Profilbild von Snowcat

Snowcat

Lesejury Star
offline

Snowcat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Snowcat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2025

Spannung und Substanz!

Eisenblume
0

Spannung und Substanz!

“Eisenblume “ ist der 2. Band der “Fredrika Storm-Reihe" - man kann das Buch ohne Vorkenntnisse lesen, da Entscheidendes zusammengefasst einfließt. Ich denke aber, dass es besser ...

Spannung und Substanz!

“Eisenblume “ ist der 2. Band der “Fredrika Storm-Reihe" - man kann das Buch ohne Vorkenntnisse lesen, da Entscheidendes zusammengefasst einfließt. Ich denke aber, dass es besser ist, den 1. Teil zu kennen: ich habe ihn gelesen, jedoch vor knapp zwei Jahren, und ich musste immer wieder kurz überlegen was wie zusammenhängt, denn viele Aspekte aus Fredrikas Privat- und Berufsleben aus Band eins werden hier weitergeführt!

Zwei Jugendliche entdecken eine Leiche in einer Wand eines Lost Place - der verfallenen Lunder-Psychiatrie. Dieser Fund führt Fredrika und ihren Kollegen Henry zu einem Cold Case von 1987 - damals verschwanden zwei Patienten und sie wurden nie gefunden.

Um wessen Leichnam handelt es sich? Was ist damals geschehen? Und wo ist der andere Patient bzw. die andere Patientin? Lebt er oder sie noch?

Erzählt wird hauptsächlich aus Fredrikas Sicht, ihre Kollege Henry und einige Zeugen kommen auch sporadisch zu Wort – was wirklich interessante Einblicke mit sich bringt! Neben, den Ermittlungen, die ereignisreich, rätselhaft sowie spannend gestaltet sind, geht es um Henrys kompliziertes Privatleben, Fredrikas komplexe Familienprobleme, ihre frische Beziehung sowie die neuerdings gestörte Dynamik zwischen ihr und Henry ...

Der atmosphärische, ausdrucksstarke Stil macht alles greifbar und die Figuren(dynamik), die gesellschaftlichen Aspekte, die Nebenhandlungen sowie natürlich die Haupthandlung sind vielschichtig und (psychologisch) interessant gestaltet. In dem Cold Case geht es um schwierige Familienverhältnisse, Außenseiter, Klassismus, arrogante Götter in weiß, Machtmissbrauch, gut gehütete Geheimnisse sowie Interessenkonflikte ...

Fredrika und Henry stoßen lange auf mehr Fragen als Antworten, ehe sich allmählich erschütternde Erkenntnisse ergeben, dann überschattet die grauenvolle Vergangenheit die Gegenwart ...

“Eisenblume” ist ein wirklich wendungsreicher Krimi mit Spannung und Substanz!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein bittersüßes modernes Märchen

Der verschwundene Buchladen
0

In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart ...

In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart verschlägt es Martha und Henry ebenfalls nach Dublin: Die gescheiterte Studentin Martha ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann und der Engländer Henry, ein Spezialist für antiquarische Schätze, sucht einen verloren gegangenes Manuskript, dass er in einem mysteriösen Buchladen vermutet.

Opaline, Martha und Henry erleben allerlei Aufregendes: Rätselhaftes, Tragisches, Wundervolles ...

Der atmosphärische, lebendige Erzählstil und die liebenswerten Charaktere haben mich direkt eingesaugt (obwohl ich Martha nicht selten sehr naiv fand). Besonders Henry hat es mir angetan, er kommt eloquent, aber unbeholfen, selbst-ironisch, aber unsicher daher. Er hat mich an die Rollen erinnert, mit denen Hugh Grand in den 1990ern berühmt geworden ist: Ein toller Kerl, der seinen Gefühlen nicht traut, weshalb er neurotisch bzw. umständlich agiert.

Die exzentrische Witwe Madam Bowden, eine ältere, undurchsichtige Dame, die Martha einen Job, eine Unterkunft und wertvolle Unterstützung anbietet, war für mich allerdings die heimliche Protagonistin!

Die ereignis- einfalls- sowie wendungsreiche Handlung, in der es neben allem rund um Bücher auch Freundschaft, Familie, Selbstermächtigung, grausame Frauenfeindlichkeit und romantische Liebe geht, ist zudem geheimnisvoll, süß, unterhaltsam, bewegend und somit absolut packend! Ich habe das Buch in nur zwei Zügen inhaliert!

