»Man kann ziemlich viele Dinge im Leben allein tun. Aber um begehrt zu werden, braucht man einen anderen Menschen.«
Marieke und Vik sind seit Ewigkeiten zusammen, verstehen sich blind und kümmern sich liebevoll um ihre beiden Töchter. Nur im Bett herrscht Flaute; Vik scheint jedes Interesse an Sex verloren zu haben. Marieke hofft, dass ein Umzug aufs Land neuen Schwung in ihre Ehe bringen wird. Doch während Vik und die Kinder auf dem alten Bauernhof aufblühen, droht sie selbst zu verkümmern. Heimlich klickt sie sich durch Sex-Anzeigen im Internet. Einen Mann für Sex zu bezahlen, ist immer noch besser als eine Affäre, oder? Nach einigen missglückten Treffen lernt Marieke schließlich Rocco kennen, mit dem sie ihre Lust ganz neu entdeckt. Doch die Grenze zwischen reinem Geschäft und echten Gefühlen verschwimmt schnell ...
»Ein raffinierter und vielschichtiger Roman über Sinnlichkeit und Begehren, der lange nachhallt.«
Bazarow
Mich haben sowohl das Cover als auch die Kurzbeschreibung sehr stark angesprochen und das Buch fand ich ebenfalls hervorragend! Der Schreibstil passt super zum Roman und zu Anfang zu den rastlosen Gedanken ...
Mich haben sowohl das Cover als auch die Kurzbeschreibung sehr stark angesprochen und das Buch fand ich ebenfalls hervorragend! Der Schreibstil passt super zum Roman und zu Anfang zu den rastlosen Gedanken der Protagonistin, während er sich im weiteren Verlauf anpasst und geschmeidiger wirkt. Die Protagonistin ist sehr unzufrieden mit ihrem Familien- und Liebesleben und begibt sich als Kundin in den Escort-Bereich, wodurch sich dem Leser sehr interessante Einblicke geben. John, ihr Escort, bindet sie emotional an sich, wodurch sie ihre Zugehörigkeit zu ihrem "richtigen" Leben immer mehr verliert, bis sie schließlich merkt, daß sie nicht beides gleichzeitig in ihrem Leben vereinbaren kann - ihre Affäre und ihre Familie. Das Ende war für mich nicht sehr logisch und es bleiben einige Fragen offen. Vielleicht wird es ja noch einen zweiten Teil geben, in dem ihr weiteres Leben erzählt wird.
Gentlemen von Patricia Jozef ist ein Buch, das definitiv aus der Masse heraussticht – nicht immer angenehm, aber genau das macht es so interessant.
Der Schreibstil ist angenehm leicht und sehr flüssig, ...
Gentlemen von Patricia Jozef ist ein Buch, das definitiv aus der Masse heraussticht – nicht immer angenehm, aber genau das macht es so interessant.
Der Schreibstil ist angenehm leicht und sehr flüssig, sodass man schnell durch die Seiten kommt. Gleichzeitig wirkt die Geschichte stellenweise bewusst nüchtern und distanziert, was gut zur inneren Zerrissenheit der Protagonistin passt.
Marieke als Hauptfigur empfand ich als sehr greifbar. Ihr Alltag, ihre Unzufriedenheit und ihr Wunsch nach Veränderung sind nachvollziehbar und wirken authentisch. Die Beziehung zu Vik spiegelt auf eindringliche Weise wider, wie schnell sich Routinen einschleichen können und Kommunikation verloren geht.
Besonders intensiv wird es durch die Entwicklung rund um John/Rocco. Die Dynamik zwischen den beiden ist komplex, teilweise unangenehm und wirft viele Fragen auf – vor allem, wie viel davon echt ist und wie viel gespielt. Diese Ambivalenz hat mich durchgehend beschäftigt.
Das Buch nimmt im Verlauf deutlich an Intensität zu, sowohl emotional als auch inhaltlich. Einige Szenen waren für mich persönlich grenzwertig und nicht immer leicht zu lesen – hier muss man definitiv wissen, worauf man sich einlässt.
