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Veröffentlicht am 11.02.2026

unterhaltsam und spannend, aber kein klassischer Psychothriller

Tödliches Angebot
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Der Immobilienmarkt in gehobenen Wohngegenden ist hart umkämpft, und Margo und ihr Mann Ian hatten schon in mehreren Bieterverfahren das Nachsehen. Sie wohnen derzeit auf 60qm, für ein Baby reicht der ...

Der Immobilienmarkt in gehobenen Wohngegenden ist hart umkämpft, und Margo und ihr Mann Ian hatten schon in mehreren Bieterverfahren das Nachsehen. Sie wohnen derzeit auf 60qm, für ein Baby reicht der Platz nicht, die biologische Uhr tickt, und wenn nicht bald ein angemessenes Eigenheim auftaucht, kann Margo ihren Traum von der Familie begraben. Als Margos absolutes Traumhaus zum Verkauf steht, ist klar: Das wird ihr Haus werden. Koste es, was es wolle.

Vielleicht liegt es daran, dass wir selbst 12 Jahre Immobiliensuche hinter uns haben, aber ich habe Margo trotz allem irgendwie gemocht und mich dabei ertappt, dass ich bis zum Schluss mit ihr mitgefiebert habe. Paradox, wenn man Revue passieren lässt, wie sehr sie sich in ihren Traum hineinsteigert und peu à peu immer mehr Grenzen überschreitet. Sehr gut gefallen haben mir auch die Rückblicke in Margos Kindheit, die ihr Verhalten zwar nicht entschuldigen, aber mögliche Erklärungsansätze liefern, warum sie sich in eine Art Wahn bezüglich ihres Eigenheims hineinsteigert und zunehmend skrupelloser wird.

„Tödliches Angebot“ war für mich eher ein spannender und kurzweiliger Unterhaltungsroman mit Thrillerelementen als ein echter Psychothriller. Dazu gab es einfach zu wenig Suspense, und der Thrilleranteil kam auch erst sehr spät zum Tragen. Mich hat das jedoch überhaupt nicht gestört, ganz im Gegenteil. Das Hörbuch hat mich sehr gut unterhalten, und es gab einige überraschende Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen habe. Allerdings habe ich glücklicherweise zuvor nicht die Kurzbeschreibung zum Buch gelesen, da dort leider schon zu viel verraten wird.

Das Hörbuch wurde von Rebecca Veil eingesprochen, und ich habe ihrer angenehmen Stimme sehr gerne gelauscht. Auch das Sprechtempo war perfekt.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Warum wird ein Mensch zum Mörder?

Ausreden
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1996 sorgte in Österreich und auch international der Fall der Elfriede Blauensteiner für Aufsehen, die mehrere Menschen, die sie pflegte, ermordet und sich an ihrem Vermögen bereichert hat. Der Journalist ...

1996 sorgte in Österreich und auch international der Fall der Elfriede Blauensteiner für Aufsehen, die mehrere Menschen, die sie pflegte, ermordet und sich an ihrem Vermögen bereichert hat. Der Journalist Florian Klenk hat Aussagen Blauensteiners, die während eines Gesprächs mit der Gerichtspsychologin Sigrun Roßmanith in der Justizvollzugsanstalt protokolliert wurden, redigiert und gekürzt. Der dabei entstandene Monolog bildet den ersten Teil von „Ausreden“ und vermittelt einen interessanten Eindruck von Elfriede Blauensteiner und ihrem Selbstbild.

Der zweite Teil besteht aus der „Nachrede“, in welcher der Autor über die Fakten, die zu den Fällen bekannt sind, Blauensteiners Herkunft, ihre Familie und die damals sehr sensationslüsterne Berichtserstattung von Teilen der Presse schreibt.

Da das Buch mit dem Monolog beginnt und ich mit Blauensteiners Fall nicht vertraut war, sind manche Passagen schwer zu verstehen. Im Nachhinein hätte ich lieber den zweiten Teil zuerst gelesen. Zudem frage ich mich, wie stark das Protokoll redigiert und gekürzt wurde, weil der Text in seiner Form beinahe poetisch wirkt und nicht wie natürliche gesprochene Sprache.

„Ausreden“ ist kein klassisches „True Crime“-Buch, das den Fokus auf die Taten selbst legt. Vielmehr interessiert hier der soziologische Aspekt: Welchen Anteil hatte Elfriede Blauensteiners Kindheit daran, dass sie einerseits fixiert darauf war, zu füttern und zu pflegen, und sie anderseits hilfsbedürftige Menschen quälte und schließlich gezielt ermordete? Blauensteiners Aussagen im Monolog lassen auf eine lieblose, entbehrungsreiche Kindheit schließen. Wie wirkte sich das auf ihre Moral aus?

