Feminismus, Romantasy & Mental Health
A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)Hallo ihr Lieben ❤
ich glaube nicht, dass ich schonmal so begeistert von einem Buch war, dass andere in meinem Umkreis so gar nicht mochten. So war es mit dem ersten Band dieser Dilogie, weshalb ich nun ...
Hallo ihr Lieben ❤
ich glaube nicht, dass ich schonmal so begeistert von einem Buch war, dass andere in meinem Umkreis so gar nicht mochten. So war es mit dem ersten Band dieser Dilogie, weshalb ich nun die Einzige bin, die auch unbedingt den zweiten Band lesen wollte. Und zwar unbedingt, denn ich fand dieses Buch so erfrischend anders, dass ich mir den zweiten Band niemals entgehen lassen hätte.
Zur Info: Dies ist der zweite Band einer Dilogie. Lest also unbedingt vorher Band 1:)
Schreibstil:
Ava Reid schreibt wunderschön. Sehr verdichtet, ruhig und erzähltechnisch so konstruiert, dass die Grenzen zwischen fiktiver Realität und Fiktion verschwimmen. Das macht die Geschichte nicht nur besonders mystisch, sondern auch zu einem wahren literarischen Erlebnis. All das führt aber auch dazu, dass recht langsam erzählt wird. Die Figuren machen viel mit sich selbst und ihren Gedanken aus. Handlungen sind Ergebnisse von Prozessen, nicht die tragenden Elemente der Geschichte. Ich persönlich war so fasziniert von dem ganzen Setting, den Figuren, der Handlung und dem Schreibstil, dass es für mich so perfekt war. Ich könnte mir aber vorstellen, dass andere genau mit dieser geringen Geschwindigkeit ihre Probleme haben.
Die Geschichte: Magisch, Traum vs. Realität & die Angst davor, sich selbst zu verlieren
Erzählt wird aus zwei Perspektiven, immer am Kapitelanfang angeführt mit einem Zitat aus einem der Bücher der fiktiven Welt. Wer Band 1 gelesen hat, wird wissen, wie sehr es mich gefreut hat, dass man endlich auch in Prestons Kopf blicken kann. Und tatsächlich ist auch er dieses Mal die Hauptfigur. Er ist der Entdecker, während Effy zwar auch noch Effy so ist, wie ich sie kennengelernt habe, sie gleichzeitig aber noch verarbeiten muss, was in Band 1 passiert ist. Einerseits hätte ich es natürlich gerne gehabt, dass sie stark ist und das einfach so wegsteckt. Aber andererseits war es genau so total passend. Denn was Effy erlebt hat, ist nicht alltäglich. Und trotz allem trägt sie auch hier ihren Teil zu der Geschichte bei.
Preston – Feind Llyrs?, Träumer & Gutmensch mit starken Emotionen
Ich habe etwas gebraucht, um mich in Preston einzufinden. Dass er sehr auf seine Forschung und die Belegung von Thesen konzentriert ist, das wusste ich ja schon aus Band 1. Jetzt aber kamen auch seine ganzen Gefühle dazu und die waren ganz schön im Widerstreit. Zum einen hat er wahnsinnig damit zu kämpfen, dass er aus Argant kommt. Nicht nur nach außen hin, sondern auch ihn ihm selbst. Wie fühlt man sich, wenn man als der Feind angesehen wird? Wenn alles, was man tut, direkt darauf geschoben wird? Wenn das eigene Land, die eigene Familie verteufelt wird? So wie Effy in Band 1 für die Frauen kämpfte, und es immer noch tut (für sich und für andere), so geht es in diesem Band mehr darum, Nationalstolz und Herkunft, Identität und Feindseligkeiten gegenüber zu stellen. Preston ist dafür perfekt, denn er ist nicht nur eine zwiegespaltene Person innerhalb seiner Mitstudent:innen, sondern forscht gleichzeitig an dem, was Llyr als Nation stolz macht. Und dabei kommen natürlich nicht die Ergebnisse raus, die ihn besser dastehen lassen.
Effy – labil, kämpft für die Frauen & dagegen, krank zu sein
Effy hat in diesem Band eine sehr spezielle Rolle, denn sie ist quasi Prestons Muse. Bei ihr fühlt er sich sicher, sie ist die einzige Konstante in seinem Leben und die Person, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und genauso ist Preston auch Effys Antrieb und Sicherheit. Nur fällt es ihnen beiden schwer, sich das einzugestehen, bzw. dem anderen einzugestehen. Denn wer kann schon sagen, was Magie möglich machen könnte? Was ist Sicherheit überhaupt? Und wenn es mir selbst schlecht geht, wie kann ich dem anderen dies dann aufbürden, wo alles doch gerade so schwer ist?
