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Veröffentlicht am 26.04.2026

leider sehr platt

Mirabellentage
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Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin ...

Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin des Dorfpfarrers Josef in Bayern. Als dieser plötzlich stirbt, ändert sich auch Annas Leben: Sie muss nicht nur den neuen jungen Pfarrer Fridtjof aus Friesland bei seinem Einstand unterstützen, sondern auch noch einen speziellen Wunsch Josefs erfüllen. Auch für Anna bedeuten die Veränderungen einen Neuanfang, und sie muss sich der Frage stellen, wie es für sie selbst weitergehen wird.

Das Setting ist recht beschaulich, und so entwickelt sich auch die Geschichte. Leider sprang der Funke bei mir nicht über, und Annas betuliche Art wirkte auf mich wie aus längst vergangener Zeit. Der Humor ist arg plump und übertrieben und hat nichts von dem sommerlich-leichten Charme aus „Mühlensommer“. „Mirabellentage“ setzt auf viel Nostalgie, beschwört die Erinnerung an alte Marken wie Schiesser, den Quelle-Katalog oder den „Strich-Achter“, der als Bezeichnung für eine bestimmte Mercedes-Baureihe nur Oldtimer-Fans und der älteren Generation ein Begriff sein dürfte. Die Handlung plätschert so vor sich hin, und als es verspricht interessant zu werden, endet das Buch recht abrupt. Ich konnte keine Beziehung zu den Figuren aufbauen und blieb zum Schluss enttäuscht zurück. Vielleicht können Leser:innen, die selbst in den 1950er Jahren geboren sind, dem Roman mehr abgewinnen.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Highlight!

Meine Berge bist du
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Der Ich-Erzähler und Schriftsteller Francesco lernt in seinem Heimatdorf Guido Contin kennen, einen alleinstehenden alten Mann, dessen Art und einfache, aber lebenserfahrende Weisheiten ihn faszinieren. ...

Der Ich-Erzähler und Schriftsteller Francesco lernt in seinem Heimatdorf Guido Contin kennen, einen alleinstehenden alten Mann, dessen Art und einfache, aber lebenserfahrende Weisheiten ihn faszinieren. Aufgrund eines Fotos, das Francesco in einer Felsspalte gefunden hat, lädt Guido ihn zu sich nach Hause ein und zeigt ihm eine Mappe mit Briefen eines gewissen Onesto, die dieser an die Berge in den Dolomiten gerichtet hat. Anhand dieser Briefe taucht Francesco tief in das Leben von Onesto, seinem Zwillingsbruder Santo und der schönen Celeste ein.

Onesto und Santo wurden während des Ersten Weltkrieges geboren. Ihr Leben nahm bereits kurz nach der Geburt eine schicksalhafte Wendung, und beide verbindet zeitlebens eine unverbrüchliche, tiefe Zuneigung. Onesto ist tief verwurzelt in seiner Heimat, und die Berge sind ihm so vertraut wie Gefährten. Das Leben kommt und geht, doch die Berge überdauern die Zeit, stehen unerschütterlich als Landmarken und sind für Onesto mit den entscheidenden Momenten seines Lebens untrennbar verbunden.

Eingebettet in die Rahmenhandlung entwickelt sich durch die Briefe Stück für Stück eine berührende Binnenerzählung, die von tiefer Liebe zur Heimat, der Familie und einer Frau erzählt, die allen Widrigkeiten trotzt und von lebenslanger Hingabe und Opferbereitschaft geprägt ist.

Eine wunderbar leise, zarte und dennoch intensive Geschichte, die noch lange im Herzen bleibt.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

sehr spezieller Schreibstil, aber spannend bis zum Schluss

Das letzte Buch von Marceau Miller
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„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) ...

„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) Autor geschrieben ist, der im Buch gleich im Prolog tödlich verunglückt. Dies ist so nicht ganz richtig. Zwar spielt sein letztes Manuskript eine wichtige Rolle und ist auch Teil des Buches, nimmt aber vergleichsweise wenig Raum ein. Stimmiger hätte ich es als gefunden, wenn ein anderer Autor auf dem Cover gestanden hätte.

Sarah, Marceaus Ehefrau, setzt alles daran, den Tod ihres Mannes aufzuklären, denn sie ist felsenfest davon überzeugt, dass es sich um keinen Unfall handelt. Der Großteil des Thrillers ist aus ihrer Perspektive erzählt. Sarah ist ein höchst ungewöhnlicher Charakter: Sie neigt zu Impulshandlungen und Wutausbrüchen, ist unausgeglichen, teilweise völlig neben der Spur. Einerseits verständlich angesichts ihrer Situation, andererseits auch ein bisschen zu viel für mich. Vor allem, dass sie ihre beiden Kinder, die immerhin ihren Vater verloren haben, völlig links liegen lässt, passt für mich nicht ins Bild. Ich wurde mit Sarah nicht warm und hatte nicht das Gefühl, es mit einer Figur aus Fleisch und Blut zu tun zu haben, sondern eher mit einer Kunstfigur. Das galt leider für sämtliche Personen in diesem Thriller. Einen großen Anteil daran hat sicher der sehr poetische, öfters ins Kitschige abdriftende Schreibstil, der mir eine Spur zu „drüber“ war. Die Verklärung von nahezu symbiotischen Freundschaften wirkte auch mich wenig glaubhaft, und auch die Geheimnisse, die Marceaus Leben und das seiner Clique umgaben, waren mir zu viel und letztlich nicht glaubwürdig. Hinzu kommen kleinere logische Fehler (so liegt zwischen den 22. April und dem 16. Mai nicht nur eine Woche, wie mehrfach behauptet).

