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Veröffentlicht am 20.01.2026

Was Musik vermag, wenn Worte fehlen

Für Polina
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Die Mutter von Hannes ist seit der Geburt der Kinder mit der Mutter von Polina befreundet. Für Hannes ist Polina eine Vertraute seit jeher. Er spricht nicht viel und ist verschlossen, sie wiederum spricht ...

Die Mutter von Hannes ist seit der Geburt der Kinder mit der Mutter von Polina befreundet. Für Hannes ist Polina eine Vertraute seit jeher. Er spricht nicht viel und ist verschlossen, sie wiederum spricht viel und ist neugierig auf die Welt. Nur beim Klavier spielen kann Hannes seine Gefühle in Melodien verwandeln.

Sein Talent, Klavier zu spielen, bringt ihn an viele Orte, bringt ihm aber auch Ärger ein. Irgendwann trennen sich die Welten von Polina und Hannes, der mittlerweile in Polina verliebt ist, sie bleiben in Kontakt. Doch dann hört Hannes eines Tages auf Klavier zu spielen, und trägt sie stattdessen umher: er wird Klavierträger, lernt viele unterschiedliche Menschen kennen, kommt fast aus sich heraus, so wie nie zuvor jedenfalls. Doch von Polina hört er kaum mehr etwas, was ihm zu schaffen macht. Und deshalb fasst er einen Plan, wie er sie aufspüren will.

Hannes als Figur kann man begreifen, er kommt trotz Eigenheiten sympathisch rüber, Polina hingegen ist ein Luftibus. Nicht nur die gemeinsamen Jahre in ihrer Kindheit und auch nicht die Liebe zur Musik sind das Verbindende zwischen den beiden, sondern auch ein geschenkter Teppich. Dieses Element hat mir als Teppichhändlertochter besonders gut gefallen.

Dieser melancholische Roman besticht durch seine interessanten Charaktere, die einzigartige Verbindung der Figuren, immer geprägt von leiser Hoffnung. Und es ist auch eine Geschichte über das, was Musik vermag, wenn Worte fehlen.

Fazit: Eine berührende Geschichte über Freundschaften und die erste, nie vergessene Liebe.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Weihnachtliches Schottland

You Make Me Feel Like Christmas
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Emma Bishop hat für ihren Weihnachtsroman erneut den Schauplatz Schottland gewählt. Diesmal keine kleine Insel wie in der "Isle of Mull"-Reihe, sondern eine kleine Ortschaft namens Fairlie - mit einer ...

Emma Bishop hat für ihren Weihnachtsroman erneut den Schauplatz Schottland gewählt. Diesmal keine kleine Insel wie in der "Isle of Mull"-Reihe, sondern eine kleine Ortschaft namens Fairlie - mit einer Bibliothek. Dort arbeiten unter anderem Annie und Sybil, die leider keinen Kontakt mehr mit ihrem Sohn hat. Als sie ins Spital muss, sucht Annie Sybils Sohn Marc, der erfolgreich in London arbeitet und lebt. Er kommt daraufhin in sein Heimatdorf zurück, und möchte sich endlich mit seiner Mutter, die er quasi nicht kennt, aussprechen.

Nun ist die Leserschaft im Vorteil, denn sie kennen beide Sichten, die von Sybil und die von Marc. Annie blickt langsam auch durch, doch pocht sie darauf, dass Marc sich Sybils Schilderung selbst anhört. Doch Sybil muss sich erst noch schonen und so vergehen einige Wochen, die Marc vor Ort verbringt. Er übernimmt einige von Sybils Schichten in der Bibliothek, während die anderen Mitarbeiterinnen versuchen, Annie und Marc zu verkuppeln, was beim Lesen oft zum Schmunzeln führt. Als ob sie nicht von sich aus flirten könnten, aber beide sind nunmal gerne Singles und haben ihre jeweiligen Gründe dafür, trotzdem verbringen sie gerne Zeit zusammen.

Gemeinsam mit Annie und Marc erleben wir die Weihnachtszeit in Fairlie. Marc überlegt sich mit der Zeit tatsächlich, ob es hier nicht doch lebenswerter wäre als in London. Beim Lesen würde man sich jedenfalls sofort für Fairlie entscheiden, denn Emma Bishops Schreibstil beschreibt die Ortschaft, die weihnachtlichen Aktivitäten der Bewohner und deren Zusammenleben stimmungsvoll.

Der Buchtitel stammt von einem Lied, das im Roman eine Rolle spielen wird. Ich hab es mir gleich auf meine Christmas Songs Playlist gepackt und während dem Lesen öfters gehört.

Sehr schön fand ich die vor jedem Kapitel stehenden Zitate, die alle etwas mit Büchern oder Lesen zu tun haben. Das passt hervorragend zu der Geschichte, denn die Bibliothek und das Bücher schreiben nehmen viel Platz ein in diesem kurzweiligen Roman.

