämpfer – der perfekte Kandidat für den Spezial-Geheimdienst „Last Line of Defense“. Diese bilden ihn mit zwei anderen Jugendlichen zum Team Omega aus. Wir begleiten Jayden auf seinem ersten richtigen Außeneinsatz, auf dem er sich beweisen soll. Auch wenn nicht alles rund läuft, ist er doch zielstrebig und smart unterwegs, manchmal aber auch noch ein wenig kopflos und unbedacht. Es macht Spaß seine persönliche Entwicklung während des Einsatzes zu verfolgen.

„Last Line of Defense“ liest sich unglaublich flüssig und zeichnet sich durch einen rasanten Schreibstil aus – passend zu den vielen actiongeladenen Situationen, die Sofia und Jayden meistern müssen. Das Buch selbst ist sehr bildlich geschrieben, sodass vor dem inneren Auge ein Actionfilm abläuft. Es ist ein echter Pageturner, den man kaum auf die Seite legen kann und will. Denn man möchte unbedingt wissen, ob Sofia und Jayden es endlich schaffen zu fliehen oder auf neue Schwierigkeiten stoßen. Diese sind so vielseitig, wie die Lösungen. Mir hat das Buch auf jeden Fall viel Lesespaß bereitet.

Fazit:
Wer gerne actiongeladene Thriller liest, bei denen Geheimdienste und kriminelle Organisationen eine wichtige Rolle spielen und nicht zu sehr auf realistische Darstellungen wert legt, wird bei diesem Buch voll und ganz auf seine Kosten kommen. Wer aber lieber tiefgründige Thriller mit detailreich konstruierten Storys und Verwicklungen liest, ist bei diesem Buch nicht gut aufgehoben.

Hinweis: “Last Line of Defense – Die Bedrohung” erscheint bereits am 01. November 2024. Ich persönlich freue mich sehr darauf 😊

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Familiengeheimnisse, die ergründet werden wollen

Der heimliche Beobachter
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Lisa Unger widmet sich in ihrem neuesten Thriller Familiengeheimnissen, die lange verborgen wurden und nun mit voller Wucht an die Oberfläche drängen. Eine spannungsgeladene und irgendwie bedrohliche Atmosphäre, ...

Lisa Unger widmet sich in ihrem neuesten Thriller Familiengeheimnissen, die lange verborgen wurden und nun mit voller Wucht an die Oberfläche drängen. Eine spannungsgeladene und irgendwie bedrohliche Atmosphäre, unterschwellige Konflikte, unter der Oberfläche brodelnde Geheimnisse und eine Prise Voyeurismus sind für den Leser garantiert.

Um was geht es?
Hannahs Familie, ihre Eltern und ihr Bruder mitsamt Frau erhalten zu Weihnachten ein Überraschungsgeschenk: DNA-Kits mit denen man nach unbekannten Verwandten suchen kann. Ein halbes Jahr später verbringt Hannah mit ihrem Mann Bruce, Bruder Mako mit Frau Liza und ihrer besten Freundin Cricket mit Partner Joshua ein Wochenende in einem Luxusferienhaus. Doch die DNA-Kits sind nicht ohne Folgen geblieben und lang gehütete Familiengeheimnisse drängen unaufhaltsam an die Oberfläche und bedrohen die luxuriöse Auszeit.

In „Der heimliche Beobachter“ nimmt uns Lisa Unger mit auf eine spannende Reise in das Innerste ihrer Protagonisten. Müssen Geheimnisse zwangsläufig irgendwann an die Oberfläche gelangen? Wir erleben die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht von Hannah, die immer alles richtig gemacht hat, Familie über alles gestellt hat und diese immer um jeden Preis verteidigt hat. Dabei hat sie oft ihre eigenen moralischen Grundsätze zurückgestellt. Nun gerät sie im Feriencottage in eine Ausnahmesituation und muss sich nicht nur dem heimlichen Beobachter stellen, sondern auch ihren falsch getroffenen Entscheidungen in der Vergangenheit. Das erschüttert ihre Grundsätze bis in die Tiefen.

Auch wenn Hannah die Protagonistin ist, so wird die Geschichte aus Sicht vieler weiterer sehr unterschiedlicher Personen geschildert: Bruce, Mako, Liza, Cricket und mehr. Immer wieder wechseln sich die Kapitel, geschrieben aus der Sicht der einzelnen Personen, ab. Das lässt uns tief in die Gefühlswelt der einzelnen Personen eintauchen und bringt gleichzeitig eine unglaubliche Dynamik in die Geschichte.

