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Veröffentlicht am 04.03.2019

Gewählte Wege

Das Versprechen, dich zu finden
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"Das Versprechen, dich zu finden" von Anne Youngson erschien 2018 (HC, gebunden) im HarperCollins Verlag Germany (O-Titel "Meet Me at the Museum", was ich hier viel treffender finde) und wurde von Wibke ...

"Das Versprechen, dich zu finden" von Anne Youngson erschien 2018 (HC, gebunden) im HarperCollins Verlag Germany (O-Titel "Meet Me at the Museum", was ich hier viel treffender finde) und wurde von Wibke Kuhn vom Englischen ins Deutsche übersetzt.


Es handelt sich um den Debutroman der englischen Autorin, deren Lebenslauf mich ebenso sehr beeindrucken konnte wie ihr außergewöhnlicher, sensibler, emotionaler und tiefgehender Roman, der über gewählte Lebenswege in der Weise erzählt, dass er "Porträts in Worten" gleicht: Für mich das erste Lesehighligt 2019! (Trotz voller Punktezahl kleine Kritik an den Verlag, die nichts mit dem Inhalt des Romans zu tun hat: Weder Cover noch Titel passen sonderlich gut zu diesem unglaublich schönen und wundervoll geschriebenen Roman).

Die "Schlüsselfigur" dieses Romans in Briefform ist der Tollund-Mann; eine über 2000 Jahre alte Moorleiche, die ihren gewaltsamen Tod fand und erst in den 1950er Jahren in Dänemark entdeckt wurde: Der Brief von Tina Hopgood an den Direktor des Museums, in dem der Tollund-Mann zu sehen ist und der ein Buch über ihn schrieb, kommt nicht bei dem Verfasser des Sachbuchs, einem Prof. Glob an, sondern beim Kurator des Museums: Anders Larsen. Das Interesse Tinas, inzwischen Anfang 60, gründet darauf, den Tollund-Mann, der sie durch seinen Gesichtsausdruck seit Jugendzeiten sehr beeindruckt hat, gerne einmal persönlich sehen zu wollen. Dieser Gedanke kam ihr bereits zu Schulzeiten und sie beschloss damals gemeinsam mit einer inzwischen verstorbenen Freundin, sich von England aus (sie ist inzwischen Farmersfrau in Bury St. Edmonds/Suffolk) auf die Reise von Silkeborg in Dänemark zu begeben - leider ist dieser Plan nie in die Tat umgesetzt worden...

Durch diese nie angetretene Reise beginnt eine Brieffreundschaft zwischen dem Kurator, Anders - und Tina, die nach und nach sehr persönliche Formen annimmt und deren Inhalte für den Leser einen Genuss und eine Bereicherung darstellen: Beide leben vollkommen unterschiedliche Leben, stellen jedoch fest, dass beide in einer Phase sind, darüber zu reflektieren, "was gewesen wäre, wenn...." sie andere Optionen gewählt hätten, andere Lebenspläne, ja gar Lebensträume verwirklicht hätten. Sie stellen fest, dass jeder an "so mancher Himbeere, die zu pflücken gewesen wäre", vorbeiging - und so manches Farnblatt, das sich gerade entrollte, von ihnen übersehen wurde: Diese Metaphern für Verpasstes, das eventuell doch noch nachgeholt werden kann, empfand ich als grandios. Der Schreibstil der Autorin, der sehr gefühlvoll und warmherzig, aber niemals ins Triviale oder Seichte abgleitet, hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonisten waren mir beide überaus sympathisch und besonders die Ehrlichkeit in ihren Briefen, das "genaue Hinhören", denn Briefe sind immer auch Einladungen zum Gespräch, das Zurate ziehen der Meinung des jeweils anderen in bestimmten Lebenssituationen war einfach nur schön - und eben sehr hart an der Lebensrealität - zu lesen.

Über den Inhalt möchte ich nicht viel verraten, denn Tina und Anders haben es verdient, von vielen LeserInnen selbst entdeckt zu werden: Eine Vielzahl wundervoller Sätze, die auch einer gewissen Lebensreife entspringen, wandern in mein "Buch der schönsten Sätze". Sicher hat mich dieser Roman auch überzeugen können, da ich einen engen Bezug zum Schreiben von Briefen habe (ich schreibe selbst sehr gern) - und eben im gleichen Lebensalter bin wie Tina und Anders. Es geht um Freundschaft, um Vertrauen und um die Thematik, dass es im Grunde immer möglich ist, sein Leben zu ändern - und auch neu anzufangen, da "nichts in Stein gemeißelt" ist. Diese (wahre) Botschaft des Romans finde ich sehr positiv - und auch ermutigend.

