Cover-Bild Gelbe Monster
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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Suhrkamp
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 11.03.2026
  • ISBN: 9783518786260
Clara Leinemann

Gelbe Monster

Roman
Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Eben hat sie noch »schlechter Mensch« gegoogelt, jetzt ist sie auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen«, die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus.
Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich bei Jadwiga in einem Regal.
  • Jadwiga hat dieses Buch gelesen.
  • Dieser Titel ist das Lieblingsbuch von Jadwiga.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2026

Aggressionen einer Frau!

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. Suchst du nach einem starken, unbequemen, zutiefst emotionalen Buch? Einem Buch, das dich schon während des Lesens ins Stocken bringt, dich zwingt, hinzusehen, und dich noch lange danach nicht loslässt?
Nach ...

. Suchst du nach einem starken, unbequemen, zutiefst emotionalen Buch? Einem Buch, das dich schon während des Lesens ins Stocken bringt, dich zwingt, hinzusehen, und dich noch lange danach nicht loslässt?
Nach einer Geschichte, die nachhallt, weil sie weibliche Wut nicht glättet oder erklärt, sondern sie in all ihrer Widersprüchlichkeit zeigt…
als etwas, das sich nicht sofort entschlüsseln lässt?
Dann solltest du „Gelbe Monster“ lesen und dich auf eine intensive, fordernde Reise einlassen! 4,5/5 ⭐️

. Aber worum geht es in diesem Roman genau…
Mathematikstudentin Charlie muss wegen eines Vorfalls an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. Das ist der Wunsch ihrer besten Freundin. Charlie kommt diesem nach, fragt sich jedoch zunächst wie sie in dieses Training passt und warum sie genau dabei ist.

. In „Gelbe Monster“ begleiten wir Charlie als Ich-Erzählerin durch die Bruchlinien ihrer eigenen Geschichte. Nah, fast schon schmerzhaft nah, lernen wir sie kennen und ihre Gedanken, ihre Rechtfertigungen, ihre blinden Flecken. Charlie ist klug, oft witzig, im Grunde zutiefst sympathisch. Und doch trägt sie etwas in sich, das immer wieder an die Oberfläche drängt. Eine Unruhe, eine Wut, deren Ursprung im Dunkeln bleibt. Was genau in ihrer Kindheit geschehen ist, erfahren wir nicht. Aber wir spüren, wie sehr es sie geformt hat. So sehr, dass selbst ihre beste Freundin Ella sie eindringlich bittet, sich Hilfe zu suchen.
. Der Roman setzt an jenem Punkt ein, an dem ein Vorfall alles ins Rollen bringt. Von hier aus beginnt Charlies tastender, widerwilliger Weg in Richtung Aufarbeitung. Zunächst zweifelt sie daran, ob ein Antiaggressionstraining ihr wirklich helfen kann. Zu groß ist ihr Bedürfnis, die Schuld außerhalb ihrer selbst zu verorten.
. Die Handlung ist in der Gegenwart verankert, doch in Rückblenden entfaltet sich nach und nach die Geschichte jener Beziehung, die in die Eskalation führte. Erst gegen Ende wird das Geschehene in seiner ganzen Tragweite sichtbar.
Charlies letzte Partnerschaft ist geprägt von Selbstzweifeln, Schuldgefühlen, Selbsttäuschung, Sehnsucht, Unehrlichkeit und unterdrückter Wut. Eine toxische Dynamik, die beide verletzt und erniedrigt zurücklässt. Und doch ist die Schuldfrage komplexer, als sie zunächst scheint. Zwischen den Zeilen formuliert der Roman eine leise, aber scharfe Gesellschaftskritik: Wie schnell wird Verantwortung derjenigen Person zugeschrieben, die am sichtbarsten aus der Rolle fällt und wie selten wird genauer hingesehen.
Ja, Charlie trägt Aggression in sich.
Aber sie entsteht nicht im luftleeren Raum. Es gibt Trigger, Verletzungen, alte Muster. Ohne zu viel vorwegzunehmen, zeigt ihre Geschichte, wie bereitwillig wir uns mit einfachen Erklärungen zufriedengeben, wenn die Wahrheit komplizierter und unbequemer ist. Wer dieses Buch liest, wird verstehen, was ich damit meine.
. Während der Lektüre reflektiert man unweigerlich das eigene Denken. Leinemann versteht es, Fragen zu stellen, die bleiben. Besonders berührend ist Charlies Unsicherheit darüber, wer sie eigentlich ist. Dieses ständige Schwanken zwischen Anpassung und innerer Leere, zwischen dem Wunsch dazuzugehören und dem Gefühl, keinen festen Kern zu besitzen. Sie ist eine intelligente Frau und es schmerzt zu sehen, wie gering sie sich selbst schätzt. Wie verzweifelt sie versucht, sich Identitäten überzustreifen, Rollen zu erfüllen, Erwartungen gerecht zu werden, weil ihr der Zugang zu sich selbst abhandengekommen ist. Aus diesem inneren Konflikt speist sich letztlich alles, was aus dem Ruder läuft.

. Der Roman macht eindrücklich deutlich, wie wichtig es ist, innezuhalten und in sich hineinzuhören. Sich nicht ständig neu zu erfinden, um äußeren Ansprüchen zu genügen, sondern den eigenen Ursprung zu erkunden. Vergangenheitsaufarbeitung erscheint hier nicht als Selbstzweck, sondern als Möglichkeit zur Befreiung von Scham, von Zuschreibungen, von gesellschaftlichem Druck.
. Gern hätte man Charlie noch ein Stück weiter begleitet, hätte gesehen, wohin ihr neu gewonnenes Bewusstsein sie trägt.
. Auch der Titel ist klug gewählt. „Gelbe Monster“…
das sind vielleicht jene aufgestauten Gefühle, die sich verzerren und verselbstständigen, wenn sie zu lange verdrängt werden. Und „Gelb“als Farbe der grellen, kaum zu bändigenden Wut, die sich ihren Weg sucht.

. Zusammengefasst ist „Gelbe Monster“ eine eindrucksvolle Mischung aus Leichtigkeit, schwarzem Humor und unbequemer Wahrheit. Mit feinem Gespür zeichnet Leinemann Charlies Weg aus einer Spirale aus Zweifel, Wut und Selbsthass nach und schafft damit einen Roman, der fordert, bewegt und lange nachwirkt.
Ein Buch, aus dem jede aufmerksame Leserin und jeder aufmerksame Leser etwas für sich mitnehmen kann.

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