Obwohl dieses Buch keine actiongeladene Spannung beinhaltet, so führen die Geheimnisse, die wir als Leser ergründen möchten, dazu, dass eine unglaubliche, unterschwellige Spannung und unangenehme Atmosphäre erzeugt wird. Es hat fast schon ein wenig was von Voyeurismus, wenn wir die „Darsteller“ im Buch begleiten.

Darsteller bringt es auf den Punkt. Lisa Unger hat einen besonderen Schreibstil, den man mögen muss. In diesem Buch legt sie den Schwerpunkt sehr auf die einzelnen Personen, ihre Charakteristiken und Gefühlswelt und die angespannten Beziehungen unter den Freunden. Einen absoluten Sympathieträger gibt es, wie in so vielen anderen Romanen, nicht. Fast jede Person im Buch hat etwas gemacht, das den Leser betroffen zurücklässt und den schönen Schein bröckeln lässt. Wir erleben hier also kein schwarz und weiß, sondern sehr viele unterschiedliche Grauschattierungen.

Fazit:
Mit „Der heimliche Beobachter“ hat Lisa Unger eine ungewöhnliche Story geschaffen, die vor allem durch unterschwellige Spannung besticht und zum Ende der Geschichte eine wichtige Moral aufzeigt. Diese möchte ich an dieser Stelle nicht näher erläutern, sonst würde ich einen wichtigen Teil der Handlung verraten 😉 Fans actiongeladener Spannung sollten besser die Finger von dem Buch lassen. Wer aber Psychospielchen und die Abgründe der menschlichen Natur interessant findet und nicht permanent große Ereignisse in einer Handlung braucht, wird bei diesem Buch mehr wie auf seine Kosten kommen. Ungewöhnlich, atmosphärisch, gut.

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Veröffentlicht am 04.03.2024

Die Märchenmorde gehen weiter

Vöglein schweigt
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In Band 2 der Grimm-Trilogie geht das grausame Morden nach den Grimmschen Märchenmotiven weiter – diesmal spielen Frauen und Vögel eine zentrale Rolle.

Um was geht es?
Nora Rothmann ist zurück im Dienst ...

In Band 2 der Grimm-Trilogie geht das grausame Morden nach den Grimmschen Märchenmotiven weiter – diesmal spielen Frauen und Vögel eine zentrale Rolle.

Um was geht es?
Nora Rothmann ist zurück im Dienst und wird von ihrem Vorgesetzten Dieter Quast nur auf nicht fordernde Tätigkeiten angesetzt. Gut so, denn sie muss feststellen, dass sie von Kevin schwanger ist. Der Kevin, der als Mörder verhaftet wurde und nicht der ist, der er vorgegeben hat zu sein. Als wäre Noras Gefühlschaos noch nicht groß genug, meldet sich ihre alte Kindheitsfreundin Fiona bei ihr und hat Hinweise zu Grimm. Und dann geht auch noch Fitchers Vogel um und läutet eine neue abartige Mordserie ein. Der Täter entführt Frauen, um sie in lebensechte Vögel zu verwandeln und quält sie im Verlauf ihrer Metamorphose bestialisch – so brutal, dass mehrere sterben. Wer steckt hinter Fitchers Vogel und Grimm? Wird Nora das Geheimnis ihrer Familie endlich aufdecken?

Band 2 der Grimm-Trilogie schließt nahtlos dort an, wo Band 1 aufgehört hat. Alle Hauptcharaktere aus Band 1 begleiten uns auch weiterhin. Nora lernen wir dabei, bedingt durch ihre Schwangerschaft, von einer überraschend weichen Seite kennen, die man ihr so gar nicht zugetraut hätte. Selbst Manja kann ein paar kleine Sympathiepunkte sammeln. Generell merkt man allen Ermittlern im Buch an, dass das gesamte LKA auf dem Prüfstand steht. Alle stehen unter Druck, die Nerven liegen blank. Interessant ist auch die Rolle von Kevin, Noras Ex-Lover und Verdächtiger in einem Mordfall, der entgegen meinen Erwartungen eine größere Rolle im Buch einnimmt.

