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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2019

Auftakt zu einer wundervollen und berührenden Familien-Saga

Die Glocke im See
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Der Einstieg in dieses Hörbuch fiel mir sehr leicht, treffe ich mit Beate Rysopp quasi auf eine „alte“ Bekannte, welche die Stimmung sehr treffend wiedergeben kann.
Einleitend wird über die Familie Hekne ...

Der Einstieg in dieses Hörbuch fiel mir sehr leicht, treffe ich mit Beate Rysopp quasi auf eine „alte“ Bekannte, welche die Stimmung sehr treffend wiedergeben kann.
Einleitend wird über die Familie Hekne berichtet, deren trauriger Schicksalsschlag Anlass für die Stiftung der sogenannten Schwesterglocken für die Stabskirche waren. Damit wird der Grundstein für einen Mythos gelegt, der eng mit dem Dorf verbunden ist und bleiben sollte.
Die eigentliche Handlung beginnt mit der jungen Astrid Hekne 1880 in Norwegen. Sie ist mir sofort sympathisch. Aber es wird auch gleich deutlich, dass sie von dem Leben im Dorf sehr eingeengt wird und viel zu sehr an der Welt interessiert ist, als um dort zu versauern. Sehr deutlich wird das vieles, was heut für uns (Frauen) so selbstverständlich ist, erst erkämpft werden musste. Immer wieder staune ich bei ihr über ihre direkte Art – fast meint man eine moderne Frau aus unserer Zeit vor sich zu haben
Der neue junge Pfarrer Kai Schwaiggard bringt frischen Wind und Veränderung in die eingeschworene, traditionsbehaftete Gemeinschaft. Er verkauft die alte Stabskirche um für die Gemeinde mit dem Erlös eine neue Kirche zu finanzieren. Und er holt damit Gerhard Schönauer, einen angehenden Architekten aus Dresden in das Dorf, der den Abbau der Kirche überwachen soll, um sie in Dresden wiederaufzubauen.
Nach und nach werden die Charaktere der drei Hauptpersonen Kai, Gerhard und Astrid sehr gut herausgearbeitet. Gerade bei den beiden Männern finde ich es bemerkenswert, dass sie ihren jeweiligen vorgesehenen Plan (unter Berücksichtigung der Gegebenheiten und Ansichten vor Ort, welche ihnen besonders durch Astrid nahegebracht werden) beginnen zu überdenken. Und es entwickelt sich zwischen beiden auch ein Konkurrenzkampf um Astrid…
Dieses Hörbuch berührt vor allem durch die Schilderung des kargen und beschwerlichen Lebens, denen die Einwohner mit einer eigenen Logik begegnen, die für Außenstehende (wie den neuen Pfarrer) auf den ersten Blick unverständlich sind. Das Ausborgen von (guten) Schuhen und Kleidung – ohne die die Kirche nicht aufgesucht wird/werden kann. Das Verständnis zu Tieren, welche (auch aus der Not heraus) nicht gegessen werden. Oder auch der Kampf ums Überleben – mit dem Tricksen bei der Abgabe von Trophäen.
Das Ende ist für mich sehr stimmig – alles andere hätte auch zu kitschig gewirkt. Damit bleibt dieses leise, emotionale und tiefsinnige Buch sich selbst treu.
Auf jeden Fall bin ich auf die Fortsetzung dieser sehr emotional geschilderten Familiensaga gespannt und neugierig. Von mir gibt es dafür eine klare Hörempfehlung!

Veröffentlicht am 06.03.2019

Sherlock Holmes vor dem aktuellen Thema Brexit

Tödlicher Stoff
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Nachdem ich den BBC Sherlock gesehen habe bin ich von der Idee die historische Figur Sherlock Holmes in die Gegenwart zu versetzen sehr begeistert. Der Autorin gelingt dies – für meine Begriffe - in diesem ...

Nachdem ich den BBC Sherlock gesehen habe bin ich von der Idee die historische Figur Sherlock Holmes in die Gegenwart zu versetzen sehr begeistert. Der Autorin gelingt dies – für meine Begriffe - in diesem Buch sehr gut, wobei die „Messlatte“ bei diesen berühmten Vorbildern sehr hoch liegen dürfte, da wohl sehr rasch der Vergleich gezogen wird.
Sherlock ist gewohnt spitzfindig und ich mag seine Kombinationsgabe und sein Resümee zu noch so kleinen Details sehr! Mir geht es dabei wie Dr. Watson (der leider in dieser Geschichte leicht verärgert rüberkommt) und brauche die Erläuterungen zu Sherlocks Überlegungen. Aber auf diese Gedankenspiele muss man natürlich auch erst mal kommen!
Mehrere Obdachlose werden in London tot aufgefunden und es scheint, sie seien eines natürlichen Todes gestorben. Anfänglich kein interessanter Fall für Holmes, der sich lieber mit den sozialen Medien beschäftigt (und auch da setzt er sehr kreativ seine Fähigkeiten ein!)
Letztendlich macht er sich jedoch in die Spur und entdeckt Abscheuliches, woran der Brexit keinen geringen Anteil hat.
Die Auflösung ist für meine Begriffe eindeutig gelungen - damit ist es ein überaus stimmiges Ende und es bleiben keine Fragen offen! Ich gebe gern eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 05.03.2019

Geschehnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart verbunden mit einem traurigen Geheimnis

Das Gewicht eines Pianos
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In diesem Buch werden Geschehnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart mit einem traurigen Geheimnis verbunden. Bindeglied – und meiner Meinung nach auch Schwerpunkt der Handlungen (weshalb vielleicht ...

