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Veröffentlicht am 29.08.2025

„Dorfgeträller“

Heimat
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Hannah Lühmann, bekannt durch ihre journalistische Tätigkeit, hat mit ihrem Debütroman „Auszeit“ bereits literarisches Terrain betreten.
Nun meldet sie sich mit ihrem neuesten Werk „Heimat“ zurück und ...

Hannah Lühmann, bekannt durch ihre journalistische Tätigkeit, hat mit ihrem Debütroman „Auszeit“ bereits literarisches Terrain betreten.
Nun meldet sie sich mit ihrem neuesten Werk „Heimat“ zurück und legt erneut den Finger in eine frische Wunde der Gegenwart: die Frage danach, wann eine Frau eine gute Ehefrau und Mutter ist. Kann eine Frau Karriere machen und Kinder großziehen, ohne dabei sich selbst zu verlieren?
Oder ist nicht vielleicht der bessere Traum, die traditionelle Rolle als liebende Ehefrau zu leben, die sich um die Kinder kümmert und den Haushalt organisiert?


Da sind wir schon mitten im Geschehen: Jana zieht schwanger mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern von der Stadt aufs Land. Ihren Job hat sie kurzerhand gekündigt, um einen Neuanfang zu wagen und den Traum vom Eigenheim zu realisieren.
Nur langsam gewöhnt sie sich an die neue Umgebung, das eng verflochtene Netz der Dorfgemeinschaft, die allgegenwärtige Migrationsfeindlichkeit und die Sehnsucht nach „alten Werten“.
Erst die Begegnung mit Karolin verändert alles. Die junge Frau ist tief in der Tradewife-Szene verankert und nach außen die perfekte Erscheinung: fürsorgliche Mutter, disziplinierte Hausfrau und treue, zugleich unterwürfige Ehefrau.
Sie führt ein scheinbar erfülltes, naturverbundenes Leben, das all das verkörpert, was Jana heimlich bewundert und vielleicht selbst anstrebt. Doch je näher sie Karolin kommt, desto stärker wächst der Verdacht: Hinter der makellosen Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die alles in Frage stellen könnte.


Bereits das Cover hatte mich angesprochen. Der großformatige Titel zog meinen Blicke auf sich, während das eigentliche Bild, eine ruhige Naturlandschaft, sich leise im Hintergrund einfügte. Für mich birgt diese vermeintliche ländliche Idylle eine trügerische Ruhe unter deren Oberfläche Verderbnis lauert.

Mit „Heimat“ greift Frau Lühmann viele bedeutende, hochaktuelle und spannende Themen auf. Wie die komplexe Frage nach Kindererziehung, Impfschäden, den gesellschaftlichen Rechtsruck, die aktuelle Gegenbewegung zum Feminismus in Form der Tradewife-Bewegung und nicht zuletzt die gefährliche Verlockung moderner Medien wie Instagram, die allzu schnell zur Suchtfalle werden können.

Die handelnden Figuren, allen voran Jana und Karolin, sind sehr interessant. Jana wirkt verloren, nach Halt suchend und doch unfähig, ihn zu finden. Besonders beeindruckend ist zu beobachten, wie sie immer wieder an ihren eigenen Glaubenssätzen zweifelt und wie schnell charismatische Menschen Einfluss auf ihre Umgebung ausüben können.

Ich bin etwas zwiegespalten in Bezug auf die Vielzahl an Andeutungen.
Außerdem blieb bis zum Schluss die Handlung in einem Nebel aus Möglichkeiten, ohne sich klar zu verdichten, wodurch viele offene Fragen entstanden, die nie geklärt werden.
Meiner Meinung nach hätte das vorhandene Material das Potenzial für eine viel größere Wirkung, wenn es konsequenter ausgestaltet worden wäre.

Die Autorin beherrscht es meisterhaft, durch ihren eindringlichen Schreibstil eine regelrechte Sogwirkung zu entfalten. Immer wieder musste ich mir Pausen auferlegen, um das Gelesene sacken zu lassen, es nachzuspüren und zu reflektieren.
Diese bewussten Unterbrechungen würde ich empfehlen, denn wie bereits erwähnt, berührt die Autorin zahlreich spannende und vielschichtige Themenkomplexe, die sie jedoch leider nicht vollständig entfaltet oder im größeren Kontext verankert. Dies regt zwar intensiv zum ausgiebigen Diskutieren ein, doch verliert der Text dadurch ein wenig von seiner durchschlagskräftigen Wirkung.