Fazit:

Ein literarisches Kleinod und für mich ein Lesehighlight 2019. Ein Roman in Briefen mit zwei wundervollen, authentischen Menschen, die eine briefliche Freundschaft mehr und mehr intensivieren und sich immer mehr annähern: Wer weiß, vielleicht treffen sie sich am Ende ja wirklich "am Museum" - um sich gemeinsam die Geheimnisse des Tollund-Mannes anzusehen?

Mit einem Chapeau für Anne Youngson für Inhalt und Schreibstil vergebe ich 5* und eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 24.02.2019

Eine besondere Geschichte über eine starke und unbezwingbare Liebe

Das geheime Glück
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"Das geheime Glück" von Julie Cohen erschien 2018 (TB, broschiert) im Diana-Verlag und überzeugt nicht nur durch das wirklich farblich sowohl symbolisch zauberhafte Cover, sondern auch durch den Romaninhalt ...

"Das geheime Glück" von Julie Cohen erschien 2018 (TB, broschiert) im Diana-Verlag und überzeugt nicht nur durch das wirklich farblich sowohl symbolisch zauberhafte Cover, sondern auch durch den Romaninhalt - und den Schreibstil der Autorin, der sehr authentisch, klar, emotional und in diesem Falle außergewöhnlich zu nennen ist.


Die beiden Hauptprotagonisten, die man kennenlernt (und dies im Verlauf der Geschichte sehr gut!) sind Robert (Robbie) Brandon und Emily Greaves, die erstmals in einem englischen Bahnhof aufeinandertreffen, als Emily ihre jüngere Schwester Paulina (Polly) vom Bahnhof abholen will... Beide erstarren und treffen sich wieder, da etwas "Besonderes" zwischen ihnen war. Hier nimmt die Geschichte ihren Verlauf, der sich über 5 Jahrzehnte erstreckt...

Robbie, ein Schiffsbauer und passionierter Segler ist am Anfang dieses Romans bereits so lange mit Emily zusammen, dass es oftmals keiner Worte mehr bedarf. Emily ist Ärztin für Geburtshilfe und arbeitet für eine Weile in Bolivien, wo sie in ihrem Fachgebiet betroffenen und mittellosen Frauen helfen kann. Die beiden verstehen sich blendend - und lieben sich zeitlebens sehr. Bis sich eines Tages alles ändert: Bei Robbie setzen Gedächtnislücken ein, die unübersehbar sind und die ihn sehr belasten: Beide hüten seit Jahrzehnten ein Geheimnis aus der Vergangenheit....

Meine Meinung:

Der sehr berührend und emotional, jedoch auch auf mich meist sehr authentisch wirkende Roman von Julie Cohen zieht den Leser bereits auf den ersten Seiten in seinen Bann: Das Geheimnis von Robbie und Emily will gelüftet werden und die Autorin hat sich in diesem Fall dafür entschieden, die Beziehung zwischen ihnen (wie auch den Reaktionen der Familie Emily's, die nicht sehr positiv war) rückwärts zu erzählen. So hat die Story eine Entwicklung, die uns in 5 Romanteilen an verschiedene Orte (Bundesstaat Maine, USA, Clyde Bay, Miami (Florida) und Cambridge (England) führt, eine unglaubliche Dramatik und Spannung inne, je weiter man zurückgeführt wird. William und Adam spielen bei diesen "Ortswechseln" auch eine Rolle und es gibt einen verdienten Seitenhieb auf kriminelle Machenschaften diverser Menschen und Organisationen, was Adoptionsmöglichkeiten betrifft; dies macht betroffen und sprachlos, da auch hier in gewisser Weise mit Menschen gehandelt wird. Man lernt auch den Jugendfreund und Kommilitonen Christopher kennen, den die Eltern von Emily sehr schätzen, da er wie Emily's Vater dem ehrbaren Beruf eines Chirurgen nachgeht.

Doch neben Robbie wirkt Christopher eher langweilig und blass; Robbie hingegen war mir noch eine Spur sympathischer als Emily, da er stets zu seinen Gefühlen steht, ehrlich ist, forsch und direkt ist, was auch in seiner Liebe zum Meer, zum Segeln und zur Freiheit zum Ausdruck kommt.

