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Veröffentlicht am 26.07.2021

Emotionale Trauerbewältigung

Betreff: Falls ich sterbe
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"Betreff: Falls ich sterbe" von Carolina Setterwall ist ein zum Teil autobiografischer und zum Teil auch fiktionaler Roman. Das Buch beginnt mit dieser Mail "Betreff : Falls ich sterbe", in der ihr Lebensgefährte ...

"Betreff: Falls ich sterbe" von Carolina Setterwall ist ein zum Teil autobiografischer und zum Teil auch fiktionaler Roman. Das Buch beginnt mit dieser Mail "Betreff : Falls ich sterbe", in der ihr Lebensgefährte Aksel ihr alle Paßwörter und wichtigen Dokumente sendet. Carolina fühlt sich grad überfordert mit ihrem Baby Ivan und vergißt sie nach anfänglichem Erschrecken bald. Bis Aksel dann plötzlich stirbt.
Hier berichtet Carolina in zeitlich zwei gegenläufigen Erzählsträngen von ihrem Kennenlernen und Leben mit Aksel und von seinem Tod und den Tagen und Wochen danach.
Dieses Erzählen fühlt sich unglaublich echt und lebensnah an, sie berichtet von vielen glücklichen und unbeschwerten Momenten, Momenten reinen Glücks. Aber sie berichtet auch davon, wie sie die treibende Kraft in dieser Beziehung war, ihn mit manchen Entscheidungen unter Druck gesetzt hat, ihm Stress gemacht hat. Es ist sehr emotional geschrieben, fast wie ein Tagebuch, wo sie ihre geheimsten Gedanken festhält und auch nichts beschönigt. Durch diese große Offenheit entsteht nicht nur Sympathie zur Protagonistin, da man ja auch alle negativen Gedanken schonungslos mitgeteilt bekommt.
Der Alltag einer jungen Mutter mit einem kleinen Kind steht hier ebenso im Mittelpunkt, wie die Schwierigkeit eine ehrliche Beziehung zu führen und vor allem die Trauerbewältigung. Der Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen und diese schwierige Zeit danach, es ist sehr wichtig, dass darüber auch geschrieben wird
Das letzte Drittel des Buches geht dann um das weiterleben von Carolina mit ihrem Kind und dem Versuch ihren eigenen Platz im Leben wieder zu finden. Dieser Teil war für mich viel zu lang und ich konnte viele Gedanken der Protagonistin nicht nachvollziehen, die so viel Hilfe und Liebe bekam und sich irgendwie nur beschwerte und auch den Umgang mit ihrem Kind fand ich teilweise sehr schwierig.

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Veröffentlicht am 24.07.2021

In den Wäldern Kentuckys

Unbarmherziges Land
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"Unbarmherziges Land" von Chris Offutt ist ein Krimi, der in den Wäldern von Kentucky angesiedelt ist. Am Anfang ist ein alter Mann, der sich lautlos durch den Wald bewegt und Ginseng sammelt. Dabei findet ...

"Unbarmherziges Land" von Chris Offutt ist ein Krimi, der in den Wäldern von Kentucky angesiedelt ist. Am Anfang ist ein alter Mann, der sich lautlos durch den Wald bewegt und Ginseng sammelt. Dabei findet er eine Frauenleiche, die er auch gleich identifizieren kann, denn hier kennt irgendwie Jeder jeden oder ist um drei Ecken verwandt.
Linda ist hier der Sheriff und Mick ist ihr Bruder, der nur auf Urlaub von der Army ist, um nach seiner schwangeren Frau zu sehen. Dort tun sich mehr Probleme auf, als erwartet und Mick lenkt sich damit ab, seiner Schwester bei der Suche nach dem Mörder zu helfen. Darin st er gut, sowas ist sein Job, nur sonst beim Militär.
Der Schreibstil des Autors weiß hier zu begeistern, genau die richtige Mischung zwischen Humor und Sarkasmus. Das Buch lebt hier auch oft von seinen Beschreibungen, der wundervollen Natur, der Einwohner, der Beziehungen untereinander. Die Stimmung, dieses düsterne, einsame, hoffnungslose wird fast greifbar eingefangen.
Etwas vermisst habe ich die Spannung über weite Strecken, die Suche nach dem Mörder verkam manchmal zur Nebensache. Es machte mir hier aber absolut nichts aus, ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen.

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Veröffentlicht am 23.07.2021

Viel mehr als eine Kuh

Laudatio auf eine kaukasische Kuh
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"Laudatio auf eine kaukasische Kuh" von Angelika Jodl hat mich auf eine ganz besondere Art eingefangen. Hier hat mich wirklich der Titel und das ganz besondere Cover neugierig gemacht.
Im Mittelpunkt stehen ...