Beim Lesen wird schnell deutlich, dass Blauensteiners Angaben zu den Todesfällen „Ausreden“ sind und den gerichtsmedizinischen Gutachten widersprechen. Ich fragte mich deswegen allerdings, inwieweit ich dann ihren Angaben zu ihrer Kindheit Glauben schenken darf. Hat sie hier auch gelogen, die Tatsachen bewusst verdreht? Hier hätte ich gerne etwas darüber erfahren, ob Florian Klenk versucht hat, Blauensteiners Angaben zu ihrer Kindheit zu verifizieren, auch wenn dies nach so vielen Jahren schwierig sein dürfte. Da er seine kriminalsoziologische Argumentation jedoch auf eben diesen Angaben gründet, fände ich es wichtig zu erfahren, inwieweit diese überhaupt zutreffend sind. Daher ist der Erkenntnisgewinn des Buches für mich begrenzt und Klenks Schlüsse stehen auf wackligen Beinen. Das Buch regt jedoch in jedem Fall dazu an, sich über die Gründe Gedanken zu machen, aus denen manche Menschen zu Straftätern werden und andere, die einen ähnlichen Hintergrund haben, nicht.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

leider nicht überzeugend

Banditensommer
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Mein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.

Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) ...

Mein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.

Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) sind mit ihrem Vater Bernhard nach der Trennung der Eltern im Sommerurlaub in Kroatien. Als die Jungs sich eines Abends aus der Ferienwohnung schleichen, um ihren Vater zu suchen, landen sie durch unglückliche Umstände auf einem Boot von Hundefängern, die Jagd auf Straßenhunde machen. Angeblich wollen sie die Touristen vor streunenden Hunden beschützen, doch die Banditen verfolgen in Wahrheit einen ganz anderen Plan, und die beiden Jungs schweben schon bald in großer Gefahr.

Bereits von Beginn an ist die Atmosphäre rau und düster und leider auch durch Klischees geprägt. Der Vater wirkt ruppig und impulsiv, der Umgang mit seinen Söhnen ist wenig liebevoll. Auf ihrer Suche erfahren sowohl der Vater als auch die Kinder wenig Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, die kroatische Polizei ist desinteressiert und unkooperativ, kriminelle Machenschaften ziehen sich in höchste Kreise. Der Ton ist hart, gespickt mit vielen Kraftausdrücken auf Seiten der Gauner. Mein Sohn, der eigentlich jedes Buch zu Ende gelesen haben will, wollte hier bereits nach wenigen Kapiteln abbrechen, so dass ich es allein beendet habe. Leider konnten Stil und Story auch mich nicht überzeugen. Krokos Wandlung vom Kind mit einer behandlungsbedürftigen Angststörung vor Tieren mutiert binnen kürzester Zeit zum Straßenhundeflüsterer. Sein kleiner Bruder Luis ist nervtötend und sorgt mit seiner Art immer wieder für heikle Situationen. Sämtliche Erwachsene bleiben blass, eindimensional und unsympathisch.

Was mich ebenfalls störte, ist die Darstellung von Straßenhunden als eigentlich harmlose Tiere. Das habe ich in südlichen Ländern selbst bereits anders erlebt, und Kinder sollten sich aus gutem Grund von diesen fernhalten, da sie nicht nur unberechenbar reagieren, sondern auch schwere Krankheiten übertragen können.

Krokos Rolle wird gegen Ende immer abstruser, wenn er Hunde durch seine Gedanken oder eine Art „Seelenverwandtschaft“ führt. Als wäre die Geschichte nicht schon verworren genug, flicht die Autorin mit dem illegalen Arbeitsmigranten Fadi auch noch eine weitere Sozialproblematik mit ein und überlädt damit die Handlung.

Leider konnte „Banditensommer“ weder meinen Sohn noch mich überzeugen und wir vergeben lediglich zwei Sterne.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Ein kluger Roman mit universeller Aussage

Einstein im Bade
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Als Naturwissenschaftlerin hat die Ausgangslage dieses Buch sofort mein Interesse geweckt: Die historische Bad-Nauheim-Debatte zwischen Albert Einstein und Philipp Lenard vom 23. September 1920 im Rahmen ...

Als Naturwissenschaftlerin hat die Ausgangslage dieses Buch sofort mein Interesse geweckt: Die historische Bad-Nauheim-Debatte zwischen Albert Einstein und Philipp Lenard vom 23. September 1920 im Rahmen der Versammlung der Deutschen Naturforscher bietet die Grundlage für eine fiktive Geschichte, erzählt aus der Sicht des Chefs des „Rastenden Kranichs“, eines bereits in die Jahre gekommenen Hotels, in dem neben den beiden Kontrahenten noch weitere Wissenschaftler untergekommen sind. Der „Rastende Kranich“ kann mit den modernen Hotels am Ort technisch nicht mithalten und sieht sich vor allem der Ruhe und dem Stil der alten Zeit verpflichtet, so dass Direktor Kleeberger mit sinkenden Buchungszahlen zu kämpfen hat. Da er sich dadurch Reklame für sein Haus verspricht, nimmt er sich vor, zwischen Einstein und Lenard zu vermitteln und diese dazu zu bringen, ihren seit längerem öffentlich ausgetragenen Streit beizulegen. Eher zweifelhafte Hilfe bekommt er hierbei vom langjährigen Stammgast Madame Hunderbrock, die ebenso exzentrisch wie scharfzüngig ist und für herrliche Momente sorgt.