Selten habe ich in einem Liebesroman mehr Tiefe gefunden, die die starke und unbezwingbare Verbindung, die man auch Liebe nennt, zwischen zwei Menschen so treffend zu beschreiben verstand. Die ungewöhnliche, besondere Struktur des Schreibens mit der rückwärts erfolgenden Erzählweise haben mich ebenfalls beeindruckt und steigerten natürlich sehr die Spannung. Berührend fand ich die Beschreibung der magischen Anziehungskräfte eines Menschen, dem man sich verbunden fühlt - und der man sich in der Tat zuweilen nicht zu entziehen vermag: Dies ist die Basis, auf dem diese Geschichte, die teils romantisch ist, aber in der auch Bitterkeit nicht fehlt, beruht.

Das Geheimnis klärt sich zum Romanende hin - und wirft in jedem Leser Fragen auf. Sollten eigene und gesellschaftliche Moralvorstellungen nicht überdacht werden? Mir ging es jedenfalls so - und danke Julie Cohen für diese außergewöhnliche und großartige Geschichte zwischen Robbie und Emily: Beide haben einen Platz in dem Bereich meines Herzens gefunden, der für gute Literatur zuständig ist - und die Erinnerung an Robbie und Emily stets wachhält.

Fazit:

Ein ungewöhnlicher Liebesroman, dem es an Tiefe und Spannung nicht fehlt und der am Ende durchaus aufwühlt: Sind die Werte der Gesellschaft unumstößlich und immer richtig? Mir hat der Roman sehr gut gefallen, zumal er wundervoll und authentisch geschrieben wurde, die Figuren lebendig waren und der Stil der Rückwärtserzählung hier sehr passend war! 4*

Veröffentlicht am 24.02.2019

Abenteuer und Magie auf der irischen Insel Arranmore

Sturmwächter 1. Das Geheimnis von Arranmore
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"Sturmwächter" von Catherine Doyle erschien (HC, gebunden) im Oetinger-Verlag (2018) und sowohl das Cover (zu dem man Cornelia Haas gratulieren darf, denn es passt perfekt zum Inhalt dieses Jugendbuchs ...

"Sturmwächter" von Catherine Doyle erschien (HC, gebunden) im Oetinger-Verlag (2018) und sowohl das Cover (zu dem man Cornelia Haas gratulieren darf, denn es passt perfekt zum Inhalt dieses Jugendbuchs im Genre Fantasy) als auch der Inhalt sind - nicht nur für Jugendliche, auch für Erwachsene! - magisch, fantasievoll - und sehr abenteuerlich und spannend.


Zum Inhalt:

Fionn und seine 14jährige Schwester Tara besuchen in den Sommerferien ihren Großvater auf der irischen Insel Arranmore (die real existiert und der die Vorfahren der Autorin entstammen), nicht ahnend, was sie auf der Insel erleben werden...
Die Kinder sind in Dublin aufgewachsen und der 11jährige Fionn, der seinen Großvater Malachy Boyle das erste Mal sieht, versteht sich auf Anhieb mit ihm: Erstaunt bemerkt er die zauberhaften Eigenheiten der prachtvollen Kerzen, die sein Großvater selbst herstellt und erfährt mehr und mehr, was es mit diesen auf sich hat. Er ist klug und Abenteuern nicht abgeneigt, jedoch nicht der Mutigste aller Boyles - bis er seinen Fuß auf die Insel setzt, denn der Großvater, der auch Sturmwächter ist und die Insel vor der bösen Zauberin bewacht, die im Felsen eingeschlossen darauf sinnt, eines Tages wieder an der Oberfläche zu erscheinen, ist alt geworden: Die Insel sucht sich einen neuen Sturmwächter....
5 Clans sind mit den Gaben Dagdas, einem Zauberer, der sich einst gegen die Zauberin stellte, ausgestattet: Der alte Boyle ist nicht nur Sturmwächter, er beherrscht auch die Elemente! Wird er es schaffen, der drohenden Finsternis aus der Vergangenheit erneut trotzen zu können? Sein Enkel Fionn wird herausfinden müssen, wie mutig er tatsächlich ist, zumal ein anderer Clan, die Beasleys, schon lange vorhaben, den nächsten Sturmwächter zu stellen.