"Laudatio auf eine kaukasische Kuh" von Angelika Jodl hat mich auf eine ganz besondere Art eingefangen. Hier hat mich wirklich der Titel und das ganz besondere Cover neugierig gemacht.
Im Mittelpunkt stehen hier Olga, eine angehende Ärztin und der humorvolle Jack, der sich als Abenteurer in seinem eigenen Leben sieht.
Olga ist die Tochter einer Einwandererfamilie aus Georgien und möchte sich am liebsten von diesen ganzen Traditionen, Sitten und dem Sprachengewirr lösen. Teilweise schämt sie sich fast die Familie Felix, ihrem Verlobten vorzustellen.
Ganz anders ist hier Jack, er ist ein Lebenskünstler und hält sich als Ghostwriter über Wasser, aber auch er verleugnet die Wurzeln seiner Familie und was da geschah. Es ist eine Liebesgeschichte und auch eine Geschichte über die Annäherung zweier verschiedener Kulturen.
Richtig gut gefallen hat mir der Teil im Buch, als es dann auf Reisen nach Georgien ging und Land und Leute so menschlich und humorvoll geschildert werden. Wie sehr sich Familienbande und Herkunft auch heute noch auf unser Leben auswirken, wird hier sehr gut herausgestellt.
Das Buch ist ein einer sehr leichten und lebendigen Art geschrieben, so dass es sich sehr gut lesen lässt und auch die Kuh spielt in der Erzählung noch eine Rolle. Mir hat die Geschichte gut gefallen.

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Veröffentlicht am 19.07.2021

Spannender Auftakt

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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"Vortex-Der Tag, an dem die Welt zerriss" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Anna Benning. Wir begleiten hier Elaine, die in ihrer Ausbildung zu einer Läuferin ist, in einer Welt, die eine andere ...

"Vortex-Der Tag, an dem die Welt zerriss" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Anna Benning. Wir begleiten hier Elaine, die in ihrer Ausbildung zu einer Läuferin ist, in einer Welt, die eine andere ist, als wir sie kennen.
Nach einem riesigen Energiewirbel haben sich einige Menschen mit elementaren Kräften vermischt und es haben sich die Vortexe gebildet. Das sind Verbindungen aus reiner Energie,die zwischen entfernten Orten und auch Zeiten bestehen. Nicht jeder kann sie nutzen. Damit beginnt die Geschichte rund um Ellie.
Die Welt wird hier nach und nach genau beschrieben und man erfährt immer mehr über die Ereignisse und welche Folgen sie hatten. Das ist alles sehr schön beschrieben. Auch die Charaktere lernt man mit der Zeit genauer kennen und sie entwickeln sich auch weiter, das liest sich sehr gut und auch durchaus spannend.
An sich ist es eine Dystopie über eine düstere, veränderte Zukunft, aber es ist auch eine Liebesgeschichte, etwas Action und viel Spannung. Die Protagonistin ist nicht unbedingt sympathisch, entwickelt sich im Verlauf der Handlung aber durchaus weiter, was einen großen Teil der Story ausmacht.
Dieser Auftakt hat mir jedenfalls so gut gefallen, dass ich die Reihe weiterlesen werde.

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Veröffentlicht am 18.07.2021

Welche Wahrheit wahr ist

Die Wahrheit der Dinge
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"Die Wahrheit der Dinge" von Markus Thiele ist ein Roman, der einen zum Nachdenken anregt. ein Roman über Recht und Unrecht und die eigene Sicht darauf, ein Roman über Selbstjustiz und Fremdenhass.
Die ...

"Die Wahrheit der Dinge" von Markus Thiele ist ein Roman, der einen zum Nachdenken anregt. ein Roman über Recht und Unrecht und die eigene Sicht darauf, ein Roman über Selbstjustiz und Fremdenhass.
Die Geschichte wird hier in mehreren Ebenen erzählt. Frank Petersen ist Strafrichter und macht seine Arbeit mit Überzeugung und hält sich selber für gerecht und objektiv. Dann ist dort Corinna Maier, die ihren Partner verlor durch eine Gewalttat, rechtsextremistisch aufgrund seiner Hautfarbe. Jahre später verliert sie auch ihren Sohn unter diesen dramatischen Umständen. Im Gerichtssaal, vor der Verkündung des Urteils gegen den Mörder ihres Sohnes, erschießt sie diesen.
Petersen hat hier das Urteil gesprochen, er verliert seine Frau, seine Familie, sein gewohntes Leben und muß sich mit den Vorwürfen befassen, selbstgerecht und voll von Vorurteilen zu sein.
Er selber beginnt erst im Nachhinein über einige seiner Urteile und Entscheidungen nachzudenken und als Corinna aus dem Gefängnis entlassen wird, versucht er mit ihr zusammen die Wahrheit zu ergründen.
Petersen blieb mir als Person etwas fremd und unnahbar, die Geschichte von Corinna hat tief berührt. Man fragt sich, wieviel Leid ein Mensch ertragen kann und wie es dann zu seinen Handlungen kommt. Die Handlung ist sehr spannend und überzeugend und regt zum Nachdenken an.

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