Fazit: Ein schöner weihnachtlicher Schmöker.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Grossartig erzählt

Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 1)
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Lange hab ich die Lektüre des ersten Bandes der "Lindt & Sprüngli"-Trilogie heraus gezögert. Doch nach Beenden von "Zwei Familien, eine Leidenschaft" muss ich dafür nicht mehr auf den zweiten Band warten, ...

Lange hab ich die Lektüre des ersten Bandes der "Lindt & Sprüngli"-Trilogie heraus gezögert. Doch nach Beenden von "Zwei Familien, eine Leidenschaft" muss ich dafür nicht mehr auf den zweiten Band warten, sondern kann ihn gleich anhängen und weiterlesen. Das mach ich sehr gerne, denn dieser erste Band hat mir total gut gefallen.

Lisa Graf erzählt die Anfänge von "Lindt & Sprüngli", die Firma, die es so heute nicht mehr gibt, sondern (später auf die Söhne und) in zwei Firmen aufgeteilt: "Lindt & Sprüngli" und "Sprüngli". Die Lindt-Schoggi ist heutzutage weltweit bekannt. Sprüngli ebenso, und zudem - mittlerweile mit vielen Filialen - DIE Adresse in Zürich für höchsten Schoggi-Genuss.

Mit vielen schweizerdeutschen Wörtern versehen macht es enormen Spass die Geschichte von Rudolf Sprüngli zu lesen. Von klein auf hat Rudolf die fixe Idee, Schoggi herzustellen und gibt nicht locker, bis ihm dies gelingt. Dabei hat er einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Die grösste aber ist wohl, seinem sturen und altmodischen Vater Paroli zu bieten und an seinen Ideen festzuhalten. Die Leserschaft ist dabei, wenn Rudolf Katharina kennenlernt und auch bei ihr nicht aufgibt, denn sie ist schon von Kindertagen her seine Auserwählte.

Höchst interessant fand ich auch die Szenen, in denen das alte Zürich beschrieben wird, das sich mit den Jahren unablässig veränderte. Erst konnte der Vater die einfache Bäckerei übernehmen, später lief Rudolf drei Stunden Fussmarsch an der Pfnüselküste entlang zu seiner ersten Schoggi-Fabrik nach Horgen. Es ist heute auch kaum vorstellbar, dass man sich damals über Hotelier Baur lustig machte, der an unbeliebter Stelle ein gehobenes Hotel eröffnete und das Eckhaus in der Nähe Rudolf - für seine Vergrösserung des Ladengeschäfts wie auch für das erste Sprüngli-Café - zum Mieten anbot. Heute ist die Lage piekfein, an der Bahnhofstrasse und direkt am Paradeplatz gelegen.

Betreffend den eingesetzten Dialekt-Wörter möchte ich noch erwähnen, dass ich noch keinen Roman gelesen habe, in der diese so gut gepasst haben und obwohl es deren viele sind, wirken sie nicht wie andernorts aufgesetzt, sondern äusserst passend. Da hat die Autorin nicht nur den Dialekt, sondern auch die historischen Begebenheiten sehr akkurat recherchiert.

Ich kann diesen Band uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein unterhaltender Schmöker für alle Schoggi-, Zürich- und Historien-Fans.

Fazit: Grossartig erzählter erster Teil der Geschichte des traditionellen "Lindt & Sprüngli"-Unternehmen.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Wo kaufe ich jetzt meinen Christbaum?

Lichterzauber in New York
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Die Adventszeit in New York kann man mit "Lichterzauber in New York" von Mary Kay Andrews ganz nahe miterleben. Ihre 34jährige Protagonistin Kerry soll aufgrund eines Spitalaufenthalts des Vaters ihren ...

Die Adventszeit in New York kann man mit "Lichterzauber in New York" von Mary Kay Andrews ganz nahe miterleben. Ihre 34jährige Protagonistin Kerry soll aufgrund eines Spitalaufenthalts des Vaters ihren fünf Jahre älteren Bruder dabei unterstützen, Christbäume in New York zu verkaufen. Schon als Kind war Kerry dabei, als die ganze Familie im kleinen Wohnwagen wohnte und auf "ihrem" Platz ihre Tannenbäume von der eigenen Farm in North Carolina verkaufte.

Schon ewig war Kerry nicht mehr dabei, auch "Spammy", dem kleinen Wohnwagen sieht man das Alter an. Doch in der New Yorker Nachbarschaft wartet man bereits auf die Familie, man kennt und hilft sich. Nur Murphy ist mies drauf, er beschwert sich immer wieder, dass der Verkauf der Bäume nicht so gut wie sonst läuft, aber goutiert die kreativen Bemühungen von Kerry, die zusätzlich Kränze gestaltet und weitere tolle Ideen umsetzt, gar nicht. Dabei kurbelt sie das Geschäft damit an. Dies sind nicht die einzig schlechten News, denn auch andere Baumverkäufer wollen an ihrem Platz verkaufen.