Das Ende kam für mich etwas schnell, hat aber gleichzeitig einen versöhnlichen Abschluss geboten, auch wenn viele Fragen offen bleiben und Raum für eigene Interpretationen lassen.
Die belgische Autorin Patricia Jozef ist hierzulande noch ein Geheimtipp – umso gespannter war ich auf ihren ersten ins Deutsche übersetzten Roman „Gentlemen“. Das moderne Cover zeigt eine Frau, die genussvoll ...
Die belgische Autorin Patricia Jozef ist hierzulande noch ein Geheimtipp – umso gespannter war ich auf ihren ersten ins Deutsche übersetzten Roman „Gentlemen“. Das moderne Cover zeigt eine Frau, die genussvoll und gedankenverloren zu seufzen scheint – ein passendes Sinnbild für die Themen des Buchs.
Marieke und Vik sind seit der Jugend ein Paar, führen eine vertraute Ehe und erziehen gemeinsam ihre Töchter. Doch hinter ihrer Harmonie liegt Stillstand: Vik begehrt seine Frau nicht mehr, was Marieke tief verunsichert. In ihrer Sehnsucht nach Nähe sucht sie den Kontakt zu einem professionellen Begleiter – ohne emotionale Bindung, nur als „Service“.
„Sie ist keine außereheliche Beziehung eingegangen – was für ein Ausdruck! –, sie hat einen Service genutzt. Wie man zum Arzt geht, zu einem Therapeuten, zur Physio.“ (Seite 349)
Doch als sie den männlichen Escort Rocco kennenlernt, geraten ihre klaren Grenzen ins Wanken.
„Gentlemen“ stellt nicht moralische Urteile in den Vordergrund, sondern fragt, ob körperliche Beziehungen ohne Gefühle funktionieren können und umgekehrt. Es geht um weibliche Selbstbestimmung, Lust und das große Tabu männlicher Unlust.
Darf eine Frau als Ehefrau und Mutter ihre Wünsche offen ausleben? Was ist in einer Partnerschaft zumutbar – und was nicht?
Besonders beeindruckend fand ich Mariekes innere Auseinandersetzung: Ihre Gedanken, Sehnsüchte und Unsicherheiten sind greifbar und tief menschlich. Ein Satz fasst das Wesen des Romans wunderbar zusammen:
„Man kann ziemlich viele Dinge im Leben allein tun. Aber um begehrt zu werden, braucht man einen anderen Menschen.“ (S. 117)
Ich habe mich beim Lesen oft gefragt, wie ich selbst in Mariekes Situation handeln würde – gerade das macht den Roman so eindringlich.
Die expliziten Szenen überraschen, doch sie wirkten auf mich weniger erotisch als psychologisch – der Fokus liegt auf Mariekes innerer Entwicklung.
Als kleinen Kritikpunkt könnte man den zunächst sehr zähen Beginn anbringen, den man überwinden muss, um in die Geschichte hineinzukommen.
Anfangs zögerte ich, doch je weiter ich las, desto stärker zog mich die ruhige, analytische Erzählweise in ihren Bann.
„Gentlemen“ ist ein kluger, mutiger Roman, der Fragen aufwirft statt Antworten zu geben. Er öffnet Räume für Diskussion – über Liebe, Begehren und das Recht auf Selbstbestimmung. Eine bereichernde, fordernde Lektüre für alle, die sich trauen, hinzusehen.
Meine Bewertung:
(4,5 von 5 Sternen)
Ein klug komponiertes Buch, das berührt und herausfordert. Anfangs etwas ruhig und bedächtig, entwickelt sich „Gentlemen“ zu einer eindringlichen, vielschichtigen Untersuchung weiblicher Sehnsucht und Partnerschaft. Besonders stark: die psychologische Tiefe und die kompromisslose Offenheit der Autorin.