Persönlich hatte ich auf eine bitterböse Abrechnung gehofft oder zumindest auf einen tiefgründigen Einblick in die für mich noch recht fremde Tradewife-Szene. Doch stellenweise blieb die Darstellung zu eindimensional wie klischeehaft.
Dennoch hat mich der Roman sehr gut unterhalten und intensiv zum Nachdenken angeregt.
Ich würde den Roman jeden empfehlen, der nichts gegen lose Enden bei Erzählungen hat und viel Freude daran, die einzelnen Themenkomplexe zu analysieren und in einer Runde zu diskutieren.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Ein Tanz zum Schein

A Dance of Lies
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„A Dance of Lies“ von Brittney Arena fällt zunächst direkt durch sein wunderschön gestaltetes Cover ins Auge. In intensiven Tönen wird hier ein Buntglasfenster dargestellt, das, wenn man es näher betrachtet, ...

„A Dance of Lies“ von Brittney Arena fällt zunächst direkt durch sein wunderschön gestaltetes Cover ins Auge. In intensiven Tönen wird hier ein Buntglasfenster dargestellt, das, wenn man es näher betrachtet, bereits seine eigene Geschichte erzählen kann durch die vielen kleinen Elemente.
Besonders beeindruckt hat mich die liebevoll veredelte Buchschnittgestaltung, die dem Buch einen kostbaren Rahmen verleiht – ich muss gestehen, ich war auf Anhieb hingerissen.


Zum Inhalt:
Vasalie, einst das Kleinod von König Illian, galt als außergewöhnlich begabte Tänzerin und stand im Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch eine hinterhältige Intrige beraubt sie plötzlich all ihrer Möglichkeiten. Nach zwei Jahren der Gefangenschaft erhält sie vom König ein einmaliges Angebot, das sie nicht ablehnen kann: Für ihre Freiheit soll sie die Versammlung der Königreiche infiltrieren und im Auftrag des Königs heikle Aufgaben erfüllen. Stück für Stück offenbart sich ihr dabei das ganze Ausmaß der Verstrickungen, bis Vasalie schließlich vor der Entscheidung steht, was sie wirklich will.


Mein Resümee:
„A Dance of Lies“ hat mich gleichermaßen gefesselt und frustriert – und genau das macht es so schwer, ein einfaches Fazit zu ziehen.
So verwendet die Autorin eine bildhafte Sprache, die einfach nur das Kopfkino bei den Lesenden anregen muss. Besonders in den kraftvollen Tanzszenen, die mit viel Liebe zum Detail beschrieben sind, erschafft sie eine mitreißende Immersion. An diesen Stellen, wünscht man sich einfach eine Verfilmung des Buches.
Doch abseits dieser Glanzpunkte offenbaren sich Schwächen, die meinen Lesegenuss getrübt haben. Die Figuren, allen voran die Nebencharaktere, bleiben in ihren Konturen oft schablonenhaft und eindimensional. Zwar wirken sie an sich sympathisch, doch es fällt schwer, sich von ihnen in den Bann ziehen zu lassen oder wirklich mit ihnen mitzufühlen.
Die angedeutete Liebesgeschichte war zwar schön, hätte meiner Meinung nach aber deutlich mehr Raum verdient, um sich voll entfalten zu können – das allein hätte dem Buch schon mehr emotionale Tiefe gegeben.
Zudem verliert sich die Autorin stellenweise in Nebensträngen: Politische Machtspiele und die Vielzahl an Königshäusern machen den Plot unnötig unübersichtlich.

Beworben wird der Roman als Romantasy, also als Mischung aus Romantik und Fantasy, was bei Fans große Erwartungen aufkommen lässt.
Leider muss ich hier anmerken, dass der eigentliche Fantasy-Anteil verschwindend gering ist.
Auch von den angekündigten Love-Triangle-Vibes habe ich beim Lesen nichts gespürt. Für mich wirkt diese Werbung schlicht irreführend, besonders für LeserInnen, die das Buch gerade wegen dieser Genre-Versprechen in die Hand nehmen.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich das Buch gerne gelesen.
Frau Arenas einfühlsamer und angenehm fließender Schreibstil erschafft eine liebevolle ausgestaltete Welt.
Besonders gelungen fand ich, wie der Tanz nicht nur als Motiv, sondern fast schon als stille zweite Hauptfigur präsent ist und dem Roman eine fast magische Leichtigkeit verleiht.
Die Autorin bringt interessante Ideen und einige sympathische Figuren ins Spiel, doch es gelingt ihr nicht immer, den Faden gekonnt wieder aufzunehmen und die Geschichte zu Ende zu denken. Daran merkt man vielleicht, dass es ihr Debütroman ist und sie noch größeres Entwicklungspotenzial hat. Vielleicht schafft sie es mich mit einer möglichen Fortsetzung vollständig zu überzeugen.

Schlussendlich empfehle ich diesen Roman all jenen, die sich nach einer leichten Liebesgeschichte sehnen. Wer es schafft die Schwächen des Romans zu verzeihen, wird in diesem Debüt sicherlich einige berührende Lesemomente finden.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Bittersüße Qualen.

Bittersüß
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Nach vielen wirklich schönen Zitaten aus dem Roman, fand ich den nachfolgenden für mich am prägendsten: „Es gibt in meinem Leben Dinge, die mir widerfahren sind oder die ich getan habe, die sich als Momente ...

Nach vielen wirklich schönen Zitaten aus dem Roman, fand ich den nachfolgenden für mich am prägendsten: „Es gibt in meinem Leben Dinge, die mir widerfahren sind oder die ich getan habe, die sich als Momente mit einem klaren Davor und Danach erwiesen. Einer dieser Momente, vielleicht sogar auf gewisse Weise der wichtigste, war der Tag, an dem ich Richard Aveling kennenlernte.“ Seite 27

In „Bittersüss“ ist Charlie die Protagonistin.
Sie ist jung, sympathisch, aber unsicher und kämpft mit inneren Dämonen.
Doch mit 23 Jahren scheint sie endlich angekommen zu sein. In ihren besten Freunden und Mitbewohnern Ophelia und Eddy, hat sie eine neue Wahlfamilie gefunden. In ihrem neuen Job als Presseassistentin bei einem renommierten Londoner Buchverlag scheint ihr die Welt offen zu stehen, und der Weg für eine steile Karriere scheint greifbar.
Als sie dann für den Autor Richard Aveling arbeiten soll, den sie als Mann wie auch als Schriftsteller im Stillen mit geradezu religiösem Eifer verehrt, geht ein Traum in Erfüllung.
Schnell entwickelt sich aus der Arbeitsbeziehung eine Affäre. Diese ist jedoch bald von einem toxischen Ungleichgewicht geprägt. Charlie, die nach Halt und Liebe sucht, ist dem 30 Jahre älteren und erfahreneren Richard in vielerlei Hinsicht nicht gewachsen.
Nach und nach isoliert er sie von ihren Freunden, zwingt sie zum Schweigen. Daraus entsteht ein geschicktes manipulatives Verhältnis, aus dem Charlie sich kaum befreien kann.


Die Autorin Hattie Williams war Jahre lang selbst in der Buchverlagsbranche tätig und konnte so selbst mit einigen großartigen Autor*innen zusammen arbeiten. Mit „Bittersüss“ legt sie nun ihr eigenes Debüt an den Tag und steht somit auf der anderen Seite des Verlagsgeschäfts.

Das Cover mit dem Gemälde einer jungen Frau zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Gerade durch das reduzierte Farbspektrum und den interessanten Titel, der durch seine Anordnung über Eck etwas doppeldeutiges hat.
Nach der Lektüre war ich positiv überrascht, wie geschickt die Autorin verschiedene Themen miteinander verbindet, ohne den Roman zu überladen.
Wie zum Beispiel das deutliche Machtgefälle, zwischen Männern und Frauen. Aber auch das Thema wie physische und psychische Gesundheit, war sehr realitätsnah dargestellt wird.

Ganz deutlich steht natürlich die toxische Beziehungen und deren Folgen im Vordergrund, was meiner Meinung nach sehr gut herausgearbeitet war.
Für mich persönlich war jedoch die Freundschaft zwischen Charlie und Ophelia der wahre Star der Geschichte.
Auch diese Beziehung hat ihre Höhen und Tiefen, doch die Autorin verliert sich nie in kitschigen oder unrealistischen Situationen. Sie erschafft Szenen, die sich so echt anfühlen, dass sie fast autobiografisch erscheinen.
Insgesamt konnte mich das Buch vor allem durch seine starken weiblichen Charaktere und das Female Empowerment begeistern, das zu keinem Zeitpunkt erzwungen wirkt.
Die Autorin hat es außerdem geschafft, mit Richard einen komplexen Antagonisten zu erschaffen, der keine eindimensionale Figur ist. Er ist ein hoch charismatischer Charakter, der durch seine Egozentrik in sich selbst gefangen wirkt. Dadurch war er für mich nicht immer eindeutig als „der Böse“ greifbar, da man auch seine Zerrissenheit nachvollziehen konnte – ohne mit ihm zu sympathisieren.


Zusammenfassend konnte mich die Geschichte vor allem durch den sehr angenehmen Schreibstil überzeugen, welche durch tiefgehende und eindrucksvolle Beschreibungen noch mehr emotionalen Tiefgang erhielt.
Es war ein faszinierendes Leseerlebnis, das vom Anfang bis zum kathartischen Ende äußerst gelungen war. Dieses Buch kann ich nur jedem Lesenden empfehlen, der abseits von Cosy-Romanen etwas erfrischend athenisches sucht, ohne das es sich dabei voyeuristisch anfühlt.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Würdest du dein bisheriges Leben ändern, wenn du wüsstest wann es tatsächlich endet?

Vorsehung
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Liane Moriarty ist eine bekannte australische Autorin, die mit ihren Romanen bereits mehrfach internationale Bestsellerlisten anführte. Viele von uns kennen auch die gelungenen Filmadaptionen ihrer Werke, ...

Liane Moriarty ist eine bekannte australische Autorin, die mit ihren Romanen bereits mehrfach internationale Bestsellerlisten anführte. Viele von uns kennen auch die gelungenen Filmadaptionen ihrer Werke, wie zum Beispiel „Big Little Lies“ und „Nine Perfect Strangers“.

Das Cover hat mich sofort an die Theorie des Schmetterlingsflügelschlags erinnert, die vom Meteorologen Edward Lorenz entwickelt wurde und auch in der Philosophie häufig Anwendung findet. Es zeigt einen kleinen, zarten Schmetterling, der durch die sanfte Berührung des Wassers Wellen auslöst.

Und so ergeht es auch den verschiedenen Protagonisten, die alle zur selben Zeit Passagiere desselben Fluges sind. Was zunächst wie ein ganz gewöhnlicher Flug erscheint, entwickelt sich für sie alle zu einer außergewöhnlichen Reise. Denn als eine ältere Dame aufsteht und jedem Einzelnen den erwarteten Todeszeitpunkt sowie die Ursache erklärt, müssen sich die Passagiere fragen: Glaube ich an die Vorsehung? Leben wir in einem deterministischen Universum, in dem bereits alle Ereignisse – auch zukünftige – vorherbestimmt und unabwendbar sind? Oder haben wir unser Schicksal selbst in der Hand?
Als sich die Vorhersagen der Dame zu bewahrheiten beginnen, wird die Situation ernst, und Bewegung kommt ins Spiel.
Den Ansatz, den Frau Moriarty in ihrem neuesten Werk gewählt hat, finde ich sehr interessant. Er hat bei mir die Frage ausgelöst: Würde ich es wissen wollen? Und wie würde ich mich dann verhalten? Stasis - passiv und abwartend oder würde (blinder) Aktionismus verfallen?

Der Schreibstil von Frau Moriarty ist typisch für ihre Romane. Er ist leicht zugänglich, flüssig zu lesen und enthält immer wieder eine kleine Prise Humor, die sowohl aktuelle Themen als auch die Vergangenheit aufgreift. Die Autorin bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus den Abgründen ihrer Figuren, Vielschichtigkeit und gut gesetzten Cliffhangern, die die Atmosphäre spannend steigern.

Leider verliert mich die Autorin manchmal durch ihre kurzen, schnellen Kapitel. Das stört den Lesefluss mich erheblich, denn immer wenn ich das Gefühl hatte, eine Figur richtig zu packen, reißt der Text unvermittelt ab und wechselt zur nächsten Figur. Natürlich ist der Wechsel zwischen den verschiedenen Protagonisten lebendig und abwechslungsreich. Allerdings verliert sich dadurch der Text auch manchmal in unwichtigen Details, die eher wie leere Füllmenge wirken.

Für mich war das Leseerlebnis insgesamt gemischt.
Der grundlegende Gedanke hat mich neugierig gemacht und zum Nachdenken angeregt. Dennoch blieben die meisten Figuren zu blass und konnten mich nicht wirklich fesseln.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Ein einfühlsamer Blick auf den unerfüllten Kinderwunsch und den Zusammenhalt betroffener Frauen.

Hello Baby
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Die koreanische Autorin und Essayistin Kim Eui-kyung öffnet ihrer Leserschaft eine fast noch geheime und tabuisierte Welt – die des unerfüllten Kinderwunsches.

Zunächst hat mich das eher künstlich bunte ...

Die koreanische Autorin und Essayistin Kim Eui-kyung öffnet ihrer Leserschaft eine fast noch geheime und tabuisierte Welt – die des unerfüllten Kinderwunsches.

Zunächst hat mich das eher künstlich bunte Cover, welches eine Art durchscheinendes Baby in mehrfacher Wiederholung zeigt abgeschreckt.
Dennoch bin ich sehr froh, mich davon nicht weiter irritieren zu lassen, denn in diesem kleinen Roman stecken zahlreiche facettenreiche und lebensnahe Geschichten.

In „Hello Baby“ kommen abwechselnd sechs Frauen zu Wort, die alle den Wunsch nach einem eigenen Kind haben.
Ihre Leidenswege sind dabei unterschiedlich, da sie auf verschiedenen Diagnosen basieren. Doch sie verbindet der Schmerz, die Sehnsucht, der Verlust – vor allem aber der ständige Druck von außen. Gemeinsam finden sie in einem Gruppenchat zueinander.
„Nach dieser frustrierenden Erfahrung wurde ihr klar, dass sie Freundinnen brauchte. Freundinnen, die Verständnis für sie aufbrachten, die sich in der gleichen Situation befanden und ebenfalls sehnsüchtig auf ein Baby warteten.“ (Seite 50)


Was mich an diesem Buch besonders bewegt hat, waren neben den Schicksalen der Frauen vor allem der Zusammenhalt unter ihnen. Sie leiden miteinander, geben sich gegenseitig Halt und Ratschläge. Dabei schaffen sie es, neben Neid auch aufrichtige Freude zu empfinden, wenn es einer von ihnen endlich gelingt, schwanger zu werden.

„Hello Baby“ vermittelt für mich sehr eindrücklich die Emotionen, die eine Kinderwunschbehandlung mit sich bringt. Doch nicht nur das: Frau Eui-kyung zeigt auch gezielt die Schwächen der modernen Welt auf. Es ist egal, ob wir über Südkorea sprechen oder ein Land in Europa, wie Deutschland – überall herrscht Druck und Erwartungshaltung an Frauen im gebärfähigen Alter. Dieser beginnt bereits mit dem Zeitpunkt, wann es endlich soweit sein soll, und endet nicht, wenn sie Mutter werden.
Die Frauen im Roman leiden besonders unter den Übergriffen ihrer Schwiegereltern, unter abwesenden Ehemännern, die sich nur teilweise für ihre Partnerinnen einsetzen oder sich um ihre Gesundheit kümmern.
Zudem kämpfen sie darum, ihren Wunsch nach einem Kind auch im Berufsleben nicht aufzugeben.

Die Autorin hat sehr gut recherchiert und schafft es, eine Atmosphäre zwischen Sehnsucht und Enttäuschung eindrucksvoll zu vermitteln.
Im Nachwort erwähnt sie ihre eigene Behandlung in einer Kinderwunschklinik, was man beim Lesen deutlich spürt. Das Buch wirkt dadurch auf mich aufrichtig und nahbar.

Auf den knapp 220 Seiten fühlt man sich schnell als eine Frau mitten in der Gruppe.

Diesen Roman würde ich jeder meiner Freundinnen wärmstens empfehlen.

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