Zum Glück ist da der kleine Austin und der alte Heinz, mit denen Kerry zusammen zeichnet und Spass hat. Auch Patrick, der Vater von Austin, ist ein Highlight in dieser Zeit. Doch Kerry sollte an Weihnachten ja wieder zurück. Nur zurück wohin? Auch ein neuer Job wäre wichtig für sie.

Diese Geschichte über Freundschaft und sich-umeinander-sorgen ist sehr schön erzählt und hat genau die richtigen weihnachtlichen Vibes. Den eigenen Christbaum will man nach der Lektüre am liebsten bei Kerry und Murphy kaufen - was natürlich nicht möglich ist. Man hofft aber, den Baum bei Menschen wie Kerry kaufen zu können und nicht einen Stand wie den von den Brody-Brüdern erwischt.

Die Atmosphäre nimmt einen von Anfang an mit. Tolle Charaktere und der gewohnte mitreissende Schreibstil von Mary Kay Andrews inklusive dem kleinen Geheimnis um Heinz machen diesen Weihnachtsroman zu einer perfekten Lektüre in der Adventszeit.

Fazit: Weihnachtliche Stimmung und gemütliche Lesestunden sind mit dieser schönen Geschichte rund um den Christbaumverkauf garantiert.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

"Alles war genau richtig"

Der Klang von Wind und Wellen
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Im zweiten "Amrum"-Band erzählt Anne Barns die Geschichte von Julia, die nach einer Trennung bei ihrem Grossvater wohnt. Obwohl sie weiss, dass es nicht immer so bleiben kann und sie sich eigentlich eine ...

Im zweiten "Amrum"-Band erzählt Anne Barns die Geschichte von Julia, die nach einer Trennung bei ihrem Grossvater wohnt. Obwohl sie weiss, dass es nicht immer so bleiben kann und sie sich eigentlich eine eigene Wohnung suchen sollte, geniesst sie ihre WG sehr. Doch nach dem Tod ihres Grossvaters soll das Haus auf Geheiss ihrer Tante so schnell wie möglich verkauft werden. Nun ist wirklich Zeit vom Haus Abschied zu nehmen, doch noch kann sie sich nicht entscheiden, wohin sie will. Um Abstand zu nehmen und zur Ruhe zu kommen, gleichzeitig aber auch mehr über die Lebensgeschichte ihres Grossvaters zu erfahren, reist sie mit einem alten Foto nach Amrum.

Julia lernt man sehr gut kennen, sie wirkt sofort sympathisch. Für Leserinnen des ersten Bandes gibt es ein Wiedersehen mit Maren, vorher bereits mit Jella, der Mutter von Maren, und Mattes, den grossen blonden Friesen, in den Julia als Teenie verknallt war, der aber vergeben ist.

Auf Amrum war Julia schon oft als Kind, doch nicht mehr seit sie 15 Jahre alt war. Schnell lernt sie dort neue Menschen kennen, Sönne zum Beispiel oder ihre Herbergsmutter Frau Ingwersen. Jetzt im Spätherbst hat es eh fast keine Touristen mehr, und Julia geniesst das ruhige Leben auf der Insel. Man will ihr verschiedene Jobs andrehen, doch sie entscheidet sich im Naturschutzzentrum Wal-Führungen zu geben, die ihr viel Spass machen. Auch ihr Lieblingshobby Backen kommt nicht zu kurz. Dazwischen sinniert Julia über ihr Leben nach.

Es gibt auch hier wieder einen Vergangenheitsteil. Der spielt ab 1856 und erzählt die Geschichte von Ingeline, Thulke und ihren Töchtern Mina und Hille. Dabei erfährt man sehr viel Informatives über das Leben damals auf Amrum. Für mich hätte es die Vergangenheitsgeschichte nicht gebraucht, sie ist nett, müsste aber nicht unbedingt sein.

Ansonsten hat mir dieser zweite Band spätestens ab dem ersten Drittel schon viel besser gefallen als "Der Duft von Kuchen und Meer", da Julia einfach super sympathisch rüberkommt, nahbar ist und ihre Gedanken und Gespräche auch viel mehr in die Tiefe gehen. Sehr einfühlsam von Anne Barns beschrieben. Es ist eine ruhige, eher stille und sehr sanfte Geschichte, die ich sehr sehr gerne gelesen habe.

Fazit: Um es mit der Protagonistin Julia zu sagen: "Alles war genau richtig! (epub S.175/282)
5 Sterne.

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