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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein tolles Nachschlagewerk!

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
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Ich liebe Redensarten und Sprichwörter, und so war ich sehr neugierig auf dieses Buch. Über 700 Redensarten sind hier alphabetisch aufgeführt und kompakt erklärt. Unterhaltsam und mit feinem Humor erfährt ...

Ich liebe Redensarten und Sprichwörter, und so war ich sehr neugierig auf dieses Buch. Über 700 Redensarten sind hier alphabetisch aufgeführt und kompakt erklärt. Unterhaltsam und mit feinem Humor erfährt man so Spannendes und Überraschendes über deren Ursprünge und bekommt Lust, sich durch die Seiten zu schmökern. So eignet sich „Wer hat den Teufel an die Wand gemalt“ nicht nur als Nachschlagewerk, sondern lädt dazu ein, sich kreuz und quer von einer Wendung zur nächsten treiben zu lassen. Auch mein Sohn (12) hat dieses Buch schon für sich entdeckt, da er im Alltag immer wieder über Redensarten stolpert, deren Herkunft ihm unbekannt ist, so wie jüngst „gestiefelt und gespornt“. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Menschen, die Deutsch als Fremdsprache sprechen, viel Freude daran haben könnten und den ein oder anderen Aha-Effekt erleben.
Rundum empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Ein außergewöhnlich schönes Kindersachbuch

Der Stoff, aus dem die Dinge sind
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Was für ein wunderschönes, hochwertig gestaltetes Kinderbuch! Vom ersten Moment an hat mich „Der Stoff, aus dem die Dinge sind“ begeistert, da es sich wohltuend von der Masse an Sachbüchern abhebt. Gleich ...

Was für ein wunderschönes, hochwertig gestaltetes Kinderbuch! Vom ersten Moment an hat mich „Der Stoff, aus dem die Dinge sind“ begeistert, da es sich wohltuend von der Masse an Sachbüchern abhebt. Gleich auf dem ersten Blick fallen das große Format (ca. 22 cm x 30 cm) und die griffige Haptik des leicht genoppten Hardcovers mit der erhabenen Titelprägung auf. Im Inneren geht es außergewöhnlich weiter: Jonathan Drori stellt jeweils auf einer Doppelseite 30 Pflanzen vor. Neben allseits bekannten Gewächsen wie Tomaten, Kartoffel, Weizen und Buche sind auch exotische wie Alraune und Guttapercha darunter. Auf der rechten Seite ist stets eine detaillierte, fein ausgearbeitete Zeichnung der Pflanze sowie bestimmter Pflanzenteile wie Wurzeln, Blüten, Blätter, Samen oder Früchte abgebildet, die durch erläuternde kurze Texte optimal ergänzt wird. Besonders schön finde ich hier die zarte, an eine saubere Handschrift erinnernde Schriftart. Spannende Fakten rundum Historisches, Lebensraum und Verwendung sind auf der linken Seite zu finden. Hier gibt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene teils Erstaunliches zu entdecken – wer hätte zB gedacht, dass Kork in der Raumfahrt eine Rolle spielt? Auch hier werden die Informationen wieder durch wunderschöne Zeichnungen ergänzt. Den Illustrator:innen Raxenne Maniquiz und Jiatong Liu gebührt hier ein ganz großes Lob!
Der Verlag empfiehlt „Der Stoff, aus dem die Dinge sind“ für Kinder ab 10 Jahren, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch etwas jüngere Kinder bereits Freude an diesem Buch haben, insbesondere, wenn sie dabei von einem Erwachsenen begleitet werden.

Einen kleinen Wermutstropfen hat das Buch für mich allerdings: Es ist „Printed in China“, was für mich aus ökologischen Gründen nicht nachvollziehbar ist und zu einem Stern Abzug führt, auch wenn es inhaltlich keine Wünsche offen lässt.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Eine herzerwärmende Geschichte

Eine Maus namens Merlin
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Helen Cartwright ist 83 Jahre alt und nach über 60 Jahren in Australien wieder in ihren Heimatort in England zurückgekehrt. Mann und Sohn sind bereits verstorben, und auch Helen erwartet vom Leben nicht ...

Helen Cartwright ist 83 Jahre alt und nach über 60 Jahren in Australien wieder in ihren Heimatort in England zurückgekehrt. Mann und Sohn sind bereits verstorben, und auch Helen erwartet vom Leben nicht mehr viel außer einem baldigen Tod. Als sie eines Tages durch Zufall eine kleine Maus in ihr Haus aufnimmt, verändert diese ihr Leben auf ungeahnte Weise.

Der ruhige, präzise Schreibstil, der auch kleine Alltagsroutinen detailliert schildert, passt hervorragend zu Helens Leben, das zunächst strukturiert wird durch die Zubereitung von Tee und Fertiggerichten sowie das Radio- und Fernsehprogramm. Ich hatte Helen hierdurch genau vor Augen. Auch ihre mitunter etwas raue und direkte Art fand ich sehr stimmig. Je mehr sie sich mit der Maus und deren Bedürfnissen auseinandersetzt, desto stärker wendet sie dem Leben zu und tritt in Kontakt mit ihren Mitmenschen. Diese Veränderungen sind sehr glaubhaft, feinfühlig und berührend beschrieben. Besonders gut gefiel mir, dass Helens Figur dazu ermutigt, ältere Menschen näher kennenzulernen und ihre oft erstaunliche Lebensgeschichte zu würdigen.

Mir wird diese leise, nachdenkliche und fein beobachtete Geschichte sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz lebt für ihre Arbeit. Sie ist Mitte Dreißig und kurz vor dem Sprung in die Vorstandsetage des Aviola-Konzerns. Einziger Haken: Ihre Sozialkompetenz ist, vorsichtig gesagt, ausbaufähig, ...