Effy gerät dadurch in eine Gedankenspirale, die gar nicht einfach zu verstehen ist als Leserin. Erst war ich verwirrt, weshalb sie sich so hängen ließ. Aber mehr und mehr kam dann die Erkenntnis und es machte Sinn. Spannend fand ich, dass Effy sich hier sehr ängstlich zeigt und definitiv zu kämpfen hat, sie aber dennoch wieder in den Kampf für die Rechte der Frauen tritt und liest und nachforscht und ganz unbewusst zu Prestons Erkenntnissen beiträgt. Sie arbeiten zusammen, ohne es zu wissen.
Fantasy – wenn Träume sich in die Realität mischen, Lethargie zu Obsession wird & einem alles über den Kopf wächst
Das Haupthandlungselement dieses Bandes sind Träume. Oder sagen wir besser mal ein Traum. Denn Preston ist nicht nur Hauptfigur, er ist dieses Mal auch der, der mit dem klassischen „Was ist Fiktion, was Realität?“ zu kämpfen hat. Wie schon in Band 1 schafft es die Autorin, dies fließend ineinander übergehen zu lassen. Man weiß zwischendurch nicht mehr, was was ist. Gibt es in dieser fiktiven Welt überhaupt Magie oder ist alles nur ein Traum? Oder gar erschwindelt? Auch Preston setzt sich genau damit auseinander und mehr und mehr kam dadurch viel Spannung in die Story. Ich wollte wissen, wohin es führt, wie sehr er sich davon einnehmen lassen wird und ob er Effy währenddessen überhaupt wahrnimmt.
Literaturwissenschaft – die Wissenschaft, die Effy und Preston verbindet & Fantasy mit Realität verschmelzen lässt
Gekoppelt sind die fantastischen Handlungselemente stets an die literaturwissenschaftliche Forschung. Ich war ja von Anfang an davon begeistert, dass beide Figuren Literaturwissenschaftler:innen sind und stets einen Text zur Hand haben, den sie hinterfragen. Und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. So ist das Versmaß, der Druck, die Herausgeberschaft, das eigentlich Geschriebene und die Intention dahinter Grund zur Forschung, aber auch die Hintergründe der Entstehung. Sowohl Preston als auch Effy arbeiten jeweils an ihren eigenen Texten und wir Leser:innen werden Stück für Stück mit Textschnipseln gefüttert, die sich in das große Ganze einfügen und uns der Wahrheit immer näher führen. Ich fand das wieder brillant gemacht und war begeistert davon, wie professionell die Autorin diese Quellen formuliert hat und welche Gedankengänge die beiden Figuren dazu durchmachen. Es war, als lese man eine lebendig gewordene Quellenanalyse, die einen nicht nur in die Köpfe der Forscher, sondern auch in die untersuchte Welt selbst zieht und genau das ist es, was dieses Buch so besonders macht.
Anfang, Ende & das Dazwischen
Der Anfang der Geschichte war für mich ein klein wenig mühselig, weil ich mich erstmal wieder einfinden musste und es sich ein wenig zog, weil bei Effy so wenig, bei Preston so viel geschah, sie aber ja beide abwechselnd erzählen. Erst, als dann das Fantastische einzog und die Forschungen zu einem Katz und Maus-Spiel wurden, zusätzlich noch zu einer Jagd nach der Wahrheit, die einigen Nebenfiguren nicht besonders zugesagt hat, wurde es spannender und die Geschichte begann so richtig zu fließen. Das Ende war nochmal richtig gut, weil nicht nur die das Thema dieses Buches einen Abschluss fand, sondern auch vieles, was aus dem ersten Buch noch nicht gänzlich geklärt geblieben war und auch Effys und Prestons Beziehung zueinander hat ein zufriedenstellendes Ende genommen.
Fazit:
Ich habe es geliebt, wieder in Effys und Prestons Welt abzutauchen, zwischen Fiktion und Realität zu schweben und in diese literaturwissenschaftlich verdichtete Handlung einzusteigen. Am Anfang war es mir alles noch etwas zu lang gezogen, aber dann konnte die Geschichte mich richtig packen und ich finde es super, wie es letztlich geendet ist. Ein gelungener Abschluss der Dilogie, besonders, da wir jetzt auch Preston gehört haben.
Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.
3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest
- Weil Fantasy hier literarisch gedacht wird
- Weil Identität, Herkunft und Ausgrenzung vielschichtig verhandelt werden
- Weil du Band 1 mochtest und dich nicht vor verschwimmenden Grenzen fürchtest