Die vielen unterschiedlichen Personen und Handlungsstränge haben mir in Band 2 keine Probleme mehr bereitet, da mir die Charaktere mit ihren Ecken und Kanten bereits aus Band 1 hinreichend vertraut waren. Grundsätzlich glaube ich aber, dass Band 2 nicht losgelöst von Band 1 gelesen werden kann und sollte. Es sind zwar Rückblenden vorhanden, aber aufgrund der Vielzahl an Personen und Handlungssträngen in Vergangenheit und Gegenwart, wird man ohne Vorwissen der Handlung nur schwer folgen können.

Elias Haller greift in seinem Thriller erneut ein Märchenmotiv der Gebrüder Grimm auf und pervertiert es: Fitchers Vogel. Für mich war das Märchen unbekannt, aber ich habe es mir parallel zum Buch durchgelesen. Überraschend brutal, genauso wie „Vöglein schweigt“. Auch dieses Mal werden die bestialischen Folterungen und Morde detailliert beschrieben und sind nichts für schwache Nerven. Wer damit Probleme hat, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen. Alle anderen erleben einen spannenden Thriller mit Sogwirkung, bedingt durch die kurzen Kapitel. Diese sind nach den einzelnen Personen und Handlungssträngen geordnet und sorgen auf diese Weise für eine rasante, strukturierte Entwicklung der Geschichte.

Auch wenn in „Vöglein schweigt“ die ersten offenen Fragen beantwortet und ein paar Geheimnisse gelüftet werden, so bleiben doch nach wie vor viele Fragen offen. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei diesem Buch um den „Sandwich-Teil“ der Grimm-Trilogie handelt. Dies tut der Spannung allerdings keinen Abbruch. Die große Auflösung kommt in Band 3, dem ich bereits entgegenfiebere.

Ein Hinweis an alle, denen es so geht wie mir: Band 3 erscheint am 16. April 2024 unter dem Titel „Schneeweißchen stirbt“. Na, wenn das mal kein böses Omen ist.

Fazit:
Das Buch „Vöglein schweigt“ ist nichts für schwache Nerven. Thriller- und Horrorfans, denen detaillierte Schilderungen von Morden nichts ausmachen, werden bei diesem Buch voll auf ihre Kosten kommen. Ich empfehle allen interessierten Lesern, nicht bei Band 2 der Grimm-Trilogie einzusteigen, da hier in meinen Augen zu viele Aspekte der Handlung und persönliche Entwicklung der Figuren verloren gehen. Wer Band 1 „Rotkäppchen lügt“ noch nicht kennt, sollte sich dieses unbedingt zuerst holen, um voll und ganz auf seine Lesekosten zu kommen.

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Veröffentlicht am 10.02.2024

Politkrimi – leider mit stark abfallender Spannungskurve

Die Spiele
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Der Politkrimi „Die Spiele“ erzählt die fiktive Geschichte rund um den Mord an dem mosambikanischen IOC-Funktionär Charles Murandi, vermischt diese aber mit zahlreichen realen Personen und Fakten.

Um ...

Der Politkrimi „Die Spiele“ erzählt die fiktive Geschichte rund um den Mord an dem mosambikanischen IOC-Funktionär Charles Murandi, vermischt diese aber mit zahlreichen realen Personen und Fakten.

Um was geht es?
Shanghai im Jahr 2021. Die olympischen Sommerspiele 2032 sollen vergeben werden. Unter anderem bewerben sich Deutschland und eine Kooperation dreier afrikanischer Staaten für die Austragung. Mit von der Partie als Vertreter für Afrika ist der mosambikanische IOC-Funktionär Charles Murandi. Am Tag vor der Entscheidung wird er ermordet in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Der deutsche Journalist und Bekannter Murandis, Thomas Gärtner, wird von der chinesischen Polizei verhaftet. Laut Sicherheitskamera hat er als letzter Murandis Hotelzimmer verlassen. Doch Gärtner kann sich an nichts mehr erinnern. Lena Hechfellner, die deutsche Konsularbeamtin und Bekannte Gärtners, versucht Licht ins Dunkel zu bringen und ihm zu helfen. Schon bald finden sich beide in einem nahezu undurchdringlichen Netz aus Lug. Betrug und Verrat wieder, das bis weit in die Vergangenheit zurückreicht – in die ehemalige DDR und nach Mosambik.