Meine Meinung:

Es handelt sich hier um ein wirklich schön und auch stimmig ausgearbeitetes und fein gesponnenes Abenteuergarn, das nicht nur Jungs ab ca. 10 Jahren begeistern dürfte: Mich hat es ebenfalls in seinen Bann schlagen können und zwar aus folgenden Gründen: Der Autorin gelingt es, den Leser bereits bei der Überfahrt mit der Fähre nach Arranmore mit auf die Insel zu nehmen, die vor Magie nur so strotzt und auf der der eher ängstliche Fionn, der "das Meer nicht in den Augen hat" wie sein Vater oder Großvater, eine wundersame Wandlung macht - und auf Reisen durch die Zeitschichten der Insel spürt, dass doch viel Mut in ihm steckt. Nun liegt es an ihm, das Schicksal der Insel zu wenden und im Guten zu belassen, die Finsternis abzuwenden.
Die Gaben, die der gute Zauberer hinterließ sowie diese Zeitreisen fand ich sehr spannend zu lesen. Der Autorin gelingt es, Abenteuer, Fantasie und auch viele Themen des Zwischenmenschlichen in diesem Jugendroman wundervoll miteinander zu verflechten: Für mich war es eine Freude, die schönen Naturbeschreibungen und auch die Entwicklung, die Fionn nimmt, mitzuerleben!

Obgleich spannend und magisch, äußerst fantasievoll, finden sich hier Themen wie Verlust, Mut und auch Ängste, der ewige Kampf um das Gute gegen das Böse, Familienzusammenhalt und Schuldgefühle. der Roman ist dabei authentisch, menschlich und spannend zu lesen. Am Ende wünscht man sich eine Fortsetzung, nachdem man das Buch zufrieden zuklappte.

Fazit:

Abenteuerlich, atmosphärisch, gut und jugendgerecht geschrieben, spannend, äußerst fantasievoll: Diese Adjektive beschreiben am besten diesen sehr lesenswerten Kinder- und Jugendroman (ab 10 Jahren wäre meine Empfehlung), in dem es um Magie - um das Gute und das Böse geht - auch darum, sich seinen Ängsten zu stellen, um seine Aufgaben erfüllen zu können.
Von mir gibt es eine Buchempfehlung - auch für Erwachsene, die sich ihre Fantasie bewahren konnten - und 4,5 * .

Veröffentlicht am 02.02.2019

Wie erklärt man bloß die Zeit?

Die kleine Hummel Bommel und die Zeit
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"Die kleine Hummel Bommel und die Zeit" von Britta Sabbag, Maite Kelly und Joelle Tourlonias erschien (HC, gebunden) 2018 im arsEdition-Verlag und setzt die erfolgreiche Reihe der kleinen Hummel fort.


In ...

"Die kleine Hummel Bommel und die Zeit" von Britta Sabbag, Maite Kelly und Joelle Tourlonias erschien (HC, gebunden) 2018 im arsEdition-Verlag und setzt die erfolgreiche Reihe der kleinen Hummel fort.


In diesem Kinder- und liebevoll illustrierten Bilderbuch geht es darum, Kindern ab Vorschulalter die Zeit zu erklären: Mal dehnt sie sich endlos lange (z.B. am Bahnhof beim Warten auf Oma Hummels Bummelzug), mal ist sie wie im Fluge vorbei, mal verläuft sie im Schneckentempo. Die kleine Hummel Bommel lernt, dass man Zeit nicht festhalten kann und wie prachtvolle Rosen aufblüht - und vergeht.

Der Leser und Betrachter lernt Kalle Kakerlake, Bino Biene, Walpurga Wespe, Marie Marienkäfer (Verkäuferin leckerer Honigkekse), Fabio und Frank Falter sowie die Eintagsfliege Emil Einstein kennen (die Ähnlichkeit ist verblüffend ;), für die Zeit sehr kostbar ist - aus verständlichen Gründen. Kritisch wird auch auf ein Thema eingegangen, das sicher auch Kinder und Kleinstkinder spüren: Dass die Menschen denken, sie hätten keine Zeit - und "zeitweise" über ihren to-do-Listen in Panik zu verfallen drohen.

Emil Einstein aber lehrt die Bommel, dass aus "Warten" auch eine "Pause" werden kann - und dass man seine Zeit nutzen sollte.

Ein klein wenig scheint die kleine Hummel verstanden zu haben, da sie am Ende des Buches glücklich an Oma Hummels Seite einschläft, in dem Wissen, dass (für mehr Fragen) "morgen auch noch genug Zeit ist"....