Den Bemühungen Kleebergs zu folgen, hat mir beim Lesen großen Spaß gemacht: Kleeberger klammert sich an den alten Zeiten, in denen sein Hotel zu den ersten am Platz gehörte, fest, und übersieht die Zeichen des Niedergangs. Er verschließt die Augen vor der Beschwerden der Gäste über Küche und Zimmer, die er als Schrullen abtut. Das wirkt gleichzeitig rührend, traurig und unfreiwillig komisch. Geradezu Slapstick-Charakter haben die denkwürdigen Szenen im Badehaus 3, die ich mir ganz wunderbar bildlich vorstellen konnte. Wenn Kleeberger sich als Laie herausnimmt, mit den Nobelpreisträgern Einstein und Lenard über Physik zu debattierten, ertappte ich mich teilweise dabei, etwas Fremdscham für ihn zu empfinden. Aber möglicherweise war damals Physik noch etwas, was als allgemein greifbar und verständlich empfunden wurde. Heute würde sich wohl kein Laie mehr anmaßen, mit einem Nobelpreisträger in Physik fachlich diskutieren zu können.

Während der Dispute zwischen Lenard und Einstein wird klar, wie sehr in der wissenschaftlichen Grundsatzdiskussion zwischen klassischer Physik und Relativitätstheorie auch politische und rassenideologische Aspekte eine Rolle spielen. Die Wissenschaftswelt ist gespalten, ergreift Partei für die eine oder andere Seite. Philipp Lenard, Johannes Stark und ihre Anhänger treten vehement für eine „Deutsche Physik“ ein und wehrten sich entschieden gegen „jüdische“ Einflüsse. Kleeberger gerät zwischen die Fronten und in ihm reift eine wichtige Erkenntnis, die auch ein Appell an jeden Einzelnen verstanden werden kann. Damit ist „Einstein im Bade“ nicht nur ein sehr gelungener Roman, der mit feinem Humor Historisches und Fiktion vermischt, sondern besitzt auch eine sehr ernste, nachdenkliche Komponente, die leider aktueller denn je ist.

Ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.02.2026

ganz nett, aber nicht mehr

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat
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„Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“ ist der fünfte Teil der „Trubel um Tiffany“-Reihe. Da Großtante Ilse aus Wuppertal zum vierten Mal heiratet, macht sich Tiffanys gesamte Familie im Auto ...

„Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“ ist der fünfte Teil der „Trubel um Tiffany“-Reihe. Da Großtante Ilse aus Wuppertal zum vierten Mal heiratet, macht sich Tiffanys gesamte Familie im Auto auf den Weg. Neben Tiffany sind das ihre Geschwister Luisa und Max, ihre Eltern und die Großeltern. Die Fahrt steht unter keinem guten Stern, denn Mama ist genervt vom Packen, Papa hat beim Parken die Mülltonne erwischt, Max hat einen Kater, Oma sucht ihr Handy und Opa wäre sowieso viel lieber mit dem Zug gefahren…

Das Hörbuch wurde vom Autor Marc-Uwe Kling selbst eingelesen, wobei zu beachten ist, dass sich die Lauflänge von 54 Minuten aus zwei Lesungen zusammensetzt: Einmal eine inszenierte Studiolesung mit Geräuschen und eine Livelesung mit Publikumsreaktionen. Die Geschichte an sich dauert also lediglich gute 25 Minuten. Mir hat die Studiolesung etwas besser gefallen, auch wenn ich die Geräusche gelegentlich als unangenehm empfand. Eine reine Studiolesung nur mit Sprecherstimme wäre mir am liebsten gewesen.

Die Geschichte selbst ist kurzweilig und lustig, mit feiner Situationskomik. Was mich allerdings sehr gestört hat ist, dass der 14-jährige Max bereits einen Kater hat, weil er am Vorabend zu viel „Kleiner Feigling“ getrunken hat. Das ist für mich ein Grund, dieses Hörbuch nicht mit meinem Kind anzuhören, weil ich der Verharmlosung von Alkoholkonsum nichts abgewinnen kann. Ebenfalls unangenehm fiel mir auf, dass der Autor in der Geschichte explizit Eigenwerbung macht und seine Werke „Känguru-Chroniken“ und „Das Klugscheißerchen“ erwähnt.

Insgesamt ist dieses Hörbuch ganz nett, aber nicht mehr.

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