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Veröffentlicht am 07.09.2021

Vier Sekunden Ewigkeit

Besichtigung eines Unglücks
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Zwei Tage vor Heiligabend 1939 kommt es in Genthin zu einem furchtbaren Zugunglück in Folge dessen über 180 Personen starben. Im Zug die (Halb)jüdin Carla Finck, jedoch nicht in Begleitung ihres Verlobten ...

Zwei Tage vor Heiligabend 1939 kommt es in Genthin zu einem furchtbaren Zugunglück in Folge dessen über 180 Personen starben. Im Zug die (Halb)jüdin Carla Finck, jedoch nicht in Begleitung ihres Verlobten Richard, sondern des Italieners Guiseppe Buonomo. Während dieser stirbt, gibt Carla sich als seine Frau aus - warum?
Der Ich-Erzähler Thomas Vandersee, eine ähnliche Konstellation lebend, versucht die Geschehnisse (ohne eindeutiges Ergebnis) zu ergründen und gelangt dabei zu der Frage, ob seine Mutter Lisa Carla gekannt haben könnte...
Die Vorstellung versprach ein sehr interessantes Buch, jedoch ist die Umsetzung meiner Meinung nach nicht komplett gelungen. Wie schon oft bei für den Buchpreis nominierten Büchern war ich letztendlich doch enttäuscht und ich weiß nicht ob dies evtl.nur an meiner erhöhten Erwartung lag.
Der Schreibstil ist - abwechselnd ausformuliert oder in einer Art Stichpunkten - gewöhnungsbedürftig, doch dies ist nicht der Grund dafür. Vielmehr blieb ich am Ende etwas ratlos zurück, da zuviel nur angedeutet und der Interpretation des Lesers überlassen wurde.
Informativ bezüglich des beschriebenen Unglückes ist das Buch, jedoch würde ich es nicht noch einmal lesen bzw. hinterlässt es bei mir keinen bleibenden Eindruck.

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Veröffentlicht am 07.09.2021

Vom Leben in schwierigen Zeiten mit und ohne Mutter

Der Silberfuchs meiner Mutter
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Der Ich- Erzähler Heinz erzählt rückblickend die Geschichte seiner Mutter, die mit ihm schwanger als "Nazi-Hure" auf den Hof ihres Verlobten nach Österreich fährt. Dort erwartet er sie jedoch nicht und ...

Der Ich- Erzähler Heinz erzählt rückblickend die Geschichte seiner Mutter, die mit ihm schwanger als "Nazi-Hure" auf den Hof ihres Verlobten nach Österreich fährt. Dort erwartet er sie jedoch nicht und stattdessen wird sie von seiner Familie verstossen. Anhand von gefundenen Aufzeichnungen verfolgt Heinz die jeweiligen Stationen bis zum Ende der Reise, an dem sie immer fremd und "die Norwegerin" blieb....
Für mich ist es erstaunlich, wie authentisch es der Autor Alois Hotsching (Jahrgang 1959) geschafft hat, den alten Mann Heinz von den Erlebnissen aus (Nach)Kriegszeiten erzählen zu lassen als wäre er selbst dabei gewesen bzw. schildere seine eigenen Erfahrungen. Die Umsetzung durch den Hörbuchsprecher Wolfram Berger ist dabei viel mehr als einfach gelungen - hier passen Geschichte und Stimme perfekt zusammen. Im Nachlass meines Grossvaters habe ich eine Kassette gefunden, in dem sein Freund seinen Werdegang nach der Kapitulation in der Festung Breslau bis in die 70er Jahre berichtete. Im Vergleich damit ist dieses Hörbuch, mit seinen Formulierungen, Pausen und (kurzen) Wiederholungen zum "Aufgreifen" des Fadens, absolut authentisch!!
Inhaltlich hat das Buch mich jedoch etwas enttäuscht, so begeistert ich von der realistischen Wiedergabe des Sprechers bin, so sehr fehlt mir die eigentliche Aussage. Vieles bleibt diffus und der Interpretation des Lesers überlassen. Ich würde dieses Buch deshalb nicht noch einmal lesen.

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Veröffentlicht am 28.08.2021

Typische "Faust" Thematik - Langatmig und verstörend

Der Lehrmeister (Faustus-Serie 2)
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Seit der Flucht aus Nürnberg sind sechs Jahre vergangen und seitdem reist Dr.Johann Georg Faustus als Quacksalber zusammen mit seinem Atlantus Karl und der jungen Gauklerin Gretha durchs Land. Sein Ruf ...