Langjährige Beziehung, zwei Kinder, Alltag im Dauerlauf. Klingt vertraut und genau da setzt dieses Buch an. Zwischen Wäschebergen, Familienlogistik und dem Versuch, sich noch als Paar zu fühlen, hängt ...
Langjährige Beziehung, zwei Kinder, Alltag im Dauerlauf. Klingt vertraut und genau da setzt dieses Buch an. Zwischen Wäschebergen, Familienlogistik und dem Versuch, sich noch als Paar zu fühlen, hängt plötzlich die Stille im Schlafzimmer. Kein Drama, kein Streit, einfach Funkstille. Und genau das fühlt sich unangenehm real an.
Marieke wird dabei nicht als verzweifelte Ehefrau gezeichnet, sondern als Frau, die merkt, dass ihr etwas fehlt. Nähe, Lust, gesehen werden. Der Umzug aufs Land soll alles retten, stattdessen blühen alle auf außer ihr. Dieser Kontrast trifft. Während die Familie ankommt, steht sie innerlich im Leerlauf. Das hat Wucht.
Dann kippt die Geschichte in eine Richtung, die neugierig macht. Bezahlen statt betrügen. Ein Gedanke, der erstmal schräg wirkt und gleichzeitig erschreckend logisch. Die Treffen sind mal unangenehm, mal absurd, mal überraschend zärtlich. Gerade diese Mischung macht Spaß beim Lesen. Nichts wirkt geschniegelt, vieles fühlt sich roh und ehrlich an.
Rocco bringt schließlich Bewegung rein. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Lust, sondern um Sehnsucht, Freiheit und die Frage, wie viel Ehrlichkeit eine Beziehung aushält. Genau hier packt das Buch am stärksten zu.
Locker erzählt, frech im Ton und mit vielen kleinen Beobachtungen aus dem Beziehungsalltag. Man schmunzelt, zuckt zusammen und ertappt sich bei dem Gedanken, dass das alles gar nicht so weit weg ist. Kein Skandalroman, sondern eine ehrliche Geschichte über Nähe, Distanz und den Wunsch, wieder begehrt zu werden.
Der Roman hat mich insgesamt wirklich gefesselt. Besonders gelungen fand ich, dass hier die weibliche Sexualität im Mittelpunkt steht. Ein Thema, das oft noch zu wenig Raum bekommt und hier sehr offen ...
Der Roman hat mich insgesamt wirklich gefesselt. Besonders gelungen fand ich, dass hier die weibliche Sexualität im Mittelpunkt steht. Ein Thema, das oft noch zu wenig Raum bekommt und hier sehr offen und differenziert erzählt wird. Die Geschichte rund um Marieke, die in ihrer Ehe zunehmend unerfüllt ist und neue Wege geht, um ihre eigenen Bedürfnisse zu entdecken, wirkt dabei zugleich mutig und nahbar.
Spannend fand ich vor allem, wie sich die Handlung entwickelt. Das Ende kommt ganz anders, als man es zu Beginn erwartet, was dem Buch eine zusätzliche Tiefe gibt und lange nachwirkt. Auch die emotionale Entwicklung von John war für mich ein Highlight. Ihn nicht nur als Dienstleister, sondern als vielschichtige Figur zu erleben, hat die Geschichte bereichert.
An manchen Stellen war es mir jedoch etwas zu viel. Gerade die emotionale Bindung wirkte teilweise etwas überzeichnet. Ich hatte das Gefühl, dass hier ein eher stereotypisches Bild von Sexarbeit transportiert wird, da Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in der Realität meist deutlich professioneller mit Nähe und Distanz umgehen. Dieser Aspekt hat für mich nicht ganz stimmig gewirkt.
Trotz dieser kleinen Kritikpunkte ist Gentlemen ein intensiver, spannender und mutiger Roman, der wichtige Themen wie Begehren, Intimität und Selbstbestimmung aufgreift und dabei lange im Kopf bleibt.