In diesem Buch werden Geschehnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart mit einem traurigen Geheimnis verbunden. Bindeglied – und meiner Meinung nach auch Schwerpunkt der Handlungen (weshalb vielleicht etwas der Eindruck entsteht, die Charaktere sind zu blass gezeichnet) - ist das Piano. Dies wird bereits auf dem Cover (was auf den ersten Blick nüchtern und streng wirkt) sehr deutlich, in dem durch das rötlich dargestellte Piano der Vorder- und Rückteil verbunden wird.
Im Rußland der 1960er Jahre hat die junge feinsinnige Katya eine ganz andere Beziehung zu „ihrem“ Blüthner, als Clara, eine eher pragmatische junge Frau in den USA, deren Leben bereits von vielen negativen Erlebnisse geprägt wurde. Während Katya die Liebe zur Musik entdeckt (und ohne sie fast nicht leben kann), hängt Clara, selbst unmusikalisch, eher aus nostalgischer Erinnerung an ihre Eltern daran. Bei ihrem nomadenhaften, von Umzügen geprägten Leben ist das Piano jedoch eher ein Ballast, so dass sie beschließt es zu verkaufen. Dadurch beginnt eine schicksalhafte Entwicklung, die die zwei Handlungsstränge zusammenführt und an deren Ende sich der Kreis schließt.
Ich bin sowohl von der Grundidee als auch der Umsetzung in Schreibstil und Beschreibungen begeistert. Beispielsweise aus der Szene über die Herstellung bzw. das „Werden“ des Klavieres spricht so viel Detailtreue, das das Lesen einfach nur Spaß macht. Die Beziehung zur Musik und zu dem Instrument wird dabei sehr deutlich.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und deshalb gebe ich eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 05.03.2019

Eine sehr emotionale Reise in die deutsch-deutsche Vergangenheit

Was uns erinnern lässt
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Die junge Milla findet auf ihrer Suche nach neuen „Lost Places“ im Thüringer Wald nahe des Rennsteiges den vergessenen Keller des ehemals mondänen Hotels „Waldhöh“ und begibt sich auf die Suche nach den ...

Die junge Milla findet auf ihrer Suche nach neuen „Lost Places“ im Thüringer Wald nahe des Rennsteiges den vergessenen Keller des ehemals mondänen Hotels „Waldhöh“ und begibt sich auf die Suche nach den Eigentümern, der Familie Dressel. Dabei gerät sie in eine tragische Familiengeschichte, deren Schicksal durch die Lage in Grenznähe nach der Teilung Deutschlands bestimmt wird. Gleichzeitig erfährt sie mit dieser Familie einen Zusammenhalt, den sie selbst noch nicht erlebt hat.
Bei diesem Buch war ich sofort im Geschehen und von der Handlung gefesselt. Mich begeistert dieses Buch vor allem dadurch, dass es unglaubliche viele Berührungspunkte mit meinem Leben hat. Als geborene Ostdeutsche habe ich das Buch auch immer etwas im Hinblick auf mein eigenes Erleben gelesen – und das war ein sehr schönes, fast „heimatliches“ Gefühl. Oft konnte ich mich selbst oder Situationen wiedererkennen, es tauchten Erinnerungen auf, an die ich lange nicht gedacht hatte. Auch habe ich in Schwarzburg Forstwirtschaft studiert und kann viele (fachlichen) Schilderungen nachvollziehen bzw. bestätigen. Dies zeugt ebenfalls von einer gründlichen Hintergrundrecherche der Autorin.
Besonders möchte ich nochmal den fesselnden und sehr emotionalen Schreibstil von Kati Naumann hervorheben. Die Schilderungen sind so plastisch und bildhaft, dass man fast meint, Teil der Handlung zu sein, selbst durch „Dressels Forst“ zu streifen.
Dieses Buch zieht einen einfach in seinen Bann! Ich war richtig enttäuscht als ich es ausgelesen hatte und es hat auch noch sehr lange in mir nachgeklungen. Deshalb gibt es von mir dafür eine uneingeschränkte Leseempfehlung!!!

Veröffentlicht am 04.03.2019

Zwischenmenschliche Kälte im Kampf um das Eine: das Geld

Eisige Tage
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Ein toter russischer Anwalt, dubioser Unterweltboss und verschwundene minderjährige Mädchen bilden die Grundlagen für ein undurchdringliches Geflecht von verschiedenen kriminellen Taten und Tätern. Sehr ...

Ein toter russischer Anwalt, dubioser Unterweltboss und verschwundene minderjährige Mädchen bilden die Grundlagen für ein undurchdringliches Geflecht von verschiedenen kriminellen Taten und Tätern. Sehr gelungen finde ich die überraschenden Wendungen in dem Geschehen, hatte ich doch recht rasch eine Vorstellung, was hier passiert sein könnte – und lag damit völlig falsch. Es ist sehr erschreckend, auf welche Ideen sich selbst überlassene Jugendliche kommen, um das große Geld scheffeln zu wollen. Über den Inhalt möchte ich nicht zu viel verraten – für meine Begriffe lohnt es sich, dieses Buch selbst zu entdecken.
Mich hat dieses überaus spannend geschriebene Buch sehr gefesselt und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Dazu kommt für mich als Leipziger die Kenntnis zu den Örtlichkeiten die das entsprechende Milieu sehr treffend wiedergeben.
Für dieses Buch gibt es deshalb von mir eine klare Leseempfehlung und ich freue mich schon auf eine Fortsetzung.