Die beiden Protagonisten des Buches könnten kaum unterschiedlicher sein. Zum einen ist da Lena Hechfellner, eine intelligente Konsularbeamtin, die ehrgeizig ihre Ziele verfolgt, auch ihre persönlichen. Und das ohne Rücksicht auf Verluste. Zum anderen gibt es den chinesischen Kommissar Frank Luo, ein smarter Ermittler, der das eine oder andere Problem mit dem „System“ hat und sich gerade so regeltreu verhält, wie es unbedingt erwartet wird. Während er versucht, die Zusammenhänge zu erkennen und das Beziehungsgeflecht rund um Charles Murandi in dessen Gegenwart und Vergangenheit zu entwirren, arbeitet Lena an der Freilassung von Thomas. Dabei prallen Welten aufeinander, die insbesondere durch die Nebenpersonen verdeutlicht werden, wie zum Beispiel Lenas Haushälterin Yaya, die als 2. Kind einer Chinesin offiziell nicht existiert und es doch tut. Oder der undurchschaubare, skrupellose Herr Pan, der mit allen Beteiligten wie mit Marionetten spielt.

Das Buch selbst lässt sich zwar gut und flüssig lesen, aber leider wurde meine anfängliche Begeisterung nach der Leseprobe nicht bestätigt. Der Spannungsbogen der Geschichte flacht sehr schnell ab. Wir finden uns schon bald in langwierigen Befragungen, Schilderungen, Dialogen und Rückblenden wieder, in denen Mosambik, die Madgermanes, der Einfluss Chinas in Afrika, sozialpolitische Probleme und Überwachung in China und noch vieles mehr thematisiert wird. Zwar ist das alles interessant, doch erschien mir zeitweise der Mord eher zur Rahmenhandlung zu verkommen. Bei „Die Spiele“ handelt es sich also nicht um einen klassischen Krimi mit Befragungen, spannenden Beweisen oder überraschende Erkenntnisse, die einen weiterbringen. Man kann nicht miträtseln, was hinter allem steckt, da die Zusammenhänge zu undurchschaubar sind und immer wieder neue Aspekte aufkommen. Wer dadurch aber zusätzliche Spannung erwartet, wird enttäuscht. Die Geschichte plätschert vor sich hin.

Zudem war mir persönlich die Geschichte rund um Charles Murandi, Thomas Gärtner und Lena Hechfellner irgendwann auch einfach zu konstruiert und hat mich überhaupt nicht mehr überzeugt, geschweige denn mitgerissen. Leider war auch das Ende des Buches für mich unbefriedigend. Es hat sich für mich wie abgebrochen angefühlt. Eigentlich wissen wir von keiner der Hauptpersonen oder wichtigen Nebencharaktere, was mit ihnen passiert und was aus ihnen geworden ist. Alles ist offen. Frank Luo muss zum Rapport. Ja und jetzt? Wie ging es mit Sascha Daniels weiter? Oder mit Lenas Haushälterin Yaya? Und so weiter.

Fazit:
Auch wenn das Buch als Krimi ausgeschrieben ist, kann ich es keinem Krimileser wirklich empfehlen. Teilweise ist für mich der Mord zur Rahmenhandlung geworden, die sozialkritischen und politischen Themen zur Haupthandlung. Wer allerdings Lust hat, sich mit den Madgermanes, China und politischen „Spielen“ auseinanderzusetzen, wird vermutlich Spaß mit diesem Buch haben. Für mich sind es leider nur zwei von fünf Sternen. Stark begonnen, leider schnell abgebaut und das offene Ende für die meisten Figuren im Buch haben mich zu dieser Bewertung bewogen.

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Veröffentlicht am 10.02.2024

Nur ein Stich trennt Dich vom Tod

Der Stich
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Mit „Der Stich“ legt Thilo Winter seinen zweiten Action-Thriller vor, in dem er wissenschaftliche Fakten mit Fiktion zu einer hochexplosiven, spannenden Story vermischt.

Um was geht es?
Key West, Florida. ...

Mit „Der Stich“ legt Thilo Winter seinen zweiten Action-Thriller vor, in dem er wissenschaftliche Fakten mit Fiktion zu einer hochexplosiven, spannenden Story vermischt.