Seit der Flucht aus Nürnberg sind sechs Jahre vergangen und seitdem reist Dr.Johann Georg Faustus als Quacksalber zusammen mit seinem Atlantus Karl und der jungen Gauklerin Gretha durchs Land. Sein Ruf eilt im weit voraus und plötzlich werden die drei von verschiedenen Seiten verfolgt, denn zahlreiche Herrscher und Geistliche halten ihn für den Schlüssel zu allen Problemen bzw. erwarten von ihm schier unmögliches. Die Flucht führt quer durch Deutschland und Frankreich und Faustus erkennt darin auch eine Flucht vor seiner Vergangenheit und seinem Pakt mit dem Teufel...
Ich mag die Bücher von Oliver Pötzsch, ganz besonders die Reihe um "Die Henkerstochter" und habe mich deshalb auch für dieses entschieden. Doch habe ich dazu keinen wirklichen Zugang gefunden. Dies liegt jedoch nicht daran, dass dies der zweite Teil um die Faust-Saga ist. Durch (leider sich zu oft wiederholende) Erläuterungen und Rückblicke lässt sich dieser Teil auch ohne Vorkenntnisse lesen und verstehen. Ich hatte damit jedenfalls keinerlei Probleme.
"Der Lehrmeister" liest sich gewohnt flüssig und man kommt gut voran. Ein weiterer Grund warum ich nicht aufgegeben habe - fesselnd ist für mich jedoch etwas anderes. Einzig der Wunsch nach der Auflösung hat mich letztendlich an das Buch gebunden.
Die Abläufe von Gefahr, Gefangennahme und rettender Flucht in letzter Sekunde wiederholen sich und wirken dadurch etwas unglaubhaft. Gleiches gilt für die "Enttarnung" des Teufels. Bei allem muss immer noch eins "draufgesetzt" werden - das Ende habe ich dann regelrecht herbeigesehnt. Überhaupt hatte ich das Gefühl das vieles unnötig in die Länge gezogen wurde.
Das Buch ist mit verschiedensten historischen Figuren gespickt, wobei Wahrheit und Schicksale auch relativ stimmig mit der Fiktion verflochten wurden. Trotzdem wirkt das Ganze überladen und auf mich einfach zu viel gewollt.
Ehrlich gesagt war ich froh, als ich dieses Buch durchgelesen hatte und kann es auch nicht weiterempfehlen...

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Veröffentlicht am 26.08.2021

Berührender und vielschichtiger Roman über Liebe und Heimatverlust

Das Bernsteinmädchen
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1938. Als die junge Elena den deutschen Matrosen Karl kennenlernt, verlässt sie ihre Heimat Argentinien und folgt ihm in das ihr unbekannte Deutschland. Auf dem Hof seiner Eltern muss sie mitanpacken, ...

1938. Als die junge Elena den deutschen Matrosen Karl kennenlernt, verlässt sie ihre Heimat Argentinien und folgt ihm in das ihr unbekannte Deutschland. Auf dem Hof seiner Eltern muss sie mitanpacken, streng beäugt von der ihr ungesonnenen Schwester Karls. Der zweite Weltkrieg wirft sein Schatten: Karl muss in den Krieg - und fällt. Elena versinkt in Schwermut, aus der sie nicht einmal der gemeinsame Sohn Robert retten kann; sie vermisst die Wärme und Leichtigkeit Argentiniens und den Atlantik, gegenüber dem die Ostsee kein Trost ist.
Über 70 Jahre hinterlässt Roberts Mutter nach ihrem Tod Robert den Auftrag, in die Heimat seines Vaters zu reisen. Noch ahnt er nicht, was diese Reise für ihn alles ändert.
Geschickt sind in diesem Roman die Themen Liebe, Heimat, Familie und Krieg miteinander verwoben. Das Erleben und Fühlen der Protagonisten steht dabei im Vordergrund, während das Weltgeschehen eher eine Art Rahmen für die Handlung bildet. Die einzelnen geschilderten Schicksale, sowohl das Scheitern am Leben, als auch der Mut unbekannte Wege zu gehen, haben mich sehr berührt.
Klare Lese/Hörempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.08.2021

Fesselnd und authentisch aufbereitete Zeitgeschichte

Meines Vaters Heimat
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Nachdem Torkel S.Wächter auf dem Dachboden auf alten Unterlagen seines verstorbenen Vaters stiess, versucht er dessen ihm bisher unbekanntes Leben anhand der Briefe und Tagebuchaufzeichnungen, verbunden ...

Nachdem Torkel S.Wächter auf dem Dachboden auf alten Unterlagen seines verstorbenen Vaters stiess, versucht er dessen ihm bisher unbekanntes Leben anhand der Briefe und Tagebuchaufzeichnungen, verbunden mit der Befragung von Zeitzeugen zu erkunden. Vor ihm entwickelt sich allmählich ein erschreckendes Bild der Geschehnisse, die stellvertretend für das Schicksal Unzähliger im Dritten Reich steht.
Die lebenslange Distanz des Vaters zu seiner ursprünglichen Heimat wird in dem etwas in der Formulierung ungewohnt anmutendem Titel meiner Meinung nach treffend auf den Punkt gebracht. Die gängigere Version "Die Heimat meines Vaters" suggeriert mir ein positives Heimatgefühl. Durch den ausgewählten Titel wird dies jedoch umgekehrt - die (Herkunfts)Heimat durch das Geschehen verschwiegen, bleibt allerdings als nicht zu verleugnende Tatsache bestehend.
Das Schweigen des Vaters darüber wirkt sich auch auf den Autor aus, der dadurch mit seiner eigenen Rolle und Identität (bereits das ganze Leben) verunsichert wird: ist er nun Schwede, Deutscher oder Jude - oder alles - oder von jedem etwas? Die Recherche führt somit letztendlich auch zu einer Selbstfindung.
Erschreckend klar und direkt in der Schilderung hat mich dieses (Hör)Buch sehr stark beeindruckt und gefesselt. Noch lange nach dem Ende klangen diese schrecklichen Erlebnisse in mir nach.
Klare Lese/Hörempfehlung!!!

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