“Der verschwundene Buchladen” ist für mich ein Fall von “Der Weg ist das Ziel”, da ich das Ende ein bisschen enttäuschend fand. Mir ist klar, dass beim magischen Realismus oft einiges offenbleibt, aber hier gibt es für meinen Geschmack zu viele vage Erklärungen bzw. unbeantwortete Fragen, sodass ich die Geschichte schließlich als etwas lückenhaft empfand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2025

Ein Dark-Academia-Fantasy-Abenteuer mit Gefühl!

Immortal Consequences – Die Blackwood Academy Trials
0

Die lebenden Toten Wren, August, Emilio, Olivier Irene sowie Masika sind nach ihrem Tod an der an der Blackwood Academy gelandet, einem Ort, der sich zwischen den Lebenden und dem Jenseits befindet. Dort ...

Die lebenden Toten Wren, August, Emilio, Olivier Irene sowie Masika sind nach ihrem Tod an der an der Blackwood Academy gelandet, einem Ort, der sich zwischen den Lebenden und dem Jenseits befindet. Dort bekommen sie Magie-Unterricht und müssen geplagte Seelen auf die andere Seite führen. Alle zehn Jahre wird jemand für vier magische Prüfungen auserwählt, wenn man alle besteht, darf man wählen: zur Elite aufzusteigen, was mit Privilegien verbunden ist, oder auf die andere Seite gehen. Doch kurz vor den Prüfungen passiert etwas Seltsames und schließlich überschlagen sich erschütternde Erkenntnisse, die Risiken sowie Möglichkeiten offenbaren, die alles verändern ...

Die Dynamik zwischen den Figuren ist von Anfang an mitreißend und vieles rund um die Blackwood Academy wird gleich zu Beginn ganz wunderbar nebenbei erklärt, indem es in Dialoge bzw. Überlegungen der Charaktere einfließt. Einiges bleibt allerdings eine Weile lang geheimnisvoll, denn die Studierenden wissen längst nicht alles: Was genau hat es mit dem Demien-Orden auf sich, der versucht Studierende aus Blackwood zu rekrutieren? Oder mit der neuen, mysteriösen Studentin? Und den “neuen” Prüfungsbedingungen?

Der unterhaltsame, lebendige, bildstarke Schreibstil ist absolut fesselnd, die verschieden Blickwinkel bringen interessante Einblicke plus Spannung mit sich und die Magie bzw. das World-Building sind atemberaubend einfallsreich, mysteriös sowie düster!

Man begleitet die Jugendlichen bei verbotenen nächtlichen Nachforschungen, den unerbittlichen Prüfungen, die nicht “nur” lebensgefährlich sind, sondern sie auch zwingen sich ihren Dämonen zu stellen, und Zwischenmenschlichem. Man erfährt, dass einige täuschen, um von ihren wahren Zielen abzulenken, die jedoch lange verborgen bleiben. Und manche täuschen sich selbst ...

Die Figuren verfügen über Tiefe, bewegende Hintergründe, sie haben echte Fehler und sie kabbeln sich ständig. Normalerweise finde ich Neckereien albern bzw. nervig, aber hier ist das wirklich gelungen: clever, geistreich sowie psychologisch interessant. Zudem gibt es zwischen ihnen auch dramatische Momente. Die sechs Hauptfiguren/Perspektiven waren mir allerdings zu viel: ich fand nur drei Charaktere so richtig greifbar, weshalb ich die übrigen eher als Nebenfiguren betrachtete.

Die Gestaltung der “Blackwood Academy”, die magischen Möglichkeiten, die dunklen Geheimnisse, die Gefahren, die ereignisreiche, kreativ ausgeschmückte, packende und wendungsreiche Handlung, in der auch Freundschaft sowie Romantik eine Rolle spielen, haben mich begeistert! Die vielen Enthüllungen bringen nervenaufreibende Entwicklungen mit sich und ich freue mich schon auf die Fortsetzung, denn am Ende ergeben sich mehrere neue Handlungsstränge, die wirklich neugierig machen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2025

Atmosphärisch, rätselhaft, düster!

Tod in Siebenbürgen
0

Der Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein ...

Der Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein Dorf, in dem Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Das Rätsel um seine Familiengeschichte muss allerdings warten, da Sorin, Pauls Kindheitsfreund, wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: er soll einen Mann im “Dracula-Schloss” Bran getötet haben. Paul will helfen, aber er fühlt sich unbeholfen: es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren, denn seine rätselhafte Familiengeschichte beschäftigt ihn, er leidet unter Albträumen und seltsame Vorfälle häufen sich ...

Hinzu kommen die Unmengen an reichhaltigem Essen und Schnaps - Paul kann kaum jemanden ansprechen, ohne zum Essen mit anschließendem “Trinkgelage” eingeladen zu werden.