Ungeachtet dessen ist der Thriller bis zum Schluss temporeich, voller überraschender Wendungen und spannend, so dass ich mich dennoch gut unterhalten gefühlt habe.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

aufrüttelnd und wichtig

Undercover unter Nazis
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Unter dem Decknamen Isabell hat sich die Investigativ-Journalistin Angelique Geray in die rechte Szene eingeschleust. Über einen Zeitraum von zwei Jahren recherchierte sie, unterstützt von Stern und RTL, ...

Unter dem Decknamen Isabell hat sich die Investigativ-Journalistin Angelique Geray in die rechte Szene eingeschleust. Über einen Zeitraum von zwei Jahren recherchierte sie, unterstützt von Stern und RTL, was insbesondere Jugendliche dazu bewegt, sich rechten Gruppierungen anzuschließen. Überraschenderweise üben rechte Ideologien auch auf junge Frauen eine große Faszination aus. Das zu lesen, war für mich besonders überraschend, geht das doch neben dem menschenverachtenden Gedankengut zusätzlich mit extrem rückwärtsgewandten Frauenbildern einher – und welches junge Mädchen will schon freiwillig zurück an den Herd, dem Ehemann untergeben sein und in knöchellangem Omakleid herumlaufen?

Angelique Geray erhielt Zutritt zu rechten Social-Media- und Chatgruppen, begleitete einen jungen Neonazi zum Waffenkauf nach Tschechien, nahm an Jugendlagern und Demonstrationen teil und meldet sich auf rassistischen Dating Apps an. Das alles unter größten persönlichen Risiken – nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ihre Tarnung aufgeflogen wäre. Besonders abstoßend empfand ich ihre Erfahrungen auf den einschlägigen Dating-Portalen und den Treffen, die hierdurch zustande kamen. Die Vorstellungen der Männer, die sich dort tummeln, sollten auch die letzte Frau wachrütteln, was es bedeutet, wenn rechtsgesinnte Kräfte wieder an Macht gewinnen.

Ich habe größten Respekt vor dem Engagement und dem Mut der Autorin, die bis heute aus der rechten Szene bedroht wird, und möchte dieses Buch wirklich allen unter die Nase halten, die noch nicht begriffen haben, wohin uns der Rechtsruck führen wird. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

sehr berührend

In den Flügeln das Licht
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Aufgrund der aktuellen politischen Lage habe ich erst kürzlich ein Buch über die gesellschaftliche Situation in Iran gelesen. „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi hat mich daher sofort neugierig ...

Aufgrund der aktuellen politischen Lage habe ich erst kürzlich ein Buch über die gesellschaftliche Situation in Iran gelesen. „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi hat mich daher sofort neugierig gemacht, insbesondere, weil es in den 80er Jahren zur Zeit der islamischen Revolution spielt, mit der ich mich bisher nicht näher auseinandergesetzt hatte.

Als Kāveh und sein Bruder Ābtin noch kleine Kinder sind, wird ihr Vater Sohrāb, ein politischer Aktivist, verhaftet und für viele Jahre im Evin-Gefängnis inhaftiert, bevor er willkürlich hingerichtet wird. Das Buch beginnt mit dem Tod des Vaters und erzählt in Rückblicken vom Leben und der Liebe der Eltern, der Hoffnung und den Idealen, die anfänglich mit der Revolution verbunden waren, und der tiefen Verbundenheit der beiden Brüder mit ihrem Vater. Gleichzeitig schildert der Autor, wie Tārā, die Mutter und Ehefrau, nach der Inhaftierung und späteren Hinrichtung ihres Mannes Stärke zeigt trotz aller Widrigkeiten, für ihre Söhne kämpft und sich nicht vereinnahmen lässt. Die ständige Unsicherheit, die Willkür des Regimes, die Besuche im Gefängnis nach Gutdünken erlaubt oder streicht, die Ungewissheit, was mit Sohrāb passiert ist und wo sein Leichnam verblieben ist – all das ist zermürbend für die Familie. Und doch finden die beiden Brüder Halt in ganz unterschiedlichen Dingen: Kāveh entdeckt seine Liebe zu Büchern und Ābtin zur Natur.

Ganz besonders bleibt mir Aidin Halimis Schreibstil im Gedächtnis:Eer schreibt leise, teilweise poetisch, und gleichzeitig sprachgewaltig, bildlich und kraftvoll. Hierdurch bekommt das Buch eine ganz außergewöhnliche, sehr berührende Atmosphäre. Man spürt die große Liebe Halimis zu den Figuren, ihren Idealen und ihrer Kultur.

Mich hat „In den Flügeln das Licht“ sehr berührt und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

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