Marlene Buchholz lebt für ihre Arbeit. Sie ist Mitte Dreißig und kurz vor dem Sprung in die Vorstandsetage des Aviola-Konzerns. Einziger Haken: Ihre Sozialkompetenz ist, vorsichtig gesagt, ausbaufähig, und ein zweiwöchiges Achtsamkeitstraining beim berühmten Coach Alex Grow soll Abhilfe schaffen. Alex´ Coaching-Akademie steckt in den roten Zahlen, und der Fortbestand der Akademie hängt davon ab, ob er bei Marlene Erfolg hat. Denn nur dann will Aviola die kompletten Mitarbeiter-Coachings in seine Hände legen. Und dummerweise ist Marlene widerspenstiger als gedacht.

Ich mag die Bücher von Maxim Leo sehr und war daher voller Vorfreude auf „Einatmen. Ausatmen.“ Wie gewohnt ist der Schreibstil flüssig zu lesen, unterhaltsam und pointiert. Allerdings können mich Charaktere und Handlung diesmal nicht überzeugen. Die Figuren wirken klischeehaft und überzogen, und mit fortschreitender Seitenzahl wird die Geschichte immer unglaubwürdiger und abstruser. Ich hatte beim Lesen leider nicht das Gefühl, es mit echten Menschen, sondern eher mit Abziehbildern zu tun zu haben. Schade, aber diesmal hat mich Maxim Leo nicht erreicht.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Gelbe Monster
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Charlie, Doktorandin der Mathematik und Ende 20, hat Blutergüsse im Gesicht und einen gebrochenen Arm. Sie sieht aus, als wäre sie geschlagen worden – wieder ein Fall von partnerschaftlicher Gewalt gegen ...

Charlie, Doktorandin der Mathematik und Ende 20, hat Blutergüsse im Gesicht und einen gebrochenen Arm. Sie sieht aus, als wäre sie geschlagen worden – wieder ein Fall von partnerschaftlicher Gewalt gegen Frauen, einer von knapp 140.000 jedes Jahr? Doch Charlie ist diejenige, die zum Antiaggressionstraining muss, nicht ihr Freund Valentin. Was ist passiert und warum?

„Gelbe Monster“ widmet sich einem Thema, das gesellschaftlich wenig Beachtung findet: Der partnerschaftlichen Gewalt gegen Männer. Auch wenn über 80% der Opfer von Gewalt in Beziehungen weiblich sind und auch die Schwere der Verletzungen bei ihnen deutlich höher ist (BKA, Statistik 2024), muss auch über Gewalt gegen Männer gesprochen werden.

Clara Leinemann erzählt aus der Sicht von Charlie und springt hierbei zwischen zwei Zeitebenen: Die erste spielt in der Gegenwart und ist im Präsens verfasst. Charlie ist vorübergehend bei ihrer Freundin Ella untergekommen, geht zur Therapie und versucht, ihr Leben nach der Trennung von Valentin wieder in den Griff zu bekommen. Die zweite schildert im Präteritum die Ereignisse in der Vergangenheit, beginnend mit dem Kennenlernen der beiden. Obwohl die Zeitsprünge nicht durch Kapitel voneinander abgetrennt sind, hatte ich keine Schwierigkeiten, diese entsprechend zuordnen zu können. Generell mag ich diese Art des Erzählens sehr.

Der Klappentext verspricht eine „Antiheldin, [die] so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.“. Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Charlie war mir von Beginn an unsympathisch: Sie ist unsicher, verplant, oberflächlich und macht sich ständig Gedanken um ihre Außenwirkung. Sie ist nicht in der Lage, eine reife Beziehung einzugehen, ihre Bedürfnisse angemessen zu kommunizieren und ihren Partner so wahrzunehmen, wie er ist. Stattdessen lebt sie in einer Art Traumwelt mit einer idealisierten, stark von Äußerlichkeiten geprägten Vorstellung einer Beziehung. Auch Valentin, den man als Leser:in nur aus Charlies subjektiver Sicht erlebt, wirkt unreif und bleibt blass. Auch ihre berufliche Situation finde ich als Mathematikerin wenig realistisch – wer seine Doktorarbeit monatelang so stark vernachlässigt und eine PostDoc -Stelle in Madrid ausschlägt, dürfte sich keine Hoffnung machen, dieselbe Stelle zwei Jahre später nochmals angeboten zu bekommen – dazu sind die wissenschaftlichen Stellen in diskreter Mathematik viel zu umkämpft.

Durch die Erzählweise bleibt sehr lange im Dunkeln, was nun genau vorgefallen ist und zu Charlies Verletzung geführt hat. Auch die Gründe für Charlies Unsicherheit und ihre mangelnde Selbstliebe werde nur angedeutet. Insgesamt werden viele wesentliche Aspekte kaum oder nur kurz angesprochen, so dass man am Ende mit vielen Fragen zurückbleibt. Hier hätten dem sehr kurzen Roman weitere 50 Seiten sehr gutgetan, um mehr Tiefe zu erreichen. So bleibt alles sehr oberflächlich und eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik findet nicht statt.

Problematisch finde ich, dass sowohl bei Valentin als auch bei den Fällen, die im Antiaggressionstraining geschildert werden, suggeriert wird, dass der Mann eine gewisse Mitschuld an der Gewalt trägt. Wenn der Freund der Frau auch vor Dritten zwischen die Beine oder an den Hintern fasst, wer kann da eine Ohrfeige verdenken? Natürlich ist zu beachten, dass wir als Leser:in nur die unzuverlässige Sichtweise der Täterinnen kennenlernen, dennoch bleibt ein unangenehmer Nachhall.

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