Um was geht es?
Key West, Florida. Mit einem Floss übers Meer aus Kuba gekommen, wurde der Asylantrag der jungen Inéz in den rettenden USA abgelehnt und sie versucht, der Polizei zu entkommen. Auf Inéz Flucht landet sie in einer Massenpanik vor dem Gericht in Key West. Denn während der Verhandlung von Quito Mantezza, der um sein Stipendium als Biologiestudent kämpft, kommt es zu einem Zwischenfall. Quitos Anwalt bricht nach einem Moskitostich tot zusammen und auch andere Verhandlungsteilnehmer sind betroffen. Quito, der eine Brut genmanipulierter Moskitos aus einem Feldversuch von DNArtists zerstört hat, vermutet das schlimmste. Ist sein Albtraum wahr geworden und die Moskitos haben sich zu einer Gefahr für Mensch und Umwelt entwickelt? Vor dem Gericht trifft er auf Inéz. Gemeinsam begeben sie sich auf die gefährliche Spurensuche im Moskito-verseuchten Key West und versuchen, die Mücken zu bekämpfen. Ein schier aussichtloses Unterfangen, sind Moskitos auf Key West so zahlreich, wie kaum an einem anderen Ort. Und das nächste Opfer ist nur einen Stich entfernt.

Protagonist des Buches ist der Biologiestudent und Aktivist Quito Mantezza, der junge, etwas hitzköpfige Sohn des stellvertretenden Polizeichefs Roberto Mantezza. Er steht für seine Ideale ein, auch wenn er sich damit unbeliebt macht und sich gelegentlich in einer dunkelgrauen Rechtszone bewegt. Ohne Rücksicht auf sich selbst, verfolgt er seine Ziele und versucht, die Keys von der Moskito-Plage zu befreien und gleichzeitig den Verursachern das Handwerk zu legen. Das macht er gemeinsam mit seiner neuen Bekannten Inéz, Exilkubanerin, die ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt und aus ihrem Land fliehen musste, da sie offen Kritik am System geübt hat. Zielstrebig sieht sie nur die Gefahr für die Menschen und versucht ihnen zu helfen, auch wenn es nicht ihr Land ist. Beide begeben sich oftmals unüberlegt in nicht notwendige Gefahren – für die Sache. Neben den beiden gibt es eine Vielzahl weiterer interessante Nebencharaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Vom Vietnam-Veteran, über Quitos liebevolle Eltern, den unglücklich verliebten Diego bis hin zu gekauften Polizisten und skrupellosen Geschäftsleuten ist alles dabei – inklusive der damit verbundenen überraschenden Entwicklungen, Wendungen und Konflikten.

Auch wenn ab und an ein Klischee zu viel bedient wird, sehe ich das persönlich als Übertreibung des Autors um Positionen und Meinungen noch stärker zu polarisieren. Das Buch liest sich flüssig und erschafft einen actiongeladenen Film im eigenen Kopf. Thilo Winter versteht es wie kein Zweiter, wissenschaftliche Fakten mit Übertreibungen und Fiktion zu mischen und auf diese Art und Weise einen unterhaltsamen, mit Actionszenen gespickten Thriller vorzulegen. Trotz allem lässt mich der Pageturner nach der letzten Seite aber auch mit einem kleinen, mulmigen Gefühl zurück. Zudem habe ich die kapitelweisen Perspektivwechsel sehr geschätzt. Wir haben so die Charaktere des Buches im Verlauf der Geschichte noch besser kennengelernt und konnten in deren Gedankenwelt eintauchen. Das verleiht dem Buch zusätzlichen Tiefgang und Dynamik.

Besonders begeistert bin ich wieder, wie schon bei „Der Riss“, vom Nachwort. In diesem wird der wahre Kern der Geschichte aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten etwas näher beleuchtet und eingeordnet. Sehr interessant.

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings doch. Der Schluss des Buches selbst, hat mir nicht so gut gefallen. Aber letztlich ist das meine persönliche Meinung. Der Autor wollte hier einen anderen Weg als den klassischen Epilog gehen. Trotz allem war mir das alles etwas zu knapp und in der Form subjektiv nicht das, was ich mir für das Buch gewünscht hätte. Zudem war am Ende noch ein Fehler in der Geschichte enthalten, den ich hier nicht näher ausführen möchte, um nicht zu spoilern. Sehr schade, da das den Gesamteindruck etwas trübt.

Fazit:
Wer sich einen Wissenschafts-Thriller erwartet, ist hier falsch. Thilo Winter versteht es allerdings, wissenschaftliche Fakten mit Fiktion zu vermischen und daraus eine spannende, etwas übertrieben actionreiche Geschichte zu erschaffen. Mir persönlich gefällt das sehr gut und ich denke, dass Fans von actiongeladenen Storys und Filmen hier voll auf Ihre Kosten kommen 😊 So wie ich 😊 Aber auch normale Thrillerfans, die kein Problem mit der einen oder anderen Übertreibung haben, werden sehr viel Lesefreude mit diesem Buch haben. Ich selbst konnte es kaum auf die Seite legen.

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