Fazit:

Das Buch wurde zum beliebtesten Kinderbuch 2018 gewählt und erhielt den "Lovelybooks Leserpreis" in Gold!
Einfacher Text mit pädagogisch wertvollem Inhalt meets wunderschöne und kindgerechte Bilder, die die Fantasie anregen und sowohl VorleserIn und Kind zum Nachdenken anregen. Eine gelungene Mixtur und eine schöne Kinderbuchreihe! Von mir gibt es 4* und eine Lese- und Kaufempfehlung.

Veröffentlicht am 02.02.2019

Agathe oder wie das Leben so spielt....

Agathe
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"Agathe" von der dänischen Autorin Anne Cathrine Bomann erschien (Hardcover, gebunden) 2019 im Hanser Verlag, München und ist eine weitere Ausgabe der Reihe "hanserblau", die sich durch ein edles Cover ...

"Agathe" von der dänischen Autorin Anne Cathrine Bomann erschien (Hardcover, gebunden) 2019 im Hanser Verlag, München und ist eine weitere Ausgabe der Reihe "hanserblau", die sich durch ein edles Cover (es sieht aus wie Leinen) und ein handliches Format auszeichnet.


Inhalt:

Fontenay-sous-Bois, Vorort von Paris, Nachkriegsjahre:

"Ein Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Die Probleme seiner Patienten erscheinen ihm längst banal, ihrem Schmerz steht er hilflos gegenüber. Doch eine letzte Patientin lässt sich nicht abwimmeln. Die Zeit mit Agathe verändert alles für ihn."
(Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:

Als Leser hat man anfangs den Eindruck, dass der Psychiater ohne Namen (nachfolgend daher im Pronomen genannt) seines Berufs äußerst überdrüssig ist: Er zählt die Sitzungen, die Tage - und ist doch unschlüssig, was er nach der Berentung mit seiner Zeit anfangen solle - ja, er ängstigt sich im Grunde davor - und vor dem Älterwerden.

Seine Sekretärin, Madame Surrugue, erhält daher die Anweisung, keine neuen Patienten mehr aufzunehmen. Doch eine Patientin - die romantitelgebende Agathe - schafft es doch und der Leser erlebt einige Sequenzen der Sitzungen mit, die IHN aus der Reserve - bzw. hinter dem Diwan schräg sitzend, nach und nach herausholt und IHN, unseren Psychiater, sich mehr und mehr wieder dem Leben zuwendet. Meines Erachtens trägt hierzu eine bedeutende Rolle Madame Surrugue bei, die seit Jahrzehnten seine Administration in Ordnung hält und der sicher nicht entgangen ist, welche negative Veränderung in der Praxis mit dem Psychiater selbst vonstatten ging, denn einst hatte er einen guten Ruf und war sehr engagiert: Daher möchte sich Agathe auch nur von IHM helfen lassen...

Die kurzen Kapitel fand ich sehr passend; denn zwischen den Zeilen, die in einfacher und schlichter Sprache daherkommen, hat der Leser viele Möglichkeiten der Interpretationsmöglichkeiten. Dies macht den Roman sehr interessant. Allerdings hätten nach meinem Empfingen einige "Leerstellen" - die Vergangenheit des Psychiaters oder Agathe's betreffend, hier gut getan: Andeutungen gab es, aber oftmals keine Erklärungen, das Gelesene besser zu verstehen.

Die Lösung aus seiner (emotionalen) Erstarrung kommt auch den therapeutischen Sitzungen und damit seinen Patienten zugute: Er engagiert sich wieder und die entwaffnende Ehrlichkeit Agathe's ist wie eine Erweckung aus dem Dämmerschlaf. Allerdings empfand ich auch dies (evtl. wegen des Unwissens, in der uns die Autorin lässt) doch etwas märchenhaft und ein wenig surreal. Dennoch freut man sich mit IHM, wenn am Ende eine aufgehaltene Tür ins Café führt, genauso, wie er es sich wünschte...

Fazit:

Eine nachdenklich stimmende Geschichte in schlichter und einfacher Sprache, die diesem Roman einen gewissen Zauber gibt, über das Aufbrechen einer seelischen "Verkrustung" oder Erstarrung - und die Lust auf Nähe, die in jedem Lebensalter für die seelische Gesundheit von Bedeutung ist - mitten hinein bzw. zurück ins Leben! Besonders interessant fand ich persönlich, dass die Autorin ebenfalls Psychologin ist - sich also mit "der Materie Mensch" auskennt. Auf jeden Fall eine Hommage an (positive) Veränderungen, die in jedem Alter möglich sind!

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