Profilbild von Talisha

Talisha

Lesejury Star
offline

Talisha ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Talisha über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2021

Die Queen lässt ermitteln

Das Windsor-Komplott
0

Im April 2016 wird Pianist Maxim Brodsky nach einer Abendeinladung im Windsor Castle in kompromittierender Lage tot in seinem Zimmer aufgefunden - gegen aussen muss dies verschwiegen werden. Der Geheimdienst ...

Im April 2016 wird Pianist Maxim Brodsky nach einer Abendeinladung im Windsor Castle in kompromittierender Lage tot in seinem Zimmer aufgefunden - gegen aussen muss dies verschwiegen werden. Der Geheimdienst findet schnell Verdächtige, doch die Queen glaubt nicht an deren Vermutung, was sie sich heimlich von einem Experten in dieser Frage bestätigen lässt.

Also lässt sie ermitteln. Sie beauftragt ihre stellvertretende Privatsekretärin Rozie Oshodi Erkundigungen einzuholen und gewisse Botengänge zu erledigen. Privatsekretär Sir Simon darf davon aber nichts mitbekommen. Er und viele andere im Palast denken, man dürfe die Queen nicht mit Details zum Mord behelligen. Lilibet wird behandelt, als seie sie weltfremd.

Noch vor der Hälfte erfährt man, dass bereits Rozies Vorgängerinnen von der Queen jeweils Geheimaufträge erhielten, und ebenfalls, dass die Queen es am Ende so darstellen wird, dass andere die Fälle lösten.

Natürlich hat das seinen Reiz, aber dies wird auf eine kühle elegante Art beschrieben. Einerseits passt diese zurückhaltende Art ins Königshaus, andererseits erlebt man eine Queen, die ihre Familie liebt und das Herz am rechten Fleck hat. Ihr Alltag kommt dazwischen: Termine, Veranstaltungen, Besuche von Präsidenten und und und. Die Zeit vergeht, der Fall ist nicht gelöst. Die Ermittlungen kommen nicht vorwärts - die Queen sieht das selbst so -, auch wenn Rozie sehr oft unterwegs ist.

Mir hätte es besser gefallen, wenn die Queen selbst mehr ermittelt und nicht so viel delegiert hätte. Oder zumindest die Ergebnisse mit Rozie diskutiert hätte. Da fehlte einfach etwas mehr Einsatz.

Zudem fand ich die Auflösung des Falles, bzw. den Grund für den Mord, nicht sehr interessant. Ebenso wie er der Queen präsentiert wurde: ein Déjà-vu für die Leser, die ja schon mitbekommen haben, um was geht, es fehlten nur noch ein, zwei Verbindungen oder Namen. Vielleicht wäre das anders, wäre da mehr Dynamik im Schreibstil gewesen.

Ein kleiner Funke Elan war da und zwar immer, wenn Prinz Philipp ins Spiel kam. Die Szenen mit ihm waren witzig, davon hätte ich gerne mehr gehabt. Ausserdem könnte ich ihn mir auch gut als Ermittler vorstellen - zusammen mit der Queen und Rozie, das wär der Hit.

Fazit: Theoretisch ist die ermittelnde Queen eine gute Idee, die Umsetzung haperte aber an der lahmen und spannungsarmen Handlung.
3.5 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2021

Poetisch-zärtliche Melancholie

Pinguine bringen Glück
0

Dass er vor fünf Jahren von seiner Mutter verlassen wurde - damit kommt der fünfzehnjährige Dom mehr oder weniger zurecht. Dass gerade sein Vater verstorben ist - kommt völlig überraschend.

Dom möchte ...

Dass er vor fünf Jahren von seiner Mutter verlassen wurde - damit kommt der fünfzehnjährige Dom mehr oder weniger zurecht. Dass gerade sein Vater verstorben ist - kommt völlig überraschend.

Dom möchte am liebsten nur in Ruhe gelassen werden und noch lieber zurück nach Groix, auf die bretonische Insel, von der er stammt. Dom hat Sehnsucht nach Groix, es ist sein Sehnsuchtsort, der Ort, den er seine Heimat nennt, als ob er nur dort glücklich sein könnte. Ausserdem will er wissen, wer die blonde Frau war, die bei seinem Vater war. Eine schwierige Suche, denn blonde Frauen gibt es viele in der Nachbarschaft.

Doch nun muss er sich vor allem mit seiner blöden Tante Désir herumschlagen, die an seine Wohnung will. Zum Glück hat er noch eine weitere Tante und einen Onkel, die sich für ihn einsetzen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Doms Sicht und die der blonden Frau erzählt. Dom steckt zwischen Trauer, Neugier und Sehnsüchten fest. Der mysteriösen Geliebten, die im Hintergrund bleibt, ergeht es ebenso.

Lorraine Fouchet erzählt in "Pinguine bringen Glück" eine traurige, aber optimistische Geschichte. Mit der ihr eigenen poetischen, zärtlichen Melancholie deckt die Autorin allerhand Geheimnisse auf, auf die man als Leser nie gekommen wäre und die den Roman spannend machen.

Spannungsreich sind auch die Ausflüge nach Groix und die spätere Expedition nach Patagonien. Sie nehmen die Leser mit auf eine Reise, bei der es vieles zu entdecken gibt.

Die Musikliste, die am Ende des Romans beigefügt wurde, hätte ich gerne am Anfang des Romans gehabt, denn dann hätte ich mir vor dem Lesen eine Playlist zusammenstellen können und hätte beim Lesen die passende Musik hören können.

Der Roman ist - wie der letzte Song, der erwähnt wird - letztendlich ein Dank an das Leben ("Gracias a la vida" von Mercedes Sosa), auch wenn es nicht immer leicht ist und oft anders daher kommt, als man es sich wünscht.

Fazit: Eine traurige, aber immer optimistische Erzählung voller Geheimnisse.
4 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2021

RomCom mit viel Com(edy) und wenig Rom(antik)

Mein Glück in deinen Händen
0

Ein kaputtes Kunstwerk, Kuchen-Diebe und eine Hochzeitssaboteurin - das sind die Eckdaten zum neuen Roman von Mary Simses.

Unter einem Vorwand lockt die Mutter Sara nach Hause, wo sie auf ihre Schwester ...

Ein kaputtes Kunstwerk, Kuchen-Diebe und eine Hochzeitssaboteurin - das sind die Eckdaten zum neuen Roman von Mary Simses.

Unter einem Vorwand lockt die Mutter Sara nach Hause, wo sie auf ihre Schwester Mariel trifft. Die ist die letzte, die Sara sehen will, denn Mariel hat Sara den Mann ausgespannt und will ihn in den nächsten Wochen heiraten.

Nun, da Sara schon extra Urlaub genommen hat und zuhause ist und ihre Nerven extrem gereizt sind, übernimmt sie unter Protest die Hochzeitsplanung und versucht so viel wie möglich anders zu machen, als ihre Schwester sich das wünscht. Angefangen von den Brautjungfern-Geschenken bis hin zu der Musikwahl.

Eigentlich wäre das nichts, was ich lesen mag, denn es ein total kindisches Verhalten ist - ja auch in einem fiktionalen Roman. Weil ich dachte, die Autorin könnte es schaffen die Story so zu schreiben, dass sie nicht komplett überzogen wirkt, hab ich den Roman doch gelesen. Leider schaffte Mary Simses es nicht, auf dem schmalen Grat zwischen "grad noch lustig" und "geht gar nicht" zu balancieren.

Es war mir schon fast zu viel, doch dann hat Mary Simses die Kurve grad noch gekriegt, bevor die Story kippte. Aber später setzte sie ein anderes "witziges" Drama drauf, das es in diesem Ausmass nicht gebraucht hätte - ein bisschen entschärft wäre es eine nette Episode gewesen.

Die Geschichte ist also in allem, nicht nur betreffend der Hochzeit, zu übertrieben. Sie ist sehr klamaukig und es hat witzige, aber halt zu viele und vor allem inhaltslose Aufhänger. Ein paar weniger davon, dafür mehr Emotionen, wäre glaubhafter gewesen. Die Gefühle - ausser Saras Enttäuschung und Neid - fehlten mir vollkommen.

Die wären leicht unterzubringen gewesen, denn einige Begegnungen mit alten Bekannten fand ich gut umgesetzt. So richtig sympathisch fand ich niemanden, ausser vielleicht noch den Tierarzt. Ja, den mochte ich am liebsten. Alle anderen kamen entweder zu unbeschwert (die Mutter), zu aufgesetzt (Carter) oder zu still und blass (David) rüber. Figuren tauchten auf und schienen wichtig zu werden, aber dann tauchten sie höchstens noch für eine Handvoll Sätze oder gar nicht mehr auf. Am wenigsten mochte ich Mariel - an Saras Stelle hätte ich eine Hochzeitskarte geschickt und hätte mir einen tollen Urlaub weit weg von Mariel geleistet.

Fazit: Zu viel Drama, Baby. Wer auf übertriebene romantische Komödien ohne Romantik steht, wird es mögen.
3 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.01.2021

Solider Winterroman

Der Glanz einer Sternennacht
0

Kein Dezember ohne einen Karen Swan-Roman! Jedenfalls für mich. Dieser "Weihnachtsroman" von Karen Swan ist aber wie einige ihrer anderen Romane eher ein Winterroman.

Der Roman beginnt Ende November ...

Kein Dezember ohne einen Karen Swan-Roman! Jedenfalls für mich. Dieser "Weihnachtsroman" von Karen Swan ist aber wie einige ihrer anderen Romane eher ein Winterroman.

Der Roman beginnt Ende November und endet am 25. Dezember. Es passiert soviel, da ist die Jahreszeit eher nebensächlich und deshalb überrascht es auch nicht, dass keine Weihnachtsstimmung aufkam - trotz glitzerndem Schneecover.

Die Lornes haben aber auch ganz andere Probleme. Nach dem überraschenden Tod ihres Vaters kehrt die abtrünnige Willow nach Hause zurück. Zum Entsetzen ihrer beiden Schwestern Pip und Ottie erbt Willow die Burg, doch was die beiden nicht wissen: auch jede Menge Schulden. Während Willow zwischen den Stühlen steht - Burg verkaufen oder den Familiensitz retten - und es dabei niemandem recht machen kann, haben Pip und Ottie ihre eigenen Probleme.

Ottie ist Chefin eines Campingplatzes, hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann, von der niemand erfahren darf und kämpft mit Gewissensbissen, denn bei einem Ultralauf verunfallt kurz vor ihrem Streckenposten einer der Läufer.

Die draufgängerische Pip hat einen kleinen Ponyhof und träumt vom Pferde züchten. Deshalb lässt sie sich auf eine verhängnisvolle Wette ein.

In diesem Kontext spielt sich die ganze Geschichte ab, die vielmehr eine Familiengeschichte als Weihnachtsgeschichte ist. Das Setting, eine alte irische Burg ist ja mal ganz nett, aber halt alles andere als bodenständig, auch wenn alle Schwestern für einmal ganz normale Berufe haben.

Zeit für Langeweile gibt es nicht, denn wie anfangs erwähnt, passiert bei jeder der drei Schwestern sehr viel. Humor scheint durch die Zeilen hindurch, so dass ich gut unterhalten wurde.

Fazit: Auch wenn Karen Swan schon bessere, emotionalere, witzigere und weihnachtlichere Romane geschrieben hat, gehört "Der Glanz einer Sternennacht" zu den solideren ihrer Romane.
4 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Wunderschön!

Das Winterkarussell
0

Ich mag Geschichten, die ein aussergewöhnliches Thema haben oder in denen eine spezielle Sache, ein spezielles Ding im Mittelpunkt stehen. Deshalb machte mich "Das Winterkarussell" schon in der Verlagsvorschau ...

Ich mag Geschichten, die ein aussergewöhnliches Thema haben oder in denen eine spezielle Sache, ein spezielles Ding im Mittelpunkt stehen. Deshalb machte mich "Das Winterkarussell" schon in der Verlagsvorschau neugierig, andererseits aber war ich skeptisch.

Das hätte ich nicht sein müssen, denn diese wundervolle Geschichte ist genau nach meinem Geschmack. Im Zentrum der Geschichte steht natürlich das titelgebende Karussell.

Otto blickt in Gedanken, und später auch seiner Enkelin erzählend, auf seine beiden grossen Lieben zurück: ins Jahr 1938 auf seine Erlebnisse mit Lene, die er während seiner Arbeit als Schausteller auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt kennenlernte. Aufgrund der Jahreszahl befürchtete ich, dass der Kriegsbeginn und alles was damit zusammenhängt, viel Raum einnehmen wird. Doch dem ist nicht so und ich kann allen, die wie ich nicht gerne Romane über die Kriegszeit lesen, Entwarnung geben. Glücklicherweise geht es um etwas anderes: das Leben mit seinen Tücken und Überraschungen an sich, teilweise auch in Bezug auf unterschiedliche Gesellschaftsschichten.

Im Gegenwartsstrang, der 1990 spielt, lernt der griesgrämige Otto seine bisher unbekannte Enkelin Antonia kennen. Da es ihr im Jugendheim, in das sie nach dem Tod ihrer Mutter ziehen musste, nicht gefällt, will sie lieber zu ihrem Grossvater. Auch wenn sie ihn nicht kennt und keine Ahnung von seinem Leben in dem kleinen Dorf hat, es dünkt sie allemal besser als im Heim zu bleiben. Langsam nähern sich die beiden an und Otto enthüllt das Geheimnis um das wunderschöne Karussell, das in seiner Scheune steht.

Da ich den Frankfurter Römer von meinen Buchmesse-Besuchen her kenne, konnte ich mir den beschriebenen Weihnachtsmarkt bildlich vorstellen - obwohl die Autorin so lebendig schreibt, dass man sich die Szenerie auch ohne Ortskenntnisse vergegenwärtigen kann. Die Geschichte an sich hat Hand und Fuss, ist glaubwürdig und vor allem wunderschön erzählt.

Trotz des "Weihnachtsmarkts" kann man den Roman auch gut im Januar oder Februar lesen, wenns draussen schön kalt ist. Winterliche Stimmung verbreitet "Das Winterkarussell" jedenfalls spätestens ab der Mitte des Romans. Am Ende der Geschichte hat man bloss einen Wunsch: selbst eine Runde auf dem "alten Mädchen" drehen und dabei einen Becher Apfelwein trinken.

"Das Winterkarussell" hat mich dermassen begeistert, dass der Roman einen Platz auf meiner Jahreshighlight-Liste 2020 bekommen hat, so berührend und warmherzig wie diese aussergewöhnliche Geschichte war.

Fazit: Stimmungsvoll und wunderschön aufs Papier gebrachte Wintergeschichte rund um ein nostalgisches Karussell.
5 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere