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Veröffentlicht am 28.03.2026

Ganz locker durch das chaotische Leben.

Keeping it casual
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„Keeping it Casual“ ist der Debütroman der australischen Autorin Karina May, der es direkt auf die Longlist der australischen Indie Book Awards geschafft hat. Umso erfreulicher ist, dass der Pola Verlag ...

„Keeping it Casual“ ist der Debütroman der australischen Autorin Karina May, der es direkt auf die Longlist der australischen Indie Book Awards geschafft hat. Umso erfreulicher ist, dass der Pola Verlag sich die deutschen Veröffentlichungsrechte gesichert hat und das Buch nun auf Deutsch erhältlich ist.
Besonders hervorheben möchte ich die wirklich gelungene Covergestaltung. Für mich greift sie die Geschichte sofort auf: Man sieht eine junge Frau mit dem Smartphone in der Hand, völlig vertieft – gerade beim Tindern oder Chatten. Sie scheint ganz in ihrer eigenen Welt zu sein, und doch verspürt man den Drang, einen Blick auf ihr Display zu werfen und heimlich mitzulesen.

Zum Inhalt:
Maxine, kurz Max, steckt gerade in einer schweren Zeit: Erst die Diagnose Hirntumor, dann erwischt sie ihren langjährigen Partner beim Fremdgehen. Aus der Bahn geworfen, zieht sie zu ihrer besten Freundin Alice, die sie kurzerhand bei einer Dating-App anmeldet.
Statt eines klassischen Dates landet Max mitten in einer digitalen Brieffreundschaft mit Johnny – inklusive Koch-Challenges, chaotischen Chats und jeder Menge Lachmomente. Jetzt muss Max nur noch herausfinden, was sie nach der OP wirklich will.

Meine Meinung:
„Keeping it Casual“ bedeutet im Deutschen „ganz locker bleiben“.
Ganz locker bleiben – das ist leichter gesagt als getan, wenn man gerade eine Krebsdiagnose und ein gebrochenes Herz gleichzeitig verdauen muss.
Aber Max macht genau das: Sie chattet, kocht sich durch eine digitale Brieffreundschaft und stolpert dabei von einer chaotischen Situation in die nächste. Genau das macht die Geschichte so charmant, witzig und warmherzig.
Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Nebenfiguren, wie ihre beste Freundin Alice, und ihre Beziehung zu ihr etwas mehr Raum hätten einnehmen dürfen. Dafür hätte man den Plot rund um Max’ Arbeit etwas straffen können, da dieser nicht wirklich zur Entwicklung der Geschichte beiträgt.

Der Schreibstil ist sehr leicht und frisch. Allerdings hätten sich die Chatpassagen besser vom übrigen Text abheben können – das hätte den Lesefluss erheblich erleichtert.

Großartig fand ich, dass die Rezepte der Kochchallenge nicht nur schmückendes Beiwerk im Text sind, sondern am Ende echte Rezepte, die man nachkochen oder vielleicht sogar für eine eigene kleine Challenge nutzen kann. Wer weiß .
Ein größerer Kritikpunkt für mich ist, dass viele Rezepte sehr tierlastig und wenig ausgewogen sind – das finde ich wirklich schade.

Am Ende habe ich Max und ihre gelassen-chaotische Art jedenfalls in mein Herz geschlossen.
Ideal für Fans von Romcoms mit Herz und Humor.

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  • Thema
Veröffentlicht am 27.03.2026

Zerbrechliche Salzvisionen

Träume aus Salz
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Als ich erfuhr, dass die deutsche Autorin Anika Landsteiner, bekannt für ihre Romane, die sich mit Themen wie zwischenmenschliche Beziehungen, persönlichen Herausforderungen und Selbstfindung befassen, ...

Als ich erfuhr, dass die deutsche Autorin Anika Landsteiner, bekannt für ihre Romane, die sich mit Themen wie zwischenmenschliche Beziehungen, persönlichen Herausforderungen und Selbstfindung befassen, ein neues Werk veröffentlicht hat, war ich sehr erfreut.
Ihr Roman „So wie du mich kennst“ hatte mich damals tief bewegt, da es mit tiefgründigen Charakteren und emotionaler Tiefe punkten konnte.

Doch worum geht es in ihrem neuesten Buch „Träume aus Salz“?
Das junge Paar Flo und Matty, noch frisch in der Honeymoon-Phase ihrer Beziehung, verbringt ihren ersten gemeinsamen Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel, fernab vom trubeligen Massentourismus. Was anfangs wie ein traumhafter, sorgenfreier Urlaub wirkt, bekommt jedoch bald Risse. Spätestens als sie auf die mysteriöse Griechin Sofia treffen, die Tarotkarten legt und die Zukunft lesen kann, gerät die Situation aus dem Ruder. Zwischen den drei entsteht eine unerklärliche, beinahe magische Anziehungskraft, die alte Wunden aufreißt und Wünsche neu ordnet.
Die Autorin hat es von den ersten Seiten an geschafft, mich mit den drei Protagonisten auf die Insel zu entführen. Ich konnte fast die Wärme der Sonne auf meiner Haut spüren und hatte das dringende Bedürfnis, meine Abende ebenfalls in einer Bar am Meer bei einem guten Essen ausklingen zu lassen.
Durch ihren wirklich schönen und stellenweise poetischen Schreibstil war das wunderbar leicht möglich. Die Geschichte wechselt dabei immer wieder die Perspektive zwischen Sofia und Flo, was beiden Frauen mehr Raum gibt und ihre Vergangenheit näher beleuchtet.

Leider waren dies die positivsten Aspekte für mich im Roman.
Während Frau Landsteiner mich mit der Tiefe und Bandbreite ihrer Figuren in früheren Werken überzeugen konnte, fehlte es mir hier deutlich an einem roten Faden.
Matty, Sofia und allen voran Flo blieben bis zum Ende für mich nicht wirklich greifbar. Ich hatte das Gefühl, sie hinter einem dicken Glas zu beobachten – wie bei einem Tauchgang im Tiefseeboot.
Das Mystische, insbesondere die Anklänge an griechische Sagen und das Tarotlegen, fand ich anfangs durchaus spannend. Doch immer wieder ertappte ich mich dabei, nachzuschlagen, um zu verstehen, was genau dahintersteckt. Leider blieb die Autorin in dieser Hinsicht zu vage. Ein Glossar hätte hier Abhilfe geschaffen, sodass die Lesenden nicht gezwungen gewesen wären, entweder Dinge hinzunehmen, die sie nicht verstehen, oder sich das Wissen mühselig selbst anzueignen.
Das hat mich immer wieder aus der schönen Immersion der Geschichte herausgerissen.

Auch das Grundkonzept der Story blieb mir zu angeschnitten und nicht wirklich ausgearbeitet. Bis zum Ende hoffte ich auf einen Aha-Momente.
Was das Cover betrifft, so ist es in seiner schlichten, aber dennoch atmosphärischen Gestaltung gut auf das Buch abgestimmt. Es zeigt ein Frauengesicht, das teilweise hinter Seifenblasen verborgen ist. Und genau so fühlte sich die Geschichte für mich an: schimmernd, aber fragil und nicht wirklich greifbar.

Insgesamt bleibt „Träume aus Salz“ hinter meinen persönlichen Erwartungen zurück. Es ist ein solider Roman, der vor allem für Leser*innen geeignet ist, die nach einer introspektiven Erzählung suchen und keine schnelle Auflösung erwarten.
Die Kraft von Landsteiners Sprache und der emotionale Kern der Geschichte sind durchaus bemerkenswert – auch wenn sie mich nicht immer vollständig überzeugen konnten.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Wenn der Traum vom Smart Home zum Albtraum wird.

Der Tower
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Evar Leon Menger, bekannt für seine Hörspielserien wie „Monster 1983“ und „Ghostbox“, schreibt seit 2022 erfolgreich auch Thriller. Sein aktueller Roman ist „Der Tower“. Schon das recht simple Cover in ...

Evar Leon Menger, bekannt für seine Hörspielserien wie „Monster 1983“ und „Ghostbox“, schreibt seit 2022 erfolgreich auch Thriller. Sein aktueller Roman ist „Der Tower“. Schon das recht simple Cover in einem schreienden Pink und der großformatige Titel lassen erahnen, dass es sich hier um einen Thriller handelt.

Doch worum geht es eigentlich?
Novas Leben ist gerade völlig aus der Bahn geraten: Aus ihrem Traumjob bei einer Galerie gekündigt, ihr Freund hat sie betrogen und sie wurde kurzerhand aus ihrer Wohnung geworfen. Völlig panisch und ein wenig planlos versucht Nova, eine bezahlbare Wohnung in Berlin zu finden – leichter gesagt als getan in einer Millionenstadt wie Berlin.
Als sie dann ganz plötzlich die Zusage für ein Jahr kostenloses Wohnen im hochmodernen Pramtower bekommt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Eine luxuriöse Wohnung, eine KI, die praktisch jeden Wunsch erfüllen kann, ein spektakulärer Ausblick und das Ganze völlig kostenlos – fast zu gut, um wahr zu sein.
Was wie ein technischer Luxus-Traum beginnt, entwickelt sich schnell in eine beklemmende Situation. Denn hinter den glänzenden Fassaden des Towers scheint längst nicht alles so perfekt zu sein, wie es auf den ersten Blick wirkt.

Soweit zur Handlung, doch wie schlägt sich der Roman in der Umsetzung?
Mir hat der schnelle und leicht zugängliche Schreibstil gefallen. Die Kapitel sind relativ kurz, sodass schnell Fahrt in die Geschichte kommt. Auch das Oberthema – die Abhängigkeit von modernen Medien, KI und ihrer möglichen Zweckentfremdung – fand ich sehr spannend. Für mich persönlich hätte es allerdings gerne noch etwas stärker hinterfragt werden dürfen.
Leider hat mir Nova als Protagonistin nicht besonders gefallen. Sie agiert oft naiv und planlos, um im nächsten Moment wieder völlig abgebrüht durch Berlin zu laufen. Dadurch wirkte ihr Verhalten auf mich teilweise widersprüchlich und ich konnte ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehen. Auch fehlte mir streckenweise ein passender Gegenpart oder ein geeigneter Mitspieler für Nova. Den Nebenfiguren fehlt es an Tiefe und an einer eigenen Storyline.
Das hätte dem im Grunde interessanten Grundkonzept mehr Würze verliehen und den Spannungsbogen zusätzlich gestärkt.

„Der Tower“ punktet mit einer interessanten Grundidee, einem aktuellen Thema und einem sehr flüssigen Schreibstil. Trotz einiger spannender Ansätze konnten mich jedoch vor allem die Figuren nicht vollständig überzeugen. Wer einen schnell lesbaren Thriller mit moderner Thematik sucht, könnte hier dennoch auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Schöner Einstieg in die Gartenwelt mit kleinen Schwächen.

Blütenpracht und Ernteglück – Dein Weg zum Traumgarten
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Wer kennt das nicht? Der Winter zieht sich langsam zurück und die ersten Vorboten des Frühlings lassen sich schon blicken. Der ein oder andere bekommt dann auch direkt Lust, sich im Garten etwas zu betätigen. ...

Wer kennt das nicht? Der Winter zieht sich langsam zurück und die ersten Vorboten des Frühlings lassen sich schon blicken. Der ein oder andere bekommt dann auch direkt Lust, sich im Garten etwas zu betätigen. Und da kommt die Influencerin Svenja Breuer ins Spiel. Unter dem Account „designablehome“ gibt sie schon seit einigen Jahren regelmäßig interessante Gartentipps rund um verschiedene Blumen, hilfreiche Pflegetipps und auch immer wieder schöne Dekorationsideen.
Mit viel Liebe zum Detail inspiriert sie ihre Community und teilt ihre Erfahrungen aus dem Gartenalltag.

Jetzt hat Svenja Breuer ihr erstes Buch veröffentlicht.
„Blütenpracht und Ernteglück – Dein Weg zum Traumgarten“ ist ein klar strukturierter Ratgeber, der unter anderem grundlegende Themen, Aussaat-Tabellen sowie Pflanz- und Pflegepläne erklärt. In einfachen Worten werden der gärtnernden Leserschaft Pflanzenporträts und praktische To-Do-Tipps nähergebracht.
Besonders schön fand ich dabei, dass sie sehr bemüht ist, einen harmonischen Garten zu kreieren, der insektenfreundliche Blumen und pflegeleichtes Gemüse miteinander verbindet – ohne das eines zu kurz kommt.

Für mich persönlich muss ich jedoch sagen, dass mir die Gestaltung der Bilder im Buch selbst nicht ganz zugesagt hat. Bei dem ansprechenden Cover, auf dem Svenja Breuer fröhlich in ihrem blühenden Garten steht und von einem pastelligen Rahmen umgeben ist, hatte ich mich auf eine ebenso schlichte, aber informative Gestaltung im Inneren gefreut. Leider dienen viele Bilder eher dekorativen als informativen Zwecken und wirken teilweise nicht wirklich professionell aufgenommen, da der Fokus einzelner Bilder nicht ganz stimmig zum Gesamtbild erscheint. Gefühlt findet sich auf jeder zweiten Seite mindestens ein Bild der Autorin im Garten, auf dem sie fröhlich in die Kamera lächelt – wobei sich mir persönlich der konkrete Mehrwert nicht immer erschließt.
Was ich außerdem schade finde, ist, dass die Struktur und Gestaltung eher an eine rein weibliche Leserschaft scheinbar richtet.

Insgesamt denke ich, dass sich Gartenneulinge hier sicherlich den ein oder anderen guten Tipp holen können. Wer bereits viel Gartenerfahrung hat und stark ins Detail gehen möchte, könnte sich an manchen Stellen etwas mehr Hintergrundwissen oder botanische Tiefe wünschen.

Mein Resümee:
Für Einsteiger empfehlenswert, für erfahrene Gärtner eher eine leichte Lektüre.
Ich selbst freue mich über die ganzen Tipps und Erfahrungen zu Dahlien. Bisher habe ich mich nicht wirklich an diese schönen Blumen herangetraut, aber dank Svenja Breuer wage ich dieses Jahr den Versuch damit.
Alles in allem ein solider Ratgeber mit wertvollen Impulsen – genau das, was ich mir für Einsteiger erhofft hatte, auch wenn mir die Bildgestaltung nicht immer gefallen hat.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Ein leiser Roman über eine laute Kindheit.

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist das Debüt der Autorin Lilli Tollkien. Angezogen hat mich dabei vor allem das Cover: Ein junges Mädchen blickt forsch und fordernd den Betrachtenden in die Augen. ...

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist das Debüt der Autorin Lilli Tollkien. Angezogen hat mich dabei vor allem das Cover: Ein junges Mädchen blickt forsch und fordernd den Betrachtenden in die Augen. So wollte auch ich direkt in dieses Buch eintauchen, um herauszufinden, was sie mir sagen will.

In dieser Geschichte begleiten wir Lale, deren Aufwachsen sich in einem fortwährenden Ausnahmezustand befindet. Da ihre Mutter nicht für sie sorgen kann und eher eine selten gesehene Randfigur in ihrem Leben ist, wächst sie Anfang der 80er-Jahre in Berlin in einer Männerkommune auf.
Die Männer – auch ihr eigener Vater – taumeln zwischen verschiedenen Frauen, Alkohol und Drogen hin und her.
Als kleines Kind scheint Lale bestenfalls ein Haustier oder Maskottchen zu sein, statt ein Kind mit Bedürfnissen. Halt und Sicherheit erfährt sie nicht. Ihre Grenzen werden wiederholt missachtet, ihre Ängste kleingeredet.

Mich hat der Roman „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ berührt und ein wenig sprachlos zurückgelassen. Wie muss sich eine solche Kindheit und Jugend anfühlen? Ich hatte beim Lesen oft ein Gefühl von Beklemmung.
Besonders interessant fand ich, dass dieser Roman teilweise von realen Ereignissen inspiriert wurde. Wenn man sich das bewusst macht, wirkt vieles noch intensiver und nachhallender.
Der poetische, eher leise Text geht tief. Dennoch schafft es die Autorin, ihrer Protagonistin Lale eine gewisse Abgebrühtheit und Distanziertheit zu geben, die sehr gut zum Ton des Romans passt.
Insgesamt ist es ein ruhiges Buch mit vielen Untiefen, Grenzüberschreitungen und Momenten der Hilflosigkeit – aber nie perspektivlos oder hoffnungslos. Lale versucht immer wieder, für sich selbst einzustehen und ihren eigenen Weg zu gehen, mag er auch noch so schwer sein.
„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein emotionaler Gegenwartsroman mit tiefgründiger Thematik, geschrieben in einem flüssigen und intensiven Stil.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die auch auf wenigen Seiten eine intensive Leseerfahrung machen möchten.
Ein Buch, welches still erzählt wird und tief trifft.

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