Ich hatte in meiner Kindheit viel mit Leuten, die aus Siebenbürgen stammen zu tun, und dieser Krimi, der ungemein viel greifbares Lokalkolorit enthält, rief Erinnerungen an die Namen, die Gastfreundschaft, das Essen (Nudeln mit Zucker & Mohn, rumänische Polenta, selbstgemachte Waffelsüßigkeiten, Paprika-Auberginenaufstrich) und die Bräuche wach.

Der Zusammenhang zwischen Siebenbürgen und dem Mythos “Graf Dracula” ist genau das, ein Mythos: Bram Stokers “Dracula” ist zwar von dem (aller Wahrscheinlichkeit nach) in Siebenbürgen geborenen Kriegerfürsten Vlad III inspiriert, doch er regierte bzw. lebte in der Walachei! Zudem ist das als “Dracula-Schloss” vermarktete Schloss Bran so etwas wie eine Touristenfalle, da Vlad III dort wohl nur einmal übernachtete, wenn überhaupt. Aber märchenhaft schön ist es allemal und seine Geschichte ist dennoch interessant.

„Tod in Siebenbürgen“ beschwört düstere wie idyllische Stimmungen herauf und erzählt warmherzig von der Geschichte der Region, den Leuten, Traditionen sowie einem Familiendrama und Verbrechen. Aberglauben, Armut und Diskriminierung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe spielen auch eine Rolle ...

Dieser vielschichtige Regionalkrimi schreitet für meinen Geschmack zwar gemächlich voran, doch das hat mich kaum gestört: Das greifbare Lokalkolorit, die beklemmende Atmosphäre, der trockene Humor und die authentisch gezeichneten, interessanten Figuren wiegen die (mMn) langsam in Gang kommende Krimihandlung auf!

Uve Teschner erzählt wie immer großartig, er gilt nicht umsonst als einer der besten Hörbuchsprecher!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2025

Für mich zu viel Cosy, zu wenig Crime

Mörderisch verstrickt – Ein Strickclub ermittelt
0

Im Mettes Strickladen “Strickschick” in Lüttjekoog, einem kleinen idyllischen Ort an der Nordseeküste, treffen sich die tatkräftige Pfarrerin und alleinerziehende Mutter Anne, die burschikose Friseurin ...

Im Mettes Strickladen “Strickschick” in Lüttjekoog, einem kleinen idyllischen Ort an der Nordseeküste, treffen sich die tatkräftige Pfarrerin und alleinerziehende Mutter Anne, die burschikose Friseurin Brunhilde sowie der verwitwete Bootsverleiher Gustavsen jeden Donnerstag, um gemeinsam zu stricken, zu plaudern oder Probleme zu lösen.

Als Anne bei einem Watt-Spaziergang etwas findet, dass aus der untergegangenen sagenumwobenen Siedlung Rungholt stammt, überschlagen sich die Ereignisse: Jemand bricht in die Kirche ein und schlägt Anne nieder. Kurz darauf geschieht ein Mord und da die Polizei schon Annes Angreifer nicht aufspüren konnte, nehmen die Strickbegeisterten die Ermittlungen selbst in die Hand - allen voran die sympathisch forsche Mette.

Mettes Entwicklung – aus einer konservativen Erziehung hin zu einem selbstbestimmten Leben – verleiht ihr Tiefe und macht sie für mich zur Heldin der Geschichte. Sie war mir am sympathischsten, denn ihre rebellische Energie bringt ordentlich Schwung ins Strickkränzchen! Sie ist ein Freigeist: selbstironisch, aufgeschlossen, kreativ, intuitiv, mutig sowie unkonventionell bis unorthodox - bei ihr sind Hirn, Herz und Humor perfekt ausbalanciert!

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt - lebendig, mit viel Gespür für die menschliche Natur, Gemütlichkeit sowie Nordseeflair! Die Hygge-Atmosphäre, die Innenwelt und die Aktivitäten der liebenswerten, leicht kauzigen Figuren, die Tierliebe und die Liebe zum nordischen Küsten-Lifestyle machen diesen Roman zu einem warmherzigen Wohlfühlbuch, doch all das “erdrückt” die Spannung meiner Meinung nach. Mir dauerte es zu lange, bis die Krimi-Handlung zum Tragen kam, und dann empfand ich sie als nebensächlich sowie wenig packend gestaltet.

“Mörderisch verstrickt – ein Strickclub ermittelt” ist ein gemütlicher Krimi, der mir zu gemütlich war – das Düstere, das rätselhaft Vertrackte, das ich in britischen Cosy-Crime-Büchern so schätze, fehlte mir hier - aber das ist natürlich Geschmackssache!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere